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Teien vertieft. Er wandelte in die Nacht hinaus, seiner Woh­nung zu, dem, was er sein Heim nannte. Es war einer jener finsteren und frostigen Abende, wo fein Stern erglänzt und wo der Mond sich mausert. Und von ferne dröhnte etwas wie ein Gewitter, das erste im Jahr. Stöberer schüttelte sich, als der Zug ihn anwehte und der Sturm die Tür Erichs Händen entriß und sie wie wütend ins Schloß warf.

Achtzehntes Kapitel.

An demselben Abend befand sich Moritz auf Staudiushof. Seine Mutter hatte ihm erlaubt, das Abendessen mit ihr einzunehmen, und das war eine Zeremonie, welcher der Sohn stets mit Schrecken beiwohnte. Er saß ihr gegenüber und sah zu, wie ihr altes weibliches Faktotum ihr die Suppe zum Munde führte. Frau Moritz war seit dem Herbst ge­brechlicher geworden als je. Jener vesuvische Ausbruch der Wut gegen Erich Staudius hatte ihr armes altes Herz, dessen Klappen ohnehin schon nicht mehr recht gangbar waren, völlig derangiert. Sie lebte eigentlich nur noch von ihrem Hasse und war von dieser galligten Nahrung ganz gelb und runzelig geworden, so daß sie in ihrer schwarzen Lockenperücke einen geradezu phorkyadenhaften Eindruck machte. Selbst ihr wenig empfindsamer Sohn konnte sich gegen denselben nicht völlig verschließen. Er saß da, und eine geheime Angst malte sich auf seinem Gesicht, während sie ihn anstarrte. Dazu bezeigte sie sich heute ganz besonders wohlwollend gegen den Sohn, fühlte sogar das Bedürfnis, seine Hände zu tätscheln, und hatte ihm erlaubt, ihr einen Ehrfurchtskuß auf die Stirn zu geben, auf diese Stirn von morschem Erz, hinter welcher so viel böse Gedanken gloseten.

Die arme alte Dame hatte neuerdings ein gut Teil ihrer Sinne eingebüßt; sie sah schlecht, sonst würde es ihr kaum entgangen sein, daß ihr Sohn nun in heller Bein und halber Verzweiflung ihr gegenüber saß. Er ersehnte, eine Stunde mit der Mutter allein zu sein, aber das dienstbeflissene Fräu­lein wich ihr nicht von der Seite. Und Moritz wußte es ja aus Erfahrung, daß dies überhaupt nicht zu erhoffen wäre. Er stöhnte also nach Beseitigung der Suppe ein paarmal und stieß endlich heraus:

Mamachen, ich habe mit dir zu sprechen."

Immer zu, mein Söhnchen," lallte es wie aus einer Sprechmaschine zurück, und das alte Fräulein, die Wünsche der Gebieterin vorausahnend, hielt ihr die Lorgnette vor die Augen, durch welche gesehen, dieselben ins Riesige vergrößert erschienen, gleich Cyklopenaugen. Dazu ein gemächlich sein sollendes Grinsen- Moritz blickte entsegt zur Seite.

,, Hast was zu sprechen? Nun, was sagt er?" Die letzteren Worte waren an die Gesellschafterin ge­richtet.

Ich soll wahrscheinlich hinausgehen," rief diese der gnädigen Frau laut ins Ohr.

Hierauf ein angstvolles Gezappel der Marionette. " Nein... meine Liebe, beileibe nicht; meine Tinka­Tinka bleibt bei mir."

Darauf ein Tätscheln auch von Tinka- Tinkas" Pätschchen. Dann wieder das gemächliche Grinsen.

,, Rede nur, mein Söhnchen."

Ich muß wohl, da du es so willst, Mamachen. Aber es ist ein heikles Thema... Geldangelegenheiten gelten wenigstens dafür."

Die beiden alten Damen ficherten.

,, Hab's kommen sehen, mein Söhnchen; o, man hört und sieht noch, was am Bollwerk vor sich geht, da im alten Haus dieser Staudius, was...?"

Er ist mein Tod!" stöhnte Moritz zusammenknickend. Die alten Damen ficherten wiederum höchlich amüsiert. Mamachen, ich bitte dich," flehte der Sohn mit sich steigerndem Entsetzen.

Er ist sein Tod, Fräulein," minaudierte Frau Moritz, und die Gesellschafterin nickte und zappelte verständnisinnig. Dann wandte sich diese Vertraute an den Sohn und winkte ihm in demselben Sinne zu, als hätte sie auch ihn auf irgend eine Vertraulichkeit vorzubereiten.

