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HÄUSLICHEN
Wenn du in Groll und Zwist Mit einem deiner Nächsten bist,
So denke, daß vielleicht schon morgen,
Enthoben aller Erdenſorgen, Vorbei das Leben ist
Und mit dem Leben auch der Zwist.
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Die Rätsel der Kinderseele. " Jedes Kind ist ein Problem." Einen interessanten Beitrag zur Bestätigung dieses bekannten Ausspruches des dänischen Bischofs Martensen bietet die folgende Erfahrung einer Mutter: Die Kinder sind in Wahrheit Probleme," erzählt sie, ich habe dies vor kurzem in eklatanter Weise bei meinem ältesten Knaben erfahren. Der Erich ist für seine acht Jahre ungewöhnlich ernst und hat, ich darf das ohne Ruhmredigkeit sagen, viele gute Eigenschaften, doch konnte ich trotz aller Ermahnungen und Einwirkungen ihn nicht dazu bewegen, sich seinen jüngeren Geschwistern gegenüber freundlich und liebreich zu beweisen, ich habe ihn niemals einen Genuß, eine Freude mit ihnen teilen sehen, er war abweisend, ja schroff, namentlich dann, wenn ich ihm ins Herz und ins Gewissen geredet hatte. Jüngst mußte ich von einem Ausgange wider Erwarten rasch zurückkehren. Vor der Tür des Kinderzimmers angelangt, höre ich ein klägliches Geschrei meines jüngsten Kindes, eines Knaben von zwei Jahren. Dazwischen Grich, aber so weich, so freundlich, wie ich sie nie gehört. ich traute meinen Ohren nicht die Stimme meines Voller Erwartung öffnete ich leise die Tür und sehe meinen vermeintlichen hartherzigen Jungen neben dem kleinsten auf dem Teppich liegen und das kleine Händchen des Schreihalses in seinen dichten Lockenkopf schieben, damit er dort durch ungehindertes Bausen und Zupfen sich Trost und Unterhaltung in seinem Herzeleid verschaffe. Dieses Opfer brüderlicher Liebe überraschte und rührte mich tief. Ich eile auf den Jungen zu und drücke ihm in meiner Herzensfreude einen zärtlichen Kuß auf den zerwühlten Kopf. Aber Erich," rufe ich dann ,,, du hast ja dein Brüderchen doch lieb! Warum hast du das der Mama niemals gezeigt?" Und was antwortet er? Du sollst mir's nicht immer sagen, Mama!" Also freiwillig, ohne drängen und ungesehen wollte er seine Liebe beweisen. Seit jener Zeit bin ich höchst vorsichtig im urteilen und verurteilen." Neben dieser kleinen Episode könnten Väter und Mütter, welche die Erziehung ihrer Kinder mit aufmerksamem Auge leiten, noch hundert andere Züge stellen, die alle bekunden, daß in jedem einzelnen Kinde nur ihm eigentümliche, zunächst unbekannte Kräfte, Neigungen und Abneigungen schlummern. Sie zu erforschen und das vorhandene auszubauen zum harmonischen Ganzen: das ist die Aufgabe, welche jeder gewissenhafte Erzieher zu lösen hat. Und manche Kindesträne bliebe ungeweint, mancher Seufzer Eltern und Erziehern erspart, und der menschlichen Gesellschaft würden charaktervollere Menschen erzogen, wenn man es sich angelegen sein ließe, die Physiognomie der Kinderfeele, ieder einzelnen zu erforschen! Es ist dies eine Forde rung der Gerechtigkeit und Humanität, aber auch der eigenen Klugheit des Erziehers. Doch unterläßt man es nicht sogar oft, auch nur bei den auffälligsten Erscheinungen in der Eniwickelung des Kindes nach dem etwa vorhandenen unbekannten Grunde zu suchen? Woher zum Beispiel bei dem einen die Verschlossenheit, der Hang zur Unwahrheit, bei dem andern der Trotz oder die Schlaffheit des Willens rührt, bei diesem der Mangel irgend eines gewünschten Interesses, bei jenem die Unlust zu einer gewissen Tätigkeit, bei einem Dritten heiten? Die Lösung der Probleme ist oft leicht zu finden, zu die Neigung zu törichten, vielleicht