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Hof und Gesellschaft.

In die frohen Vorbereitungen zur Gmundene Fürstenhochzeit ist durch den Tod der Prinzessin Marie von Hannover ein düsterer Schatten gefallen Prinzessin Marie, die Tante der Braut, verstarb im Alte gon kaum 55 Jahren an einer Blinddarmentzündung, nach dem sie kurz vorher operiert worden war. Sie ist die Tochter de verstorbenen Königs Georg V. von Hannover und seine Gemahlin Marie, die in Gmunden residiert. Sie selbs war imvermählt geblieben. Der Tag der Vermählung der Prinzessin Alexandra von Cumberland mit dem Großherzog aon Mecklenburg wird nicht verschoben, jedoch sind di Illumination und der Fackelzug abgesagt und die Entfernung des Fabuenschmuds angeordnet worden, während die Aus fdmuchung beftehen bleibt.

Aus den Parlamenten.

* Die am 7. d. Mts. wieder beginnende Tagung des Reichstags wird nicht von langer Dauer sein. In Alb­geordnetenkreisen nimmt man an, daß spätestens am 1. Juli die Session vertagt werden wird, und zwar bis zum Oktober.

Auch der preußische Landtag wird seine Sitzungen nicht über den 1. Juli hinaus ausdehnen. Das Abgeord= netenhaus wird zunächst am Dienstag und Mittwoch Plenarsizungen abhalten. Am Mittwoch soll das Gesetz über den Kontraktbruch ländlicher Arbeiter auf die Tagesordnung kommen, Donnerstag und Freitag sollen für die Beratung der Kanalkommission und der übrigen Kommissionen frei bleiben. Das Herrenhaus tritt am 27. d. Mts. zu

furzer Tagung zusammen.

Aus dem Gerichtssaal.

Die Logiskosten und die Kosten für seine Ueberwachung wolle er gern bezahlen. Der Fremde wurde daraufhin im Meißner­schen Gasthofe unter Bewachung untergebracht und am nächsten Tage nach Seelow transportiert, wo man ihm im Gerichts­gefängnis ein stilles Plätzchen anwies.

§ Anonyme Briefe an den Kaiser und den Kronprinzen bildeten den Anlaß zu einer Verhandlung vor dem Kriegs­gericht der ersten Garde- Infanterie- Division, die feststellen sollte, ob ein bisher unbescholtener Mann durch drei In­stanzen hindurch unschuldig verurteilt ist oder nicht. Am 29. Oftober 1903 wurde der Füsilier Ferdinand Nahm von der 8. Kompagnie des Garde- Füsilier- Regiments wegen ein­fachen Diebstahls, begangen zum Nachteil eines Kameraden, von dem Kriegsgericht der ersten Garde- Infanterie- Division zu vier Wochen strengem Arrest und Verseßung in die zweite Klasse des Soldatenstandes verurteilt. N. sollte dem eben­falls auf der Stube 23 liegenden Füsilier Pieckenhagen in der Nacht vom 20. zum 21. September 1903 das unter dem Kopffissen liegende Portemonnaie mit 9 Mark Inhalt ge­stohlen haben. N. verbüßte, nachdem in den höheren In­stanzen das Urteil bestätigt war, die vier Wochen strengen Arrest und wurde, da er in die zweite Klasse des Soldaten­standes versetzt worden war, in die Disziplinar- Abteilung des Gardekorps nach Spandau überführt. Am Anfang April Dieses Jahres erhielten der Kaiser und der Kronprinz ano­nyme Briefe, die sich mit der Affäre Nahm beschäftigten und ihn als unschuldig hinstellten. Das Militärkabinett sandte diese Schreiben an das Garde- Füsilier- Regiment, und der Hauptmann der 8. Kompagnie, Herr v. Wikleben, ermittelte den Briefschreiber. Es war sein eigener Bursche, der Füsilier Vincenz Kuropka, der sofort verhaftet wurde. Erst am 21. April ließ sich der Inhaftierte der die Untersuchung führenden Kriegsgerichtsrat Dr. Ullmann vorführen und legte vor demselben ein Geständnis ab: Nahm sei unschuldig, er habe den Diebstahl begangen. In der Verhandlung widerrief Kuropka dies Geständnis und behauptete, er habe nur aus Freundschaft für Nahm die Briefe geschrieben. Die Verhand­lung fonnte keine Klarheit schaffen, und es wurde deshalb vom Gericht beschlossen, demnächst nachts 2 Uhr unter An­mesenheit des Angeklagten und aller Zeugen einen Lokal­termin abzuhalten. Es soll ermittelt werden, ob bei der zu dieser Zeit herrschenden Dunkelheit die Zeugen überhaupt etwas sehen konnten. Ein Arzt soll sodann den Hauptzeugen Pieckenhagen auf sein Sehvermögen untersuchen.

