Ausgabe 
11.6.1904 Erstes Blatt
 
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den Hasen plötzlich unter. Das Schiff hatte auf der Werfk gelegen und war ausgebessert worden, aber man hatte ver­aessen, zwei große Löcher, die man geöffnet hatte, zu schließen. 500 Arbeiter wurden auf dem Dampfer über den Hafen ge­fahren, als man plötzlich bemerkte, daß das Schiff anfing, zu sinken. Der Kapitän steuerte schnell auf ein anderes Schiff los, das im Hafen lag, und so gelang es, die 500 Mann zu retten. Vom Dampfer selbst war schon in drei Minuten nicht 3 mehr zu sehen.

Eine kolossale Sprengung mit Dynamit wurde behufs Regulierung der Donau in der Nähe von Wien vorgenom­men. Unter Anwendung von nahezu 12 000 Kilogramm Dynamit wurde die 130 Meter hohe und 300 Meter lange Wand des Greifensteiner Steinbruchs in die Luft gesprengt. Es wurden in das harte Gestein vorerst drei Minen ein­gelegt, die 20, 25 und 27 Meter tief in den Fels hinein­reichen und in Minenkammern enden, die 165 Zentimeter breit und 185 Zentimeter hoch sind. Am 1. Juni waren diese Arbeiten beendigt und am 5. Juni wurden die Kam­mern unter Gendarmerie- Assistenz und unter Anwendung aller nur erdenklichen Vorsichtsmaßregeln mit je 3900 Nilo­gramm Dynamit Nr. 2 geladen. Dieses Riesenquantum Dynamit wurde nun zur Explosion gebracht, und zwar auf elektrischem Wege mittels zweier getrennten Zündleitungen. Ungeheure Steinmassen brachen unter dumpfem Getöse in sich zusammen, wäbrend weitbin der Erdboden erzitterte. Statt der erwarteten 250 000 Rubikmeter Gestein förderte die glücklich durchgeführte Sprengung jedoch nur etwa die Hälfte. Geladene Gäste verfolgten von einem Schiffe mitten in der Donau das imposante Schauspiel.

frivole Lebensauffaffung.

CB In einer der unwirtlichsten Gegenden von Berlin, die schon in ihrer Szenerie zum Schauplatz von schauerlichen Vorkommnissen gestempelt ist, wurde vor einigen Tagen in einem Schiffahrtskanal der Rumpf einer weiblichen Person gelandet, und wenige Tage darauf fand man in der Sand­müste der Jungfernheide die halbverkohlten Gliedmaßen nebst einem tombalenen Ehering in einem Aschenhaufen. Da der Kopf der Ermordeten fehlt, so kann nur die Vermißtenliste zur Ermittelung der Unglücklichen herangezogen werden, und als einziger Wegweiser für die Feststellung der Personalien dient dann ein winziger fleiner Leberfleck. Man muß sagen, die Mörder haben gut gearbeitet, um die Spuren ihrer Tat zu verwischen; trotzdem aber kann sie das Verhängnis er= eilen, denn dent menschlichen Scharfsinn und dem logischen Gedankengang lönnen sie keine Grenzen ziehen. Wird die Ermordete festgestellt, dann wird die weitere Frage sich er­heben: Wer haite an ihrem Tode ein Interesse?