verhängnisvollen Gewohnweilen schwer, immer aber erfordert sie Geduld und Liebe. Man kann sich diesen Teil des Erziehungsgeschäftes erleich tern, wenn man dem Nate Kants folgt, der da wünscht, daß man das Kind von der ersten Kindheit an in allen Stücken frei sein lasse, ausgenommen in den Dingen, wo es sich selbst oder andern schadet. Vortreffliche Gelegenheit zur Beobachtung bietet auch das Kind bei seinem Spiele, allein oder mit andern. Und sollte hier und da einer Mutter denn in ihrer Hand ruht stets eine große Verantwortlichkeit, weil sie die
erste Erziehung leitet
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bangen vor der Schwere der gestellten Aufgabe, dann sei sie daran erinnert, daß Gott in das wahrhaft liebende Mutterherz eine höhere Fähigkeit gelegt hat, die Seele ihres Kindes zu erkennen, als sich je der eifrigste Psychologe erwerben könnte, wenn sein Herz bei seinem Forschen unbeteiligt bliebe. Der Dichter läßt das taube Mütterlein den unhörbaren Schritt des leise zur Tür hereinschleichenden, aus der Fremde wiederkehrenden Sohnes vernehmen: so erschließen sich auch dem schlichten Verständnis einer treuen, liebenden Mutter die Rätsel der Kinderseele in ungeahnter, in wunderbarer Weise.
Küche und Keller. Seezungen werden abge= Seezungen auf Hamburger Art. zogen, in vier Filets zerlegt, die gesalzen und mit Zitronensaft beträufelt, zugedeckt eine Stunde stehen bleiben.- Abgetrocknet, wendet man sie dann zunächst in geschmolzener Butter, hierauf in geschlagenem Ei und geriebenem Weißbrot und bäckt sie in gutem Indes rührt man 100 Gramm Butter Backfett goldbraun. schaumig, fügt einige Sardellen, den Saft einer Zitrone, ein Glas Weißwein, Pfeffer, Salz, fein gewiegte Petersilie und etwas englischen Senf hinzu, alles zusammen zu einer dicklichen Sauce ver rührend. Die Fische werden auf einer runden Schüssel schichtweise angerichtet und jede Lage mit Sauce überfüllt.
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* 3
Kartoffel- Beignets. 125 Gramm Butter rührt man zu Schaum, mischt ein halbes Kilogramm tags zuvor gekochte, fein geriebene Kartoffeln, ein ganzes Ei, zwei Eidotter, 65 Gramm Zucker, cinc Prise Salz und etwas abgeriebene Zitronenschale hinzu und formt den Teig zu länglich- runden oder länglich- viereckigen Beignets, die man in Ei und geriebener Semmel umwendet, in heißer Butter ausbäckt, mit Zucker bestreut und mit einer glühenden Schaufel glaciert; man ſerviert sie entweder mit einer Frucht- oder Wein
Sauce oder ohne Sauce als Mehlspeise.
Man
Dominiques. Oft hat man einen klemen Rest von heuem und dunklem Fleisch stehen( z. B. Rind- und Schweinefleisch), und die Hausfrau weiß nicht, wie sie etwas Anständiges davon herstellen soll. Nun läßt sich gerade von hellen und dunklen Fleischresten eine so hübsche und einladende Schüssel herrichten, daß jedes Hausmütterchen sie einmal versuchen sollte. schneidet beide Sorten Fleisch in gleichmäßige Scheiben. Die dunklen Scheiben bestreicht man mit einer Farce, die man aus Reibbrot, geriebenem Käse( trockene Reste sind dazu vortrefflich), etwas zerlassener Butter, einigen Eiern, Kräutern, Pfeffer und Salz und zerhackten Kapern bereitete, legt die hellen Scheiben darauf und erhitzt das Ganze mit Butter und einem Gläschen Rotwein fest zugedeckt. Man legt abwechselnd helle und dunkle Scheiben oben auf den Teller, verziert das Gericht mit Zitronenspalten und reicht kleine gebratene Kartoffeln dazu.
* Kinderhumor.
Auf Umwegen. Mutter: Wo hast du das Zehnpfennigstück, das ich dir zum Spielen gegeben habe, Karl?"— Karl ( jammernd):„ Ach, Mama, schlag' mich nicht, ich hab's verschluckt."
