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folgenden 1500 Doppelzentner 11 Mark, für die folgenden 2000 Doppelzentner 12 Mark und für die folgenden 13 Mark. Die letzteren Steuersätze sollen mit dem 1. Ja­muar 1905, die übrigen Bestimmungen des Gesezentwurfes mit dem Zeitpunkt der Verkündigung des Gesetzes in Kraft treten.

Recht unerfreuliche Nachrichten kommen aus Deutsch­Südwestafrika. Nach einer Meldung des Gouvernements in Windhuk wird eine Erhebung der Herero- Bevölkerung für möglich gehalten. Bisher ist es freilich zu offenen Feindseligkeiten noch nicht gekommen. Gemeldet sind An­sammlungen bewaffneter Herero- Abteilungen von mehreren hundert Gewehren bei Okahandja und Otjosuhu. Zur Ver­fügung stehen an weißen Streitkräften im Nor­den ca. 400 Mann, die mobil gemacht sind, mit einem Ge­birgsgeschütz und drei Maschinengewehren. Die Besatzung von Okahandja ist auf 90 Mann und die von Windhuk auf 100 Mann gebracht.

Eine außerordentlich zeitgemäße und verständige Ein­richtung ist in Württemberg getroffen worden. Dort sind zwischen dem Krankenkassenverband und den Aerzten mit Unterstützung der Regierung Schiedsgerichte geschaffen worden, die unter dem Vorsize eines vom Ministerium des Innern ernannten Beamten aus je vier Vertretern der Aerzte und der Krankenkassen zusammen­gesetzt sind und entstehende Streitigkeiten zu entscheiden haben. Ueber diesen Schiedsgerichten, die in Stuttgart, Ludwigsburg, Reutlingen, Ellwangen und Ulm ihren Sitz haben, steht noch eine Art Ober tribunal, eine Landes­kommission, die aus je fünf Vertretern der Aerzte und Krankenkassen unter Vorsitz eines Regierungsbeamten be­steht und deren Spruch die streitenden Parteien endgiltig bindet. Das Ministerium des Innern hat zu Vorsitzenden dieser Schiedsgerichte die jeweiligen Vorsigenden für Ar­beiterversicherung und zum Vorsitzenden des Landesschieds­gerichts den jeweiligen vortragenden Rat für soziale Gesetz­gebung im Ministerium bestimmt.

Im Reichspostetat ist bekanntlich auch für die Poſt­beamten in den östlichen Provinzen die Gewährung einer Ostmarkenzulage in Aussicht gestellt worden. Jetzt ist aus dem Oberpostdirektionsbezirk Danzig eine von Beamten und Unterbeamten der Poſt und der Telegraphenverwaltung unterzeichnete Petition an den Reichstag gerichtet worden, in der um Gewährung der Ostmarkenzulage gebeten wird. Italien.

In Rom haben jetzt die Handelsvertragsverhandlun­gen zwischen den deutschen und italienischen De­Tegierten begonnen. Der ersten Besprechung wohnten mehrere Minister bei; sie wurde mit einer Rede des italie­nischen Ministers des Auswärtigen, Tittoni, eröffnet, worin dieser die Hoffnung aussprach, daß die ausgezeichneten poli­tischen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien durch fruchtbare wirtschaftliche Beziehungen noch befestigt werden möchten.

frankreich.

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res und der Marine statt. Der Ministerpräsident war durch Krankheit am Er­scheinen verhindert. 3u geſtern waren die alten Staats­männer und die Minister in den Palast berufen. Das sähe in der Tat nach Krieg aus. Indessen da das Reuterbureau die Meldung verbreitet, muß man ihre Angaben durch zehn dividieren, um ungefähr das richtige zu treffen. Außer in London glaubt man überall an eine Besserung der Lage. So erklärte gestern im französischen Ministerrate der Mi­nister des Aeußern Delcassé, aus den letzten Nachrichten über den russisch- japanischen Konflikt ergebe sich, daß die Lage sich zu bessern scheine. Sonst liegen irgend welche Nachrichten von Belang heute nicht vor.