Schon ickt hat die Behörde Vermutungen über das Motiv der Tat, die vielleicht augenblicklich noch leicht wiegen können, aber doch niit ganz gegenstandslos sind. Die Unglückliche befand sich nämlich im Frühstadium der Mutterschaft, und es ist nach den ärzilichen Besund nicht ausgeschlossen, daß sie einem Versuch zum Verbrechen gegen das keimende Leben zum Opfer gefallen ist oder daß ihr Liebhaber sie als fünf­tighin lästig für ihn einfach geraltsam aus dem Wege geräumt hat. Wir würden also hier wieder vor einer der unheilvollsten Erscheinungen unserer modernen Zeit stchen, die in allen Gegenden und in allen Schichten der Be­völkerung wie der schwarze Tod ihre regelmäßigen Opfer fordert. Erst jüngst wurde auch aus Frankfurt gemeldet, daß im Walde bei Oberrad ein junger Mann seine frühere Geliebte, die Mutter seines Kindes, zu ermorden suchte, um sich der Verantwortlichkeit für die Folgen des Umganges zu entziehen. Es ist leider eie traurige Wahrheit, daß die gegenwärtige Gesellschaft in zunehmendem Maße von der Sucht nach dem rein materiellen Lebensgenuß ergriffen wird und daß das sittliche Verantwortlichkeitsgefühl schwindet. Die moderne Welt lebt, um zu genießen, anstatt idealen Zielen nachzustreben und den Wert der Persönlichkeit in dem Grade der Leistungen zu sehen. Wenn aber die Fri­volität der Gesinming zu unbequemen Konsequenzen führt, dann entsteht bei solchen modernen Kulturpflanzen entweder der Lebensüberdruß daher die zahlreichen Selbstmorde over, wenn der persönliche Egoismus überwiegt, es werden die unbequemen Persönlichkeiten, die moralische Ansprüche zu stellen haben, mit einem Harifiri aus der Welt geschafft. Für­wahr ein kurzes Verfahren, aber ein entsetzliches Zeugnis für den frivolen Geist meiter Kreise.

zusehends

An der Entwickelung dieser Zustände sind vielfach, das ist nicht zu leugnen, die Eltern selbst schuld. Schon in der Kinderstube wird häufig der erste Seim zu einer materiellen und genußfrohen Lebensauffassung gelegt, in der pomp­haften Ausstattung der Spielgeschenke und in der systema­tischen Aufzucht des Kleider lurus. Außerdem werden, wenn man solche unerfreulichen Erscheinungen auch meist nur in Großstädten, an kleineren Plätzen seltener sieht, schon die Kinder zu den Stätten der Vergnügungen und Lustbarkeiten mitgenommen und für das vorzeitige Erwachen eines Liebes­frühlings mit allen seinen Freuden und Gefahren haben solche nachsichtige Erzieher manchmal nur ein wohlwollendes Lächeln, anstatt, was vielfach heilsamer wäre, zur Rute zu greifen. Die moderne Kultur hat auch das Kind bereits hellsehend gemacht; aber auch die Jugendgeneration des 20. Jahrhunderts braucht, trotzdem sie mehr an die Deffent­lichkeit hervortritt, als die früheren Generationen, zur gei­stigen und sittlichen Reife den Zeitraum, den ihr die Natur gesetzt hat. Will man den frivolen Geist der Zeit bannen, dann muß das Elternhaus die Jugend wieder zu ihrer Naivi­tät zurückführen und in sittlicher Strenge zu einer idealen Lebensauffassung und zu ernſtem Streben erziehen, nicht aber schon in dem Kindesherzen die Gier nach frivolem Lebens­genuß erwecken.

Vermischtes.

[ Elefantenwürstchen".] Wie aus Gent berichtet wird faufte ein dortiger Schlachtermeister von dem zoologischer Garten das Fleisch eines getöteten Elephanten und verar beitete es schleunigst zu Frankfurter Würstchen". Er fonnt dabei nicht weniger als 3800 Pfund Würstchen fabriziaren die mie warme Semmeln weggingen". Das vierzig Pfun schwere Herz des Elefanten verkaufte er scheibenmeise alg Kuriosität. Alle, die von dem Fleisch gekostet hatten, erklär ten es als eine Delikatesse....

