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Giessen.

Gegründet 1883.

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bonnement prets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Saus gebracht 60 Bfg., durch die Post bezogen viertel­fähr Hah Mr. 1.50.

Beatisbetlagen: Oberheffifche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Coifenblasen( wöchentlich).

Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Donnerstag, den 7. April 1904.

Gießener

13. Jahrgang.

Jnsertionspreis: Die einspaltige Betitzeile für ganz g hefsen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonft 15 Reklamen die Petitzelle 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg Fernsprechanschluß Nr. 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Der Keim zu einem neuen Weltkonflikt. Während das Kriegsdrama in Korea und in der Mandschurei die öffentliche Aufmerksamkeit im höchsten Grade in Anspruch nimmt, hat sich in dem diesem Kriegs­hauplatz benachbarten Tibet ein Vorgang abgespielt, der für die Entwickelung der fünftigen Politik sehr wichtig sein fann. Es hat ein Gefecht zwischen der Expedition des eng­lischen Obersten Younghusband und den Tibetanern statt­gefuriden, das militärisch vielleicht vollständig bedeutungs­los ist, aber politisch nicht unterschätzt werden darf. Diese Ansicht wird unserem Berliner CB.- Mitarbeiter von einem mit den ostasiatischen Verhältnissen besonders vertrauten Staatsmanne fundgegeben.

Aus der Rücksprache mit diesem Diplomaten erfährt man zur Vorgeschichte des englisch- tibetanischen Zwischenfalles, daß die Expedition des englischen Obersten Youngshusband formal von der Diplomatie nicht als ein militärischer Ein­mars behandelt wird. Die Truppe gilt lediglich als die Schutzwache für eine Kommission, die sich nach Lhasa, der Hauptstadt von Tibet, begeben will, um über Handelsfragen Rüdsprache zu nehmen. Seit einiger Zeit haben die Eng­länder nämlich die Beobachtung gemacht, daß die mit Tibet geschlossenen Verträge von diesem mongolischen Kir­dhenstrate nicht mehr beachtet werden". Sie haben darauf hin der Regierung mitteilen lassen, daß sich unter mili­täriser Bedeckung eine Kommission nach Lhasa begeben werde, um über die schwebende Frage zu verhandeln. Die Tibetaner aber, die vorzugsweise unter russischem Einfluß stehen, haben natürlich ein berechtigtes Mißtrauen gegen eine Mommission, die mit einem militärischen Aufgebot von etwa 3000 Mann und einem monatlichen Aufwand von etwa 450 0000 Mark langsam nach dem Herzen des Landes vor­midt.

Die Engländer, so fügte der Staaatsmann bei, schieben ageflisentlich die Vertragsinteressen in den Vordergrund, cum au berbergen, daß sie von Tibet aus den Handel im Sangitsetal, an dem bekanntlich auch Deutschland interessiert ist, boollständig unter ihren Einfluß bringen wollen. Ihr Unternehmen aber richtet sich allerdings nicht gegen Deutsch­land, sondern gegen Rußland, weil dieses der einzige Kon­furrent Englands im tibetanischen Interessengebiete iſt. Daß Rußland einen Einfluß in diesem Kleriferstaat zu ge­innen sucht, ergibt sich aus dem mehrfachen Empfang tibe­tomis der Gesandtschaften bei dem Zaren. Im Vorjahre derlautete auch, daß ein Vertrag zwischen Stußland und Ribet bestehe, was aber im Januar d. J. von dem Grafen Ramsidorff amtlich bestritten wurde. Mag dem nun sein, vie ihm wolle, Rußland hat jedenfalls, wie sich aus einem Blaubuch der englischen Regierung ergab, mit schärfstem Diplomatischem Geschüße gegen diesen militärischen Spazier­gang der Engländer gearbeitet. Die Entschlossenheit der Englander auch in Bezug auf die Aufdeckung ihrer geheimen Blanes steigerte sich in dem gleichen Maße, wie die russischen Kräftee durch das Engagement in der Mandschurei für Ost­afen festgelegt wurden. Sie steigerte sich so sehr, daß Lord ansdowne am 2. Februar, unmittelbar vor Ausbruch des und tadelloſer Siz. fiſch- japanischen Krieges, unverhüllt die Einziehung Tibets usammenhängen oder durch England als wahres Ziel der Expedition bezeichnete. e Hölzer abfallen. harmüßel von Guru, wie die Themsediplomatie amtlich Enfchönen und stilger är en läßt, jeßt auch noch nicht als im Kriegszustande mit ouis Völzing

