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zuchten und von zwei flinken kleinen Händen aus Schläfen und Stirn zurückgeworfen wurden, während die weichen, warmen Glieder sich aus des glücklichen Zufallsjägers Armen löſten; auch das war nur ein Augenblick, schon weniger wonnevoll, aber dennoch unsagbar lieblich.
Frizz Norden, der vortreffliche, gewandte englische Gentle mann, der gewiegte, sichere Amerikaner, angesichts dieses unerwarteten Impromptus hatte er all' seine schöne, weltmännische Fassung eingebüßt. Gnädiges Fräulein," kam es endlich ſtockend und befangen genug heraus,„ Sie sind Sie haben-"
,, Ach, bitte, verzeihen Sie mir nur!" fiel sie ihm hastig ins Wort und preẞte die Hände fest in einander wie ein Kind, das fürchtet, gescholten zu werden.
Verzeihen ich Ihnen?" fragte er sehr ausdrucksvoll zurück. Wie sollte ich denn aber dazu kommen?"
Er tauchte seinen Blick tief in den ihren; sie war verlegen, sicherlich! Aber trotzdem vergaß sie es, die Augen zu senken. Neugierig halb und halb schüchtern auch, wie Kinder es fun, sah sie Fritz Norden ins Gesicht, und ihre Fingerchen löſten ſich langsam, die Arme sanfen wie hilflos herab.
Fräulein Helene von Burg, nicht wahr?" fragte Fritz
endlich.
,, Helene von Burg, ja- und-" ,, Mein Name ist Norden!"
,, Ach, Rolands amerikanischer Freund!"
Sie tat einen Schritt rückwärts und besah ihn sich mit ihren großen, sonnig leuchtenden Augen. Es stand etwas wie unverhehlte Bewunderung in ihnen zu lesen; offenbar übte der „ Amerikaner“ einen gewissen Reiz auf das junge Wesen aus. ,, Sie bleiben längere Zeit hier, nicht wahr?" fuhr Helene rasch fort.„ Dann werden Sie vielleicht gelegentlich einmal auch Nun, darf ich es nicht weiter hören?" drang er in sie, da sie zögerte.
„ Etwas von Ihren Reiseerlebnissen erzählen?" beendigte sie mutig. Herren tun das ungern, ich weiß! Ein Bekannter meines Vetters Erwin, mit dem ich im Winter in D. ein paarmal auf Gesellschaften zusammentraf, der war in Spanien gewesen, ach, und in Madeira und in Lissabon und später noch in dessa und Konstantinopel- aber, glauben Sie, Herr Norden, er hat uns ein einzigesmal etwas Schönes davon erzähli? Nein, er tat es nicht, so sehr auch alle Damen um ihn herum waren und ihn baten!"
,, Sie haben ihn auch gebeten, gnädiges Fräulein, und er tat es dennoch nicht?" fragte Friz ungläubig.
Dennoch nicht?" beharrte sie ganz unschuldig. Ich fand es weder gefällig noch liebenswürdig von ihm, freilich, aber- ich habe noch nie eine Reise gemachtes mag wohl schwer sein, so ohne weiteres irgend einem beliebigen Jemand davon zu erzählen!"
„ Das schon!" gestand er ihr zu. Nur dürfen Sie sich in die Kategorie der beliebigen Jemande nicht rechnen. Wenn man zu mir ohne weiteres sagt: bitte, erzählen Sie von Ihren Reisen, so bin ich allerdings Gentleman genug, um nicht ohne weiteres ein schroffes Nein zu sprechen, aber ich beschränke und mein Zuhörer hat auf keinen Fall irgend einen Gewinn mich dann gewöhnlich auf ein paar nichtssagende Phrasen, davon. Zum Erzählen gehört Stimmung, gehört ein sym pathischer Hörer und auch schon eine ziemlich genaue Bekanntschaft mit letterem. Denn wie kann ich von einem ganz fremden Menschen verlangen, daß gerade das Erlebnis, die Episode, die ich aus meinen Erinnerungen heraushebe, ihn anspricht? Seine Interessen liegen vielleicht nach einer total entgegengesetzten Richtung, und ich kann ihm, ohne es zu wollen, Langeweile bereiten und das, was ihm das Wichtigste Neigungen vielmehr verschweigen!" und Anziehendste wäre, aus Zufall, aus Unkenntnis seiner
Friz Nordens reizendes Gegenüber hatte ihn mit großer Aufmerksamkeit angehört; ein Schatten zog über ihr kleines, rosiges Gesicht.
