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Inzwischen verlangsamte aber Aurora immer mehr ihre Pace und ich konnte recht wohl merken, daß sie bald genug hatte. Noch einmal versuchte ich sie anzutreiben, aber Painfiller war mir zur Seite und es war offenbar, daß der Kapitän mit mir nur spielte, und daß er sein Pferd in dem Augenblick, in dem er wollte, vorbringen konnte.
Wir näherten uns jetzt dem letzten Hindernis, und da ich zuerst drüben sein wollte, machte ich noch eine letzte Anstrengung und trieb Aurora zur größten Gile an. Es war eine große Schwarzdornhecke und gerade als sich der Gaul bereits zum Sprunge erhoben hatte Painkiller war etwa drei Längen hinter uns ließ sich plötzlich das laute Blasen einer Trompete vernehmen. Ich konnte sehen, wie Painkiller links von der Hecke zur Seite ausbog und ich war allein übrig und ging als Sieger des Enviller Steeplechase durch Ziel.
Wie wir das gemacht haben? Das will ich Ihnen auch erzählen. Ich erinnerte mich, daß, als ich einst Painkiller in Frland ritt, gerade eine Postfutsche vorbeifuhr und der Postillon sein Horn blies. Painkiller war damals nicht zu haiten und raste wie toll davon. Später erzählte mir sein Trainer, daß er es immer so mache, wenn er plötzlich ein Geräusch, wie das Blasen einer Trompete oder das Pfeifen einer Lokomotive, höre. Das war mir noch rechtzeitig eingefallen und ich hatte einen Kerl mit einem Posthorn veranlaßt, sich im Walde in unmittelbarer Nähe des Hindernisses zu plazieren und in dem Augenblick, in dem Painkiller an die Hecke fam, wie wütend darauf los zu blasen.
Das wäre kein ehrenhaftes Mittel, einen Konkurrenten los zu werden, meinen Sie? Gewiß nicht, im Kriege und in ein paar Jahr später über den Kapitän Daugliſh hörte, ließ der Liebe ist aber bekanntlich alles erlaubt, und das, was ich habe. es mich nicht bedauern, daß ich ihm diesen Streich gespielt
Der Baron Brownthone, der natürlich von der Geschichte mit der Trompete nichts wußte, war über seinen Sieg so er wenn ich ihn darum gebeten hätte. Diese schien jedoch befreut, daß er mir wohl die Hand seiner Tochter gegeben hätte, reits anders verfügt zu haben, denn ich bemerkte einen jungen Herrn, der nicht von ihrer Seite wich, und der über Auroras Sieg ebenso erfreut zu sein schien wie sie selber.
Selbstverständlich wurde ich für meinen Ritt gut bezahlt, das Lächeln aber aus den blauen Augen des Fräuleins, mit dem sie mich nach dem Rennen begrüßte, erschien mir als genügende Belohnung für meine Mühe. Und auch diesen Sting," er hielt mir seine Hand entgegen, auf der ein Siegelring mit dem Brownthoneschen Wappen funkelte,„ erhielt ich zur Erinnerung an die Niederlage des Kapitäns."
