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Sonntag,
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Ich will euch nicht verlassen," schluchzte sie immer wieder.
„ Das sollst du auch nicht," erwiderte die Frau und fuhr mit der Schürze über die feucht gewordenen Augen. ,, Wenn der gnädige Herr es nun aber doch für gut hält!" meinte der Greis mit bekümmerter Miene.
"
" So gebt euch doch zufrieden! Darja ist ja nicht für sagte Schukow leicht die Stirn runzelnd. euch verloren, " In zwei, drei Jahren, wenn ihre Studien beendet sind, kehrt ſie zurück und bleibt bei euch, wenn ihr das Leben hier besser gefällt, als anderswo."
EINST UND JETZT
Ein chinesischer Urteilsspruch. Der weise Kiang- to- sing saß zu Gericht. Da traten zwei Männer vor ihn, die eine Frau in ihrer Mitte führten.„ Wer seid ihr? Was wollt ihr?" fragte der Mandarin, und die beiden begannen zugleich zu sprechen. So geht es nicht," meinte Kiang- to
" In zwei drei Jahren," seufzte die Frau. " Ja, wenn der gnädige Herr es nun aber doch für gut sing." Sprich du!"-" Laß mich reden," bat das Weib ,,, denn
hält," murmelte der Greis abermals beklommen.
„ Aber Fedja!" schrie Darja plößlich auf.
" Ja, Jedia!" Die beiden Alten sahen einander bestürzt an." An Fedja haben wir noch gar nicht gedacht," flüsterte die Frau.
Schukom erhob sich und lächelte verächtlich.
" Ich werde doch wohl noch mit diesem dummen Bauernbengel fertig werden," dachte er und befahl Fedja herbeizuholen.
Die Frau wollte fort, aber Darja kam ihr zuvor. Ge= wandt wie eine Eidechse schlüpfte sie zur Tür hinaus.
Es verging eine geraume Weile bis sie wiederkam, denn der Bursche war draußen bei den Rossen.
Man sah es Fedja sofort an, daß Darja den Weg von der Weide bis hierher benutzt hatte, um ihn mit dem Plane Schukows bekannt zu machen. Finster blickend trat er vor Alexander Iwanowitsch hin.
Ihr wollt Darja mit Euch nehmen, gnädiger Herr?" sagte er, nachdem er Schukow in der üblichen Weise begrüßt hatte.
Alexander Iwanowitsch legte leicht den Kopf in den Nacken.
" Ja, das will ich," erwiderte er fest und lächelte über legen. Man sagte mir, daß du am Ende etwas dagegen haben könntest und deshalb ließ ich dich rufen. Was verlangst du?" Seine Hand fuhr nach der Brusttasche.
Daß Darja hier bleibt," antwortete der Bursche gepreßt. „ Wenn du dem Mädchen wirklich gut wärſt, würdest du ihrem Glück nicht im Wege stehen."
Wo könnte Darja wohl glücklicher sein, als bei mir?" " Soviel ist gewiß, an allzu großer Bescheidenheit leideſt du nicht," meinte Schukow.
Der Bursche senkte den Kopf und blickte finster zur Erde. " Sch wiederhole es noch einmal, daß Darja in zwei, drei Jahren zurückkehrt, und hier bleiben kann, wenn es ihr draußen nicht gefällt," fuhr Alexander Iwanowitsch nach kurzer Pause eindringlich fort." Selbstverständlich bin ich dann bereit, ihr eine Ausstattung und etwas in bar mit zugeben."
Fedja hob den Kopf.
Wieviel würde das wohl sein?" erkundigte er sich vorsichtig.
" Nun, auf zwei- bis dreitausend Rubel sollte es mir nicht ankommen," warf Schukow leichtmütig hin.
Fedja wurde unruhig. Er sah seine Eltern an, auch von ihnen war alle Ruhe gewichen.
,, Dreitausend Rubel! Das reichte hin, um ein Gütchen zu erwerben," murmelte er.
" Ja, es ist viel Geld," gab die Mutter flüsternd zurück. " So wollt ihr mich also wirklich hinausstoßen?" schluchzte Darja. Auch du, Fedja? Du auch?" Sie warf sich an seine Brust. Was brauchen wir Geld?! Wenn wir nur beieinander sind!"
