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den sein. In alter Zeit aber war ,, Vetel- Syrup" ein belieb­tes Arzneimittel, dem kühlende und besänftigende Eigenschaf­ten zugeschrieben wurden. Auch Veiel- Del" wurde gegen das Hauptweh und Violen- Wasser" gegen die Fieberhitze und den trockenen Husten verordnet.

Zu den nächsten Verwandten unseres wohlriechenden Veilchens gehören einige sehr bekannte Blumen, zunächst diejenigen Veilchen, welche von uns wilde genannt werden im Gegensatz zu dem zahmen oder kultivierten, und unter diesen kommt am häufigsten vor das zwar duftlose, aber sehr anmutige blaẞlila Veilchen, unschön Hundeveilchen( Viola canina) benannt, das im Frühjahr mit bunten Anemonen zusammen so schön den Waldboden schmückt, dürre Heiden nicht verschmäht und selbst auf die unfruchtbaren Sanddünen des Seestrandes hinaufsteigt. Dann gehört zu demselben Geschlecht das dreifarbige Veilchen( Viola tricolor), eine fast noch genügsamere Blume, die mit der vorigen zusammen auf öden Sandfeldern gesellschaftlich sich ansiedelt, aber auch auf keinem bestellten Acker fehlt. Von ihr sagt Oberon zi зи Puck in Shakespeares Sommernachtstraum:

Sonst milchweiß, purpurn nun durch Amors Wunde, Er( Cupidos Pfeil).fiel gen Westen auf ein zartes Blümchen, Und Mädchen nennen's: Lieb' im Müßiggang. Hol' mir die Blume!"

nennen.

Lieb' im Müßiggang( Love in idleness) ist das drei­farbige Veilchen, das wir Stiefmütterchen Der deutsche Name wird in bekannter Weise daraus gedeutet, wie die fünf Kelchblätter oder Stühlchen auf die fünf Blumenblätter( Mutter, zwei rechte und zwei Stiefkinder) verteilt sind; aber die Deutung ist wahrscheinlich erst ge­funden worden zur Erklärung des weit älteren Namens. Sonst hieß die Pflanze auch Freisamkraut, weil sie als Mittel gegen den Freisam oder Milchausschlag der Kinder gebraucht wurde; in Frankreich aber hatte sie in alter Zeit schon den hübschen Namen Pensées oder menues pensées, der auch in andere Sprachen übergegangen ist. Wir denken bei Pensée, das wie Violett, Bezeichnung einer Farbe ge­worden ist, gewöhnlich an eine andere nah verwandte Art, an das große altaische Stiefmütterchen oder Samtveilchen, das immer noch Lieblingsblume der Gärtner und man kann wohl sagen, eines jeden ist, welcher es sieht, wenn es im Frühling die Gartenbeete mit einer Fülle von bunten Ge­sichtern bedeckt. Außerordentlich groß ist die Verschiedenheit der Formen und Farben, welche die Spielarten dieser Pflanze entwickeln, und neue Farben und Formen kommen fast jedes Jahr noch zum Vorschein.

Alle die bis jetzt genannten Pflanzen gehören dem eigent­lichen Geschlecht Viola. Es sind aber auch nach dem Veil­chen Blumen genannt, die ganz und gar nicht mit demselben verwandt, sondern ihm nur an Blumengestalt und Farbe einigermaßen ähnlich sind. Von diesen soll zum Schluß noch in aller Kürze die Rede sein.

Zuerst ist zu erwähnen das gelbe Veilchen oder Gelb­veigelein, bekannt allen wenigstens durch Uhlands Lied, in Burschen nachsieht: welchem es von dem Mädchen heißt, wie es dem fortziehenden

Sie möcht' ihre Tränen verdecken

Mit Gelbveiglein und Rosenstöcken."

Dieses Gelbveiglein der Dichter und unserer alten Pflan­zenbücher ist nichts anderes als der gewöhnliche Goldlack, der auch jetzt noch immer sehr beliebt und viel an Fenstern und in Gärten zu finden ist. Er wächst heutzutage wild im westlichen Deutschland, zumal an Felsen des Rheintals; doch scheint es, daß er im Mittelalter erst aus dem Orient zu irns gebracht ist. Einem anderen Verwandtschaftskreise als dem des Veilchens gehört auch die Nachtviole an, welche die Botanifer Hesperis matronalis nennen, und ebenso das jetzt in so und so vielen hübschen Spielarten kultivierte so­genannte Alpenveilchen. Die Veilchenwurzel endlich stammt nicht von dem Veilchen her, sondern von der florentinischen Schwertlilie und hat ihren Namen, wie das Veilchenmoos und der Veilchenstein, von ihrem an das Veilchen erinnern­den Duft bekommen.

