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zu schaffen. Zieße er sich abführen von den Soldaten, so würde Dick inzwischen sicher nach dem Vollmond gelangen, und er hätte, wenn sich der Irrtum herausstellen und man ihn als Opfer eines Mißgriffes entlassen würde, noch genügende Zeit, ihn dort aufzusuchen.

,, Was nügt langes dieden," begann ec. Nichts," meinte der Unteroffizier. sa marja) vorwärts! Warst nie in meinen Griffen, mein Bürschchen, das merkt man, würdest sonst nicht mit einem Schritt, wie eine lahme Gans daherkommen!"

Ob man schuldig oder unschuldig ist, an­genehm ist es auf keinen Fall, sich gebunden und baarhaupt zwischen aufgepflanzten Bajo­netten durch die Straßen einer Stadt hin­durchführen zu lassen. Zum Glück war Stephan keiner Menschenseele in Huncheſter bekannt, so daß es ihm nicht gerade allzu nahe ging, als alle Kinder der Stadt ihm johlend, lachend und pfeifend ihr Gefolge gaben. Als er vor dem Goldarbeiterladen vorbei kam, in

dem er vor wenigen Stunden die Ringe ge­fauft, stand der Juwelier auch vor seiner Tür und sah sich lachend den lustigen Zug au. Stephan fühlte sich versucht, obgleich ihm sonst Uebermut fremd war, den Mann zu begrü­Ben, just um ihn in Staunen zu versezen; bei näherem Nachdenken unterließ er es je­doch. Der ehrbare Geschäftsmann mochte es für einen Insult auffassen.

Schließlich ward er in eine Scheune auf dem Hofe eines Gasthofes gesperrt, wo er sich auf eine leere Kornmeze setzte und die Tritte des Postens vor der hinter ihm verschlossenen Tür zählte. Das Abenteuer mußte nun bald sein Ende haben, sagte er sich. Doch wie er die Turmuhr dreimal eine Viertelstunde auf die andere anschlagen hörte, ward er unge­duldig. Das währte ihm denn doch ein wenig lange! Und er schlug mit seinen Fäusten au die Tür.

Sie, lieber Freund," rief er zu der Schildwache hinaus, wie lange soll ich noch hier eingesperrt bleiben?"

Schlucken. Offenbar hatte er der Flasche mehr als nötig zugesprochen.

Der Unteroffizier trat vor und sagte kurz und bündig aus:

Deserteur, Herr Major- Richard Black­dorn mit Namen aus Kapitän Raleigh's Kompanie, eingereiht lezten Freitag in Hils­burg, davongelaufen heute früh auf dem Marsche, in Buchenbüschen gefangen von mir."

Indes, es erfolgte feine Antwort- viel­leicht, daß es einem Posten verboten war, sic) mit einem Gefangenen zu unterhalten. Doc) als die Stunden verrannen und nichts, nichts geschah, höchstens daß dann und wann der Posten vor seinem Scheunentor abgelöst wurde, fing sich seine Ungeduld in eine gewisse Besorgnis zu verwandeln an. Wie lange mochte Dick nun schon in dem Halbmonde sein? Und wer weiß, welches Unheil er, so lange sich selbst überlassen, schon wieder dort angerichtet haben mochte? Denn Pferde mußte es selbstverständlich in einem Gasthofe geben und Weiber auch!

Der Schein spricht gegen mich, ich gebe es zu," erklärte Stephan. Allein ich ließ mich nimmer anwerben und heiße ebenso wenig Richard wie Blackdorn. Mein Name ist Stephan Harlow und ich bin Disponent einer Hypothekenbank in Millport="

Endlich ward jedoch seine Tür aufgemacht und beim Schein einer Laterne denn es war inzwischen Zwielicht geworden ward er über den Hof in ein Gasthofszimmer ge­führt, das wie ein Klubzimmer eingerichtet war. Und beim Licht zweier flackernder Ker­zen erblickte er sich in Gesellschaft dreier Herren in Scharlach- Uniform mit Epauletten, Schärpen und Federhüten. Dieselben saßen

vor einem mit Akten und Weinflaschen be­ladenen Tisch, während der irländische Ser­geant, der ihn eingefangen, stumm und fer­zengerade an der Türzarge stand.

Der älteste und imposanteste der drei Offiziere warf einen raschen Blick auf den Gefangenen.

Was will der Kerl sein?" starrte ihn einer der Offiziere groß an.