Zu früh explodiert. Als Absender eines Wertpakets, das bei Abstempelung auf dem Postamt zu Odessa explo­dierte und einen Beamten verletzte, ist ein Beamter des Bessarabischen Landschaftsamtes namens Buchalo festgestellt worden. In dem Paket befand sich Schießbaumwolle, die dem Plane des Absenders gemäß erst im Postwagen explo­dieren sollte. Der Verbrecher hoffte augenscheinlich, eine Entschädigung in Höhe des Wertes der Sendung, der mit 30 000 Rubel angegeben war, zu erhalten.

Ein rätselhaftes Verbrechen beschäftigt die Behörden von Namur. Ein junger Mann namens François Rousseau, der kürzlich dort angekommen war, hatte ein junges Mädchen Maria Sidot als Wirtschafterin gemietet und war mit ihr abgereist. Am Morgen des nächsten Tages fand man den Zeichnam des Mannes an einem Dachbalken auf dem Boden eines Namurer Kaffeehauses vollständig entkleidet auf. Da er am vorigen Abend abgefahren war, muß er in der Nacht vieder nach Namur zurückgekehrt sein. In seiner Rocktasche and die Polizei einen Brief, nach dem das von ihm ge­Dungene Mädchen in einem Getreidefeld zwischen Fosses und Franières ihren Tod gefunden hat. Die gesamte Polizei irbeitet mit fieberhafter Anstrengung, um Licht in das Dunkel zu bringen.

§ zweimal zum Tode verurteilt. In der Angelegenheit des Lustmörders Teßnow, der seinerzeit vom Schwurgericht in Greifswald zweimal zum Tode verurteilt wurde, wird jezt weiter gemeldet, daß das Verfahren gegen ihm nochmals aufgenommen worden ist. Es werden gegenwärtig aufs neue Gutachten von Sachverständigen eingeholt, um Näheres über den Geisteszustand des Lustmörders festzustellen. Bekannt­lich war seinerzeit der Tag der Hinrichtung Teßnows bereits festgesetzt und der Scharfrichter mit seinen Gehilfen in Greifs­wald eingetroffen, als der Delinquent plötzlich von einer schweren Krankheit befallen wurde, die auf eine geistige Um­nachtung schließen ließ. Infolgedessen mußte die Hinrichtung damals unterbleiben. Ob das Wiederaufnahmeverfahren den Kopf des vierfachen Lustmörders retten wird, muß der weiteren Untersuchung vorbehalten bleiben.

Nab und Fern.

Ein suwerer glücksfall cf einem Dampfer ereignete sich bei Memel. Als de Schlepper Roland" eine Anzahl Dorschfischer auf die See begleitete, platzte ihm ein Dampf­rohr. Sieben Fischer, welche sich wegen eines aufkommenden Sturmes an Bord des Dampfers begeben hatten, wurden verbrüht. Drei von ihnen wurden getötet, die vier anderen schwer verletzt.

Brandkatastrophe. Wie aus Stettin gemeldet wird, wurden in Priemhausen bei Massow durch ein Großfeuer 24 Bauerngehöfte mit 150 Gebäuden eingeäschert. Dabei fam ein 80jähriger Greis in den Flammen um.

* Lustmord. Auf dem Gutshof Hagenhof bei Königs­lutter wurde die elfjährige Tochter der Witwe Bebenrot er­mordet im Bette aufgefunden. Der Tod war durch Stiche in den Hals herbeigeführt. Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß ein Kampf stattgefunden hat und wahr­scheinlich ein Lustmord vorliegt.

Wiederverhaftung des fulschen Regierungsbaumeisters. Der falsche Regierungsbaumeister Riet, der in Berlin ver haftet, alsdann aber wieder freigelassen werden muja seine ihm zur Last gelegte Neustrelitzer Straftat inzwischen verjährt war, ist nachträglich doch noch von seinem Schicksal ereilt worden. Er ist jetzt unter dem Verdacht des Mein­eides wieder verhaftet worden, da er in einem Prozeß, in welchem er als Zeuge vernommen wurde, sein Alter falsch angegeben haben soll.