So viel sei gesagt von der kleinen blauen Blume. Sie fann sich an Ruhm mit der Nose nicht vergleichen; in An­betracht ihres bescheidenen Wesens aber hat sie doch genug in der Welt von sich reden gemacht. Man sieht daraus: auch mit Bescheidenheit, wenn nur etwas Rechtes dahinter steckt, dringt man endlich durch und erwirbt sich Anerkennung.

DER VOLKS

ANWALT

Die rechtliche Stellung der Dienstboten.

-

( Schluß.)

Trifft zufälliger für den Dienstboten ungünstiger, für der Dienstherrn günstiger Weise eine Krankheit des Dienst boten in die letzten Wochen der Dienstzeit( ist also z. B. das Dienst: verhältnis für den letzten Dezember 1902 gekündigt und am 22. De: zember zieht sich der Dienstbote durch den Dienst eine schwer Krankheit zu), so dauert selbst bei monatelanger Dauer der Krank heit die Verpflichtung des Dienstherrn zur Kur- und Pflegekosten des Dienstboten nicht über das Ende der Dienstzeit hinaus. Eine Ausnahme hiervon besteht nur in solchen Fällen, in denen der Dienstherr die Krankheit geradezu verschuldet hat z. B. er hat den Dienstboten in unsinniger Arbeit beim Kohlentragen überan­strengt oder dergleichen. In solchen Fällen haftet der Diensthert für die Kur- und Verpflegungskosten auch über die Dienstzeil hinaus.

In allen anderen Fällen von Krankheit der Dienstboten, als bei den durch den Dienst oder bei Gelegenheit des Dienstes entstandenen, hat die Dienstherrschaft zwar auch für Kur und Verpflegung des Dienst­boten während der Krankheit aufzukommen, aber nur mit folgender Beschränkung: Die Verpflichtung dauert nur höchstens sechs Wochen, keinesfalls aber über die Dienstzeit hinaus. Auch besteht die sehr wichtige Vorschrift, daß die Kosten auf die für die Zeit der Er­krankung geschuldete Vergütung( nicht aber auch auf den rück­ständigen Lohn) angerechnet werden können. Zum Beispiel: Ein Dienstmädchen, das 15 Mark monatlichen Lohn bekommt, geht an ihrem Ausgehsonntag" spazieren, bricht ein Bein, und muß einen Monat im Krankenhaus zubringen. Die Kur und Ver­pflegung im Krankenhause kostet 40 Mark. Dann braucht für den Monat die Herrschaft keinen Lohn zu zahlen, kann vielmehr auf die 40 Mark die 15 Mark Lohn anrechnen. Die überschießenden 25 Mark aber muß die Herrschaft selbst tragen, da sie nur den auf die Zeit der Krankheit( 1 Monat) fallenden Lohn anrechnen darf, nicht aber auch Lohnbeträge, die auf andere Monate fallen, als auf den Krankheitsmonat.

Stirbt ein Dienstbote, so braucht die Dienstherrschaft das Be= gräbnis nicht zu besorgen. Dazu sind vielmehr die Erben ver­pflichtet. Sind diese nicht erreichbar oder der Dienstherrschaft nicht bekannt, so muß die Fürsorge der Polizei, nötigenfalls die Fürsorge der Armenpflege eintreten. Stirbt das Haupt der Fa­milie, so sind die Erben berechtigt, aber nicht verpflichtet, die Fort­dauer des Dienstes zu verlangen. Das heißt also: der Tod des Familienhauptes giebt dem Dienstboten kein Recht, die Fortsetzung des Dienstes zu versagen. Wohl aber haben die Erben des Fa­milienhauptes das Recht, ohne Rücksicht auf die vertragliche Dauer des Dienstvertrages, diesen zur nächsten gesetzlichen Ziehzeit, also zum nächsten 2. Januar, oder April, oder Juli oder Oktober, zu Kündigen.

Daß im Falle des Konkurses der Dienstherrschaft die Diensts boten für den rückständigen Lohn des letzten Jahres ein Vorrecht haben, ist schon erwähnt. Ferner haben im Falle des Konkurses der Dienstherrschaft sowohl die Dienstboten wie auch der Konkurs­berwalter das Recht, das Dienſtverhältnis- ohne Rücksicht auf die vertragliche Dauer zu der nächsten gesetzlichen Ziehzeit zu kündigen.