Papperlapapp," meinte der Major, mag er sein, was er will. Wir haben keine Zeit, uns lange mit ihm aufzuhalten und fönnen auch nicht unnötig Leute verlieren. Drum, meine Herren Stameraden- ohne lange zu fackeln der Mann ist schuldig der Desertion; er erhält fünfzig Rutenhiebe vor versammeltem Regiment und damit basta!

Ihren Rapport, Sergeant!" sagte er. Und machen Sie es kurz."

Er bekam bei den letzten Worten ein die Feierlichkeit der Szene entschieden störendes

Fünfzig Meilen, indes ein Brief

,, Q, ein Brief würde viel zu lange dauern. Wir stechen morgen in See. Also bleibt es bei meinem Urteil."

Stephan fing an, in die höchste Angst zu geraten. Diesen Ausgang hatte er nicht vor­ausgesehen, als er dem richtigen Deserteur seine Sachen geborgt. Das war ein entsez­licher Lohn! Da kam ihm noch im letzten Mo­ment ein glücklicher Gedanke.

,, Verzeihung, Herr Major," ſagte er. ..Wenn ich auch in der Stadt unbekannt, so bin ich jedoch hier in der Umgegend bekannt. Ich bin befreundet mit einem hochangesehe nen Mann, der in der Nähe begütert ist. Wenn ich ihn herbeirufen könnte

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"

Einer der Offiziere flüsterte dem Major, der den Gefangenen mit ärgerlichem Blid maß, etwas ins Ohr. Sie sind ein langmei­liger Kerl," meinte er, wer und was Sie auch sind. Viel Freude werden Sie Ihren Vorgesetzten nimmermehr machen. Daher wünſchte ich fait, sihre Angaben beſtätigten sich und ich könnte Sie entlassen. Federflech­ter brauchen wir nicht aeaen die Franzosen, wir brauchen Männer. Und mun, Sergeant,

Hus Deutsch- Südwestafrika: Militärftation Daicamgab bei Swakopmund. ( Photographische Aufnahme.)

Haben Sie gehört, Grenadier Richard- oder wie Sie sonst heißen? Und lassen Sie es sich gesagt sein, sind wir erst drüben über dem Meer, steht Todesstrafe darauf."

Stephan starrte entsetzt vor sich hin. Um Himmels willen, Herr Major, ich bin doch aber der Mann nicht."

,, So beweisen Sie es. Sie sagten, Sie wären eine Art von Bankier. Aber wenn Sie es beweisen wollen, machen Sie schnell. Wir können uns ihretwegen nicht versäumen."

Stephan pflegte Briefe, Pässe und Atteste bei sich zu führen, die seine Identität mehr als nötig bewiesen. Aber zum Henker das alles war mit seinem Rock nach dem Halb­mond gegangen! Und er konnte voll Ver­zweiflung nur fonstatieren, daß ihm sein Portefeuille abhanden gekommen.

sorgen Sie dafür, daß der Brief des Kerls pünktlich bestellt wird. Inzwischen, meine Herren nicht wahr. noch ein Fläschchen!"

Das Rendezvous im Halbmond war da. mit für den Tag unmöglich geworden. Stephan erhielt eine Feder und ein Fläsch­chen voll schimmeliger Dinte und beim Licht einer Stalllaterne schrieb er auf der Korn­mege:

Lieber Herr Marrell! Ein übereifriger irischer Segeant hat mich als Deserteur arre­tiert. Ich werde mit einem anderen Mann verwechselt. Und das Schlimmste an der Sache ist, daß das Regiment unverzüglich auf den Kriegsschauplatz ausrückt. Kommen Sie, bitte, morgen früh nach Hunchester her­über und stellen Sie meine Identität fest. Aber kommen Sie ja. Es ist eine sehr ernste Sache. Wenn Sie hier sind, will ich Ihnen erklären, warum ich mich mit dieser meiner Bitte nicht an die Blackdorn's gewandt. Sie sollen weiter nichts hier tum, als daß Sie im Ochsen" dem Major Henderson erklären, daß Sie mich fennen als Ihren ganz er. gebenen