Er ist sein Tod... hihihi!" lachte die Herrin von Staudiushof; dann nahm sie mit vieler Anstrengung die Lorgnette in die eigene Hand und richtete die gläsernen Linsen derselben abermals auf den Sohn.

Mußt es aushalten, Josephchen... hast keine Kurage, selbst sein Tod zu sein, wie? Mußt es aushalten. Aber

Staudiushof wird deshalb

und

wenn er

nicht verkauft Millionen dafür böte. Deine Mutter wird sich nächstens ein schönes Mausoleum bauen lassen, auf der Terrasse, ja... ja... jachen... an der Stelle, wo die Sonnenuhr steht mit dem Lateinischen drauf. Das kannst du mir dann über den Eingang einmeißeln lassen: Sumus umbra, und der Staudiussche Umbra tann mitternachts an die Tür klopfen. Dann werde ich rufen: Herein... herein! Umbrachen, herein!"

So rief sie ganz laut im blasphemischen Hohn und ver­suchte ihr heiseres Krächzen in eine Grabesstimme zu ver­wandeln. Ihr Sohn wandte sich ab und begrub sein Gesicht in den Händen.

,, Nein, die Frau Amtmann sind aber heute bei Humor!" schnüffelte die Gesellschafterin.

Und darüber geh' ich zu Grunde!" knirschte Moritz. ,, Er würde jeden Preis zahlen."

,, Wirst nicht zu Grunde gehen, mein Josephchen, wirst nicht...!" minaudierte die alte Dame, und es lag etwas in ihrem Ton, was Morik veranlaßte, emporzufahren und die Mutter aufs neue mit noch größerem Entsetzen anzusehen. Die Gesellschafterin winkte ihm wie zuvor und flüsterte ihm Tröstung zu.

Er zahlt einen Preis, höher als Sie denken, junger Herr. Lassen Sie Ihre gnädige Frau Mutter nur sorgen," flüsterte sie, von der Hausherrin unbemerkt.

Diese nun minaudierte, mit ihren eigenen Phantasien beschäftigt, in demselben Tone fort.

,, Das ist ja meine Sicherheit, daß diese Raufbolde alle feine Kurage haben. Vor einem alten Weibe haben sie Angst fönnte sie beheren... ich... hihihi, aber hetzt sie auf in der Schenke, zu einer Bolterei, wobei ihrer viele sind... da sind sie alle dabei. Die Schnecke... die Schnecke. ja, ja, das ist dein Tod... hihihi! Dein Tod sollt's sein, mein Söhnchen, und meiner und nun... nun kehren wir den Spieß, um, das ist Kriegsgebrauch. O, wir sterben noch lange nicht, wie? Tinka- Zinkachen? Und à la guerre comme à la guerre. Wir haben ja jetzt Neumond Mond... Mond... hihihi, man sieht nichts als Schatten, umbra, Sumus umbra... Mond... hihihi! Knüttel, Knüttel, Knüttel!"

Vielleicht sieht er ihn nicht mehr, den neuen Mond, der Todfeind," flüsterte die Gesellschafterin geheimnisvoll, sich hinter den Stuhl der Frau Moritz stellend, so daß ihre Reden und Gesten sich derselben verbargen.

Moritz sprang auf und faßte sich mit beiden Händen an die Stirn. Sie war schon längst von faltem Schweiß bedeckt. Nein... nein!" stieß er heraus.

Die Mutter ließ das flapperartige Gelächter wieder ver­nehmen und verlor die Gewalt über ihre Sprachwerkzeuge. Sie lallte etwas Unverständliches und ballte die Faust; die Lorgnette fiel neben ihr zu Boden.

,, Erklären Sie mir!" stöhnte Morih, um den Tisch herum­eilend und den dürren Arm der Zofe ergreifend, während seine Mutter sich vergebens umzusehen bemühte und, in heller Angst um ihr Leben, einige Töne herausstieß, welche wie ein halberstickter Ruf nach Hilfe flangen.

Aus der schuldbewußten und teuflisch verschmigten Miene der alten Gesellschafterin mochte Morit gemig herausleien Er war von seiten der Mutter auf Dinge gefaßt die fich nicht aussprechen lassen.