AUS FERNEN ZONEN
Die Nachfolger der Trapper. Die echten, gastfreien, wilden, ehrlichen Präriejäger existieren heute in ihrem ursprünglichen Charakter fast gar nicht mehr; sie sind mit den Rothäuten dem vordringenden Europäer gewichen. Trapper sind immer noch über ganz Amerika verbreitet, aber mit dem freien Jägerleben ist es zu Ende. Die weißen Ansiedler drangen immer mehr vor und warfen sich mit Vorliebe auf die Büffelausrottung, nicht Jagd, sondern rohe, gewaltsame Ausrottung. Die Tiere wurden an ihren Tränken belauert und niedergemacht, die davongeeilten mußten natürlich immer wiederkommen und rannen endlich, trotz der Angst vor den Schüssen, von wahnsinnigem Durst gepeinigt, den am Wasser lauernden Mördern in den Schuß; den getöteten Tieren wurde dann nur das Fell heruntergerissen, um daraus Geldwert zu ziehen, während die blutigen Kadaver zu Hunderten liegen blieben und die Flüsse herum verpesteten. Wenn noch vor etwa 60 Jahren die ersten Eisenbahnzüge vor wandernden mächtigen Büffelherden halten mußten, um dieselben vorüberzulassen, so kann man heute fast nirgends mehr ein solches Tier zu Gesicht bekommen infolge der wahrhaft schnöden Ausrottungsmethode der Fellhändler. Es ist statistisch festgestellt, daß in den Jahren 1872 bis 1874 auf den Eisenbahnen allein 4½ Millionen Büffelfelle befördert wurden. Für den Newyorker Nationalpark tourde mit vieler Mühe noch ein Büffel- Bulle beschafft. Durch das Aussterben dieser Tiere wurde den noch übrig gebliebenen Indianern Das Hauptlebenselement entzogen, so daß sie zur Rache manche kleine,
eben erst entstandene Eisenbahnstadt überfielen und vom Erdboden vertilgten. Die Nachkommen der Trapper mußten sich aber nun auch einen anderen Nahrungszweig suchen, und so wurden sie Cowboys, Straßenräuber, Pferdediebe und Desperados. Von ungemeiner Verwegenheit, vor keinem Mord, keiner Gräueltat zurückschreckend, unbekümmert um Religion, Sitte und Gesez, wurden sie bald der Schrecken der neuen, aus Holzbaracken, Chantants und Spielhöllen bestehenden Eisenbahn- oder Gräberstädte des amerikanischen Westens. Daß die ehrsamen Bürger dieser aus dem Boden aufwachsenden und plöblich wieder verschwindenden Städte es mit der Moral auch nicht genau nehmen, zeigt eine Kleine Notiz, die in der einzigen Zeitung einer solchen Stadt in etwas veränderter Form häufig wiederkehrt:„ Mr. John K. ist seit einigen Tagen verschwunden; er ging aus, um Pferde zu holen, welche nicht ihm gehörten; er soll nicht wiedergekommen sein, weil plöblich seine Füße nicht mehr den Boden berühren konnten; man sah ihn zuletzt an einer Telegraphenstange stehen; auf der anderen Seite der Stange zogen einige ehrenwerte Bürger unserer Stadt angelegentlichst an einem Seil!" Das sind die Nachkommen des einstigen kühnen Präriejägers; nur in einigen ganz abgelegenen Landstrichen mag man noch hin und wieder auf Menschen stoßen, die sich in ihrer völligen Abgeschiedenheit die charakteristischen Eigenschaften des Trappers be= wahrt haben.
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Bunte Blätter.
Schafe als Lasttiere. Im nördlichen Indien, wo die Wege durch die Himalaya- Berge oft sehr steil sind, zieht man als Lastträger die Schafe allen größeren Tieren, die keinen so sicheren Gang haben, vor. Diese tragen jedes eine Bürde von 7-8% Kilo. Man verbindet damit aber noch einen anderen Zweck. Die Schafe werden nämlich von Dorf zu Dorf mit der schurreifen Wolle getrieben und so viel geschoren, wie der Treiber Wolle eben verkaufen kann. Für lettere tauscht er Getreide ein, das die Tiere dann weiter tragen. Ist seine ganze Herde geschoren, so kehrt er mit den Tieren in die
Heimat zurück.
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Der Pfeiferbaum. Eine Akazienart, die in Nubien und dem Sudan sehr häufig vorkommt, wird von den Eingeborenen daselbst gewöhnlich„ Pfeiferbaum"( oder Pfeifender Baum") genannt. Seine Schößlinge werden vielfach, durch die Einnistung von Insektenlarven, in ihrer Formentwickelung gestört und bilden dann schließlich Blasen von 25-50 Millimeter Durchmesser. Ist das betreffende Insekt dann durch eine kreisrunde, seitliche Deffnung an der Blase ausgeschlüpft, so wird diese, wenn der Wind sie trifft, zum musikalischen Instrument, das einen, dem der Flöte ziemlich gleichen Ton hören läßt.
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Die Ausdauer der chinesischen Kuli- Arbeiter ist ganz außerordentlich und erstaunlich. Es werden Beispiele von diesen Menschen erzählt, welche früh nüchtern 5 deutsche Meilen weit, mit einer schweren Last beladen, zu Fuß gingen, und von anderen, welche Lasten 3 Meilen weit trugen, ohne in der Zeit etwas zu genießen und nachher noch Kraft übrig hatten, einen Mann 1½ Meilen weit zu tragen.