Mutter( erschreckt):„ Um Gotteswillen, verschluckt... da mußt du mit zum Arzt..."— Karl:„ Ach nein, Mama vorher habe ich mir ja Bonbon dafür gekauft!"
*
Beweis. Vater:" Du hast also zwei Preise in der Schule erhalten, Ella?"- GIIa:„ Ja, Papa!"- Vater:„ Wofür hast dit sie denn bekommen?" II a:„ Den einen Preis, weil ich das beste Gedächtnis in der Klasse hatte." Vater:„ So, und den - EIIa:„ Ja, das habe ich augenblicklich vergessen. zweiten?"
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Wie Karlchen Schulze„ Erster" wurde. Karlchen( komm freudestrahlend aus der Schule und erzählt dem Vater, daß er in der französischen Unterrichtsklasse Erster geworden sei. Vater( erstaunt): Aber, Junge, das ist ja gar nicht möglich, du hast im Französischen stets schlechte Zensuren erhalten. Karlchen: Janz klar is mir die Sache ooch nich. Der Lehrer wollte wissen. was„ jeboren" uf Französisch heeßt. Nu fragt er der Reihe nach
keener wecß ct. Wie er schonst janz witig is, kommt er zu mir und fragt:„ Karlchen, weeßt du vielleicht, wie jeboren beeßzt?" " Nee," sage ic. Dadruf sieht er mir jroß an und meent: Also von die janze Schafherde konnte nur eens meine Frage richtig beant worten. Karlchen Schulze, seye dir als Primus obenan."
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Str. 127
Mittwoch. den 8. Junt.
1904.
Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein.
(( 16. Fortseßung.)
Die Rache ist mein.
Originalroman von Ottomar Beta.
„ Auch das ist ein Verdienst, das Glück beim Schopfe zu faffen," wandte Franziska ein, jeder glückliche Mensch hat in Berdienst:, denn um es sein zu können, muß man ein menta Bernunft haben."
Onnz sicherlich), lieber Erich," fügte ihr Vater hinzu. Tausende gehen in die Welt hinaus und... fern sei es Don miz, fie zu fchelten, wenn sie arm nach Hause kehren... chon, daß fie bermfchren, ist gewissermaßen auch ein Verdienst. Wer do indet, daß er sich allein nicht zu helfen weiß, follte micht ftolz sein. sondern sonte sich helfen lassen. In irgend eine Nische, weils als Deforation, teils als nützliches Fallsel oder als Statift im Schauspiel des Lebens, paßt jeder. Ber aber reid beimkehrt, der beweist damit, daß er wachsam und flug genug war, die Chancen, die sich ihm boten, sofort erkennen, und daß er geschickt und energisch genug war, hie zu beugen."
Oder ruchlos genug," vollendete Erich, an sich zu reißen und zu caffen, was bescheidenere, rücksichtsvollere und gefilterere Leute für einen Raub anschen."
"
Also Sie denunzieren sich uns als einen großen Räuberhauptmann, Herr Erich?" fragte Franziska, ihn überrascht ansehend. Ihr großer geheimer Kummer rührte demnach von Gewissensbissen her?"
" Das glaubt ihm ja niemand, und du selber nicht, Franziska," rief der Justizrat mißbilligend.
" Sehr freundlich," grollte Erich in ernstkomischer Weise, sehr freundlich, mir nicht einmal so etwas zuzutrauen. also Glick, lecres, ödes, fades Glück war's. Das Glück warf mir einige Lots zu, das heißt einige Goldgruben, die sich nachher als maßlos ergiebig erwiesen. Das Glück veranlaßte eine Minengesellschaft in San Franzisko, mir diese Lots für ein Heidengeld abzukaufen. Das Glück führte mich in wüste Territorien, wo ich einige Claims urbar machte, mur um dort Bärenjagd zu treiben, und das Glück ließ dort nach furzer Zeit Petroleumquellen entdecken, und eine Bahn bauen, so daß ich abermals mit maßlosen Summen ausgekauft wurde. Nach so vielem Glück habe ich eine geheime Furcht, daß endlich einmal ein großes Unheil mich heimsuchen müßte, vielleicht gerade an einer Seite, wo ich am schwersten, am tödlichsten zu treffen wäre."