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Regierung von Lhasa, was aber nicht hindert, daß der ilitärische Vormarsch der Kommission" sich in Form einer kjetzung des Landes abspielt. Es läßt sich jetzt nach der An­

oldn. Medaille Paris 10% des Staatsmannes noch nicht sagen, welchen Verlauf die

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pedition nehmen wird. Sollten sich aber die Engländer Tibet festsetzen, so fügte er bei, dann werden die dauernden onfliktsgefahren zwischen Rußland und Enaland um eine ae Nummer vermehrt. Die tibetanische Frage birgt in sich Heim zu einem neuen Weltkonflikt.

Gegen den angeführten Vormarsch in Tibet scheinen sich Libetaner mit aller Kraft wehren zu wollen. Gegen die pedition Younghusband wird von ihnen ein heftiger Widerstand

mail- Koch- u. Bratgeschirr hangma vorbereitet. Es sollen dort 500 Reiter

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gepanzerten Pferden und 7000 Fußtruppen sein. Die glander selbst haben durch Rekognoszierung am 2. April gestellt, daß 2000 Tibetaner die Gyangtsestraße Sram versperrt, jetzt aber auf die Nachricht von der ederlage bei Guru sich auf Kolatso zurückgezogen hätten. an glaubt, diese Tibetaner würden sich auf Gyangtse zu­iehen. Gyangtse ist bekanntlich von den Engländern Endpunkt ihres Vordringens über Lhasa hinaus eichnet worden. Nach neueren Nachrichten aus Petersburg wirkt Englands rgehen in Tibet auf die

öffentliche Meinung Rußlands

höchsten Grade beunruhigend. Man ist der Ueber­ugung, daß sich um einen wichtigen agressiven

hnisse gratis und franko. britt Englands gegen Rußland handle. Das aebe

ang und- Leihanstalt

Illge Ausgaben.

Tlar aus der Tatsache hervor, daß England, im Besize Tibets, die ganze mongolische Welt beherrschen müsse. Wenn Eng­land Tibet und die Hauptstadt besetze, dringe es tatsächlich in die russischen Grenzen ein und werde sicherlich nicht verfehlen, Rußland auf dem an die Mongolei grenzenden weiten Gebiet mit einer nach Lhassa neigenden Bevölkerung unzählige Schwiigkeiten zu bereiten.

Der Krieg in Oftalien.

Bon irgend welchen belangreichen Gefechten zwischen Russen und Japanern verlautet noch immer nichts: Was in Zusammenstößen gemeldet wird, sind lediglich

kleine Vorpostenscharmützel

ohne Bedeutung. Eine solche Meldung enthält auch das üngste Telegramm des Generals Kuropatkin an den Zaren, in dem es heißt:

Der Generalmajor Kaschtalinski meldet unter dem 4. April: Am Jalu ist alles ruhig. Gegenüber Turmitschen auf der Insel Natuseo hatten Freiwillige ein Geplänkel mit Vorposten der Japaner bei Wids ch u. Auf unserer Seite kein Verlust, Japaner hatten 6 Tote; die Zahl der Verwundeten ist unbekannt. Die Depots in der russischen Ansiedelung Yön- ampho sind geplündert und verbrannt worden. In Mön- ampho stand eine kleine Ab­teilung 300 Mann japanischer Infanterie gegenüber. Um so ausgiebiger sind die Meldungen über den Vormarsch der Japaner.

Die japanische Front, 45 000 Mann stark, erstreckt sich über eine sehr lange Linie von Kasan bis in die Gegend von Yonfring und hat Andschu als Basis. Der Vormarsch erfolgt auf drei gut erhaltenen Wegen, von denen zwei nahe an Jalu zusammenlaufen. Die Landtransporte sind indessen äußerst schwierig. Die riesigen Nahrungsmittel­und Munitionsvorräte können nur langsam von den Basen zwischen Söul und Pingyang vorwärts gebracht werden. Dazu sind Tausende von Kulis und Transportpferden in Bewegung. Die japanischen Pioniere haben den Pakocheng­und den Changchun- Fluß überbrückt. Die Artillerie kommi faum von der Stelle. Der Vormarsch geht entmutigend langsam vorwärts; trotzdem jedes Geschütz mit sechs Pferden bespannt ist, bleiben die Geschüße oft auf der Straße tecken. Die Straßen sind nach Ansicht der Amerikaner durch­aus nicht besonders schwierig. Die japanischen Kavallerie­und Artilleriepferde würden nach Ansicht europäischer militä­rischer Sachverständiger den aktiven Dienst kaum fünf Mo­nate aushalten.