* Man scheint allmählich auch in Frankreich gegen dis­ziplinlose Offiziere andere Saiten aufziehen zu wollen. Kürzlich meldeten wir, daß sich der pensionierte Divisions­general Cornulier in einem Schreiben an den Kriegs­minister darüber beschwert habe, daß er entgegen dem bis­herigen Brauch nicht zum Korpsfommandanten ernannt worden sei. Wegen dieses in grobem Tone abgefaßten Be­schwerdebriefes wurde jetzt gegen Cornulier vor einem Dis­ziplinargericht verhandelt. Der General war nicht erschie­nen. Der Gerichtshof entschied mit 3 gegen 2 Stimmen, daß die Pensionierung des Generals in schlichten Ab­schi e d umzuwandeln sei. Das wird wohl seine abschreckende Wirkung nicht verfehlen.

Rufsland.

Afrika.

Zum erstenmal ist es den Briten gelungen, dem tollen Mullah einmal gehörig zur Ader zu lassen: Nach so vielen und zum Teil empfindlichen Schlappen hat eine englische Abteilung einen Sieg über den tollen Mullah" errungen, der von großer Bedeutung für den schließlichen Ausgang des Krieges sein kann. Eine nach London gelangte amtliche Depesche aus Aden berichtet: General Egerton griff mit 2200 englischen und 1000 eingeborenen Truppen 5000 Derwische bei Dschid­balli an, die anscheinend die Hauptmacht des Mu II ah bildeten. Der Feind ging zum Angriff vor, er­griff aber die Flucht, als er in der Flanke und in der Front beschossen wurde. Die englische Kavallerie verfolgte der Feind 10( englische) Meilen weit. Die Verluste der Mullahleute werden auf 1000 Mann geschätzt. Viele Gefangene und 400 Gewehre fielen den englischen Truppen in die Hände. Die englischen Verluste betragen 41 Mann. Davon sind 2 Offiziere tot, 9 Offiziere ber­wundet, einer wird vermißt. Es bleibt abzuwarten, ob diese Meldung den Tatsachen entspricht. Britische Truppenführer pflegen die Bedeutung ihrer eigenen Erfolge und die Größe der Verluste des Feindes immer durch ein starkes Vergröße­rungsglas anzuschauen.

Die jüngst erwähnten Arbeiterunruhen in Kamenskoi waren, wie sich jetzt herausstellt, außerordentlich bedrohlich und umfangreich. Die Ursache der Unruhen, an denen sich nicht weniger als 10 000 Arbeiter beteiligten, waren Lohn­herabsetzunge in der Kamenskojer Waggonfabrik. Die Ar­beiter zertrümmerten die fertigen Waggons und die Werk­itätten und legten Feuer an die Fabrik, von der ein Teil niederbrannte. Aus Jekaterinofam gingen zwei Ba­taillone Infanterie nach Kamenskoi ab. Doch waren bei ihrem Eintreffen die Unruhen bereits beigelegt und die Arbeit teilweise wieder aufgenommen.

Balkan- Staaten.

Einen eigenartigen Trick, die in der Abreise der aus­ländischen Diplomaten liegende Blamage für den serbischen Hof zu bemänteln, hat König Peter angewandt. Aus Bel­grad wird gemeldet: In einem unter dem Vorsiße des Kö­nigs abgehaltenen Ministerrat wurde beschlossen, den üb­lichen Neujahrsempfang bei Hofe diesmal ausfallen zu lassen. Heute( Mittwoch) begibt sich der König mit den Mi­nistern nach Topola, wo der Sylvesterabend verbracht wird. Am Neujahrsmorgen erfolgt die Rückkehr nach Belgrad. Man muß gestehen, daß dieser Verzicht auf die Neujahrs­cour das gescheiteste war, was Peter tun konnte. Ein Neu­jahrsempfang ohne alle fremden Diplomaten hätte ihn auch in den Augen seines eigenen Volkes gedemütigt.

Türkei.

Hof und Gesellschaft.

Vom Aufenthalt des Kaisers in Bres: I au wird noch gemeldet, daß der Monarch am Morgen des gestrigen Tages den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts hörte. Dann fand Frühstückstafel statt, zu der der Ober­präsident Graf von Zedliß und Trüßschler und der Kom­mandierende General des IV. Armeekorps von Wohrsch ge­laden waren. Um 11 Uhr wurde auf Befehl des Kaisers die Garnison alarmiert; daran schloß sich eine Parade auf dem Schloßplay. Der Kaiser schritt zunächst die Fronten ab und ließ dann sämtliche Truppen in Eskadron- bezw. Kompagnie­front einmal vorbeimarschieren. Zuerst kamen die Küras­siere, es folgten die Infanterie, die Artillerie und dann das Train- Bataillon. Nach dem Vorbeimarsch rückten die Trup­pen sofort unter klingendem Spiel in die Kasernen zurück; auf dem Schloßplate fand eine Paroleausgabe statt.