" Laßt uns in Frieden, gnädiger Herr! Ihr seht doch, daß sie nicht fort will," sagte Fedja und legte den Arm um Darjas Nacken.
" Sie ist noch ein Kind, du aber bist ein Mann und des halb mußt du für euch beide denken und handeln," begann Schukow dem Burschen zu schmeicheln.
Fedja fuhr mit der Hand über das schwarze Haar, das rundgeschnitten seinen Kopf umwogte.
" Du glaubst also auch, Vater, daß es für Darja gut ist, wenn sie uns für ein paar Jahre verläßt?" wandte sich der Bursche an den Alten.
Wenn der gnädige Herr es sagt!" " Und du, Mutter?" fuhr Fedja fort. Die Frau seufzte.
( Fortseßung folgt.),
über mich sollst du entscheiden." ,, Wohl, so rede; aber nur, was zur Sache gehört und ohne Parteilichkeit, sonst wahre dich."
Sie erzählte nun, sie sei verheiratet gewesen. Ihr Mann habe eine Reiſe angetreten, sei über ein Jahr auf derselben ausgeblieben, habe auch nichts von sich hören lassen, so daß sie angenommen, er sei gestorben. Da habe sie beschlossen, eine neue Ehe einzugehen, und der Richter habe sie auch mit dem Manne zu ihrer Linken vereinigt. Kaum sei dies jedoch geschehen, so sei ihr erster Gatte, der zu ihrer Rechten, erschienen, und beide beanspruchten sie nun als Gattin.
Kiang- to- ſing ſenkte das Haupt, befahl dann, daß die drei ihn erwarten sollten und ging hinaus. Nach einer Stunde kehrte er zurück und erklärte:„ Ghe ich das Urteil fälle, hört an. Mir ist so eben die Botschaft zugegangen, daß die Mutter dieses Weibes geſtorben sei. Ich hoffe, daß ihr die Kosten gemeinschaftlich tragt."
Keineswegs," rief der zweite Mann,„ ich habe die alte Frau gar nicht gekannt."
Jch nur zu gut," bemerkte der erste,„ ich trage die Kosten. Wie viel betragen diese?"
Kiang- to- sing lächelte. Jetzt kann ich die Entscheidung treffen. Du, der sich sträubte die Kosten zu tragen, bist nicht würdig der Reize dieses Weibes; du aber, der gern bereit war das Begräbnis zu bestreiten, hast bewiesen, daß dich nichts früher von ihr zurüdgeschreckt hat. Behalte sie und sei glücklich."
Ein Held. Vor einigen Jahren ereignete sich an der afrikanischen Elfenbeinküste folgende kriegerische Szene. Dreißig fran zösische Soldaten vom Senegal fuhren unter dem Befehl eines Kapitäns den Assineefluß hinab, ließen sich von Eingeborenen gefangen nehmen und nach dem Wohnplayze des schwarzen Häuptlings schleppen, nachdem ihnen Gewehre und Munition abgenommen worden waren. Sie wurden zu einer festlichen Abschlachtung aufgehoben. Kaum erfuhr dies der englische Kapitän Walsh, welcher den einer Liverpooler Firma gehörenden Stapelplay befehligt, als er sich mit einer Winchesterbüchse bewaffnete, den Fluß durchEr allein tötete ihrer schwamm und auf die Schwarzen feuerte. fünfzehn, die anderen entflohn. Nun holte er Sukkurs, marſchierte in Eilschritt nach dem Wohnplatze der Schwarzen, tötete ihren Häuptling und machte die Franzosen wieder frei.
Ein wahres Wort. Friedrich von Schlegels Frau war in ihrer Jugend eine sehr tätige Schriftstellerin und eifrige Mitarbeiterin ihres Gatten. In späteren Jahren jedoch verzichtete sie gänzlich auf irgend welche litterarische Tätigkeit und widmete sich ausschließlich häuslichen weiblichen Arbeiten. In dieser Periode besuchte sie eines schönen Tages ein alter Freund und findet sie mit dem Nähen eines Hemdes beschäftigt. Im Laufe der Unterhaltung fragt er, warum denn eigentlich sie die Feder mit der Nadel vertauscht habe. ,, O," lautete die geistreiche Antwort,„ Bücher gibt es schon mehr als zu viel in der Welt, aber ich habe noch nicht gehört, daß es auch zu viel Hemden gebe."