„ Das ist alles wahr!" sagte sie bedächtig. Und daher Seufzer. bekommt man also nie etwas zu hören!" schloß sie mit einem
Sie sollen hören!" rief er in vollem Eifer.„ Sie denken gemünzt gewesen? Ich hoffe doch doch nicht etwa, diese ganz allgemeine Betrachtung sei auf Sie nein, ich weiß, wir wer bald beurteilen können den einander kennen lernen! Ich werde Ihre Geistesrichtung
" Ja, das will ich meinen!" lachte Helene schelmisch. " Geistesrichtung!" wiederholte sie mit Pathos. Wie gewich
tig das klingt! Glauben Sie nicht auch, gleich allen Herren, wir jungen Mädchen hätten samt und sonders nur eine einzige Geistesrichtung, das Amusement?"
Auf die Gefahr hin, von Ihnen für einen vollkommenen Poseur gehalten zu werden, der sich als interessante Ausnahme hinzustellen wünscht, muß ich Ihnen doch erwidern: Nein, das glaube ich nicht!"
,, Dann bin ich Ihnen sehr dankbar für Ihre gute Meinung, und noch dankbarer will ich sein, wenn Sie mir im Lauf der Zeit einiges von England und Amerika erzählen. Ich habe meine guten Gründe für dies mein Verlangen, viel von dort zu hören--- das will ich Ihnen wiederum sagen, wenn ich Sie und Ihre Geistesrichtung besser beurteilen kann, Augen und Lipen lachten hier um die Wette, und Friz lachte mit ,, ob es wohl sehr lange dauern wird, bis es soweit kommt?"
" Ich denke nein!" versicherte er ernsthaft. Ich habe viel Gelegenheit gehabt, aus den Menschen ein Studium zu machen, und Damen verstehen sich daruf besser, als wir Männer, auch ohne diese Gelegenheit. Sie nehmen ihr feines, sicheres Gefühl zu Hilfe, das sagt ihnen meistens das Richtige!“ wie aus dem
Es rauschte in den Büschen neben ihnen, Erdboden gewachsen stand Roland von Triberg vor den beiden. Ah, sieh da, Roland!" rief Fritz ein wenig verlegen. „ Dein Fräulein Cousine und ich, wir haben bereits Bekanntschaft gemacht."
„ Ich sehe!"
Helene war sehr freundlich auf den Vetter zugegangen; sie streckte ihm beide Hände entgegen und bot ihm die Stirn zum Kuß. Es ist zu hübsch, daß Du herausgekommen bist, Roly! Aber wie drollig Du in Deinem Räuberzivil aussiehst! Die draußen?" Uniform steht dir viel besser; wirst Du ſie gar nicht tragen hier
Wenn Dir damit ein besonderer Gefallen geschieht Meinen Augen- ja! Du bist ein so prachtvoller
Offizier!"
Meinst Tu, Helene? Ich bin leider oft der entgegenBrüdern?" gesetzten Ansicht. Wie geht's dem Onkel und Deinen kleinen
„ Ach!" Helenes strahlendes Antlitz trübte sich plötzlich. Papa ist wieder viel frank, und bei so schlechter Laune! Die Jungen, weißt Du, machen ihm gar zu viel zu schaffen! Egon ist brav und fleißig, aber er hat einen so schweren Kopf, es will und will nicht vorwärts mit ihm in der Schule. Bruno könnte weit mehr leisten, aber er ist faul und steckt voller Streiche und ist auch oft entsetzlich unartig; der bereitet uns die meisten Sorgen! Der kleine Alfred ist unser aller Verzug, aber so zart, so elend, Papa reibt sich auf in dem Gedanken, om feine radikale Hilfe schaffen zu können. Es ist wie ein Wunder, daß ich hier herausgekommen bin, um mich zu amüsieren, aber Tante Eveline, die mich so gut daheim vertritt, bestand darauf, ich müßte eine Erholung haben, und wahr ist es auch, der Winter war nicht leicht für mich! Zuerst der Umzug, wir haben eine kleinere Wohnung gemietet in der Kupferstraße, die alte wurde zu teuer, denn die Ausgaben für die Brüder steigern sich ja natürlich mit jedem Jahr.