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Opfer der wilden Tiere in Indien. In Indien haben im Jahre 1903 nicht weniger als 24 841 Personen ihr Leben durch wilde Tiere und giftige Schlangen verloren, 1934 mehr als im vorhers gehenden Jahre. Die Todesfälle durch Schlangenbisse stiegen von 20 142 auf 22 134, während wilde Tiere 2707 Personen töteten gegen 2765 in 1902. Tiger verschuldeten 928 Todesfälle und Wölfe 222. Elefanten, Leoparden, Bären, Hhänen, wilde Eber, Auerochsen, Schakale, Alligatoren, Krokodile, wilde Kazen und Panther hatten ebenfalls verhältnismäßigen Anteil an den Opfern. So wur den in Bengalen 477 Todesfälle durch Schakale und 198 durch Alligatoren verursacht. Ueberdies wurden in ganz Indien 57 541 Stück Vieh durch wilde Tiere und Schlangen getötet, gegen 59 029 im Jahre 1902. Was die Vernichtung wilder Tiere betrifft, so sind die statistischen Ausweise darüber durchaus nicht befriedigend. Die Zahl der erlegten Tiger belief sich auf 1464, die der Leoparden auf 4031, die der Bären auf 1668 und die der Schlangen auf 417 596. Die Abnahme ist in Bengalen wenig bemerkbar und insbesondere der geringen Belohnung zuzuschreiben, die der Staat für die Tötung von wilden Tieren und Schlangen zahlt.
Nr. 102
Samstag, den 7. Mai.
1904.
Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerci, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein.
( 11. Fortsetzung.)
Iwan der Schreckliche.
Original- Roman von Hans Hoffmann.
,, Sie trauen also anderen nicht die gleiche Schweigsantfeit zu?"
Helene senkte betroffen den Blick.
„ Es war wohl sehr hochmütig," sagte sie leise, zu glauben, daß Sie uns durch Ihr Vertrauen ein Zeichen besonderer Freundschaft geben wollten."
,, Nein, wahrhaftig, das war kein Hochmut und kein Frrtum," rief er ganz gerührt, es war so die Meinung, und sie kam aus dem Herzen. Und Sie haben recht; eine übertriebene Ehrlichkeit wäre Torheit; ein derartiges Vertrauen oder ist eine freie Gabe, auf die niemand Anspruch hat glauben Sie, daß irgend jemand von Hause aus berechtigt wäre, eine solche Offenherzigkeit von mir zu fordern etwa mein Direktor? Mein Schulrat? Meine Kollegen?" Helene dachte ernsthaft nach. Dann sagte sie beſtimmt: " Ich wüßte nur einen Fall, in welchem jemand ein Recht auf Ihre ganze Offenheit hätte
Sie brach leicht errötend ab. Belling verstand sie auf der Stelle, und das Blut stieg ihm heiß ins Gesicht. Das war es, was ihm unklar auf der Seele gelegen, was gestern bei aller Begeisterung und Leidenschaft seinen Mund verschlossen, seinen Fuß gehemmt hatte! Daß ihm das nicht von selbst ins Bewußtsein gekommen war! Daß dieses junge Mädchen erst der gute Genius sein mußte, der die Erinne cung an eine so einfache Pflicht in seiner Seele löste! In diesem Augenblick fühlte er eine grenzenlose Verehrung für sie, jetzt schien sie ihm wirklich einen Heiligenschein zu haben, aber einen anderen, einen echten er suchte mit dankbarem Blick ihr kluges, treues Auge.
Doch nein, da war plößlich wieder der alte, unangenehme, Stilwidrige Heiligenschein! Ganz urplötzlich, ohne daß er ein Wort gesprochen. Fort war die anmutige Schelmerei, fort die frische Offenheit, fort auch das mädchenhafte Erröten gerade als wenn es von seinem eigenen tieferen Erglühen verscheucht wäre— was übrig blieb, war fühles,
vornehmes Wohlwollen.
Er fühlte sich wahrhaft peinlich berührt von diesem unflaren, launenhaften Wesen; war es doch gerade die Klarheit und Festigkeit gewesen, die er an ihr irrtümlich so hoch geschätzt! Wie stand auf einmal Almas Gestalt so bezaubernd vor seinem Geiſte! Dort immer die gleiche Demut, Kindlichkeit, Frische, Offenheit, Schalkheit, Anmut, und hier fühle Klugheit. Und er war fast im Begriff gewesen, ihr sein ganzes volles Herz zu öffnen!