Die Rache des Dienstmädchens. In Krakau wurde die Frau des Professors Bogucki von ihrem Dienstmädchen mit der Art erschlagen, weil sie das Mädchen hatte zwingen lassen, einen Tag länger im Dienst zu bleiben, als dieses beab­sichtigte.

Ein Rabenvater. Der aus Desterreich gebürtige, 30jährige Graf Eugen Ressegnier de Miromon wurde durch die Polizei in Dresden verhaftet. Der Graf, der seit längerer Zeit in der sächsischen Residenz Aufenthalt genommen hatte, wird beschuldigt, sein vierjähriges außereheliches Töchter­chen fortgesetzt derart genuißhandelt zu haben, daß es an den Folgen verstarb. Das unglückliche Kind wurde dieser Lage in schwer frankem Zustande einer chirurgischen Privatklinik in Dresden zugeführt, wo es aber nicht am Leben erhalten werden konnte. Graf Miromon wurde nach einem längeren Verhör gegen eine Kaution von 30 000 Mark wieder in rei­heit gesetzt.

Durch einen eigenartigen Unfall wurde die Frau eines Bartensteiner Handwerkers gefährlich verletzt. Als sie eine irdene Schüssel mi: eben gefochten Kartoffeln wegen der Hitze etwas heftig auf den Tisch sekte, zersprang die Schüssel, und die Scherben drangen tief in das linke Armgelenk, so daß die Bulsader vollständig durchschnitten wurde. Bis zur An­funft des Arztes war die Frau bereits dem Verbluten nahe und liegt jetzt schwer frank darnieder.

Immer nobel. Ein unbekannter junger Mann von tadelloser Kleidung und feinen Manieren wurde dieser Tage in Sophienthal bei Letschin im Oderbruch unter dem Ver­dachte verhaftet, verschiedene Einbruchsdiebstähle am Orte und in der Umgegend verübt zu haben. Als der mutmaßliche Täter vorläufig in das Spritzenhaus der Gemeinde Kienit eingesperrt werden sollte, protestierte er energisch dagegen und verlanate, in einem anständigen Gasthofe zu übernachten.

Bunte Chronik. Wie aus Trier gemeldet wird, erstach der 70jährige Mühlenbesizer Storr in Pensweiler seinen 74jährigen Bruder.

Lokales.

5. Juni 1904.

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* Die zweite Kammer sollte gegen Mitte dieses Monats zu einer besonderen Tagung für die Beratung der Wahlrechtsvorlage zusammenberufen werden. Da raus wird aber aller Wahrscheinlichkeit nach nichts, denn 21 Abgeordnete vom Lande haben sich an den Präsidenten mit dem Ersuchen gewandt, die Beratung der Wahl. rechtsvorlage aus schwerwiegenden Gründen night im Monat Juni, sondern im Herbste 1. Js. erfolgen zu lassen. Begründend wird ausgeführt, die Wahlrechtsvorlage gehöre zu den wichtigsten Vorlagen der Regierung, welche dem Landtage seit Jahrzehnten zugegangen sind, es liege im Interesse aller Parteien, daß die Vorlage vor einem vollbeseßten Hause erfolg, das aber im Monat Juni, Juli und August, wo die ländlichen Abgeordneten nur unter Auferlegung großer persönlicher Opfer nach Darm­stadt tommen tönnten, schwerlich zusammenzuhalten sei.

-Im Bahnschacht der Fürstensteiner Gruben bei Walden­burg wurden drei Bergleute durch fallendes Gestein getötet.

Vermischtes.

* Gelegentlich der Budgetberatungen der 2. Kammer hat der Referent für den Abschnitt Justizpflege", Dr. Gutfleisch, darauf hingewiesen, daß das Oberlandes. gericht mit Arbeiten sehr überlastet und eine Vermehrung des Richterpersonals nicht zu umgehen sei. Wie sehr er Recht hatte, beweist die Tatsache, daß am 1. Zivilsenat des Oberlandesgerichts bereits Termine auf Januar und Februar 1905( also wie beim Reichsgericht) firiert sind.

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*** Das Ober- Ersaßgeschäft für 1904 wird im Kreise Gießen stattfinden: Dienstag den 14. Juni im Gasthaus 8um Rappen" zu Grünberg, vormittags 8 Uhr, Mittwoch den 15. Juni in der Restauration 8um Longs Bierkeller", Schanzenstraße Nr. 18, zu Gießen, vormittags 8 Uhr, Donnerstag den 16. Juni daselbst, vor. mittags 8 Uhr, Freitag den 17. Juni daselbst, vormittags 8 Uhr, Samstag den 18. Juni im Rathause zu Lich, vormittags 8 Uhr.