Noch ist das Frühjahr nicht da, wo die Bandenbewe­gung in Mazedonien wieder einsetzen sollte, und schon durch­streifen wieder einzelne Bandentrupps das Land. In der Umgebung von Occhrida tauchten plößlich vier bedeutende Banden auf, die bereits mehrere Zusammenstöße mit tür­fischen Truppen hatten. Die Bauern schließen sich, durch Obdachlosigkeit und Hunger dazu getrieben, den Banden an. Auch geht das Gerücht, daß in Komanowa ein Pulver­depot von Aufständischen durch Dynamit in die Luft gesprengt wurde. Türkische Truppen sind bereits zur Verstärkung abgegangen, andere werden aus Asien erwartet. Alien.

Im Gegensatz zu allen sonst vorliegenden Nachrichten melden Londoner Blätter, die dortige japanische Gesandt­schaft habe eine amtliche Depesche aus Tokio erhalten, welche besage: Rußlands Antwort sei ganz ungün­stig und könne von Japan nicht angenommen werden. Japan werde, wenn Rußland nicht von seinem Standpunkt zurückgehe, gezwungen sein, schleunig zu den Waffen zu greifen. Die Meldung klingt nicht eben wahrscheinlich, ebensowenig eine andere, die das Reuterbureau berbreitet und die besagt: In Tokio fand eine Besprechung des Rats der alten Staatsmänner" mit den Ministern des Aeußeren, der Marine, der Finanzen, und

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** Der Freiherr v. Seefried, der Gemahl der Prinzessin Elisabeth von Bayern, Tochter der Erzherzogin Gisela, wurde in den Grafenstand erhoben.

Heer und flotte.

Festungskommandantur Wilhelmshaven. Angesichts der Bedeutung Wilhelmshavens für die Marineverwaltung wird Dort eine Festungskommandantur eingerichtet. Der bekannte Kapitän Gülich, früher Marineattaché in London, wird Festungskommandant in Wilhelmshaven.

§ Die Liebesbriefe Luises von Koburg. Das Wiener Be zirksgericht hatte sich gestern mit einer eigenartigen Affaire zu beschäftigen. Der frühere Oberleutnant Geza Mattäsich, der vom Kriegsgericht s. 3. zu mehrjähriger schwerer Kerter­strafe verurteilt wurde, weil er Wechsel auf den Namen der Prinzessin Luise von Koburg gefälscht habe, verklagt das Militärgericht auf Herausgabe der Liebesbriefe, die ihm die Prinzessin s. 3. geschrieben hat, und die ihm bei seiner Verhaftung abgenommen wurden. Die Briefe waren seit der Verurteilung des Oberleutnants beim Gericht deponiert. Die Prinzessin erklärte, sie habe keine Einwendung gegen die Herausgabe der Briefe zu machen. Ihr Kurator war aber dagegen. Wegen dieses Widerspruches wurde die Verhand­lung vertagt.

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§ Die Minnefahrt des Kürassiers. Ein Urteil des Hallen. ser Kriegsgerichts gegen den Kürassier Otto Rückler aus Hal­berstadt wird allen Baterlandsverteidigern, die gewohnt sind, bei ihren Schätzen ohne Bewilligung der Herrschaft zu speisen, einigen Schrecken einjagen. Otto Rückler hatte ein: Braut, die bei dem Major v. Horn als Köchin diente. Otto besuchte seine Mirna bisweilen und mit besonderer Wonne dann, wenn es bei Majors was Gutes zu essen gab. Einmal war Otto auch in der Burschenstube zu Besuch, wo er sich mit Genehmigung der Frau Major beim Tellerabtrocknen nütz­lich machte und dafür Butterbrot und Bier bekam. Indes die Besuche in der Küche gefielen Majors nicht und der unvor­sichtige Rürassier ließ sich fassen. Der 12jährige Sohn von Majors überraschte ihn; Otto suchte sich zwar eiligst hinter dem Rücken seiner Minna zu verbergen, aber das wäre wohl kaum einem schwächlichen Husar, geschweige einem großen breitschultrigen Kürassier gelungen. Der Major erstattete Anzeige und so verhandelte denn das Kriegsgericht gegen den verliebten Vaterlandsverteidiger. 13 Tage Gefängnis sind der Lohn für die Minnefahrt in Majors Küche- wegen Hausfriedensbruäs!