[ Die größte Station für drahtlose Telegraphic,] die bisher jemals errichtet worden ist, wird bis August oder September dieses Jahres in der Nähe von Pisa vollendet werden. Die Gebäude werden ganz aus Stein aufgeführt. Einschließlich der für die Aufstellung der Maschinen und anderen Apparaten erforderlichen Zeit wird sich die Fertig­itelluna noch etwas länger hinziehen, so daß man die Muf.

nahme des Betriebes für den Anfang des nächsten Jahres er­partet. Nach der zunächst liegenden Ortschaft wird die Sta­tion den Namen Coltano tragen. Ihre Bestimmung ist eine durchaus ungewöhnliche, denn man erwartet von dort aus in Verkehr treten zu können mit Großbritannien, Holland, den Vereinigten Staaten und Canada, sowie mit sämtlichen Schiffen auf dem Mitelländischen Meer, der Ostsee, dem Roten Meer, mit dem Atlantischen und Indischen Ocean! Noch nie ist also die drahtlose Telegraphie einer so weitgehen­Den Prüfung unterzogen worden, wie sie ihr auf der neuen Station bevorsteht.

[ Die Hochzeit des Wunderrabbis".] Mit großem Prunk wurde zu Sadagora in der Bukowina die Hochzeit des dortigen im Geruch der Heiligkeit stehenden Wunder­rabbis" gefeiert. Ein österreichisches Blatt meldet darüber aus Sadagora: Schon seit den frühen Morgenstunden weist das Städtchen ein festliches, hier nie gesehenes Gepräge auf. Alle Häuser sind mit Fahnen reichlich geziert, namentlich aber die dem Palast des Wunderrabbis nahe liegenden Gebäude. Der Palast selbst ,, ächzt" förmlich unter der Schwere der De­forationen, in die er getaucht ist. Der Zuzug der Fremden aus allen benachbarten Gegenden, selbst aus Rußland und Rumänien, hat schon in den ersten Nachmittagsstunden die Zahl von mehr als 10 000 Personen erreicht und unablässig rollt ein Wagen nach dem anderen in das Städtchen, so daß

[ Das gelobte Land für Wetterpropheten] ist Amerika. Selbst im staatlichen Wetterbureau in Washington gibt es Gelehrte, die an einen gesetzmäßigen Verlauf des Wetters glauben und es für möglich halten, beispielsweise am 1. Juli genau das Wetter für jeden Tag des Monats nach Tempe­ratur, Regenfall und allen anderen Verhältnissen, die für Handel und Wandel, Landwirtschaft, Gartenbau u. s. w. in Betracht kommen, vorauszusagen. Diese Leute haben es jetzt erreicht, daß beim Senat der Vereinigten Staaten ein Gesetz­entwurf eingebracht worden ist, der einen Preis von 100 000 Dollars dem aussetzt, der das Wetter während eines halben Jahres für jeden Monat voraussagt. Für die Voraussage des Regenfalls sollen außerdem noch 50 000 Dollars be­milligt werden.

eine ernste Besorgnis für die Sicherheit des Zebens etnge­treten ist. Die Trauungsfeierlichkeiten fanden um halb sechs Uhr nachmittags in der Mitte der Straße unter einem reich gezierten Baldachin statt. In unmittelbarer Nähe ist eine Tribüne errichtet, auf der viele Offiziere der in Zuczka statio­nierenden Eskadron des 10. Husaren- Regiments, sowie zahl­reiche Beamte aus Czernowiß mit ihren Frauen Plas genom­men haben. Der Aufstieg zur Tribüne ist nur gegen Ein­trittsfarten gestattet. Eine große Menge Neugieriger hält die Dächer besetzt. Auf den Straßen wimmelt es und das Spalier droht jedesmal durchbrochen zu werden. Zuz Naf rechterhaltung der Ordnung ist eine Garde, bestehend aus 30 Mann, gebildet, die die Uniformen altösterreichischer Offiziere tragen. Auch viele Personen in russischen und rumänischer Nationaltrachten sind hier zu sehen. Als Brautführer funk­tionierten die Eltern des Brautpaares. Die Braut selbst fonnte nur mühsam den zeremoniellen Gang um den Bräuti­gam rücklegen, so dicht gedrängt standen die Teilnehmer.