Diese allem Anschein nach unparteiische Meldungſte stammt weder von japanischer noch von russischer noch auch pon englischer, sondern von deutscher Seite, wird bestätigt in einer Reutermeldung aus Söul, in der es heißt: Die erste japanische Armee, bestehend aus der kaiserlichen Garde, der zweiten und der zwölften Division, die in Andschu konzentriert ist, rückt jetzt auf drei Straßen nach Widschu vor. In Haidschu und Tschinamfu werden Lebensmittel ge­landet und von dort in Dschunken nach Andschu befördert. Ebenso sind Pferde, deren jede Division 5200 hat, gelandet worden. Sie sind in schlechter Verfassung, und da jedes Pferd geführt werden muß, muß eine gleiche Anzahl Mannschaften von dem jezigen Effektivbestande in Abrech­nung gebracht werden. Die Truppen leiden viel an er­frorenen Füßen. Die Russen überschäßen die Stärke der japanischen Streitkräfte im Norden von Korea und ziehen sich deshalb zurück, ohne die natürlichen Vorteile des Landes auszunuzen.

Wenn das schon das Reuterbureau sagt, das gern zu Gunsten der Japaner seine Depeschen färbt, so wird es mit der Sache wohl seine Richtigkeit haben. Weniger ver­läßlich erscheint dagegen eine weitere Reutermeldung aus Schanghai, die den

japanischen Kriegsplan

der staunenden Welt enthüllt. Danach sollen dreijapa­nische Armeen, jede etwa 100 000 Mann start, gleich­zeitig einen Vorstoß machen. Die erste Armee sei im Nord­westen Koreas gelandet und werde wahrscheinlich einen Um­gehungsversuch machen, um die russischen Streitkräfte im Nordosten Koreas abzuschneiden. Die zweite Armee werde an einem Punkte der Mandschurei- Küste, westlich von der Jalumündung, landen, während die dritte versuchen werde, unweit von Niutſchwang zu landen. Selbstverständ­lich handelt es sich bei dieser Meldung um eine leere Kom­bination. Die Japaner werden sich schön hüten, irgendwem ihren Kriegsplan auf die Nase zu binden.

Die Politik.

Rardinal- Fürstbischof Dr. Kopp hat mit Rücksicht auf die kürzlich vom Gornoslonzak" gebrachte Erklärung auch den zweiten Klageantrag gegen das Blatt, insbesondere gegen den Redakteur Kowalczyk und Genossen, bei dem Beuthener Landgericht zurückgezogen. Der Kardinal empfiehlt den

Geistlichen Oberschlesiens, auch ihrerseits die an diesen Klage antrag angeschlossenen Anträge zurückzunehmen. Die Beuthener Staatsanwaltschaft hat, wie verlautet, beschlossen, auf Grund der gegen die Zeugenaussagen im Beuthener Prozeß gerichteten Berichtigungen der oberschlesischen Geist­lichen gegen eine Anzahl polnischer Zeugen in diesem Prozeß das Berfahren wegen Meineids einzuleiten.