Sie müssen das verhindern, um alles in der Well" stöhnte er, kalt werdend und von Kopf zu Füßen zittern, 16 daß seine Zähne klapperten und die Worte sich ibu taft ber sagten. Ich bin vollends verloren, wenn dergleiden ar­schieht. Mutter! Mutter!" rief er, sich fast unsere a diese wendend, Sie wissen nicht, daß ich das Opfer bin F darf die Hand nicht gegen ihn erheben... Stöberer würde alles verraten."

Er sank neben der Mutter hin und erwthre Füßen.

Frau Moritz griff mit den Händen um sich und ru dann von ihrem Tinfa- Tinfachen in einige Entfernung vow Tisch und von dem winselnden Sohn hinweggerüdt.

Er spricht etwas von Stöberer!" rief ihr diese ins Ohr. Der... der... muß gehorchen... Zuchthaus!" stieß Frau Moriz heraus, Fälscher!" ( Fortsetzung folgt.)

Kannst du das Schöne nicht erringen, So mag das Gute dir gelingen. Ist nicht der große Garten dein, Wird doch für dich ein Blümchen sein. Nach Großem dränget deine Seele? Daß sie im Kleinen nur nicht fehle! Tn heute recht das ziemte dir; Der Tag kommt, der dich lohnt dafür. So geht es Tag für Tag, doch eben

Aus Tagen, Freund, besteht das Leben. Gar viele sind, die das vergessen:

Man muß nur nicht nach Jahren messen.

1. D.

Humoreske von Alerander Wilke.

( Schluß.) ( Nachdruck verboten.) ,, Sagen Sie mal, Herr Hauptmann," meinte Matschke, indem er die Gläser hinstellte, wir sprachen vorhin eben drüber, was meinen Sie, könnte man hier nicht in Schluckwit den Lohengrün" aufführen?"

Der Hauptmann sah seine Frau verstört an. Frau Erna biß sich auf die Lippen, um nicht zu lachen. Matschke merkte 3 und zog sich verletzt an den Tisch zum Herrn Birke zurück. Das Stück kennen Sie wohl gar nicht mal!" meinte er geringschätzend.

,,, doch, Herr Wirt," lachte Frau von Werner, aber ich glaube nicht, daß man hier solch' große Opern aufführen fann!"

eier.

Frau Matschke brachte nun das Pökelfleisch und die Rühr­

,, So, Herrschaften, na, da werden Sie wohl davon satt werden!"

,, Donnerwetter," dachte der Hauptmann, ich bin's schon vom Sehen."

Ja, lieber May, gestern abend im Savoy- Hotel in Berlin haben wir freilich besser diniert."

Frau Matschke hatte sich wieder neben ihren Mann gesetzt. Du hör' mal, der dicke Direktor, ob der auch mitspielen mag?"

Ich kann ihn ja mal fragen!" sagte Matschke. Sagen Sie, Herr Hauptmann," rief er herüber, was wollen Sie denn hier in Schluckwitz für' ne Rolle spielen?" Das ist aber stark," fuhr der Hauptmann entrüstet auf. Gott, sei nur still, Max, wir gehen dann bald hinauf!" besänftigte Frau Erna.

Ich meine," fuhr Herr Matschke weiter fort,' ne große Rolle können Sie doch wohl nicht mehr spielen?"

,, So eine Unverschämtheit," knirschte Herr von Werner, ,, komm, Erna, wir gehen hinauf!" Die beiden erhoben sich. Bitte, uns unser Zimmer zu zeigen!" rief der Hauptmann barsch.

Wollen Sie denn schon gehen?" fragte Frau Auguſte erstaunt und erhob sich, Sie haben ja gar nischt gegessen?"

,, Danke, der Apeptit ist uns vergangen!" brummte Herr von Werner. Der alte Matschke trat näher.

Aber bezahlen müssen Sie deswegen doch, das macht eine Mark fünfzig und Bier vierzig, zusammen eine Mark neunzig, Logis können Sie ja auch bald bezahlen, Sie werden sich ja doch in der Stadt morgen' ne Wohnung suchen. Logis macht zwei Mark, zusammen alles drei Mark neunzig!"

Der Hauptmann zog sein Portemonnaie und warf ein Zwanzigmarkstück auf den Tisch.

,, So, nun bitte zeigen Sie uns das Zimmer!" Der alte Matschke betrachtete höchst erstaunt und prüfend das Goldstück, dann ließ er es einige Male aufklirren.

,, Geh, Auguste, zeig' das Zimmer. Von dem Gelde gebe ich Ihnen morgen früh wieder!" rief er dem Haupt­mann nach.

