Nr. 7.
Erstes Blatt.
bonnementspreis: in Siefen, abgeholt menatlich, 50 fs.. ta's Saus gebracht 60 fg., durch die Poft bejogen diertels fahrlich Mr. 1.50.
Bratisbellagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffiiche Beitschrift für Landwirtschaft, Ob- unb Sartenban, sowie die Gießener Geffenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berkingen nagusitego.
Samstag, den 9. Januar 1904
Gießener
13. Jahrgang.
Jufertionsprei die einfaltige Bettzelle für Gießen u ganz Oberbeffen, die Kreise Meler und Barburg 18 ta font 15 Pfg.: Rellamien bie Betitgeile 36 refp. 40 84.
Boftzettungsliste No. 3909.
Rebattion und Expedition: Gießen Neuenweg 98. Seruiprechenfinf Mr. 368.
Neuelle Nachrichten
( Siefouer Tageblaff)
Anaßßängige Tageszeitung
( Bickener Belém
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Sießen und anderer Behörden von Oberhelfen.
Sieg und Ehre.
[ Politische Wochenschau.]
Wenn demnächst die Reichsboten wieder zu löblichem Tun am Königsplatz zu Berlin zusammentreten, dann wird schon der erste Tag einen heißen Streit und ein heftiges Ringen der Gegensäße bringen. Auf der Tagesordnung steht nämlich die Interpellation über die Kündigung der Handelsverträge, die von dem Grafen Kaniß begründet wird. Da aber der Ton die Musik macht, so läßt sich ein großer Tag erwarten. Graf Kanit hat selbst bereits öffentlich angekündigt, daß er es„ an Deutlichkeit nicht fehlen lassen werde", und von seinem früheren Auftreten im Parlament weiß man ja, daß bei der Erörterung wirtschaftlicher Fragen auf seiner Laute keine Mollakkorde erklingen. Die rechte Seite des Hauses hält noch immer daran fest, daß die Regierung durch eine Kündigung der Handelsverträge die fremden Staaten vor die Entscheidung stellen müsse, ob sie mit uns einen vertraglich geregelten Handelsverkehr unterhalten wollen oder nicht. Die Regierung will indes darauf nicht eingehen. Nach ihrer Ueberzeugung kann nicht eine aggressive Handelspolitik, sondern nur ein maßvolles Diplomatisieren Sieg und Ehre bringen.
Um„ Sieg und Ehre" dreht es sich auch bei dem Crimmitschauer Weberstreik, der nach dem Scheitern der Ausgleichsverhandlungen in ungeschwächter Schärfe fortdauert. Wer immer aber auch der obsiegende Teil sein mag, er muß die Niederlage seines Gegners mit eigenen schweren Opfern erfaufen. Die ganze Tertilindustrie in Crimmitschau steht vor der Gefahr einer vollständigen Vernichtung. Allerdings hat der Weberstreif auch ungewollt technische Fortschritte gebracht. Das Maschinensystem und die Betriebsweise im Ausstandsgebiet war teilweise veraltet, und daraus erklärt sich auch die geringe Neigung der Unternehmerschaft, auf eine Aenderung in den Lohnbedingungen und in dem Arbeitssystem einzugehen. Auch den Lohnkämpfen wohnt also die Tendenz inne, technische und ökonomische Fort schritte zu erzeugen, denn je höher die Lohnliste des einzelnen wächst, um so mehr muß der Unternehmer darauf be dacht sein, durch Arbeit und Geld sparende Maschinen das Anwachsen der Betriebsausgaben zu verhüten. Wenn nach Beendigung des Crimmitschauer Weberstreiks der Betrieb wieder aufgenommen wird, dann werden die Unternehmer wohl, um die Verluste auszugleichen, einem besseren System sich zuwenden müssen und dies um so mehr, als die Konfurrenten in verschiedenen Teilen Deutschlands schon jetzt mit gutem Beispiel vorangegangen sind. Das ist das versöhnende Moment, das in dem Lohnkampfe liegt, daß der Gegensatz zwischen den Arbeiter- und Unternehmerinteressen durch die technischen Fortschritte ihren Ausgleich findet. Aber immerhin bleibt der Kampf bedauerlich, weil durch ihn die menschlichen Leidenschaften in einem höheren Grade entfesselt worden sind, als es je vorher der Fall war. Die virtschaftlichen Interessen sind bei diesem Ringen vollständig zurückgetreten hinter der Machtfrage. Für beide Parteien handelt es sich nicht mehr um ökonomische Vorteile, sondern um Sieg und Ehre.