In Münchener Hoffreisen verlautet, daß ein Wechsel in der Statthalterschaft der Reichslande bevorstehe. Es heißt, der jezige Statthalter, Fürst Hohenlohe- Langenburg, habe nach dem Tode seiner Gemahlin Rücktrittsabsichten geäußert. Als seinen Nachfolger habe der Kaiser den Prinzen Leopold von Mayern, den zweiten Sohn des Prinzregenten, aus­ersehen, der Prinzregent habe auch bereits seinem Sohne die Genehmigung zur Uebernahme des Postens erteilt. Die Wahl des Kaisers sei durch militärische Rücksichten be­stimmt: Da Brinz Leopold Generaloberst der Kavallerie ist, wären Konflikte zwischen der Statthalterschaft und dem Generalfominando des 16. Armeekorps, wie sie bisher bis­weilen eintraten, ausgeschlossen. Ferner würde die Er­nennung des Prinzen Leopold zum Statthalter einen Wechsel in der 4. Armeeinspektion, deren Generalinspekteur der Prinz ist, zur Folge haben. Diese könnte dann seinem Bruder, dem Prinzen Arnulf, kommandierendem General des 1. baye­rischen Armeekorps, übertragen werden. Damit würde zu­gleich eine empfindliche Stockung in den Beförderungsver­hältnissen der bayerischen Armee beseitigt werden. Endlich würde die Ernennung des Prinzen zum Statthalter einen sichtbaren Beweis für die vortrefflichen Beziehungen zwischen München und Berlin liefern. Was an der Meldung ist, läßt sich nicht feststellen; die zuständigen Stellen verhalten sich solchen, die Beziehungen der Dynastien berührenden An­gelegenheiten gegenüber grundsätzlich höchſt reſerviert.

Mit der Stilllegung der Ruhrkohlenwerke scheint sich die Regierung jetzt ernstlich beschäftigen zu wollen. Der Regie­rungspräsident von Arnsberg forderte die in Frage kommen­den Landratsämter zur Berichterstattung über die durch Stilllegung von kleineren Ruhrzechen entstehenden Schäden auf. Er wünscht zu wissen, inwieweit die verminderte Ar­beitsgelegenheit zur Erhöhung der Unzufriedenheit unter den Arbeitern beiträgt.

Afrika.

Unter der Hand erfährt man jetzt etwas über den In­halt der französisch- englisch- ſpanischen Vereinbarungen über Marokko. Danach darf die Marokkofrage als tatsächlich ge= löst gelten. Frankreich erhält durch ein von England und Spanien gezeichnetes Uebereinkommen überwiegenden Einfluß auf Marokko, jedoch ohne ausdrückliches Pro= tektorat. Auf den Namen kommt's nicht an; in der Sache liegt der Kern.

* Der frühere Präsident des Oranje freistaats, Steijn, hat in voriger Woche von Cannes aus dem Präsi= denten Krüger in Mentone einen Besuch gemacht. Der Gesundheitszustand des vor kurzem bedenklich erkrankten Steijn hat sich danach außerordentlich gebessert. Wahrschein­lich wird Steijn im September nach Südafrika zurückkehren. Er wird sich dort in der Stille seines Landbesizes mit dem Betriebe der Wirtschaft befassen. Er will holländische und Schweizer Kinder zur Zucht mitnehmen. In Holland wer­den bereits schöne Eremplare für ihn ausgesucht.

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Hof und Gefellschaft.

* Wie aus Palermo telegraphiert wird, unternahm der Kaiser gestern eine Wagenfahrt nach Monreale, wo der Monarch den Dom eingehend besichtigte. Alsdann wurde ein längerer Spaziergang durch den Park, den Tiergarten und die Anlagen des Grafen Tasca unternommen. Daran schloß sich ein Besuch der berühmten Capella Palatina im normannischen Palazzo reale. Das Publikum begrüßte den Kaiser allenthalben auf das herzlichste. Von Neapel aus sandte der Kaiser ein Telegramm an den Papst, worin er jein Bedauern aussprach, nicht nach Rom kommen und den Bapft begrüßen zu können. Die Mittelmeerreise sei nur aus Besundheitsrücksichten von ihm angetreten, und daher müsse er om fernbleiben.

Zum Empfange des Kaisers in Korfu werden dort eifrig Vorbereitungen getroffen. Griechische Kriegsschiffe werden dem Kaiser 30 Meilen entgegenfahren und während es Aufenthaltes des Kaisers in Korfu verankert bleiben. Der König von Griechenland wird sich mit Familie dieser Lage von Athen nach Korfu begeben.

*** Nach einer Meldung aus Mailand haben die Prinzen Eitel Friedrich und August Wilhelm von Breußen gestern mittag die Rückreise nach Deutschland an­getreten.

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Prinz Friedrich Heinrich von Preußen ist zum Ehrenritter des Johanniterordens ernannt worden. Aus Paris wird gemeldet, die Königin sa belle von Spanien sei an einer Grippe ernstlich erkrankt.

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