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Außerordentlich verständig, lieber Junge! Immerhin mußt du bei deinem Wohl auch darauf Rücksicht nehmen, daß deine Gemahlin bei festlichen Gelegenheiten verpflichtet ist, dein Haus zu repräsentieren. Wir sind eine alte, hoch angesehene Familie, den Verkehr mit deinen Gutsnachbarn darfst du in keiner Weise vernachlässigen, wenn du dich isolieren wolltest, so"
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Das liegt nicht in meiner Absicht."
" Ich könnte mir das auch nicht denken," fuhr der Baron fort, ein junger Husarenleutnant versauert und verbauert so leicht nicht. Na, wenn es dir beliebt, so glaube ich, dir eine junge Dame empfehlen zu können"
Salt, Onkel, so weit sind wir noch nicht!" fiel Alfred ihm in die Rede. Ist es Gesetz unserer Familie, daß ich nur eine adelige Dame heiraten darf?"
Der Baron blidte befremdet auf, langsam strich er die Asche von seiner Zigarre.
,, Du hast schon gewählt?" fragte er.
" Nehmen wir an, meine Wahl sei auf eine bürgerliche Dame gefallen, zu der mein Herz sich hingezogen fühlt, eine Dame, die eine feine Erziehung genossen hat und alle Bedingungen erfüllt, die ich an meine zukünftige Gattin stelle, wie würdest du darüber urteilen?"
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Gute Familie?"
Durchaus ehrenwerte Familie."
, Armer Bürgerstand?"
" Im Gegenteil, Onkel, die Dame besitzt ein namhaftes Vermögen
„ Na, auf das Vermögen käme es nicht an, ich will nur wissen, ob die Familie hier eine Stellung einnimmt."
,, Die Eltern sind tot, der Bruder ist ein sehr geachteter und angesehener Mann."
,, Der Vater war es auch?"
" Jawohl, nicht der leiseste Flecken ruht auf dem Namen."
Hm, und du bist schon mit der Damne verlobt?" fragte der alte Herr mit einem erwartungsvollen, aber nicht unfreundlichen Blick.
,, Nein," erwiderte Alfred ruhig, wäre ich es, so würde ich vielleicht nicht den Mut haben, um deine Meinung zu fragen. Ich weiß noch nicht einmal, ob meine Liebe erwidert wird, aber wenn ich diese Gewißheit erhalte, dann bin ich auch entschlossen, der Stimme meines Herzens zu folgen, denn in diesem Falle darf ich die Ueberzeugung hegen, daß ich glücklich werde."
" So, so, also perfekt ist die Sache noch nicht. Na, ich für meine Person schäze das Bürgertum hoc), und somit finde ich gegen deine Wahl nichts einzuwenden, wenn das junge Mädchen wirklich aus einer angeichenen Familie ftammt und eine Baronin v. Bodenla ben zu repräsentieren versteht. Eine andere Frage ist es freilich, wie deine Gutznachbarn deine Frau aufnehmen werden, es sind einige unter ihnen, die anders urteilen, als ich, bedente das wohl."
,, Onkel, ich danke dir!" rief Alfred erfreut, dem alten Herrn die Hand reichend,„ du bist unser Familienoberhaupt, habe ich deine Zustimmung, so ist mir alles übrige gleichgültig. Mit meinen Nachbarn will ich schon fertig werden."
,, Na, und nun willst du gleich dir das Jawort holen?" " Ich möchte wohl, aber ich weis nicht, ob ich es erhalte," fagte Alfred, der plötzlich wieder fleinlaut wurde.
" Ich würde es dir auch heute noch nicht erlauben," erwiderte der Baron.„ Kann ich vorher die Tame fennen lernen?"
Gewiß, heute Vormittag rosh."
" Nur feine Ueberstürzung!" scherzte der alte Herr. Ich habe noch andere Geschäfte hier 31 besorgen, und ich halte es auch mit dem Sprichwort: Erst das Geschäft, dann das Vergnügen! Also ich werde die junge Dame fennen lernen, entspricht sie deiner Schilderung und finde ich, daß sie zu bir paßt, so gebe ich meine Zustinen ung, und nicht das allein, ich bin auch bereit, die Rolle d: s Brautwerbers zu über nehmen."
Du würdest mir damit einen großen Liebesdienst er
weisen!"
,, Kann's mir denken. Aber nun zu anderen Tingen! Du weißt, ich bin Antiquitätenjain: nler, mein fleines Museum kennst du, es ist die einzige Leidenschaft, die ich beige." Ja, ja, dein Steckenpferd!"