[ Deutsche Sanatorienschiffe.] Unter dem Vorsitz des Admirals v. Knorr hat sich ein Verein gegründet, der es sich zur Aufgabe macht, durch Mitgliederbeiträge und hochher­zige Zuwendungen im Laufe der Zeit Mittel zu schaffen, um Sanatorienschiffe zu bauen und in Betrieb zu setzen. Diese Schiffe sollen Patienten und Rekonvaleszenten Aufnahme gewähren unter Ausschluß infektiöser Kranker. Ein solches Sanatorienschiff, als Segelschiff mit Auxiliarmaschine ge­baut, soll in den je nach der Jahreszeit günstigen Gewässern kreuzen und so den Insassen die denkbar günstigsten klima­tischen Bedingungen schaffen. Die große Bedeutung, welche die See und die Seeluft für die Gesundheit hat, ist allgemein bekannt und veranlaßt Tausende, alljährlich die Inseln und Meeresfüsten zu besuchen. In ganz besonderer Weise macht sich nun die wohltätige Wirkung der salzigen Seeluft auf den angegriffenen Organismus geltend, so daß besonders die Er­holungsbedürftigen und Rekonvaleszenten durch einen Aufent­halt an oder auf dem Meere günstig beeinflußt werden. Chronische Katarrhe der Atmungsorgane, nervöse Zustände aller Art, schlechte Blutbeschaffenheit sind die geeignetsten Objekte für die therapeutischen Einflüsse des Seeflimas. Es kommt hinzu, daß das Meer vollkommen staubfrei ist und der Salzgehalt der Luft den Stoffwechsel im allgemeinen anzuregen geeignet erscheint.

* Wir machen an dieser Stelle nochmals auf den näch sten Mittwoch, abends 8 Uhr, im Cafè Leib stattfindenden Vortrag des Herrn Oberbaurat Schmid von Darmstadt über die Kanalisation und die Hausanschlüsse aufmerksam, welcher namentlich für die Hausbesitzer besonderes Interesse haben dürfte.

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*** Wie am Samstag schon durch Inserat befannt ge­geben, steht Gießen wiederum ein größeres Fest bevor. Der Garde- Verein zu Gießen feiert anläßlich der ihm vom Kaiser Wilhelm verliehenen Auszeichnung, eine Fahne mit Garde- Adler und Stern führen zu dürfen, ein Fahnenweih fest in größerem Rahmen. Wie uns mitgeteilt wird, haben bis jetzt schon nahezu 30 Vereine zugesagt, sich am Fest zu beteiligen und sind noch mehrere Zusagen zu erwarten. Der Festzug wird auf Dswaldsgarten aufgestellt und passiert folgende Straßen: Neustadt, Bahnhofstraße, Westan­lage, Seltersweg, Kreuzplaß, Mäusburg, Marktplaß, Schul­straße, Neuen Bäue, Gartenstraße u. Bergstraße. An dem am Samstag Abend stattfindenden Kommers werden mehrere Gesangvereine verschiedene Lieder zum Vortrag bringen. Die Spigen der Behörden und hochstehende Persönlichkeiten sind als Ehrengäste eingeladen, auch wird sich das Offizierkorps in großer Zahl beteiligen. Am Sonntag findet vorm. um 6 Uhr Weckruf und um 11 Uhr Frühkonzert, letzteres im Garten des Hotel Buschmann statt. Um 2 Uhr nachmittags stellt sich der Festzug auf. Nach seinem Eintreffen auf dem Festplag, dem großen schattichen Garten des Neuen Saal­baues, findet nach Weihe der Fahne, bei welcher das Ehren­mitglied des Garde- Vereins Herr Oberleutnant der Garde­landwehr, Professor Dr. Biermann die Weiherede halten wird, großes Konzert, ausgeführt von der gesammten hiesigen Re­gimentskapelle fatt; auch wird der Bauer'sche Gesangverein mehrere Lieder fingen. Den Glanzpunkt des Festes wird das große Tongemälde bilden, wobei eine Spielleutabteilung und eine Seftion Infanterie mitwirkt. Es werden dabei alle möglichen Vorgänge, wie solche bei einer wirklichen Schlacht gewonnen werden und zwar durch entsprechende Tanzgemälde Signale, Trommelwirbel Kanonen und Gewehrfeuer bei bengalischer Beleuchtung u. s. w. nachgeahnt, dabet ist für Belustigungen aller Art, Tanz u. a. gesorgt. Die Feftzugteilnehmer haben freien Zutritt. Am Montag findet dann noch Frühschoppen und und nachmittags ein Ausflug nach Gleiberg statt. Wünschen wir dem Garde- Verein ein herrliches Wetter. Mögen dann auch die Bewohner Gießens, hauptsächlich in den Straßen, die der Festzug passiert an es dem nötigeu Fahnenschmuck nicht fehlen lassen.