Kriegervereine und Sozialdemokratie. Der Vorstand des preußischen Landes- Kriegerverbandes hatte vor einigen Monaten zwei Kriegervereine des Kreises Landeshut in Schlesien, Schwarzwaldau und Rothenbach, aus dem Lan­deskriegerverbande ausgeschlossen, weil sich herausgestellt hatte, daß ein Teil der Mitglieder Sozialdemokraten waren. Diese Maßnahme hat auf die betreffenden Vereine einen iefen Eindruck gemacht. Auf Veranlassung der Vereinsvor­tände sind die betreffenden sozialdemokratischen Mitglieder teils freiwillig aus dem Verein ausgeschiedn, teils sind sie von den Generalversammlungen der Vereine ausgeschlossen vorden. Nachdem die Vereine die ausgeschlossenen sozial­Demokratischen Elemente ausgeschlossen hatten, und nachdem Die Vorstände Vorbeugungsmaßregeln getroffen haben ,,, durch die sie das Eindringen ungeeigneter Mitglieder für die Zu­Sunft sicher verhindern können", hat der Vorstand des Landes­friegerverbandes den Antrag auf Wiederaufnahme beider Bereine Folge gegeben.

Aus dem Gerichtssaal.

§ Die erste gerichtliche Folgeerscheinung des Crimmit­schauer Streiks. Das Crimmitschauer Schöffengericht ver­urteilte den Geschäftsführer der Crimmitschauer Filiale des deutschen Tertilarbeiter- Verbandes, Albin Hecht, wegen Be­leidigung von 75 Crimmitschauer Fabrikanten, verübt durch ein Anfang September vorigen Jahres erschienenes Flug­blatt, zu zwei Wochen Gefängnis und den üblichen Neben strafen. Der Färbereibesizer Selbmann wurde wegen Be leidigung des Hecht zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt.

Tödliche Mißhandlung eines Schülers. Vor dem Bar mer Schwurgericht begann der Prozeß gegen den Oberlehrei Prof. Deditius wegen tödlicher Mißhandlung des Schülers Walter Busche. Ueber die Vorgeschichte des Prozesses haben wir s. 3t. ausführlich berichtet. Der von Deditius miß handelte Schüler, der 13jährige Quintaner Walter Busche war hinterher an Gehirnhautentzündung erkrankt und, nach gestorben dem vollständige Erblindung eingetreten war, Nach beendeter Beweisaufnahme vor der Strafkammer hatte der Staatsanwalt sechs Monate Gefängnis beantragt. Dei Gerichtshof erklärte sich aber nach längerer Beratung fün unzuständig, da die Möglichkeit vorliege, daß der Tod die ursächliche Folge der Mißhandlung gewesen sei. Die Sache mußte daher vor das Schwurgericht verwiesen werden.

§ Der Prozeß wegen Veraubung des verunglückten Renn fahrers Albert vor der Mainzer Strafkammer endete mit der Freisprechung des angeklagten Hauptmanns der Land, wehr Mayer.

Nab und fern.

Ueber ein Reiseabenteuer des griechischen Kronprinzen, das ihm auf seiner letzten Inspektionsreise passierte, brir­gen athenische Blätter interessante Berichte. Der Kron­prinz benutzte, um nach Chalkis auf Euböa zu gelangen, die neu erbaute Eisenbahn Piraeus- Athen- Chalfis, die aber noch nicht dem Verkehr übergeben ist. Es waren noch nicht alle Beamten ernannt, und vor allem fehlten die nötigen Bahnwärter, was zu dem Geschehnis beitrug. Der Hof­zug setzte sich von Athen aus in Bewegung und hatte eine gute Strecke zurückgelegt, mehr als 20 Kilometer, da flog durch das geöffnete Wagenfenster ein Stein hinein, und zwar dicht am Kopf des Kronprinzen vorbei. Man hob den Stein auf; er war mit Papier umwickelt, auf dem mit Bleistift geschrieben stand: Beim 50sten Kilometer ist Gefahr! Achtung!" Natürlich wurde sofort der Zugführer benachrichtigt und der Zug ging nur bis zum Anfang des 49ften Kilometers weiter, wo Halt gemacht wurde und man die Strecke aufmerksam untersuchte. Man ging bis zum 50sten Kilometer und noch eine Strecke weiter und fand wirklich, daß dort eine ziemlich bedeutende Boden­fenfung stattgefunden hatte. Inzwischen war auch der Ar­beiter, der am frühen Morgen den Schaden entdeckte und dem Zug über 15 Kilometer entgegen gegangen war, her­angekommen. Er hatte mit dem Steinwurf den Zugführer benachrichtigen wollen, aber das richtige Fenster verfehlt. Der Mann wurde für seinen Diensteifer belobt und be lohnt, und der Kronprinz kam wohlbehalten nach Chalkis, von wo er zu Schiff weiter reiste.