Auch in unserem benachbarten und verbündeten Kaiserstaat Desterreich- Ungarn spielt augenblicklich der imaginäre Ehrbegriff der Nationalitäten eine maßgebende Rolle. Der österreichische Ministerpräsident Dr. v. Koerber hat sich den Regierungsgrundsatz erwählt, daß in den gemischsprachigen Landesteilen keine Veränderungen zu gunsten einer Nationalität ohne die Zustimmung der anderen eingeführt werden tönnen. Nur so fonn das Prinzip der strengte
Der Wildhirt.
Eine oberhessische Dorfgeschichte von J. Beder. ( Fortsetzung.) ( Nachdruck verboten.)
Tiophet machte sich sofort an das Aufbrechen und Zerwirken des Tieres, während Hangcurt in die mond
helle Nacht hineinlugte, um das mögliche Herannahen eines Forstlaufers zu vermelden. Die Burschen hatten jedoch Glück, denn es blieb fern und nah alles still.
Endlich war Tiophel mit dem Hirsch fertig und beide schafften ihn nach der alten Lehmkaute, wo sich Tiophel eine Grube angelegt hatte, in der er die Stücke des zerlegten Tieres verbarg. Sie befand sich unter einigen großen auf einen Haufen gewälzten Steinen neben einem Dornbusch. Er entfernte jene und nachdem er das Fleisch hübsch sorgfältig hineingebettet, überdeckte er die Grube wieder, stampfte die Erde über ihr fest und wälzte die Steine darauf. ,, So, nun mag einer kommen und sehn ob m'r den Zwölfender geschossen," sagte er befriedigt. Mittlerweile war die Dämmerung des kommenden Tages angebrochen und Hangcurt hielt es daher auch für geraten, nach Hause zu gehen, um wenigstens nicht am hellen Tage ins Dorf zu kommen. Nachdem er dem Tiophel sein Wiederkommen am anderen Tage versprochen, ging er eiligen Echittes nach dem Dorfe, in dessen Nähe angelangt, er seinen Weg durch die Gärten nahm, bis er den Hausgarten seines elterlichen
durchgeführt werden, während die frühere Regierungspoliti des Grafen Taaffe, der bald der einen, bald der anderen Nationalität in blinder Wahl Zugeständnisse gemacht hat, systematisch zur Lahnilegung des konstitutionellen Regiments geführt hat. Denn je nach dem Wechsel der Zugeständnisse löfte eine Nationalität die andere in der Obstruktion ab und es ist nun dahin gekommen, daß das österreichische Parlament nur noch ein Sprechsaal für öffentliche Angelegen heiten ist, aber faum noch als ein Faktor der Staatsverwaltung gelten kann; seit Jahr und Tag wird in Cisleithanien auf Grund des§ 14, d. h. auf dem Wege der Verordnungen und nicht mehr auf dem Wege parlamenta rischer Beschlußfassung regiert. Der österreichische Minister präsident will indes die Verfassung allmählich wieder in Kraft setzen, indem er die verschiedenen Nationalitäten zwingt, durch außervarlamentarische Verständigung einer Ausgleich zu stande zu bringen. Es scheint aber, daß mar im Volke für die Bedeutung und den Wert des Parlamen tarismus kein Verständnis mehr hat, denn bis jetzt sind alle Verhandlungen ergebnislos verlaufen. Die Nationalitäter fämpfen nicht mehr für das allgemeine Interesse, sonderr nur um Sieg und Ehre. Hier gilt so recht das Wor Uhlands Töricht Herz, das Sieg und Ehre mißt nach dem Erfolg des Augenblicks, des ewig wechselnden!"
Von ähnlichen Beweggründen durchdrungen ist auch die Wirksamkeit des ungarischen Abgeordnetenhauses, wo das Magyarentum bemüht ist, dem ganzen Staatswesen seiner Stempel aufzudrücken. Wenn nicht alles trügt, schein leider auch die Widerstandsfähigkeit unseres nationaler Außenpostens, des sächsischen Bruderstammes nämlich, ge brochen zu sein. Nachdem er sie jahrelang einen verzweifelter Kampf um die nationale Ehre geführt hat, sind jetzt die sächsischen Abgeordneten wieder der liberalen Partei beige treten und haben somit die Taftif eines vereinigten Kampfes der nichtmagyarischen Volksteile gegen die Vormacht des angarischen Staates aufgegeben.