Er blickte mit banger Miene auf Franziska. Diese er widerte seinen Blick, und eine aufrichtige Trauer prägte sich in ihren offenen, schönen Zügen aus. Dann fragte sie vorwurfsvoll:
Ist das nun der Grund, weshalb Sie sich vor uns zurückziehen, Erich, warum Sie wie ein Diogenes wohnen und vielleicht als solcher leben? Nennen Sie das dem Glücke Geiſeln geben? Ich meine, das heißt umgekehrt, ihm die selben vorenthalten."
Wahr!" rief der Justizrat eifrig, man stellt dem Glücke Geiseln in Weib und Kind, lieber Erich. Es ist nicht gut nicht gut
,, Nein, es ist nicht gut..." vollendete Erich den abgebrochenen Sab, ich kenne sie alle, diese Krösusse des Broadway in Newyork, und ich beneide keinen von ihnen. Es ist,
( Nachdrud verboten.) als ob ein Fluch am Reichtum hafte, der auf Kinder und Enkel fällt. Man müßte ein Gescß machen.
Nur nicht noch mehr Gejete!" schalt der Justizrat, je mehr davon, um so verworrener wird es. Jeder sche, wie er's treibe, das ist ein gutes Gejet. Das beste hat Gott selber gemacht, es heißt: Jede Schuld rächt sich auf Erden! Und nun, lieber Erich, noch eins. Sie sprechen sich das Verdienst ab. Das ist ja doch, als ob eine böse Manie sich Ihrer bemächtigt hätte. Sie machen Hunderte glüdlid) und sollten darüber den Mut, die Zuversicht verlieren, selber glüdlich sein zu wollen
Ein leises Bittern durchbebte die Gestalt des starken und mutigen Mannes. Er hob die Augen, als ob ein schwarzes, schattenhaftes Gespenst ihn umschwebte.
Ich möchte mich mit Moris aussöhnen," sagte er dann trocken und beinahe tonlos. Der Haß, oder das Bewußt sein, gehaßt zu werden, drückt mich nieder... das klingt wie Feigheit... aber es ist nicht um meinetwillen und da steh' ich nun mit meinem Reichtume vor einer Unmöglichkeit, wie ein Waisenfind im Winter vor einer verschlossenen Tür. Den guten Wllen eines Menschen kauft man nicht, und doch weiß ich keinen andern Weg, um ihn zu gewinnen. Er soll seine Mutter bewegen, mir Staudiushof zu lassen, für wie viel auch immer, und ich will ihn in das Getreidegeschäft einsehen mit allen Abschlüssen und Einrichtungen... oder was er sonst will
Es entstand eine Pause im Gespräch.
Moritz hat Ihre Macht gefühlt," meinte endlich der Justizrat, nachdem er sinnend auf und ab gegangen war. Er wird gewiß bereit sein. Das wäre etwas für Stöberer der weiß am besten mit Morigens umzuspringen. Aber iſt es politisch, lieber Erich, ist es ratsam, diese Leute wissen zu lassen, wonach Ihr Herz schmachtet?"
Erich erschrak, dann sagte er, indem er sich von Franziska abwandte, mit düsterem Ton:
,, Wonach es schmachtet? Es hängt nicht so sehr an Staudiushof; ich kann diesen Besitz missen mit dem andern; aber vielleicht wäre dieser Tausch ein Weg, ihn zu befriedigen, seinen Haß gegen mich, seine Klagen gegen mich zum Schweigen zu bringen. Ich fürchte auch ihn weniger als seine Mutter. Wenn ich einen Feinde offen begegnen kann, bin ich mutig genug, aber ich lebe hier unruhiger als in der Prärie, wo die Indianer plötzlich aus dem Boden auftauchen und Nache üben für Untaten, die hundert Meilen weit weg von irgend welchen europäischen Buschleppern an einer Squaw, das ist eine alte Indianerfrau, geübt wurden. Ich kenne die Gefahren der Prärie, und habe hier im alten Lande noch alles so gefunden, wie drüben; nur nimmt es hier andere Formen an. Darum ein ehrlicher Friede, das ist's, was ich in Vorschlag bringe, und dann will ich dem Glücke Geiseln geben, so viele wie Sand am Meere."
Damit empfahl er sich und ließ beide, Franziska und ihren Vater, in trüber Stimmung zurück. Er schritt an Stöberer vorüber, der noch in den Akten steckte, ohne ihn zu grüßen. Er bemerkte ihn nicht, so sehr war er in seine Grübe
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