" Und ein sehr edles, Alfred! Es verschlingt allerdings die Zinsen des Kapitals, aber dafür wird auch das Kapital selbst von Jahr zu Jahr wertvoller. Wenn man die Augen offen hält und sich nicht betrügen läßt, so kann man an
diesem Steckenpferde nichts verlieren, sondern nur gewinnen.
Na, mun habe ich erfahren, daß der Fürst geneigt ist, die große Münzensammlung hier im Museum zu verkaufen. ch hörte es von Baron v. Holbach, der mit Durchlaucht befreundet ist, habe auch ein Schreiben von ihm, das mich bei dem Fürsten einführen und accreditieren soll. Wenn der Preis nicht zu hoch ist, möchte ich die Samlung kaufen." Eine große Münzensammlung im Museum?" fragfe Alfred;„ ich erinnere mich nicht, sie gesehen zu haben."
Mag wohl sein, sie wird unter Verschluß gehalten und ist Privateigentum des Fürsten. Namentlich ist die Sammlung reich an seltenen Goldmünzen, deren Metallwert allein an hunderttausend Taler betragen soll."
" Dann wird die Sammlung ein Heidengeld kosten!" warf Alfred ein.
Es kommt darauf an, welche Summe gefordert wird," bestätigte der Baron. Ich habe vor vielen Jahren die Sammlung einmal gesehen und ich leugne nicht, daß ich seitdem ganz vernarrt in sie bin!"
,, Und diese Sammlung will der Fürst verkaufen?"
" Ja, aber bitte: Diskretion! Baron Holbach sagte mir, eine Tochter des Fürsten werde demnächst sich verloben. Durchlaucht ist nicht sehr freigebig, aber an der Aussteuer wird er nicht vorbeikommen, den Erlös aus der Münzensammlung will er dazu benutzen. Ich habe das Geld in Staatspapieren liegen und kann auf die Zinsen verzichten, mithin fordert dieses Geschäft kein großes Opfer von mir. Aber vorher will ich die Sammlung besichtigen, und dazu wende ich mich wohl am besten an den Direktor Spangenberg."
,, Soll ich dich begleiten?"
,, Das ist unnötig, deiner Fürsprache bedarf ich nicht," scherzte der alte Herr, ich werde schon allein fertig werden. Sei nur so gut und laß' mir einen Wagen holen."
Alfred zog an der Glockenschnur und übergab dem eintretenden Diener seinen Befehl.
Willst du nicht vorher ein Glas Wein trinken?" wandte er sich zu seinem Onkel, der ans Fenster getreten war und nach dem Wetter schaute.
Das wollen wir nachher besorgen," erwiderte der Baron, die alte Kneipe in der Königsstraße existiert doch noch?" ,, Natürlich!"
" Willst du mich dort gegen Mittag erwarten?" „ Sehr gerne."
Schön, wir speisen später gemeinschaftlich in meinem Hotel, vielleicht ist der Kauf dann schon abgeschlossen." „ So rasch?"
Wenn der Fürst gerade bei Laune ist und mir einen Preis stellt, den ich annehmen kann, schlage ich ohne weiteres zu, langes Feilschen ist meine Sache nicht."
Eine Viertelstunde später trat der Baron in das Arbeitsfabinett Spangenbergs.
Sie werden meinen Namen kennen," sagte er mit fühler Höflichkeit,„ Adjutant v. Bodenlauben ist mein Neffe." Joachim Spangenberg bot mit einer leichten Verneigung dem Baron einen Sessel an.
Womit kann ich Ihnen dienen?" fragte er ebenso fühl. " Ich wünsche das Museum zu besichtigen."
Dazu bedarf es keiner speziellen Erlaubnis, Herr Baron. Der Kustos wird Ihnen öffnen, und Sie haben nur das übliche Eintrittsgeld zu zahlen. Einen Katalog erhalten Sie ebenfalls an der Kasse."
Ist der Kustos berechtigt, auch die Münzensammlung zu zeigen?" fragte der Baron, der, ohne Platz zu nehmen, sich leicht auf die Lehne des Sessels stützte. Die Münzensammlung?" erwiderte Spangenberg in einem Tone, der Befremdung bekundete. „ Existiert sie nicht mehr?"
" Nun natürlich, aber ich selbst habe sie lange nicht mehr gesehen. Es hat auch seit sehr langer Zeit sich niemand für sie interessiert, Herr Baron, darum mußte Ihre Frage anfangs mich überraschen. Legen Sie besonderen Wert darauf, gerade diese Sammlung zu sehen?"
" Jawohl!"