Zutraulich, wie eine Schwester zum Bruder, plauderte das junge Mädchen all' das in halblautem Ton an Roland hin, und Friz Norden stand daneben und freute sich dieses hübschen geschwisterlichen Verhältnisses recht von Herzen.
Roland tat noch ein paar Fragen, aber er sah zu Helenens bereitwilligen Antworten zerstreut aus, und mitten hinein bemerfte er mit einer ganz unmotivierten Plöglichkeit:
,, Werden wir denn für immer in dem Laubgang festwurzeln? Ich glaube, die Sonne ist schon hinunter!"
was
So war es wirklich, doch Friz Norden hätte darauf schwören mögen, es sei nicht! Denn was ihm aus des goldblonden Mädchens schönen Augen entgegenleuchtete, konnte es anders sein, als ein gefangener Sonnenstrahl? Aber sie traten hinaus aus der grünen Dämmerung, die sie so geheimnisvoll umfangen gehalten hatte, und schritten über eine kleine Wiese, einen steilen Abhang hinan; da traten des Gartens alte hohe Bäume auseinander, und man gewahrte den westlichen Himmel, pupurdurchflammt, golddurchschwommen, während der letzte Rand des versinkenden Feuerballs eben noch sichtbar war. Eine Schar von Vögeln flatterte auf von einer riesigen Buche, die in der Nähe stand; wie auf ein gegebenes Kommando wiegte sie sich in der klaren Luft, schwenkte dann plötzlich um und stürmte mit weit ausgebreiteten Flügeln geradewegs hinein in den rosigen Abendhimmel, in all die Fluten von flüssigem Gold, die verschwenderisch darüber ausgegossen waren, ( Fortseßung folgt.)
Die Hochzeit.
Humoristische Skizze von Katharina Zittelmann. ( Nachdruck verboten.))
Karl war heute schon zum drittenmal auf dem Bahnhof, um die Verwandten abzuholen, die zu seiner Hochzeit angereist kamen. Vormittags hatten sich als erste die beiden unverheirateten Tanten eingestellt, mit unendlichem Handgepäck beladen, das Karl nur mit Mühe in einer Droschke unterzugelandet, als er fort mußte, um Hans mit seiner Frau zu empbringen gelungen war. Kaum hatte er sie glücklich im Hotel fangen, die vom Posenschen eintrafen, wo der Bruder Direktor einer Brennerei war. Karl mußte ihm sogleich beim Einkauf notwendiger Toilettegegenstände helfen. Es fehlte ihm an meißer Strawatte, Handschuhen, Lackschuhen und Zylinder, ohne die er doch unmöglich erscheinen konnte. Zwei Stunden hatte das gedauert. Darüber hatten sie leider das MittagPolterabend gehörst du doch mir," hatte sie gesagt. Eigentessen versäumt, was Hilda verstimmt hatte. An unserem lich hatte sie ja recht, obgleich er es nicht zugegeben, sondern behauptet hatte, seine Familie hätte das erste Anrecht auf ihn. Der Zug fuhr in die Halle ein, und Karl brauchte nicht lange zu suchen, bis er die Seinen fand. Drei Gesichter lehnten aus dem Fenster des Abteils, aus dem ein vergnügter Lärm hervordrang, das Brausen des Zuges übertönend. Und als er nun die Türe öffnete das ganze Nest war da beisammen! Paul und Georg, die jüngsten, sprangen zuerst heraus; dann kamen Vetter Franz und Onkel August, ſich das Gesicht des Vaters, und zum Schluß tauchte die kordenen Schwester Lise und Cousine Martha folgten. Da zeigte pulente Gestalt der Mutter auf, der er vom Trittbrett herunterhelfen mußte. Nun ging's an ein Umarmen und Abküssen, und da rief es von allen Seiten:„ Wo ist denn Hilda?" Sie wird euch im Hotel begrüßen! Sie hatte keine Zeit mehr. In zwei Stunden fängt der Polterabend an."