[ Das Geheimnis des St. Lorenz".] Auf ein etgen­artiges Naturphänomen macht ein wissenschaftliches Fach­blatt aufmerksam. Seit einigen Jahren bemerken die Küsten­bewohner von Cap Breton( Neuschottland) im Frühling, wenn die Eisstauung am stärksten zu sein pflegt, rätselhafte große Lichter auf dem Eise zwischen East Point( Prinz Edward- usel) und Cap Breton und zwar stets an derselben Stelle. Um diese Zeit tönnte sich möglicherweise ein neu­fundländischer Robbenjägerdampfer im Eise befinden, von ihm das Licht herstammen, aber dieses Jahr waren erwiesener­maßen keine solche Scheffe daselbst auf der Jagd, und trotz-. dem waren die eigentümlichen Erscheinungen wieder deutlich sichtbar, sie blieben eine Zeit lang stehen und bewegten sich dann langsam in westlicher Richtung fort, bis sie dem Auge entschwanden. Das Merkwürdige an der Sache ist aber nun die von vielen Augenzeugen bestätigte Tatsache, daß diese oder doch sehr ähnliche Lichter auch im Herbſie auf dem offenen Wasser im St. Lorenz- Golfe zwischen Cap North( Cap Bre­ton) und der Miramichi- und Chaleur- Bay zu erscheinen pflegen; manchmal nehmen sie die Form eines brennenden Schiffes an, nanchmal die einer nach allen Seiten sich aus­breitenden Feuergarbe. Schon oft haben Schiffe auf dieses Phantom Jagd gemacht, stets ohne Erfolg, denn niemals Counte man den so nahe erscheinenden Lichtern bezw. Feuern auf den Leib rücken, immer blieben sie so meit entfernt, wie bei Beginn der Jagd. Die Küstenbevölkerung nennt diese Erscheinungen, mangels einer anderseitigen Erklärung, nur anfach das Geheimnis des St. Lorenz". Hessischer Landtag. Erste Kammer.

10. Sigung am Freitag, den 10. Juni. Präsident Graf von Schlitz gen. Görg eröffnet die Sigung 10 Uhr 15 Min.

Die Regierungsvorlage, betreffend Entwurf eines Gesetzes, die Abänderung des Artikels 227, Absatz 1 des Polizeistrafgeseges( Störung der Sonntagsfeter und des Gottesdienstes) in der Fassung des Gesetzes vom 1. Juli 1892 betreffend, wird nach Debatte gegen 5 Stimmen genehmigt.

Bezüglich der Vorstellung einer Anzahl homöo­pathischer Aerzte über das Dispenfierrecht derselben tritt die Kammer dem Beschluß der Zweiten Kammer bet, ebenso bezüglich der Vorstellung der Kreisstraßenwärter des Kreises Alsfeld, die Dienstverhältnisse derselben betr.

Die Regierungsvorlagen, betr. Entwurf eines Feld­strafgesetzes und betr. Entwurf eines Forststrafgeseßes und bet. Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung des Ge­setzes, das Verfahren in Forst- und Feldrügesachen betreffend, finden in der Ausschußfassung Annahme.

Der Antrag des Freiherrn Heyl zu Herrnsheim, betr. Einstellung der Korbflechteret in den Gefangenen­anstalten, wird für erledigt erklärt, nachdem der Antrag­steller die Verhältnisse geschildert und um eine wohl­wollende Behandlung der Angelegenheit gebeten hat. Justizminister Dr. Dittmar und Ministerialrat Braun schildern die regierungsseitig getroffenen Maßnahmen zur Besserung der Verhältnisse.

Die Vorstellung des Wirts Heinrich Heinz zu Mainz, betreffend Wiederaufnahme der Strafsache Heinz­Pankraz, wird für erledigt erklärt.

