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Nr. 84.

bonnementsprets: in Gießen, abgeholt monatlich 50- Pfg., Deus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertel­fährlich Mr. 1.50.

Bonttobetingen: Oberheffifche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich).

Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Montag, den 11. April 1904.

Gießener

13. Jahrgang.

Jusertionspreis: Die einspaltige Betitzelle für ganz O Hessen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg Ferusprechanschluß Nr. 362.

Neueste Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Unabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weylar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Das Reich und die Kaffenarztfrage.

Die Kämpfe zwischen Aerzten und Krankenkassen, unter denen z. St. viele deutsche Städte schwer zu leiden haben, scheinen, so beklagenswert sie an und für sich sind, doch etwas gutes zeitigen zu sollen. Wie unser Berliner CB.- Mitarbeiter an zuständiger Stelle erfährt, trägt man sich in Regierungs­freisen ernstlich mit dem Gedanken an eine reichsgesez­liche Regelung der Kassenarzt frage.

Auf Grund seiner Informationen entrollt unser Mit­arbeiter folgendes Bild von den Absichten der Reichsregierung: Bekanntlich hat der Abg. Becker dem Reichstag bereits einen Antrag unterbreitet, der die Regelung der Beziehungen zwischen Krankenkassen und Aerzten durch ein besonderes Ge­set verlangt. Wie verlautet, wird die Regierungsvorlage einen ähnlichen Weg vorschlagen, wie Abg. Becker: Die Vor­lage soll die Einsetzung von Schiedsgerichten, aus Vertretern der Kassen, der Aerzte und unparteiischen Dritten bestehend, fordern. Man will nicht auf dem Wege der Gesetzgebung ein Arztsystem, wie etwa die freie Arztwahl, oder noch weniger die Höhe des ärztlichen Honorars firieren. In allen solchen Fragen soll das unparteiische Schiedsgericht bei Differenzen auf Anruf intervenieren. Das Schiedsgericht würde auch imstande sein, die lokalen Verhältnisse zu würdigen, und es würde Erhebungen anstellen über die strittigen Punkte, die, weil sie bis jetzt einseitig entweder von den Krankenkassen oder von den Aerzten angestellt wurden, nicht allseitig Ver­trauen fanden. Da die Kostenfrage bei diesem Schiedsgericht feine Rolle spielt, so ist nicht einzusehen, warum sich die Krankenkassen dagegen sträuben sollten, denn sicher würden diese Schiedsgerichte die Gegensätze in derselben Weise aus­gleichen, wie es die gewerblichen Schiedsgerichte tun. In Baden und Württemberg ist bereits der Anfang damit ge­macht worden.

Im Anschluß hieran ein paar Daten über den Stand der jüngsten Kassenkonflikte: Die sächsische Regierung beginnt ire Haltung in dem Leipziger Krankenkassenkrieg allmählich zu ändern. Sie bereitet sich offenbar zu einem Ein= fchreiten gegen die Kasse vor, die der Verpflich­tung, 75 Distriktsärzte anzustellen, nicht hat nachkommen fönnen. Zwar hat in einer der letzten Sigungen der zweiten Kammer der Ministerpräsident v. Meßsch die Kasse in Schutz genommen, aber er hat zugleich erklärt, die Regierung müsse nach dem Gesetz gegen die Kasse vorgehen, wenn diese ihre Verpflichtungen gegenüber den Kassenmitgliedern nicht er­füllen könne. Dies ist, wie gesagt, der Fall, und die Ver­teidigung der Kasse durch den Ministerpräsidenten war ledig­

lich ein Rückzugsgefecht. In sächsischen Regierungskreisen wird denn auch bereits offen erklärt, es sei kein Zweifel, daß die von der Ortskrankenkasse beschaffte ärztliche Versor­gung unzureichend sei und die Aufsichtsbehörde über kurz oder lang für eine genügende Zahl von Aerzten sorgen müsse. Das kann, wie die Dinge liegen, nur bei Bewilligung der Forderungen der streikenden Aerzte gescheher.

Der Herero- Hufftand.