" Dann werden Sie sich gedulden müssen, bis Durchlaucht die Erlaubnis erteilt hat, sie zu zeigen. Die Sammlung ist Privateigentum des Fürsten und befindet sich unter Verschluß, sie darf nur auf spezielle Erlaubnis gezeigt werden.“ ( Fortsehung folgt.
sie
Die Liebe, wenn neu, braust wie ein junger Wein, Je mehr sie alt und klar, je stiller wird sie sein.
Darja.
Novellette von Clara Nast.
( Nachdruck berboten.)] Motto: Wohin ich gehe, fragt nun niemand, Und niemand fragt:„ Wann kommst du heim?"
Die Sonne stieg rotgolden am Horizont empor. Als Alexander Iwanowitsch Schukom vor die Tür hinaustrat, beschattete er mit der Hand die Augen und blickte zerstreut umher, dann ließ er sich gähnend auf der Veranda nieder, wo das Frühstück bereit stand.
" Immer dasselbe!" dachte er.„ Dieses Bild ist doch zu langweilig."
Vor drei Tagen, als er von Petersburg heruntergekommen war, um den ihm von einem Verwandten hinterlassenen Landsiz kennen zu lernen, hatte ihn die Steppe in ihrer Größe und Einsamkeit wundersam angezogen, jetzt war er ihrer bereits müde.-
,, Gottlob bin ich nicht dazu verdammt, an diesem Ort mein Leben zu beschließen!" sprach er vor sich hin, während er sich Tee einschenkte.„ He, Jakob Petrowitsch! Auf ein Wort!" rief er dem Verwalter zu, der soeben vorüberging. Ich weiß nicht, wie ich die Zeit herumbringen soll," fuhr er fort, als der gutmütig blickende Alte vor ihm stand. „ Höre, könnte ich nicht bei irgend einem meiner Nachbarn Besuch machen?""
Der Verwalter blickte nachdenklich an Alexander Iwanowitsch vorüber.
Warum nicht, gnädiger Herr? Allein der nächste wohnt mehr als hundert Werst von uns entfernt," bemerkte er geLassen.
Merander Iwanowitsch lachte ärgerlich auf.
" Zum Teufel! Ein schöner Nachbar das! Da ist's in Petersburg denn doch anders. Aber was soll ich denn hier beginnen? Die Rinderherden, die Schafe, die Rosse zählen? Ein schönes Vergnügen, das ich gerne anderen überlasse."
Ihr könntet auf die Jagd gehen, gnädiger Herr," schlug der Verwalter vor.
Alexander Iwanowitsch bewegte abwehrend die Rechte. ,, Allein? Ohne Gesellschaft? Das ist nicht nach meinem Geschmack, und dann gebe ich auch, offen gesagt, der Jagd auf schöne Frauen vor der auf Trappen, Wölfe und ähnlichem Getier den Vorzug. Aber damit ist es hier übel bestellt."
In Gedanken verloren, starrte Alexander Iwanowitsch still vor sich hin. So faß er lange. Er schreckte erst aus seinem Sinnen auf, als eine Stimme an sein Ohr drang, die in wunderbar weichen, vollen Tönen sang:
,, Liebst du mich auch nicht, ich, Liebster, muß dich lieben, Habe deinen Namen in mein Herz geschrieben, Grub ihn weinend ein in bitt'rer Scheidestunde, Und verblute nun an dieser tiefen Wunde." ,, Wer singt denn nur in meinem Garten?" dachte Schukow, und als die Stimme verhallt war, stieg er die Verandatreppe hinab und durchschritt suchend die Gänge.
In der Nähe des niedrigen Zaunes stieß er auf ein kaum dem Kindesalter entwachsenes Mädchen, das am Boden hockend, eifrig bemüht war, den Weg vom Unkraut zu säubern.
,, Wer bist du?" fragte er.
" Darja," erwiderte die Kleine, ohne sich aufzurichten, nur den Kopf hob sie ein wenig zu ihm empor.
„ Du gehörst wohl gar nicht hierher?" fuhr Alexander Iwanowitsch zu fragen fort.
Es traf ihn ein verwunderter Blick.
" Ich bin hier geboren und sechzehn Jahre alt geworden, gnädiger Herr. Daß Ihr mich erst heute seht, dafür kann ich nichts," meinte sie treuherzig.
Hast du vorhin gesungen?" erkundigte er sich. Darja nickte.
Hm! Weißt du auch, daß du Gold in der Kehle haft?"
Sie fuhr beinahe erschrocken mit der Hand nach dem Halse und richtete verwundert die Augen auf ihn, die weitgeschlitt und tiefblau waren.