[ Ein vierfüßiger Kriegsheld.] Das 2. Feldregiment für Südwestafrika, das z. Zt. im Truppenlager bei Münster zusammengestellt wird, hat auf einen Aufruf hin nicht weniger als zweihundert zur Verwendung für Kriegszwecke passende Hunde aus allen Teilen des Reiches zugesandt erhalten. Bei dieser Gelegenheit erzählt ein Unterzeichner des Aufrufs folgende Episode aus dem Kriege 1870, wo sein treuer Hund ihn und seine Leute durch seine Wachsamkeit davor behütete, in die Hände der Franzosen zu fallen. Ich hatte so schreibt er meinen Hühnerhund mit in den Krieg genommen und wäre bei einer nächtlichen Rekognoszierung in den Wein­bergen südlich Metz den Franzosen, die ihre uns sonst be­fannte Stellung bei Jussy unbemerkt weiter vorgeschoben hatten, mit meiner Spize vorwärts schleichend, troß aller Vorsicht gerade in den Hals gelaufen, wenn nicht mein bei mir befindlicher und das Gelände absuchender Hund plößlich in der Dunkelheit wütend Standlaut gegeben hätte. Es fielen mehrere Schüsse, ein schmerzliches Aufheulen des Hundes, und er hatte seine Treue mit dem Tode bezahlt! Am anderen Morgen, als die Franzosen die Stellung wieder geräumt, ließen es sich meine Leute nicht nehmen, ihn, den sie alle gern hatten, zu holen, und wir gaben ihm ein ehrliches Be­gräbnis zu Füßen eines am 18. August Gefallenen.

A[ Einträgliche Schüßenkönigswürde.] Während ge­wöhnlich die Würde eines Schüßenkönigs dem alücklichen Träger der Krone viel Ehren, aber auch viel Kosten zu be­reiten pflegt, ist sie in Lieberose( Mark) recht einträglich. Die dortige Schützengilde, die sich sogar den Lurus zweier Könige leistet, gewährt dieses Jahr wie stets als von der Stadt selbst garantierte Benefizien dem ersten König sowie dem zweiten Könia ie 60 Mark bares Geld.

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-r. Der Deutschnationale Handlungsge hilfen- Verband, Ortsgruppe Gießen, ließ gestern im Neuen Saalbau wieder einmal sehen, daß er außer in sozial­politischen Sachen auch in Festlichkeiten etwas zu leisten vermag. Das diesjährige Sommerfest stand auf dem Pro­gramm. Es wurde dabei alles mögliche angestellt, um Jung und Alt einige vergnügte Stunden zu bereiten, was auch vollständig gelang. So wurde u. a. der Wind, der 1848 wehte, in einer Raritätenbude gezeigt, zu der den Festteil nehmern sogar freier Eintrit gestattet war, dagegen ließ sich der Inhaber, um auf seine Kosten zu kommen, den Austritt mit 10 Pfg. bezahlen. Nach Sonnenuntergang fand eine photographische Aufnahme statt; gegen 10 Uhr wurde ein prachtvolles Feuerwert abgebrannt. Nach diesem begab sic dann alles in den großen Saal, wo das Fest beim Tanz fortgesetzt und beendet wurde. Die hiesige Militärfapelle, die mittags über im Freien schon manchen Genuß geboten hatte, war hierbei die anerkannt gute Triebfeder. Das Fest muß im Großen und Ganzen als ein äußerst gelungenes bezeichnet werden.

In Buzzbach werden nächsten Donnerstag die Bürger­meister des Kreises Friedberg zu einer Versammlung zu sammenkommen, in welcher u. A. über Gemeinde Wasser­leitungen und über die bevorstehenden Gemeinderatswahlen beraten werden soll.

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