Das ist Ihr Pech," meinte der Vor­ſizende des Kriegsgerichts. Trotzdem sollte es mir leid tun, einen Irrtum mit Ihnen zu begehen. Ihren Kapitän kann ich leider nicht mehr zur Stelle berufen. Derselbe hat sich bereits mit seiner Mannschaft eingeschifft. Aber noch eine Chance will ich Ihnen geben. Kennt Sie Jemand in diesem Nest- Hun­Als er dies Schreiben ausgefertigt und chester heißt es ja wohl?" Leider nicht. In Millport jedoch bin ich dem Unteroffizier zur Beförderung über­geben hatte. mußte er nichts Besseres zu tun. ein allgemein bekannter Mann." ,, So? Wie weit ist es von hier nach Mill- als sich auf das Heu niederlegen und von port?" jeiner Sitty zu träumen, bis sich das Morgen,

erzielung gunnger Senjuren wirst, anstatt, daß man auch noch das persönliche Moment zur Hilfe nimmt und das jugendliche Gemüt dazu aufreizt, nicht bloß gute Zensuren zu erzielen, sondern auch noch seinen Nebenbuhler zu über­flügeln. Vielleicht wird der bedauerliche Berliner Fall in Fachkreisen auch von dieser Seite aus einmal betrachtet

Soweit die beachtenswerte Zuschrist. Interessante Auf­schlüsse über den Seelenzustand des Knaben vor der un­seligen Tat gab seine eigene spätere Aussage. Er hatte, als an ein und demselben Vormittag die zweite Maßregelung erfolgte, bevor er sich heruntersette, einem Mitschüler zuge­flüstert: Was wird denn nun meine arme Mutter dazu sagen?" Dann so erzählt der Junge ist vor dem Zeichnen die große Pause gekommen, ich hatte gerade das Messer aufgeklappt, um meinen Bleistift zu spiken, als der Lehrer rief: Alle herunter!" Ich ging aus der Bank und sah, daß der Lehrer, der nach Hause gehen wollte, an mir vor­überkommen mußte. Da bin ich heruntergesprungen." ,, Und hast ihn mit dem Messer gestochen?"" Das weiß ich nicht. Dann ist mir meine Mutter eingefallen und meine Geschwister, und da habe ich zu schreien angefangen. Der Lehrer hat sich nach mir umgedreht und gesagt: Junge, du bist wohl verrückt geworden?" Ich habe ihn darauf gefragt: Darf ich mich wieder Zweiter seßen?" Man sieht die fire Idee, die sich nur um den einen Punkt, die vermeintliche Schande des Heruntergeseztwerdens dreht.

Der Krieg in Oftalien.-

Die Russen, die in diesen Tagen ihr Hauptaugenmerk darauf richten, den Hafen von Port Arthur gegen er­neute Angriffe von seiten der Japaner möglichst zu sichern,

Stephan Harlow."

geringes Maß reduziert wird. Damit reanen denn auaj die Japaner stark, deren sehr günstig gelegene Kohlen­werke die japanische Flotte mit völlig ausreichenden Kohlen­mengen versehen können, die allerdings der englischen Kohle an Wert nicht gleich sind, aber doch vollständig genügen, um die Manövrierfähigkeit der japanischen Flotte in jeder Weise zu sichern. In russischen Marinekreisen hegt man die größte Besorgnis, daß das Hilfsgeschwader, bestehend aus dem Panzerschiffe Deliaba" und den Kreuzern ,, Dmitri Donskoi" und" Aurora", begleitet von zehn Torpedobooten und einem Kohlentransporte, dem Dampfer Saratow", das sich jetzt noch im Indischen Ozean befindet, abgefangen wird. Die Gefahr für diese Schiffe beginnt nämlich schon auf dem Breitengrade von Formosa, den Pescadoren und den Liu- kiu- Inseln, in deren Buchten wohl zahlreiche japa­nische Torpedokreuzer ihre Beute erwarten werden.

Neue russische Verstärkungen zur See,

die sich vom heimischen Ostseehafen Kronstadt aus nach Ost­asien begeben sollen, werden selbstverständlich auch mit großen Schwierigkeiten betreffs der Kohlenversorgung zu kämpfen haben, da sie ihre Kohlenvorräte in neutralen Häfen nur soweit ergänzen dürfen, daß sie imstande sind, den nächsten russischen Hafen zu erreichen. Deshalb sind die Japaner stets in der Lage, ihre Bewegungen zu kontrollieren und ihnen einen Hinterhalt zu legen. Die Aufsicht, die die Engländer am Suezkanal üben, ist äußerst streng. Das österreichische Kohlenschiff Java", das für einen Kohlen­transport nach Port Arthur gemietet war, ist auf Anweisung des Auswärtigen Amtes in Kairo für ein Schiff der krieg­führenden Mächte erklärt worden und sollte sofort den Hafen Port Said verlassen. Das Schiff löschte daher die Kohlen. Ebenso bat die äavotische Regierung das Ersuchen Rußlands

13. Jahrgang.

nspaltige Betitzeile für ganz Ob 1d Marburg 10 Pfg. fonft 15 g Betitgeile 30 rep. 40 g.

igsliste No. 3269.