Hierauf vertagt sich das Haus auf unbestimmte Zeit.

Lokales.

Wwerben. Die Anm genden ber Prüfu Hotelfache Anfragen gewiefen, daß 28 altung der pratti in den einzelnen Brüfungsfommiffio unlichft Rechnung kich felbftändig ma

11. Juni 1904. Prinzessin Heinrich ist erst gestern Vormittag, wohlbehalten in Wolfsgarten angekommen und vom Groß­herzog empfangen worden. Hierzu wird uns noch mitge­teilt, daß die hohen Herrschaften mit dem Schnellzug 802 Uhr in Gießen durchfuhren. Der Prinz Sigismund jah recht munter aus, er trug wie immer einen Matrosenanzug. Prinz Heinrich ist am Nachmittag mit Automobil auf Schloß Wolfsgarten eingetroffen.

bie Prüfung abzul gierzu beftellten Ro fift, fein Gewerbe a feinen nicht zu unt Hourd die Führung ift, der den Nachw aber auch feitens pratifdem wie au etwas verlangt wi Aund Fertigteiten i

** Die neuen provisorischen Schalter am Bahnhof Gießen, welche seit dem 1. Juni in Benutzung sind, lassen durch das viele Gebält noch den erforderlichen gründ­lichen Ueberblick vermissen; z. B. könnte die dort angebrachte Uhr( ein Regulator) wohl einen besseren Plaz erhalten. Ferner tommt es noch vor, daß viel Publikum in Unkenntnis der vorgenommenen Umänderung erst nach den alten Billet­schaltern läuft. Ist sür Reisende die Zeit furz bemessen, so kann dies unangenehme Folgen haben.

Unfall. Gestern nachmittag follidierte ein Fuhr­werk, dessen Pferd durch die Regimentsmusit scheu geworden war und den Seltersweg herunter raste, unterhalb der Kreuzung der Liebigstraße mit einem Automobil und einen Bäckerwagen, wodurch die beiden Fuhrwerfe etwas beschädigt, aber der Kutscher des durchgegangenen Pferdes durch den Anprall an den Bäckerwagen auf die Straße geschleudert wurde. Glücklicherweise kam derselbe mit einigen leichteren Verlegungen davon, sodaß er, nachdem ihm in der Klinik ein entsprechender Verband angelegt worden war, sich nach Hause begeben konnte.

wird, beweift ber Beprüften 12 nid nächst nochmale Intereffe einer wi wendig ift, daß Meifterprüfung un aud eine Aufgabe famtheit, die gepr Aufträge und burd und zu fördern. daß die unbefugte bis zu 150 Mart Der 42. 23 und Arebitbe Donnerstag in angehörenden Gend darunter 3 von

X Stadttheater Gießen. Ta die Zeit zur Ent­scheidung drängt, werden alle Interessenten gebeten, sich bald. möglichst in die Abonnementsliste einzuzeichnen. Auch bei Herrn Ernst Challier werden jederzeit Abonnements. bestellungen entgegengenommen. Es ist wohl mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß nach dem schönen Erfolge der Bettelstudent"- Aufführung sich genügende Beteiligung am Abonnement finden wird. Da als zweite Vorstellung die Aufführung des Zigeunerbaron" geplant ist, so dürfte es interessieren, daß das Nauheimer Ensemble unit diesem Werke in Marburg einen durchschlagenden Erfolg erzielt, der den des Bettelstudent" noch übertraf.