die ganze Sippe untergebracht hatte. Der Wirt dienerte, die In drei Droschken ging es in die Stadt zum Hotel, wo Karl Kellner flogen, ein Aufſtand im ganzen Haus! Die Tanten mit Hans und Bertha fanden sich auch ein. Das Begrüßen, das Rufen und Lachen! Als alle im Speisesaal versammelt waren, erschien denn auch die Braut. Die sechsundzwanzig Augen der Herrlichs richteten sich gespannt auf sie. Ihr war, als liefe ſie Spießruten. Sie umarmte die Schwiegereltern und gab den übrigen die Hand, dicht an Karl gedrängt, als fürchte sie sich. Nach wenigen Minuten ging sie wieder. Karl mußte begleiten.
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Die zwölf Herrlichs standen im Kreis bei einander und hechelten das neue Familienglied durch. So sehr sie Karl sein Glück gönnten, das fremde Element, das sich ihnen beigeſellte, reizte sie zur Defensive. Ich habe sie mir hübscher gedacht, begann Lise. Das war das Signal, auf das man nur gewartet zu haben schien; jeder fand etwas an Hilda auszusehen.„ Wenn Karl nur nicht reingefallen ist," bemerkte der Onkel endlich. Mama zerdrückte eine Träne, Papa blies dichte Tabakswolken von sich und sprach tiefsinnig: Verfluchte Geschichte!" Nur Tante Lotte behauptete, ihr gefiele Hilda sehr gut und ebenso ihre Mutter.
Cousine Martha, die selbst gar zu gern Karl geheiratet hätte, meinte bissig:" Dann nimmt er sie wohl der Feinheit megen, Geld hat sie doch nicht!" Die Mutter seufzte:„ Es ist eine Liebesheirat, Karl war immer ein Idealist."- Die Stimung der Herrlichs war grau in grau. Aber das paßte nicht für sie, und so stellte auch der Kaffe, der jetzt gebracht ward, schnell die Laune wieder her. Sie versicherten sich gegenseitig, daß sie einen Bombenhunger hätten, und vertilgten alle Buttersemmeln, deren sie habhaft werden konnten.
,, Nun, mein Kind, wie gefällt dir Karls Familie?" fragte die Geheimrätin ihre Tochter.
Ich kann noch nicht urteilen," erwiderte sie kleinlaut, und für sich fügte sie hinzu:„ Gott sei Dank leben wir ja nicht im selben Orte."
Eine Stunde später empfing Frau Geheimrat Bergmann ihre Gäste. Auch sie hatte eine stattliche Schar von V. rwandten entboten. Zwei Schwestern mit ihren Männern nein es waren Gatten in dieser Familie hätte man sich nie erlaubt, von Männern zu reden; zwei Brüder ihres verstorbenen Gemahls mit ihren Gattinnen und erwachsenen Kindern, dazu ihre eigenen Söhne und die andere Tochter mit ihrem Verlobten, einem Offizier. Der älteste Bergmann, auch ein Geheimer, vertrat die Stelle des Hausherrn. Er sah aus wie ein
Minister, trug einen langen wohlgepflegten Bart und viele Orden im Knopfloch. Auch die anderen Herren waren repräsentative Persönlichkeiten, formvoll und gemessen, während die Damen wie bewimpelte Fregatten daherrauschten im Schmuck ihrer seidenen Schleppen; die Herrlichs waren denn auch anfangs ganz benommen von all dem Glanz. Doch bald besannen sie sich auf die wichtige Rolle, die sie zu spielen hatten. Und so entfalteten sie ihr läumbolles Wesen und taten, als ob sie zu Hause wären. Die rotbäckige Mama Herrlich setzte sich breit und gemütlich neben die blasse steife Geheimrätin und pries das Glück ihres Schwiegertöchterchens, daß sie einen Mann wie Karl bekomme. Dessen Vater stand mit einem von Hildas Onkel in einer Fensternische und setzte ihm die außerordentliche Bedeutung seiner Fabrik auseinander. Die zehn anderen Herrlichs tauchten wie die Wellen eines Stromes an seiner Mündung im Meer der Bergmanns unter. Tanten und alles Onkels, Brüder und Nichten, Schwestern und Vettern wirbelte durcheinander und versuchte mit geringem Erfolg wohlwollende Gefühle in sich auszulösen. Nur Karl ging strahlend durch die Menge. Er amüsierte sich königlich über die Gegensätze, die hier aufeinanderplatten, und hielt sich in seinem Bräutigamsglück aller gesellschaftlichen Pflichten enthoben. Hilda dagegen hing verschüchtert an seinem Arm und dachte mit Schreck: Die soll ich nun lieben?"