In Berliner amtlichen Kreisen erwartet man, wie unſer Berliner CB- Mitarbeiter uns schreibt, mit ziemlicher Gewiß­heit für die allernächste Zeit einen Hauptschlag des Expeditionskorps gegen die Herero, deren Hauptmacht bei Oganjira steht. Eine kleinere Hereroabteilung steht bei Okatumba, und Zweck und Ziel der jüngst gemeldeten Trup­penbewegungen nach Otjosasu scheint zu sein, die Herero zu stellen. Nur so erklärt man sich in amtlichen Kreisen den Vormarsch Leutweins, und deshalb rechnet man mit Sicher­heit auf ein größeres Gefecht, vielleicht sogar eine entschei­dende Schlacht. Ja, es ist nicht unwahrscheinlich, daß dieses Treffen bereits am Freitag oder tags darauf ge= liefert worden ist.

Ueber die

militärische Situation

ist folgendes festzustellen: Die Hauptabteilung des Expedi­honsforps unter Oberst Dürr- 30 Offiziere, 612 Mann, 8 Geschüße und 6 Maschinengewehre ist am Donnerstag= nachmittag von Okahandja ostwärts nach Otjosasu_aufge­brochen. Otjosasu liegt 36 Kilometer von Okahandja ent­fernt. Nur wenige Kilometer östlich von Otjosasu liegt Oganjira, wo die Hauptmacht der Herero steht, etwa zehn Kilometer nördlich von Otjosasu Okatumba, wo der zweite Sererotrupp sich aufhält. Die Kolonne Dürr, bei der sich wahrscheinlich auch Gouverneur Leutwein befindet, dürfte Stjosasu am Freitag früh erreicht haben und konnte mittags in Oganjira sein.

Mit dem Angriff der Kolonne Dürr auf die Herero bei Oganjira dürfte ein Angriff der Kolonne Glase= napp auf die Herero bei Ofatumba kombiniert werden. Beide Frontangriffe werden zweifelsohne auch von einem Rinckenangriff der hinter den Herero in den Onjatibergen tehenden Kolonne Estorff begleitet sein. In dem Dreieck Okahandja Windhuf- Onjatiberge werden sich voraussicht­lich auch alle weiteren wichtigen Kämpfe abspielen.

Gerade leicht wird die Arbeit unseren Truppen nicht ge­macht werden. Oganjira liegt an dem Nordrande eines ganz unübersichtlichen, stark zerrissenen Hügellandes. Nach Süden zu geht dieses in ein mächtiges Hochgebirge über, dessen Wildheit und Unzugänglichkeit jeder Beschreibung spot­tet. Dieses Gebirge steht den Herero zur Verfügung, falls sie vor den deutschen Truppen zurück- oder ausweichend nach Nordosten, Osten oder Südosten zu fliehen beabsichtigen. Die Unwegsamkeit der zerklüfteten, dicht bewachsenen, mit Geröllmassen und Verwitterungsschutt bedeckten Höhen wird eine etwaige Verfolgung für die Truppen zu einer furchtbaren Anstrengung machen. Die Aufklärung wird be­sonders durch die dichte Hecke übermannshoher Dornbüsche erschwert werden.

Auch die Tatsache, daß ein großer Teil der Truppen be­reits beritten ist, erleichtert die Verfolgung nicht sehr: Für Reittiere ist diese Gegend völlig unzugänglich. Hoffentlich gelingt es den Truppen, die Herero gehörig aufs Haupt zu schlagen und ihr Ausweichen zu verhindern.

Handschriftliche Dachträge.

Siegreiches Gefecht gegen die Herero.

Die Voraussage unseres Berliner CB- Mitarbeiters, daß die Kolonne des Majors v. Glasenapp mit der Hauptabteilung des auf Otjosasu vorrückenden Obersten Dürr gleichzeitig und gemeinsam gewinnen werde, be­stätigt sich. Major v. Glasenapp ist, um dies zu er­möglichen, auf Otjikuara vorgerückt, hat aber unterwegs ein schweres, wenn auch siegreiches Gefecht mit den Hereros zu bestehen gehabt, in dem auch auf deutscher Seite starte Verluste zu beklagen sind. Oberleutnant Techow, der Vertreter des Gouverneurs in Windhuk, macht über das Gefecht folgende amtliche telegraphische Meldung:

Die Abteilung Slasenapp im Vormarsch von Omokskorero hatte am 2. April ein schweres aber siegreiches Gefecht bei Oka­harui. Der Gegner zog in nordöstlicher Richtung ab. Major v. Glasenapp ist am 3./4. April auf Otjiknara marschiert und be= absichtigt den Gegner anzugreifen. Bei den Hereros wurden 92 Tote gezählt. Diesseits Leutnaut d. R. Nörr und 31 Mann tot; Leutnant Hildebrandt von der Marine­Infanterie und 15 Mann verwundet. Zu gleicher Zeit mit der amtlichen Meldung ist in Berlin der