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-ch- Das gestern im Garten des Neuen Saalbau" zu Gießen veranstaltete Boettge- Konzert hatte sich, wie vorauszusehen war, eines sehr guten Besuches zu erfreuen. Die mit den verschiedenen Nationalinstrumenten vorgetragenen Musikstücke gelangten durchweg musterhaft zum Vortrag und ernteten reichen Beifall. Besonders hervorzuheben ist der von den Herren Dunkler und Schubart vorgetragene Ober­ländler Steiermart". Der Vortrag von: Galizien, Lied und Marsch für eintönige fupferne Hörner, übertraf alle Erwartungen. Auch die Jagdmusit Nieder- und Ober­Desterreich", wobei eine große Anzahl der Musiker mit Hift­hörnern ausgerüstet war, verdient hervorgehoben zu werden. Weiter trug der von der Kapelle mit Begleitung von Zither, Mandoline, Guitarre und Xylophon vorgetragene Männerchor ,, Tirol und Kärnthen" zur Verherrlichung des Abends viel bei. Den Schluß des Programms bildete das schöne ,, Wien bleibt Wien", worauf sich Herr Direktor Boettge, veranlaßt durch den reich gespendeten Beifall, zu zwei weiteren Zugaben herbeiließ. Leider fing es vor Beginn der letzten Nummer des Programms an zu regnen, sodaß die Besucher des Kon­zertes, welche sich nicht mit Regenschirmen bewaffnet hatten, wohl taum trocken nach Hause gekommen sein werden.

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[ Das Zirkus- Theater Wallenda,] größter transportabler Variété. und Miniatur- Zirkus, hat sich für einige Tage hier angesagt. Dem Unternehmen geht ein guter Ruf voraus. Es bietet in seinen Nummern, nach Berichten aus den von ihm zuletzt bereiften Städten, das neueste und beste seiner Branche. Ein Besuch der Vorstel­lungen, die am Sonntag Nachmittag 4 Uhr beginnen, ist daher sehr zu empfehlen.

n. Das Fahnen weihfest des Gardevereins Gießen wird bei dem Gros der Gießener Bevölkerung großes Interesse erwecken, schon deswegen, weil Kaiser Wilhelm dem Verein die Führung des Gardesterns in seiner neuen Fahne verliehen hat. Das Ehrenmitglied des Vereins, Herr Professor Dr. Biermann, hält die Weihe- und Festrede. Eine s hr große Zahl auswärtiger Kriegervereine und Gäste werden kommen, darum wolle unsere Bürgerschaft, wenn auch schon wieder diese Bitte an sie gerichtet wird, die Häuser recht aufmerksam schmücken. Die Fahnen heraus und gezeigt, daß ein jedes derartiges Fest immer in Gießen eine entsprechend würdige Unterstüßung findet.

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Der Wirt des Schiffenberg Restaurant, Herr Karl Lynder ist am Donnerstag Abend im Alter von 64 Jahren verstorben. Unsere Ausflügler nach dem Schiffenberg werden ihn sehr vermissen.

R. B. Am 20. d. I. wird in Oldenburg eine von der Reichsbankhauptstelle in Bremen abhängige Reichsbank­nebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Girover­fehr eröffnet werden. Wechsel auf Oldenburg, welche nach dem 19. Juni fällig sind, werden von jetzt ab von der Richsbant angekauft.

H.-K. Die Meisterprüfungen im Handwerk. Im Laufe des Sommers finden bei den 3 Meisterprüfungs­fommissionen im Großherzogtum Hessen wieder die Prüfungen zur Erlangung des Meistertitels im Handwerf nach § 133 der Reichsgewerbeordnung statt. Es sei hier darauf aufmerksam gemacht, daß alle Diejenigen, welche sich nach dem 1. Oftober 1901 selbständig gemacht haben, die Meisterprüfung ablegen müssen, wenn sie den Meistertitel( Schreinermeister, Maurermeister, Bäckermeister 2c) führen wollen. Eine andere Art der Erwerbung desselben, wie vielfach an­gennmmen, etwa durch Verleihung oder Berechtigung zur Führung, wenn jemand eine Reihe von Jahren sein Geschäft selbständig betrieben hat, gibt es nicht, nur durch Ab­legung der Meisterprüfung fann der Meistertitel erworbeu

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