Eine große Tafel war im Wohnzimmer aufgestellt, die brach fast unter der Last der Geschenke. Das war der neutrale Punkt, an dem sich die Herrlichs und Bergmanns trafen. Einträchtig bewunderten sie die Teppiche und das kostbare Silber.
Die Aufführungen begannen. Es war sehr eng und alles heiß. Aules stieß, schob sich, schwitzte und stöhnte zu Ehren des Brautpaares. Die älteren Leute fanden aber doch Plätze neben und hinter diesem; die jungen mußten stehen.
Es gab tuirende Bäuerinnen, die schwache Verse aufsagten, Leierfastenmänner, die wißige Couplets sangen, und dann ein Lustspiel, das die Verlobungsgeschichte des jungen Paares behandelte und von den Eingeweihten sehr belacht wurde. Natürlich kam der Bräutigam darin schlecht fort, und man hielt ihm allerlei Derbheiten vor, mit denen er gegen den Ton des Bergmannschen Hauses verstoßen und Heiterfeit erregt hatte. Da spielte besonders die Wurst eine Rolle, die er seiner Braut mitgebracht, während Margots Verlobter dieser einen Strauß verehrt hatte. Karl hatte unbändig darüber gelacht und den Humor der Sache wohl begriffen; seine Familie nahm das bitter übel und rächte sich, indem sie sich über die folgenden Darbietungen luſtig machte.
Am Büfett trösteten sich die Herrlichs über die vermeintlichen Kränkungen. Sie nahmen die Ehrenpläße ein, und Speisen und Getränke entsprachen ihren Erwartungen. Mit einem Tanz schloß dieser vergnügte Polterabend, und alle Teile atmeten auf.
Wie sehnte sich Hilda nach einer halben Stunde des Alleinseins mit dem Geliebten. Aber Mama sagte, sie brauchten beide Ruhe, und Karl war es offenbar ganz recht so; er wollte noch mit seiner Familie zusammen sein.
Die Seinigen hetzten ihn dann gehörig auf. Man schäße ihn nicht genügend. Er wolle wohl ein Pantoffelheld werden? Hilda sei ja ganz nett, aber er hätte tausend ebenso nette friegen fönnen. Er lachte dazu und meinte, sie sollten sie nur erst ordentlich kennen lernen. Nur mit dem Kochen werde es bedenklich stehen, er bäte die Mutter, ihm Kochrezepte zu schicken, es schmecke ihm bei der Schwiegermutter lange nicht so gut wie zu Hause.
Es ward ein sehr vergnügter Abend, der sich bis spät in die Nacht ausdehnte. Karl war zum erstenmal nach langer Zeit mit all den Seinen zusammen und genoß die Freude von Herzen. Dies war Blut von seinem Blut, und Geist von seinem Geiſt. Nie hatte er so start wie heute empfunden, wie tief er im Boden seiner Familie wurzelte, wie fremd er im Innersten der neuen Familie sei. Wie man sich verstand! Gin Blick genügte, ein Wort, um eine Erinnerung wach-, ein frohes Lachen hervorzurufen.
Die Bergmanns konnten während dessen ihren Empfindungen über die neue Verwandtschaft nur in Einzelgesprächen Luft machen. Hildas Brüder tauschten beim Zubettgehen ihre Beobachtungen aus. Tante Lotte ist ja unbezahlbar," begann Sturt. Die ist noch die Beste!" gab Friß zurück.„ Aber die Schwiegermutter! Möchtest du der' n Kuß geben? Hilda tat es ganz herzhaft! Wie mir die leid tat!" meinte Kurt. sch glaube, ich heirate nicht!" Glaubst du, daß wir den Herrlichs gefallen?" fragte Sturt pfiffig. Verfluchte Geschichte," brummte er dann, den Vater Herrlich imitierend,


