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,, Ach, Sie sind zu langweilig, Gie paffen gar nicht hold vorüberfam, sah sie ihn gar nicht mehr. selbstverloren im Arm ihres Tänzers.
zu uns."
Er war ganz erstarrt über diese Worte.
,, Sie mögen recht haben," sagte er leise. Ich passe wohl nicht zu Ihnen."
Sie erschraf über den düstern Ton seiner Stimme mehr noch als über die Worte und sagte beschwichtigend:
,, Heute nicht. Heute sind Sie so sonderbar." Und plötzlich bückte sie sich nieder, raffte eine Handvoll Schnee zusammen, formte einen Ball, warf ihm den leicht ins Gesicht und wandte sich zur Flucht.
Das war gnau wie neulich der Blumenwurf, und doch stimmte es ihn ganz anders. Es erschien ihm als ein unerlaubter Uebermut, fast fühlte er sich beleidigt. Als er ihr aber nachblickte und sie in den onmutigsten Schwingungen eilig über das Eis schweben sah, schlug er sich vor den Kopf und murmelte:
Ich bin ein Frosch oder besser, ein richtiges Schaf!"
Dann folgte er ihr langsam, indem er acht gab, daß der arme Hund auch Schritt halten könne.
Alma hatte bald den Zug der übrigen Paare erreicht. Hier gelang es ihr mit Leichtigkeit, eine allgemeine Verwirrung zu stiften. Sie tat einen absichtlichen Fall aufs Eis, das nächste Paar eilte hilfsbereit herzu und stürzte ohne Verzug über sie hinweg ebenfalls zu Boden, andere Läufer folgten getrennt oder paarweise dem Beispiel, und bald war der ganze schön geordnete Fftzug zu einem wirren Knäuel zusammengeballt.
,, Alle Büchsen rühren sich!" rief Alma laut, befreite sich aus dem Gedränge und schwebte allein über die Bahn weiter. Herbert von Bodungen schoß hinter ihr her wie ein Raubvogel. Und diesmal machte er feine Volten noch Seitenzüge, sondern erreichte sie im geradeſten Ansturm, ergriff mit einer prachtvollen Schwenkung ihre beiden Hände und riß sie in rasendem Lauf mit sich fort.
Das tat ihrem heiß erregten Blut wohl; das war Kraft, Leidenschaft, Wildheit, Taumel, wonach sie sich sehnte, das war Befreiung von einer erstickenden Schwüle. Mit Begierde genoß sie die Lust des vollen Ausstürmens, des schwindeligen Wirbels; ihre Wangen glühten heißer, ihre Brust wogte, sie jagte so leicht dahin, als würde sie frei durch die widerſtandsloſe Luft geschwungen; alle Glieder schienen ihr selbst wie von einem mächtigen Rausch ergriffen, sie wollte aufjauchzen vor Lust, doch eine wonnevolle Angst schnürte ihr die Kehle zu; sie bog den Kopf zurück, schloß die Augen und ließ sich von der überlegenen Kraft des Mannes hinaustragen, wohin es gehen mochte. Warum hatte der andere sie nicht in so herrlichem Ansturm mit sich gerissen? Der hoffnungsselige Augenblick an der Landzunge lag jezt weit hinter ihr wie ein Traum.
Herbert von Bodungen sprach kein Wort zu ihr; doch wenn sie aufblickte, hingen seine Augen voll stolzer Glut an ihrer Schönheit. Warum hatte der andere sie nicht so angesehen? Und warum konnte der andere nicht einmal seinen Hund beherrschen? Und so einen scheußlichen Hund!
Ein Wirtshaus am Fluß war das Ziel der reisigen Gesellschaft; dort empfing die Frostüberhauchten ein geheizter Saal und dampfender Punsch. Der schlichte Saal ward durch die fruchtgeschmückten Tannen und durch Kränze und Bänder in wenigen Minuten zu einem prächtigen Festraum umgewandelt. An den Schlittschuhlauf sollte sich nach kurzer Rast ein Zanzvergnügen schließen; Ermüdung durften die jugendlichen Füße nicht kennen.