„ Gold? O, nein!" kam es ungläubig über ihre Lippen.„ Davon müßte ich doch auch schon einmal etwas gemerkt haben." Närrchen!" sagte Schukow, und gab ihr einen leichten Schlag auf die Wange. Ich meine, du könntest reich wer den, wenn du mit mir nach Petersburg kommen und dich im Gesange ausbilden lassen wolltest."
Reich werden? Warum?" fragte sie. Ich mag nicht. Ich bin noch immer ſatt geworden, und Kleider habe ich auch genug, auch Perlen, rote, grüne, gelbe- und bunte Zopfbänder in Menge."
,, Wenn du mir folgtest, würdest du aber bald noch mehr haben als das. Pferde- Wagen- ein schönes Haus- Diener-"
,, Ach, gnädiger Herr! Ihr versteht Euch gut auf's Scherzen, aber Ihr habt solche wilde Augen, ich fürchte mich so sehr, und will doch lieber noch erst Fedja fragen, ob ich Euch trauen darf?" fragte sie, bei all' ihrer Verlegenheit doch offenherzig.
„ Wer ist denn dieser Fedja, auf dessen Urteil du so viel Wert legst?" erkundigte sich Schukow lächelnd.
„ Mein Pflegebruder, gnädiger Herr," erwiderte Darja rasch und innig.„ Als ich Vater und Mutter verloren hatte, fand ich bei seinen Eltern Unterkunft. O, wir haben uns so lieb!"
,, Wer sollte dich nicht lieben!" sagte Schukow, und seine Augen brannten.
Ja, alle sind gut zu mir," gab sie beglückt lächelnd zu, aber auch Fedja wird von jedem geliebt." Sie runzelte ein wenig die dunklen Brauen.„ Namentlich die Mädchen sind ihm zugetan und von diesen wieder ganz besonders eine Akulina.-" ,, Das scheint dir nicht recht zu sein." " Es macht mich stolz und wieder," gestand sie errötend ein.
verdrießt mich doch auch
Nun und Fedja?" fragte Schukow, und sein Blick verschleierte sich.
Darjas Wangen erglühten noch tiefer.
,, Ach, gnädiger Herr! Habt Ihr nicht soeben selbst gesagt, daß mich jeder lieben müßte?" fam es leise mit schüch terner Schelmerei über ihre Lippen.
„ Es wäre wirklich jammerschade, wenn diese seltene Blume hier in der Einsamkeit verblühen sollte, wo sie weiter feinem zur Freude dient, als einem dummen Bauernlümmel," dachte Schukow. Daß ich ein Narr wäre, dieses Mädchen einem anderen zu überlassen!"
Ihr schweigt?" fuhr Darja nach einer Weile fort.„ Habe ich zuviel gesagt? Sabe ich vielleicht gar etwas gesprochen, das Euch verlegt hat?"
Gewiß nicht, mein Herzchen," beruhigte er sie; dann bat er Darja, ihn zu ihren Pflegeeltern zu führen.
Als sie die Stube betraten, erhob sich eine grauhaarige Frau von der Ofenbank, auf der sie an einem Rocke geflickt hatte.
„ Der gnädige Herr!" murmelte sie und küßte, sich tief verneigend, Schucows Rockärmel.
In der nach der angrenzenden Kammer führenden Tür wurde ein schmalbrüstiger Greis sichtbar, der sich hüstelnd mühsam vorwärts bewegte. Auch er verneigte sich und berührte Alexander Iwanowitsch' Aermel mit den Lippen.
Schukom setzte sich auf den von Darja herbeigeschafften Schemel.
Ihr seid also die Pflegeeltern der Kleinen," eröffnete er die Unterhaltung. Die alten Leute stimmten zu.
Ihr habt gewiß allezeit Darjas beſtes im Auge gehabt und werdet ihr daher auch jetzt wohlwollen," begann Schukow von neuem zu sprechen.
,, Wie könnte es anders sein!" murmelte der Greis. „ Nun, so werdet ihr auch damit einverstanden sein, daß ich die Kleine mit mir nach Petersburg nehme," sagte Schufom ruhig, aber bestimmt.
O, du mein Himmel!" seufzte die Frau erschrocken. Der Greis blieb stumm, aber sein mattes Auge hing mit bang fragendem Blick am Munde seines Herrn.
Schukow ſprach lange von dem Glück, das Darja machen würde, wenn sie sich dazu verstehen könnte, ihre Stimme ausbilden zu lassen, und durch ihren Gesang die Welt zu entzücken.
Die beiden Mten wurden unruhig.
Das Mädchen flüchtete weinend hinter den Rücken ihrer Pflegemutter,
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