Es ist schon erwähnt worden, daß im regelmäßigen Laufe der Dinge das Dienstverhältnis entweder von selbst( ohne Kündigung) mit Ablauf der Zeit endet, für die es geschlossen worden ist, oder nach einer gewissen Kündigungsfrist, wenn eine bestimmte Dauer des Dienstverhältnisses nicht vereinbart worden ist. Das Gesetz sieht aber auch Fälle vor, in denen ein vorzeitiger Dienstaustritt ge= stattet ist, und zwar sowohl zu Gunsten der Dienstherrschaft, wie zu Gunsten des Gesindes, sowohl mit einer Kündigungsfrist, wie ohne Kündigungsfrist. Hier sei nur hervorgehoben, daß die Herr­schaft das Gesinde ohne Rücksicht auf Kündigungsfrist sofort entlassen kann, wenn das Gesinde die Herrschaft oder deren Familie durch Tätlichkeiten, Schimpf- und Schmähworte oder ehrenrührige Nach­reden beleidigt oder durch boshafte Berhehungen Zwistigkeiten in der Familie anzurichten sucht.

Nr. 104

Dienstag, den 10. Mat.

1904.

Oberhessische Familienzeitung.

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

der

Gießener Neueste Nachrichten.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein.

( 13. Fortseßung.)

Iwan der Schreckliche.

Original- Roman von Hans Hoffmann.

Er sah und wußte, jezt war sie sein; wenn er sich nur über ste beugte und diesen heißen Mund füßte, war sie ganz sein ohne Kampf. Seine Hände zitterten, es flimmerte ihm vor den Augen, ohne es zu wissen, neigte er seine Lippen dem hol­weiter; wenige Sekunden noch, und die verlangenden Lippen­den Antlig näher und näher. Noch glitten beide ganz leise paare mußten einander gefunden haben.

Da nahm die gleitende Bewegung ihr Ende, und sie stan­er genügte, sie aus der süßen Versunkenheit heimlich aufzu­den still. Es gab einen winzigen, kaum merkbaren Ruck, doch schrocken zurück. Ihr Blick hatte etwas Sonderbares, es schien weden. Alma öffnete die Augen, und Gotthold fuhr halb er ein heimlicher Vorwurf, eine zornige Frage darin zu liegen. Da endlich faßte er Mut; jetzt mußte er reden, oder er unterlag dem Glück, das für ihn noch kein rechtmäßiges war.

Mein verehrtes Fräulein," sagte er nicht ohne eine steife Feierlichkeit, gestatten Sie mir, den kurzen Augenblick des Alleinseins mit Ihnen zu einer ernsthaften Aufklärung zu be­nüßen, die zunächst mich selbst und meine eigentliche pſychiſche Struktur, wenn ich so sagen darf, betrifft

Sie blickte etwas verwundert auf; er machte ein so fürchter­lich finsteres Gesicht, wie sie es noch selten von ihm gesehen hatte. Aber dennoch fürchtete sie sich heute nicht davor, heute zum erstenmal nicht.

Herrgott, ist das aber ein Schulmeister!" dachte sie viel­mehr respektlos, und laut rief sie: Herr Doktor, bedenken Sie, daß ernste Reden heute strengstens verpönt sind!"

,, Und dennoch, liebes Fräulein," sagte er nach einem furzen Schwanken hastig; mir ist es sehr ernst zu Mut, ich muß mit Ihnen reden, ich bin Ihnen eine gewisse Er­klärung schuldig

" Schuldig?" rief sie, mit dem Fuß kräftig aufs Eis stampfend. Schuldig sind Sie mir wirklich nichts- jeden­falls keine langen Erklärungen und Redensarten."

Das klang ziemlich schnippisch, aber ihr Auge blikte dazu so übermütig froh und so schalkhaft herausfordernd, daß er völlig verwirrt wurde. Und dann ließ sie plößlich seine Hände los und ſtand vor ihm mit gesenkten Blicken stumm und regungslos, als wollte sie sagen: Da hast du mich! Nun umarme mich!"

Da kam es über ihn wie ein freudiger Trotz, und er dachte: Gut denn, wenn sie nicht hören will, dann. Und in beseligtem Taumel breitete er die Arme aus.