§ Nachspiel zu den Reichstagswahlen. Die Straffammer des Königsberger Landgerichts verurteilte den Schneidemüller Carl Eisenberger aus Königsberg zu einem Monat Gefäng nis, weil er bei der Reichtagsstichwahl auf Grund zweier ihm irrtümlich zugesandter Wahleinladungskarten in zwei Be zirken, einmal als Arbeiter, das andere Mal als Schneide müller, gewählt hatte.

Zu einem Massenausstand kam es in der Bremer Jute­spinnerei und Weberei in Hemelingen. Vierhundert Ar­beiter sind dort wegen Differenzen mit der Fabrikfleitung aus­ständig, doch ist Aussicht vorhanden, daß der Zwist bald eine friedliche Lösung finden wird.

zwei Personen verbrannt. Durch die Explosion einer Petroleumlampe entstand in einem Hause der Rosenstraße zu Oldenburg ein Zimmerbrand, bei dem zwei Frauen, eine Witwe Meller mit ihrer 19jährigen Tochter, elend um­famen. Es wird vermutet, daß die Erplosion auf die oft gerügte böse Angewohnheit mccher Hausfrauen zurückzu­führen ist, auf die brennende Lampe Petroleum nachzu­Jießen.

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Der Roman cines Deserteurs. Der Kommandantur in Spandau hat sich jetzt ein Fahnenflüchtiger gestellt, der vor nahezu 7 Jahren von der Tsziplinarabteilung des Garde forps aus dem Fort Hahneberg entwichen war. Vor unge. fähr 9 Jahren trat der damalige Unteroffizier- Schüler Sta nislaus Niedbalsti beim 4. Garderegiment z. F. ein. Er beging Mißhandlungen von Untergebenen und wurde zu 9 Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt. Die Strafe verbüßte er in Spandau und wurde darauf für den Rest seiner Dienstzeit der Disziplinarabteilung überwiesen. Von hier entfloh er und führte 3 Jahre lang ein un­stätes, an Not und Entbehrungen reiches Leben, bis er in Luxemburg festen Fuß faßte. Er bekam dort Arbeit in einem Hüttenwert und rückte vom Lohnarbeiter zu besse­ren Stellungen auf. Vor drei Jahren heiratete er seine Jugendliebe aus der westpreußischen Heimat und lebte glück­lich und frei von Sorgen. Aber die Sehnsucht nach Deutsch­land ward immer größer, und vor vier Wochen gab er seine einträgliche Stellung auf, um die Strafe wegen Fahnen­flucht abzubüßen und seiner Militärpflicht zu genügen. Der Mann zog mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Kin­dern nach Berlin, wo Verwandte seiner Frau ansässig sind, und nachdem er seine Familie für die schwere Zeit, die ihm jetzt bevorsteht, materiell gesichert, stellte er sich der Militär­behörde in Spandau.

Der Landwirt.

wr. Ursprungszeugnisse für Rinder. Der preußische Land­wirtschaftsminister ist nach Anstellung näherer Erhebungen zu der Ansicht gelangt, daß die Ursprungszeugnisse für Rind­oieh in ihrer jezigen Form ihrem Zwecke nicht entsprechen und schon deshalb fast wertlos sind, weil sie eine Vertauschung der Rindviehstücke, für welche die Zeugnisse bestimmt sind. leicht ermöglichen. Von verschiedenen Seiten ist angeregt, die Zeugnisse ganz, abzuschaffen, wie z. B. auf den Märkten in Hamburg, Köln, auf dem Magerviehhof in Friedrichs felde bei Berlin u. s. w. Ursprungszeugnisse schon jetzt nicht mehr verlangt werden. Der Minister hat Berichte darüber eingefordert, ob die Zeugnisse polizeilicherseits als entbehr. lich angesehen werden, wenn nicht, so steht er Reformvor schlägen entgegen.

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