Als der Mathematiker eintrat, sah er Alma an Herrn bon Bodungens Seite sißen mit heiß erregten Wangen, die Augen unstät flackernd; sie war schön wie eine Bacchantin. Ihm warf sie einen kurzen Blick zu voll Zorn und fast voll Haß. Er fühlte sich unsäglich klein und wagte ihr nicht mehr zu nahen; seine Leidenschaft selbst schien ihm plößlich stumpf getborden.
Alma tanzte mit wahrer Wildheit; ihr Blut, das durch jenen heiß erwartenden Augenblick an der Landzunge mächtig aufgeregt war, mußte sich austoben; immer wieder ließ sie sich von dem Arm des schönen Husaren umschlingen und in betäubender Hast herumwirbeln. Ihre Augen brannten wie im Fieber. Wie taumelnd schien sie sich an ihren festen Tänzer anzuflammern, sich hilflos hinzuschmiegen. Sie sah gefährlich schön aus in der wilden Grazie ihrer Bewegungen. Ihr Blick ward immer leerer und fieberhafter; wenn sie jetzt an Gott
hing wie
Sie hm ward erstickend heiß bei diesem Anblick; er verließ auch heute das Fest lange vor seinem Ende.„ Ich gehöre nicht in diese Freuden!" dachte er verstört.
Draußen warf er die lustige Schellenkappe wild von sich und drückte seinen eigenen breiten Schlapphut tief in die Augen. Er trat hinaus in die sternenflare, eisige Nacht; sein Hund begrüßte ihn freudig bellend, doch er beachtete ihn nicht. Er legte sich die Schlittschuhe an die Sohlen und fuhr einsam im Dunkel den Weg zurück, den er bei strahlender Sonne in der liebsten Gesellschaft gekommen war.
Der gleichmäßig schnelle Flug über das Eis beruhigte seine aufgestörten Gefühle; eine stumpfsinnige Ergebung begann ihn zu beherrschen. Ich habe sie verloren," sagte er zu sich, ,, denn es ist unabwendbar, daß ich sie verliere. Das Schicksal thront nicht über den Wolken, seine Blize zu schmieden, sondern ich selbst bin das Schicksal, das mich erbarmungslos beraubt. Weil ich nicht anders sein kann, als ich bin, geschieht alles so, wie es geschieht. Ich selbst bin der gottgleich Unerbittliche, der das Glück zerstört, weil ich nicht anders sein will, mein Wesen nicht wandeln, mich selbst nicht vernichten will. Mit einer einzigen mühelosen Bewegung hätte ich, frei zugreifend, Liebe, Reichtum, Glanz, Ehre, alles zugleich gewinnen können, wenn ich das furchtsam grübelnde Gewissensbedenken nur eine Sekunde lang fahren ließ; allein dann war auch mein innerstes Wesen verwandelt, dann war ich nicht mehr ich, ich war tot, ich war nicht mehr eins mit dem Schicksal, nicht mehr der lenkende Gott auf dem rollenden Lebenswagen, sondern ich war der willenlose Sklave eines Glücks, das von außen zwingend wie ein goldenes Nez über mich geworfen war. Und war ich dann glücklich?"
In so hochgeflügelten Nachtgefühlen suchte er die Bein der stillen Selbstvorwürfe zu verflüchtigen. Und indessen ſauſte er weit ausgreifenden Schwunges über das Eis; nur das Schurren seiner Eisen klang eintönig durch die Nacht und manchmal ein fernes Krachen oder ein ſchwermütiges Schlucken und Glucksen unter der Eisdecke. Die Bäume am Ufer huschten vorüber wie ängstliche Schatten, zuweilen auch ein matt erleuchtetes Haus, einem zerfließenden Traume gleich; alles flüchtete vorüber, rückwärts, dorthin, wo das verräterische Glück geblieben war. Nur die Sterne über ihm blieben unbewegt und unverändert.
„ Das ist die Ruhe," dachte er, die eherne Ruhe des Schickſals und des inneren Kerns der iDnge und der Menschen!"
Sechstes Kapitel.