In diesem Augenblick erscholl ziemlich nahe ein miß­töniges, widerwärtiges Gefläff und Gewinsel. Beide blickten erschrocken zur Seite und siehe da, über das Eis patschte in den ungeschicktesten Sprüngen, immerfort stolpernd und ausgleitend, der Hund Molly, der häßlichste und gemeinste feines Geschlechts.

Dieser garstig- komische Anblick machte einen sonderbaren Nik in die erreate Stimmung den beiden Menschen; Alma rief mit halb zorniger, halb weinerlicher Stimme: Pfui, das ist Ihr abscheuliger Hund, der da kommt!"

Auch sein Herr warb feineswegs freundlich gestimmt durch das unzeitige Erscheinen des Tieres.

( Nachdruck verboten.) " Ich hatte ihn eingeschlossen," brummte er verlegen und ärgerlich, er muß sich irgendwie frei gemacht haben."

Freilich muß er das," rief Alma ergiirnt, aber so jagen Sie das greuliche Geschöpf doch fort! Lassen Sie es nicht herankommen! Sehen Sie doch, es ist ganz schmutzig!"

In der Tat hatte das unglückliche Tier es auf irgend eine rätselhafte Weise fertig gebracht, sich auf dem glänzend sauberen Eise Bauch und Beine auf das gründlichste zu be­schinußen. Seinem Herrn ward die Lage sehr unbehaglich.

,, Marsch, nach Haus!" rief er rauh und machte die Droh­geberde des Steinwerfens zugleich mit einer Miene, welche einen Haufen Landsknechte in die Flucht geschlagen hätte; Molly aber ließ sich nicht verwirren noch einschüchtern, son­dern strampelte sich unter verstärktem Freudengeheul näher und näher, obgleich er in seinem Eifer noch öfter als vorher ausrutschte.

Gotthold versuchte ein anderes Mittel, um wenigstens Zeit zu gewinnen: er hob einen dürren Zweig auf, rief: ,, Apport!" und warf ihn so weit wie möglich über das Eis..

Doch auch diese List verfing nicht. Molly hatte im Rausch der Wiedersehensfreude alle Künste vergessen. Jezt war er da und sprang glückselig winselnd und bellend an seinem Herrn empor, nicht ohne die ausgedehntesten Spuren seiner schmutzigen Pfoten auf dessen Kleidern zu hinterlassen.

,, Das Vieh hat ja aber nicht den geringsten Appell!" rief Alma entrüstet. Strafen Sie es doch!"

Aber das vermochte Gotthold doch nicht über sich. Trop seines stillen Aergers erschien ihm die rücksichtslose Freude des treuen Tieres gar zu rührend. Es für seine leidenschaft­liche Ergebenheit noch zu schlagen, das konnte ihm nimmer­mehr zugemutet werden. Er vergaß sich sogar so weit, ihm heimlich eine kleine Liebkosung angedeihen zu lassen. Diese aber trug schreckliche Früchte: sie steigerte Mollys Wonne­taumel bis zur Tollheit, aufjauchzend stürzte er sich nun auch auf die Gefährtin seines Herrn und versuchte dieser die Hände zu lecken, ohne die geringste Rücksicht auf den köstlichen Pelzbesatz ihres feinen Mäntelchens zu nehmen.

Sie schrie vor Entsetzen laut auf mit einem nicht son­derlich lieblichen Ton und gab ihm in der Angst mit ihrem zierlichen Füßchen einen Stoß, der kräftig genug war, ihn eine gute Strecke über das Eis zurückzuschleudern.

Das wirkte. Ziemlich bescheiden kam er zurück und be­nahm sich fortan mehr seinem Stand angemessen.

,, Das begreife ich aber nicht, wie ein Mann nicht einmal seinen Hund in Zucht haben kann!" rief sie erbittert und be= trachtete mit Schaudern ihr beschmutztes Kleid. Ich weiß gar nicht, warum Ihnen dann eigentlich Ihre Schüler ge­horchen!"

Das ist's eben," erwiderte er dumpf und finster,, sie würden es auch nicht tun, wenn sie flüger wären."

Sie blickte ihn groß an, offenbar ohne ihn recht zu ver­stehen. Da wollte er die Gelegenheit benügen, ihr seine große Offenbarung zu machen; doch kaum hatte er seine feierliche Miene wieder aufgesetzt und wollte seine Rede beginnen, als sie ihn ergrimmt mit den Worten unterbrach:

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