Kaum war das Ehepaar von Werner mit Frau watschke draußen, als der Briefträger einen Brief zum Fenster herein­reichte. Herr Matschke öffnete und las.

,, Was ist denn?" forschte der Katastersupernumerar neu­gierig.

Ach, da schreibt eben ein neuer Bezirksoffizier von Wer­

ner, er käme heut Abend an, und verlangt ein Zimmer mi zwei Betten. Wird wohl jetzt mit dem Zuge fommen. Da will ich nur's Haus aufschließen gehen. Gut, daß meine Frau den Schauspielern oben das kleine Zimmer zurecht ge­macht hat."

Kaum war der Wirt wieder an den Tisch Birkes gelangt, als man draußen Stimmen hörte.

"

Eine Finsternis in der Bude hier, Donnerwetter, komm hier Elvira, bonsoir Messieurs!"

,, Ah, da sind sie schon!" flüsterte Herr Matschke.

Ganz ergebenster Diener, meine Herrschaften," näherte

er sich nun mit einer tiefen Verbeugung, ich freue mich, die Herrschaften in meinem Hause zu sehen!"

Der Herr Direktor hatte einen etwas schäbigen Künstler­havelock an und seine Frau Elvira sah etwas verschroben aus mit ihrem großen Hute mit fnallroten Blumen.

Na, gibt's was zu trinken, Herr Gastwirt, habe einen kannibalischen Durst!" rief der Direktor.

,, Und ich Hunger!" ergänzte Frau Elvira.

,, Stehe sofort mit allem zu Diensten, darf ich vielleicht einen guten Rotwein heraufbringen, Herr Baron, meine Fran erscheint auch gleich und wird alles hergeben, was die Speise kammer aufzuweisen hat!"

,, Gott, machen Sie keene Geschichten," meinte etwas ver wundert der Herr Direktor, aber wenn Sie gerade wollen, können Sie ja Rotwein ranschleifen!"

Wie bescheiden," dachte Herr Matschke im Abgehen, anders wie die Schauspieler, die gleich welchen verlangten. Auf dem Flur traf Matschke den alten Gepäckträger, der mit einem Koffer hereinfam.

" Hier bring' ich für Herrn Hauptmann v. W." steht darauf.

den Koffer,

Aha, die Herrschaften siten drinnen," sagte Matschte, wir wollen mal fragen, ob sie den Koffer bald' rauf haben wollen." Darauf öffnete er die Tür wieder.

Hier bringt der Gepäckträger den Koffer, Herr Baron!" Der Direktor drehte sich verwundert um. Wir haben ja gar keinen mit."

,, Na ,,, v. W." steht doch daruf, Herr Baron?" " Was geht das mich an, warum nennen Sie mich über­haupt Baron, ich heiße doch Wilhelm Hauptmann, ich schrieb Ihnen doch, ich bin der Theaterdirektor!"

Nach einigen Minuten stand Herr Matschke tief betrübt vor dem Wernerschen Paare und bat um Entschuldigung über den Irrtum.

Das ist ja köstlich," freuten sich der Hauptmann und ſeine Frau, wir waren schon halb verzweifelt, na, gut, nun führen Sie uns in das bessere Zimmer, und bringen Sie uns einen guten Rotwein herauf. Und dem anderen Hauptmann da unten, setzen Sie auch eine Flasche hin, die Sie mir mit anrechnen können, und ein andermal behandeln Sie Haupt­leute höflicher, auch wenn Sie keine große Rolle mehr spie­len können!"

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Der erste und der lehte Schriff. Die Mutter:

Komm nit, mein Kind, fomm ait,

An meiner Hand will ich dich sicher leiten, O fürchte nicht, wenn auch die Füßchen ſtreiten, So wage nur den ersten festen Schritt, Komm mit, mein Kind, komu mit.--

Der Liebende:

Komm mit, mein Lieb, komm mit,

Den Myrtenkranz will ich ums Haar dir schlingen, Will zum Altar dir meine Liebe bringen, Gib mir die Hand zu diesem ernsten Schritt, Komm mit, mein Lieb, komm mit.

Der Tod:

Komm mit, o Mensch, komm mit

Die Stunde schlägt, verlasse deine Lieben, Ich führe dich durchs Morgenrot zum Frieden, Zur Ruhestätte führt dein letzter Schritt. Komm mit, mein Freund, komm mit.

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