Bericht eines Augenzeugen

eingegangen, der außer 16 Verwundeten sogar 33 Tote auf deutscher Seite verzeichnet, die Verluste der Hereros nicht beziffert, aber für sehr bedeutend erklärt. Das Gefecht dauerte von 8 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags. Die Hereros waren zahlreich, gut bewaffnet und zum Teil beritten und suchten auf dem Wege von Okaharut nach Oniatu in dichtem Dornenwald die deutsche Nachhut, die Kompagnie Fischer, zu umfassen und einzuschließen, um sich einiger Privatwege zu be­mächtigen. Die Kompagnie des Grafen Brockdorf und Artillerie unter Oberleutnant Manthold kam der be­drängten Nachhut zu Hilfe. Die Hereros wurden nun geworfen und dann noch eine Stunde weit verfolgt. Auch die deutsche Vorhut, die Kompagnie Lieber, hatte ein einstündiges Gefecht mit starken Hererohaufen zu bestehen, bet dem auch die Fahne des Seebataillons ins Feuer fam. Neben der Fahne sank Unteroffizier Hahl. Die deutsche Artillerie und das Kleingewehrfeuer wirfte brillant. Dagegen machte sich, wie immer, die zu geringe Anzahl an Kavallerie fühlbar. Das ganze Detachement verfügt nur noch über 21 vollständig ge­brauchsfähige Pferde, die vor Beginn des Gefechts zur Aufklärung mehrerer vorwärts liegender sehr schlimmen Wegstellen vorausgeschickt waren.

Der Krieg in Oftafien.

Wenn man englischen Berichten trauen darf, so haben die Russen sich dazu bequemt, ihre Verteidigungsstellung auf dem rechten Jaluufer aufzugeben, und ziehen sich weiter zurück.

Wenigstens ist das die einzige Deutung, die die folgenden Telegramme zulassen, die aus Niutschwang und Söul ein­laufen. Das erste weiß von einem

Vorpostengefecht an der Jalumündung

zu berichten.

Die Japaner überschreiten erfolgreich den Jalu. Vor­posten stießen bereits auf eine kleine russische Abteilung am Nordufer; ein kleines Gefecht fand östlich von Tatungkau ſtatt.

Das zweite Telegramm aus Söul will sogar wissen, daß Antung von den Russen ohne Schwertstreich aufgegeben wer­den soll. Die Meldung schildert die Situation an der Jalu­mündung in einer für die Japaner äußerst günstigen Weise:

Japan ist nunmehr in völligem Besitz der Jalumündung und der Bai von Korea. Handelsschiffe können diese Ge­wässer jetzt ohne Furcht vor russischer Einmischung befahren. Die japanische Vorhut hat angeblich den Jalu überschritten. Es wird als wahrscheinlich erachtet, daß die Russen sogar Antung ohne ernsten Widerstand räumen werden.

Mit diesen Nachrichten, so überraschend sie erscheinen, steht der Umstand in bedeutsamem Einklang, daß in Petersburg amtlich gemeldet wurde, die Lager der russischen Holzgesell­schaft in Jongampho seien von den Japanern geplündert und verbrannt worden.

Während an der Jalulinie die Russen einem Angriff der Japaner vorläufig auszuweichen scheinen, bereiten sie sich bei Port Arthur und Niutschwang

energisch darauf vor, dem Feinde die Spiße zu bieten. Sie haben nördlich von Port Arthur einen vier Meilen langen Graben gestochen, der durch Schmutzverdeckung mit darin ver­stecktem Stacheldraht verborgen wird. In Niutschwang traf General Kuropatkin ein und besichtigte sofort die Garnison, die aus 5000 Mann Infanterie und drei Batterien besteht. Weitere 10 000 Mann Verstärkung sind bereits dorthin be­ordert, sie kommen in zwei Tagen an. Fernere 15 000 Mann sollen bereit stehen, um jeden Moment in Niutschwang zur Verteidigung einzutreffen. Sechs elektrische Minen wurden gelegt, welche im Haseneingang nur einen schmalen Kanal freilassen. Die Verteidigungsmaßnahmen sind vollständig getroffen. Ein Angriff der Japaner wird täglich erwartet. Große Hoffnungen sezt man in Petersburg auf die Ost­seeflotte. Im Sommer soll eine

große russische Hilfsflotte aus Kronstadt nach dem fernen Osten abgehen. Aus Cher­bourg wird dazu gemeldet:

Der russische Admiral Wirenius hofft trotz der Schäden, die der Torpedojäger Besaprechny" erlitten hat, under­züglich mit seiner Division vom hiesigen Hafen nach Kron­stadt abdampfen zu können. Von dort wird er in einigen Monaten ein aus 32 Einheiten bestehendes Geschwader nach dem fernen Osten führen und dabei abermals in Cherbourg Station machen.