Während in Desterreich- Ungarn der Kampf der Gegen säße vorzugsweise politischer Natur ist, ringen in Englani die wirtschaftlichen Parteien um Sieg und Ehre. Chamber lein ruft unausgesetzt, ein moderner Peter von Amiens das Volk zum Kampf für den Schutzoll auf, es scheint aber daß in der Regierung, bezw. bei dem König, seine Gegne die Oberhand behalten haben, denn das Königspaar hat un mittelbar, nachdem der Herzog von Devonshire, der Führei der Gegenpartei, aus seinem Agitationsfeldzug heimgekehr ist, diesen in ostentativer Weise vor allem Volke durch einer feierlichen Besuch ausgezeichnet. England will offenbar einen Uebergang zum Schutzzoll vermeiden, um mit deste größerem Nachdruck in der Welt und insbesondere in Ost asien für die Politik der offenen Tür eintreten zu können Bislang war diese gewährleistet durch den Gegensatz zwischer Rußland und Japan, der jetzt zu offenem 3wist drängt Wird es den Diplomaten gelingen, durch maßvolle Besonnen heit das Aeußerste zu vermeiden oder sind die Würfel schor unaufhaltsam im Rollen zu einem blutigen Spiel um Sieg und Ehre?
Die Politik.
,, Aus unanfechtbarer Quelle" will die" Soz. Prar." erfahren haben, daß die Frage der Rechtsfähigkeit der Bernfsvereine seit einigen Monaten amtlich geprüft werde. Die Erteilung der Rechtsfähigkeit an die Berufsvereine ist be= fanntlich ein alter und allgemeiner Wunsch der Arbeiter. Auch die fünast vom Reichskanaler empfangene nichtsozialHoies erreichte, der an die hintere Seite des Wohnhauses grenzte, wo das Fenster seiner fleinen Schlaffammer offen stand. Er holte sich vom Hofe eine Leiter, welche er anlehnte, so daß er einsteigen konnte. Nachdem dies geschehen, stieß er die Leiter mit dem Fuß zurück. Sie fiel an der Wand des Hauses hinab. So wurde man doch so leit nicht gewahr, daß er eingefticaen mar
Tiophel streckte sich draußen in seiner Einsamkeit auf das weiche Lager auf dem Boden der Hütte nieder und schnarchte dem Sonntag entgegen.
Am andern Worgen schien die Sonne hell und freundlich. In dem umwaldeten Feldeinschnitt, dem sogenannten„ Lichten Holz", an dem die Wildhütte stand, war es wie in einem Paradiese. Rings in den Zweigen, in denen sich hie und da schon das Grün hervorwagte, ertönte ein lebhaftes Vogelfonzert, der Kuckuck schrie und die Wildtauhen girrten, dann und wann spielte ein leises Morgen! nftchen- allenthalben mächtiges Treiben in der schaffenden Natur. Man fonnte es dem Wildhirten nachfühlen, daß er mit Liebe an seinem Amte hing.
Da tam ein robust aussehendes Weib um die Waldecke vom Felde daher und schritt auf die Hütte zu. Es war Tiophels Mutter, die an der Hand einen Korb trug, in dem sie ihrem Sohne mancherlei Sachen brachte.
" Ich muß doch sehen, was Du machst", meinte fie. als sie in die Hütte trat. Wie geht Dir's da?"
demokratische Arbeiter deputation unterbreitete ihm diesen Wunsch als eine ihrer drei Hauptforderungen.
O Ohne Angabe von Gründen ist der deutsche Reichstagsabgeordnete Pfarrer Delsor- Nordheim aus Frankreich ausgewiesen worden, als er vor 800 Personen, unter denen sich auch Frauen und Kinder befanden, in Luneville einen religiös. sozialen Vortrag halten sollte.
Die vielfachen Klagen der ländlichen Lehrer wegen zu niedriger Bewertung der Dienstwohnung haben dem preußischen Kultusminister Anlaß gegeben, die Bezirksregierungen zu beauftragen, im Jahre 1904 eine neue Ginschätzung der Lehrerdienstwohnungen vorzunehmen.