1: Gießen, Seltersweg 88 jauschluß Nr. 362.

fen

fung)

und Umgebung

n Oberheffen.

Torpedodootszerstorer, der am ort Said eintraf, dort in Dod tal die Vergünstigung der schnellen aiser Wilhelms- Kanal wird die n. Unsere Regierung hat sich der Ben können, daß wir als neutrale Beg jetzt nicht gestatten dürfen. gilt als deutsche Binnenwasser­n kriegführender Staaten ebenso­. wie Landtruppen durch einen dürfen. Die russische Verstärkung, eldungen aus den drei Panzer­nder III." und" Suwaroff", sowie 1 Transportdampfer Samschatka" omirals Wesselago besteht, mußte zeitraubenden Umweg durch das

r die Mandschureifrage.

ing der chinesischen Diplomatie, ert haben, kann nicht besser ge­urch einen Brief, den der schlaue nach Unterzeichnung des Pefinger jen hat. Wenn wir die Mand­erlassen, so kalkulierte der chine­garnichts, weil dann die Japaner werden, und wenn sich dann die Rußland, an der Grenze zwischen i berühren werden, und jeder der t versuchen wird, die Grenze auf r hinauszuschieben, dann werden jen; scheint es dann im Falle Japan den fürzeren ziehen, dann allen Kräften, Japan vernichten. ins dann die Russen sicherlich die nd Korea für sich behalten. Sieht Rußland im Kriege mit Japan vir einfach die russischen Truppen mustreiben, indem wir vorgeben, erden auf diese Weise ohne große üderhalten. Jetzt die Mandschurei sehr schwer. England legt großes cei, aber daran brauchen wir uns ind mit Gewalt nichts ausrichten itral, Frankreich sieht aus weiter chweigt still." Lihungtschang hat ie heutige Situation ziemlich flar

r Reichstag.

CB Berlin, 13. Februar. über freie Aerztewahl, Kassen­sich endlos weiterspinnt, wurde gung durch Wahlprüfungen chaltsam war das Zwischenspiel Braun( Soz.), Wahlkreis Frank­Kommission für ungiltig zu er­ial nachträglich beinebracht worden eber( 3tr.) Zurückweisung der ( prüfungsfommission. Darüber de geredet, worauf der An­nommen wurde. Sodann kam das

schon zu Tode gehetzte Kapitel Reichsgesundheitsamt" wieder an die Reihe. Die Debatte ist weder interessanter noch belangreicher als gestern. Höchstens wäre die Aus­einandersetzung zwischen dem Sozialisten Stadthagen und dem Freisinnigen Mugdan zu erwähnen. Ersterer behaup­tet, die Zahl der Toten und Verwundeten in der Industrie sei im letzten Jahre mit 120 000 größer, als die der Ge­samtzahl der Toten und Verwundeten im deutsch- franzö­sischen Kriege auf deutscher Seite. Abg. Mugdan weist die maßlosen Uebertreibungen des Vorredners zurück. Die Sozialdemokraten überschütteten die bürgerlichen Parteien mit den heftigsten Vorwürfen und seien doch selbst die größten Feinde aller Sozialpolitik. Das war der Clou" der heutigen vierstündigen Sitzung!

Die Politik.

Wenn nicht alle Zeichen trügen, ist der Zehnstunden­Arbeitstag im Anzuge; vorläufig allerdings bloß für er­wachsene Arbeiterinnen. Der Bunderat hat bereits den Einzelstaaten anheimgegeben über diese Frage Erhe­bungen anzustellen. Als Grundzüge sind hierbei angenom­men worden die Herabsetzung der zulässigen täglichen Arbeits­zeit von 11 auf 10 Stunden und am Vorabend der Sonn­und Festtage auf 9 Stunden. Bei Bewilligung von Ueber­arbeit soll die tägliche Arbeitszeit an Wochentagen 12 Stun­den und am Vorabend von Sonn- und Feiertagen bei Ar­beitsschluß spätestens Uhr 9 Stunden nicht überschreiten. Die Beschäftigung von Wöchnerinnen soll vor Ablauf von sechs Wochen nach ihrer Niederkunft überhaupt nicht und während der folgenden zwei Wochen nur dann gestattet wer­