Kaukasische Kriegsfreiwillige.

Ein Befehl der russischen Militärverwaltung schreibt vor, aus Freiwilligen der kaukasischen Bergbewohner, welche der Militärpflicht nicht unterliegen, und des Daghestanschen Reiter- Regiments eine kaukasische Reiterbrigade zur Teilnahme an dem Kriege mit Japan zu formieren. Jedes der beiden Regimenter dieser Brigade wird aus sechs Ssotnien bestehen. Aus Irkutsk wird dazu berichtet, daß bereits 25 Tscherkessen und Offeten als Kriegsfreiwillige auf ihre Kosten nach Liau­tschang abgegangen sind. Weitere 1000 werden demnächst folgen.

Die Politik.

Die preußisch- hessische Eisenbahngemeinschaft hat für Hessen so segensreiche Wirkungen gezeitigt, daß neuerdings auch in der Pfalz, in Württemberg und Sachsen immer mehr Stimmen laut werden, die einen Anschluß dieser Staaten an die preußische Bahngemeinschaft empfehlen. Heute sind in der preußisch- hessischen Betriebsgemeinschaft 8 Milliarden angelegt, die mit 7 Prozent gegenüber 4 Proz. im Jahre 1879 rentieren. Baden, Württemberg, Bayern und Sachsen können mit ihren Staatsbahnen solch glänzende Resultate nicht aufweisen. Die beständig steigenden Ein­nahmen aus der Eisenbahngemeinschaft, die in wenigen Jahren von 190 000 Mart auf mehr als 2 000 000 Mark anwuchsen, bilden heute einen wesentlichen Faktor im hes­sischen Staatshaushalt, und auch die Lage der in dem Riesen­betriebe beschäftigten Eisenbahner, deren Zahl an 400 000 heranreicht, ist gegen früher wesentlich besser geworden. So waren z. B. in der Zeit von 1897 bis 1902 die Einnahmen um 17 Proz. gestiegen, die Ausgaben für das Personal da­gegen um 24 Prozent. Trotz der bedeutenden Herab­setzung der Tarife belief sich im letzten Jahre der Rein­überschuß der Eisenbahngemeinschaft auf 600 Millionen Mark, und wenn heute noch nach den Tariffäßen des Jahres 1879, das den preußischen Staatsbahnen einen Gewinn von 61 Millionen brachte, gefahren würde, so betrüge der Ueber­schuß schon etwa 1 Milliarde. Es ist unter diesen Um­ständen nur eine Frage der Zeit, daß auch die erwähnten anderen Bundesstaaten dieser Gemeinschaft sich anschließen.

Der preußische Justizminister hat neue Verfügungen über den Sammeltransport von Gefangenen auf Eisenbahnen erlassen. Dieser Transport erfolgt mittels besonderer Zellen­wagen, welche in die Eisenbahnzüge eingestellt werden. Es wird angestrebt, durch derartige regelmäßig laufende Gefan­genenwagen sämtliche Strafanstalten und größeren Gerichte in Preußen in Verbindung zu bringen.

von Blumen, Silber, Kristall und Seidenstoffen schimmerte, Leonie stand vor ihrem Geburtstagstisch, auf dem es Humoresfe von Anna Behnisch- appstein.

Die Moccatasse.

mit Tinte

und Vorsicht" mit Seidenpapiere, in die das Präsent gebettet bäuchige Gefäße auf den Tisch, die den Umfang b der Reihe nach zwölf weiße, schön blau und rot bemalte, dict entfernte, der Warnung eingedent, die Solzwolle und die Ausrufungszeichen stand, lag, und stellte fleinen

zu ziehen, auf denen rei dicke, großes Glas gemalt war

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so um beitslauf" gatte; denn daß eine Moccatasse sie sich auch noch und der Doktor

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fostet, hatte sie ihm selbst verraten. trat in Aktion. Als die