Abgesehen von der großen ,, wasserwirtschaftlichen Vorlage", der Kanalvorlage und der Ergänzung des schlesischen Hochwasserschutzgesezes, wird sich der preußische Landtag noch mit anderen wasserwirtschaftlichen Vorlagen zu beschäftigen haben. Es wird von der Regierung beabsichtigt, durch ein besonderes Gesetz die rechtlichen Grundlagen für die dem Bedürfnis entsprechende Freilegung des Ueberschwemmungsgebietes der Oder zu schaffen. Aber auch in den übrigen Strömen und Flüssen haben sich die geltenden gesetzlichen Bestimmungen über die Freihaltung der Hochwasserabflußgebiete als nicht mehr ausreichend erwiesen. Ein für das gesamte preußische Staatsgebiet geltendes Gesetz über die Freihaltung der Ueberschwemmungsgebiete wird daher dem Landtage in der nächsten Tagung zugehen.
Oefterreich- Ungarn.
Merkwürdige Dinge kommen in österreichischen und ungarischen Blättern angesichts der Bileker Soldatenmentereien zu Tage. Auf Grund eines von dem Führer der ungarischen Liberalen, Banffy, herrührenden Artikels im „ Magyar Szo" äußern die Blätter den Verdacht, daß die Soldatenausschreitungen in Bilef von jenen ungarischen Politikern geschürt wurden, die schon früher auf dem Wege über Frankreich russsches Geld verdient hätten und nun auf dem Wege über Serbien in Bosnien Unruhe stiften wollten. Auch das Kriegsministerium habe einen solchen Verdacht ausgesprochen. Gemeint ist mit diesen Andeutungen offenbar der ungarische Abgeordnete Ugron, der bekanntlich früher für einen Anschluß an die französischrussische Allianz tätig war und dafür bezahlt worden sein soll. Jedenfalls wird dieser Preßfeldzug noch stürmische rarlamentarische Szenen in Budapest zur Folge haben. Uebri
gens sind schon wieder neue Me utereien zu verzeichnen: Eine Anzahl drittjährige Honvedhusaren durchzogen in Baja mit gezüchten Säbeln die Straßen und zertrümmerten viele Fenster, bis Patrouillen einschritten. Die Kasernen wurden gesperrt.
Der Erzbischof von Olmük, Dr. Kohn, wurde nach Rom berufen, wo er wegen seiner Uebergriffe gegen Geistliche, namentlich wegen Verlegung des Beichtgeheimnisses, von der Surie abgeurteilt werden soll. Der Papst hat ihm mun befohlen, auf den Erzbischofssizz freiwillig zu verzichten. Falls der Erzbischof sich weigert, so würde ein großer Prozeß die Folge sein. Ein Erzbischof ist nach dem Kirchengeset unabsetzbar.
England.
Im Anschluß an den allgemeinen englisch- französischen Schiedsgerichtsvertrag wollen beide Länder jetzt auch noch ein besonderes englisch- französisches Koloniol- ebereinkommen
„ D, mir gefällt's ganz gut", erwiderte Ttophel, indem er sich vom Lager erhob und die Arme reckte, wobei er gähnte.
M'r meint, wärst noch müd'."
Tiophel nickte." M'r haben heut' Nacht' n guten Fang getan."
" So, ei was habt'r da?" fragte die Gänsehannessin neugierig.
' n schweren Hirsch ich und der Hangcurt!" " was! Ei, wo habt'en da?"
" Dort drüben in der Lehmfaut. Da hab' ich m'e die Nächte her so'ne Grube ang'legt, wo ich alles' neinthu', was m'r nit finde soll. Ich hab auch da' ne Keule unter den Dörnern im Moos liegen. Die will ich Euch mitgeben, Mutter, die fönnt Ihr zu Haus gleich braten und' rausbringen, denn es is möglich, daß der Hangcurt heut Nachmittag' rauskommt und dann wollen m'r uns mal was Guts thun."
Die Gänsehannessin war über diese Geschichte sehr erfreut, denn sie war eine große Freundin von gebratenem Fleisch, noch dazu, wenn es Wildpret war, das nichts foſtete. Sie packte darum auch die Keule, als der Tiovhel sie ihr gegeben, sorgfältig in den Korb und ging damit nach ihrer Hütte oben am Ende des Dorfes zurück, in de bald ein lustiges Feuer loderte, über dem es lebhaft briet.
( Fortsetzung folgt.)
Namens cine
fein Vater, der äußerlich ſtart gealtert, im übrigen aber un
Sia rme ichloß,
Brunnenkuren. Flußbäder und so weiter zum Vorwand neh
men, um auf Birkenfelde ihre Sommerfrische zuzubringen."
3rd
selbstquälerischer Absicht malte er sich aus, wie es
nun sein würde, wenn Emmys liebe Gestalt für immer von richmunden wäre, wenn sie diesseits oder jenseits In