Am nächsten Vormittag herrschte in der Untertertia während der Bause vor der Mathematifstunde eine auffallend erregte Stimmung.
Hurra, Kinder," rief eine prahlerische Stimme,„, wir machen einen Aufstand wie die Samniter-"
" Ach, das ist nichts," die mußten nachher durchs Joch gehen," antwortete ein anderer, das tun wir nicht!" ,, Nein, das tun wir nicht! Niemals!" ,, Niemal! Niemals!"
,, Na, denn also wie die Cherusker. Gruber heißt ja auch Hermann, das ist famos; Gruber ist ja doch der Anstifter!" Famos! Hermann Gruber, der Cherusker, hoch!" Wieso? Wie hat er angestiftet?" fragte eine etwas ängstliche Stimme im Hintergrunde.
Na, hast du denn nicht gehört? Seine Schwester hat ihm gesagt, wan wär' eigentlich gar nicht so eflich, wie er aussähe; wir sollten nur' mal stramm aufmucken, da würd' er schon klein werden; sie hätt' selbst gesehen, daß ihm sein Hund nicht parierte, und er hätt' den Röter doch nicht gehauen. Und sie selbst parierte ihm auch nicht mehr."
,, Das hat sie gesagt!" bestätigte Hermann Gruber wichtig. ,, Uns haut er am Ende doch."
Ich weiß überhaupt nicht, warum wir uns von Grubers Schwester aufheben lassen sollen," bemerkte ein unnatürlich verständiger Knabe.
Au, du, die ist ja riesig hübsch!" belehrte ihn ein anderer, und dieser Grund schlug durch.
„ Wenn einer anfangen will, meinetwegen, ich trommle mit, aber anfangen tue ich nicht." ( Fortsetzung folgt.
Das Sinnbild der Bescheidenheit. Sprache hat aber für das Beilchen eine andere Bezeichnung
Skizze von Professor Dr. A. Hermanns. ( Nachdruck verboten.)) Das Veilchen, bei dessen Namen wir zuerst immer an unser gewöhnliches wohlriechendes Frühlings- oder März beilchen denken, gilt uns in seiner schlechten und lieblichen Art als Sinnbild der Bescheidenheit. Seine Blüten, die den Frühling verkünden, scheinen sich verschämt unter dem Grün der Blätter zu verbergen; in seinem unvergleichlich süßen Duft atmen wir des Frühlings ganzen Reiz. Sein Wesen und seine Haltung können nicht besser geschildert werden, als in den ersten Versen der„ Das Veilchen" überschriebenen Ballade unseres großen Dichters, welche lauten:
„ Ein Veilchen auf der Wiese stand, Gebückt in sich und unbekannt,
Es war ein herziges Veilchen."
Und von nicht weniger Reiz sind die Verse desselben Dich ters, durch die eine Mehrheit von Veilchen so sinnig zufammengefaßt wird:
„ Viele der Veilchen zusammengeknüpft, das Sträußchen erscheinet Erst als Blume; du bist, häusliches Mädchen, gemeint."