Er sprach noch allerlei gleichgiltige Dinge und empfahl sich mit mattem Händedruck
Als nicht lange darnach die Frau Rechnungsrätin hereintrat, fand sie Spuren von Tränen in den Augen ihrer Tochter.
Aber, Lenchen, was iſt dir?" rief sie betrübt. Ich denke, unser Herr Doktor war hier er ist doch nicht etwa unartig gegen dich gewesen?"
Helene schüttelte kräftig den Kopf und versuchte zu lächeln.
,, Dann ist's also richtig wieder der unglückselige Bodungen!" rief die Mutter entsetzt.„ dieser Und
Nachdrud verboten.) ich Aermste hoffte, du würdest endlich Vernunft annehmen und unseren lieben Herrn Doktor schätzen lernen statt jenes Unwürdigen!"
Mutter," rief Helene heftig, solch ein Wort kann ich nicht dulden! Wenn ich Herbert auf die Dauer nicht genügte, so ist das wahrlich kein Grund, ihn zu schmähen. Ich fürchte, er war nur zu sehr in seinem Recht. Zehnfach aber würde ich ihm erst Recht geben, wenn ich ihm jemals in meinem Herzen die Treue bräche und einen anderen liebte. Und das mußt du doch einsehen, daß gerade dann Herr Doktor Belling selbst mir seine Achtung entziehen müßte; und ohne Achtung keine wahre Liebe."
" Das wäre freilich eine verzweifelte Zwickmühle, wenn nur alles so stimmte! Aber unser Herr Doktor ist viel zu verſtändig
Mutter, glaubst du, daß er jemals seiner ersten Liebe untreu werden würde? Dann denkst du geringer von ihm als ich, und dann würde ich ihn nicht mehr wahrhaft achten und also auch nicht wahrhaft lieben können. Deine Zwickmühle steht also wirklich von beiden Seiten offen. Uebrigens kann ich dir zu deiner Beruhigung mitteilen, daß Herr Doktor Belling nicht von weitem an uns denkt er ist für uns zu vornehm geworden."
,, Wieso? Was heißt das?"
„ Er verkehrt sehr intim, wie mir scheint in der Familie des Herrn Kommerzienrats Gruber."
Helene sprach in einem spißen und pikierten Ton, der ihr sonst nicht eigen war.
Nu, was ist das denn Großes?" rief die Mutter. ,, Erstens Rat ist Rat, und Kommerzienrat ist nichts Besseres als Rechnungsrat, denn er verdient sein Brot auch bloß mit Rechnen und nichts Besserem, der Unerschied ist bloß, daß der eine für seine eigene Tasche rechnet und der andere für den Staat, und da iſt das letztere doch wirklich viel anständiger. Uebrigens, weißt du, ein Mathematiker hat es im Grunde doch auch nur hauptsächlich mit Rechnen zu tun und könnte ganz gut auf Deutsch Rechnungsrat heißen, und er rechnet auch für den Staat und wahrhaftig nicht für sich, denn sonst würde er natürlich auch die Taschen voll Geld haben wie so ein Herr Kommerzienrat, und also paßt er viel besser zu uns als zu den Grubers die übrigens sehr gute Leute sein mögen," ſetzte sie eifrig hinzu, um ihr Gewissen wegen der Gehässigkeit ihrer Rede zu beruhigen.
" In dem einen Punkt hast du recht, Mutter," sagte Helene still, daß wir uns für nichts Schlechteres zu halten brauchen als reiche Leute, aber eben darum und nun gib mir einen Kuß, mein kleines Mutterchen, und laß mich zufrieden mit deinen Hoffnungen und Wünschen, aus denen doch nichts werden kann."
Und sie fiel ihr um den Hals und fing dort plößlich laut zu schluchzen an ohne jeden vernünftigen Grund, wie es der Frau Rechnungsrätin scheinen wollte. Das hielt diese jedoch nicht ab, sie zärtlich zu streicheln und nach Kräßen zu trösten. Ungefähr zur gleichen Stunde hatte Fräulein Alma eine lebhafte Unterredung mit ihrem Vater, dem Kommerzienrat
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