Unseren Kindern wird eingeprägt, dem Veilchen, das im Verborgenen blüht, ähnlich zu werden, und gern vergleichen wir dem Veilchen einen bescheidenen Menschen. Zum Frauennamen, wozu es so gut sich schickt, ist das Veilchen bei uns nicht geworden; dagegen haben romanische Sprachen die Namen Viola, Violetta und Violanta. Der Name Viola aber ist
durch Shakespeares Drama„ Was ihr wollt“ unsterblich gemacht worden und kann nicht von uns vernommen werden, ohne daß vor unseren Augen eines der entzückendsten Frauenbilder steht, welche je die Dichtkunst erschaffen hat. Auch die Griechen haben die Namen Jole, Jiokallis( Veilchenschön) und Jokaste, die vom Veilchen hergenommen sind. Es ist auffällig, daß Veilchen überhaupt kein deutscher Name ist. Das Wort führt zurück auf das lateinische Viola und dieses wieder auf das griechische Ion. Daher liegt die Vermutung nahe, daß unser Märzveilchen eine aus dem Süden eingewanderte Blume sei, die ursprünglich bei uns nur angepflanzt vorkam, dann aber überall, wo sie angepflanzt wurde, verwildert ist und sich weit ausgebreitet hat. Diese Vermutung wird dadurch unterstützt, daß unser Veilchen wild fast überall nur in der Nähe bewohnter Ortschaften vorkommt. So mag es sich wohl, wie auch andere Pflanzen, die aus dem Süden zu uns kamen, allmählich bei uns eingewohnt haben und in Deutschland heimisch geworden sein. Sein Naturell und seine Gewohnheiten befähigen es in hohem Grade dazu, sich an ein rauberes Klima zu gewöhnen. Die im Frühjahr erscheinenden Blumen des Veilchens, die dem Frost ausgesetzt sind, tragen keine Frucht. Die Pflanze treibt aber im Laufe des Sommers unzählige andere Blüten, die keine Blumenblätter haben, unter dem Laub verborgen sich entwickeln und von niemand beachtet werden. Diese bringen stets reife Frucht hervor und sorgen dafür, daß im Falle wie es gar nicht selten geschieht die Mutterpflanze im Winter ausfriert, im Frühling eine große Anzahl von neuen Pflänzchen sich entwickelt. So ist das Veilchen inbezug auf Boden und Lage sehr anspruchslos, da, wo es ſich einmal angesiedelt hat, so gut wie unzerstörbar und außerdem, da es durch kriechende Wurzelausläufer sich verbreitet, stets bereit, weiter im Lande Fuß zu fassen und neue Ansiede lungen zu gründen.
Beim Uebergang aus dem Lateinischen hat das Veilchen sein Geschlecht geändert. Aus der weiblichen Viola wurde zunächst der Viol oder der Veiel. Aehnlich erging es einer anderen berühmten Blume, die im Deutschen zuerst gewöhnlich der Rose" genannt wurde. So ist im Mittelalter auch bei der Gattung Viola die männliche Form herrschend und später erst wird die Veiel“ und„ die Viole" gesagt. Dann trat in neuerer Zeit noch einmal ein Wechsel des Geschlechtes ein, indem das Veigelein" oder„ das Veilchen" geltend wurde, wobei daneben, zumal bei den Dichtern, noch die Form die Viole" fortbestand. Veilchen und Veigelein sind Verkleinerungen von Veiel, dieses aber ist entstanden aus Viola, das selbst wieder eine Verkleinerung des griechischen Ion ist. So ist unser„ Veilchen", was seinem bescheidenen Wesen sehr entsprechend ist, aus einer doppelten Verkleinerung hervorgegangen. Eine andere doppelte Verkleinerung bieten andere Sprachen dar in den Formen Violette, Violetta und Violet. Reine germanische oder romanische
als die aus dem Lateinischen hergenommene, deren Grund form ein griechisches Wort ist. Das bescheidene Veilchen gibt einen anziehenden Aufschluß darüber, wie Farben angesehen und bezeichnet werden. Von ihm stammt die Farbenbezeichnung violett, wie lila vom Flieder( Lilak). Dieser Bezeichnung bedienen wir uns, ohne an ihren Ursprung zu denken. Wenn nun aber in botanischen Büchern bei der Beschreibung des Veilchens zu lesen ist:„ Die Farbe des Veilchens iſt violett", so klingt das eigentlich recht sonderbar, denn es heißt nichts anderes als: die Farbe des Veilchens ist die Veilchenfarbe. Nun fragt es sich, wie wohl früher die Farbe des Veilchens selbst hieß. Diese Frage fann beantwortet werden. Die alten Griechen nannten unser wohlriechendes Veilchen das schwarze oder das purpurne; veilchen farben aber nannten sie den Stahl und das Meer. Auch bei den Römern heißt es das purpurne. In unserer älteren deutschen Sprache wird es genannt das blaue, das blaubraune oder auch das braune. Es wird von den Veilchen gesagt, daß sie den Garten bräunen und auch das Eigenschaftswort beilchenbraun" kommt vor. Es geht daraus hervor, daß vor Zeiten der Begriff des Braunen ein um fassenderer gewesen sein muß, als er jetzt ist. Oder sollten unsere Vorfahren die Farben anders gesehen haben? Wenn wir erfahren, daß unsere Voreltern beides, Menschenhaare und Veilchen, braun nannten, so erscheint es uns nicht mehr so wunderbar, daß dunkelfarbiges Haar von Homer mit der purpurnen Blume Hyakinthos verglichen wird.
Hochgeschätzt wurde das Veilchen in alter Zeit bei uns als die Blume, welche die bessere Jahreszeit verkündete. Man 30g auf die Wiesen, um den ersten Viol" zu suchen. Mit lautem Jubel wurde das erste Veilchen begrüßt, wenn es gefunden war. Man nannte das im Mittelalter: den Sommer finden. Ich habe den Sommer gefunden!" meldet Herr Neidhardt von Reuenthal seiner Herrin, der Herzogin von Bayern, und bittet sie, hinauszukommen, um auch das Veilchen, das er gefunden und mit seinem Hut bedeckt hat. zu schauen. Wenn in einem Ort bekannt wurde, daß draußen das erste Veilchen gefunden sei, lief groß und klein hinzu, um es zu sehen. Es wurde auf eine Stange gesteckt und fröhlich umtanzt. Solch ein Volksjubel begrüßt nicht mehr die kleine Frühlingsblume. Wenige gehen jetzt noch im Frühjahr aus den Städten hinaus, um sie draußen zu suchen, überall aber wird sie in großer Menge in die Städte hineingebracht und auf Märkten und Straßen zum Kauf angeboten. Arme Leute, Kinder besonders, finden dadurch um die Veilchenzeit einen bescheidenen Verdienst, und für den Gärtner ist die Veilchenzucht an Orten, wo die Veilchen stückweise abgezählt und bezahlt werden, ein einträgliches Gewerbe.
Das Veilchen ist längst schon nicht mehr ausschließlich Frühlingsblume. Die Kunst der Gärtner hat gelernt, es auch im Winter zum Blühen zu bringen. Dazu sind viele neue und ausländische, an Duft und Farbe unserem gewöhnlichen Märzveilchen sehr ähnliche Arten in den Handel gebracht und eingeführt worden, welche auch im Freien zweimal und öfter im Jahre blühen. Unter diesen hat das italienische Monatsveilchen, welches mit leichter Mühe vom Herbst an den ganzen Winter hindurch in blühenden Exemplaren zu halten iſt, am meisten Verbreitung gefunden und sich am vorteilhaftesten für die Kultur erwiesen. Auch gefüllte Spielarten des Veilchens werden häufig kultiviert, mit blauen sowohl als schneeweißen Blumen, die sehr hübsch sind. Bei diesen gefüllten Blumen aber geht die ursprüngliche eigentümliche Veilchenform verloren, und sie sehen aus wie kleine Rosen. Dank den Bemühungen unserer Gärtner haben wir jetzt, die heißen Sommermonate ausgenommen, das ganze Jahr hindurch Veilchen. Sie sind im Winter von großer Wichtigfeit für die Boukettbinderei und werden für diese an mehreren Orten Deutschlands, so in Potsdam und in Hamburg, im großen gezogen. In südlicheren Gegenden aber lassen sie sich noch viel leichter und mit weit geringeren Kosten zur Winterszeit kultivieren. Daher werden sie auch in Frankreich und Italien in ungeheueren Massen gezogen, verleihen den winterlichen Blumenmärkten dieser Länder einen großen Reiz und werden, in Sträußen zusammengebunden, fistenweise nach dem Norden verschickt. Aber das Versenden der Veilchen bleibt bei großen Entfernungen immer eine mißliche Sache; denn die Blume und ihr Duft haben keine lange Dauer. So ist das Veilchen zu einer Handelspflanze von nicht geringer Bedeutung für unseren inländischen und sogar für den internationalen Verkehr geworden. Als Arzneipflanze dagegen möchte es wohl aus den Offizinen verschwun
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