Deutliche Ablehnung. Als Gußkow seinen berühmten Roman „ Die Ritter vom Geist" veröffentlicht hatte, erhielt er von einer reichen Dame, deren Bekanntschaft er vor einiger Zeit gemacht, einen unfrantierten Brief, der folgende Zeilen enthielt:" Hochgeehrter Herr Doktor! Mit der größten Spannung sah ich der Erscheinung Ihres neuen Werkes entgegen, habe aber vergeblich versucht, dasselbe bei den hiesigen Buchhändlern aufzutreiben, und so bitte ich Sie denn, mir dasselbe auf kurze Zeit zu leihen und an untenstehende Adresse zu senden."— Umgehend beantwortete Guzkow dieſen Brief mit folgenden Worten:„ Hochgeehrte Frau! In der Stadt, in der Sie wohnen, gibt es viele Dinge, die Sie sich leicht verschafen können; nicht allein das Buch in den Buchhandlungen, in denen es ausliegt, sondern auch die zum Frankieren von Briefen erforderlichen Marken. Ich habe das Buch, das Sie zu haben wünschen, allerdings in meinem Besitz, doch fehlt es mir augenblicklich an dem nötigen Bindfaden, um das Packet zu verschnüren; wenn Sie mir mit einem Stück aushelfen können, stehe ich Ihnen gern zu Diensten. Ihr ergebener Karl Gutzkow.
Nr. 50.
Donnerstag, den 3. März
Oberhessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
Sand and Seslag bes Offer Beringsbruderet, serm. Duh. Roller'ſs Subrudensi( gear. 1700); erant: Ibis@lein
( 13. Fortsetzung.)
Der Goldmarder.
Siebentes Kapitel.
Original Roman von M. Bezold.
Alfred v. Bodenlauben hatte heute einen dienstfreien Tag, aber er wußte nichts damit anzufangen, denn draußen peitschte der Herbststurm den Regen in schweren Güssen gegen die Fenſter. Er hatte an diesem Tage einen Ausflug machen wollen, nun mußte er zu Hause bleiben, und wenn es auch in der elegant eingerichteten und mit allem Komfort ausgestatteten Wohnung außerordentlich gemütlich war, so machte ſich doch schon am Vormittag die Langeweile sehr bemerkbar.
Alfred hatte sich nach dem Frühstück eine Zigarre angezündet und aus seiner kleinen Bibliothek ein Buch genommen, das er aber bald wieder hinlegte, weil die innere Ruhe zum Lesen ihm fehlte.
Er trat ans Fenster und schaute gedankenvoll auf die Straße hinunter, in der nur selten ein mit dem Sturme und Regen kämpfendes menschliches Wesen sich zeigte.
„ Ich muß mir Urlaub nehmen und Onkel Moritz besuchen," sagte er leise,„ er ist das Haupt der Familie, und ohne seine Zustimmung möchte ich den Schritt nicht unternehmen. Die Traditionen einer so alten Familie, wie wir es sind, müssen hoch gehalten werden, ich weiß nicht, wie Onkel Moritz darüber denkt, und ein Zerwürfnis in der Familie möchte ich verhüten. Freilich, wenn er nicht will, und alle Gründe keinen Eindruck auf ihn machen, dann werde ich auch den Mut finden, seinen Vorurteilen die Stirne zu bieten, aber diese Notwendigkeit wäre mir sehr, sehr unangenehm."
Er blies einige Rauchwölkchen vor sich hin und wanderte ſinnend auf dem dicken Teppich auf und nieder.
„ Entschließen muß ich mich bald," nahm er sein Selbstgespräch wieder auf, die Nachrichten von Hauſe wollen mir seit einiger Zeit auch nicht mehr gefallen, ich muß jeden falls einmal hin, um persönlich nach dem Rechten zu sehen, vorher aber möchte ich die andere Angelegenheit in Ordnung wissen
„ Herr Baron v. Friedenſtein!" meldete in diesem Augenblick der Diener, und mit dem freudigen Ausruf:" Onkel Moriz!" eilte Alfred dem eintretenden wohlbeleibten Herrn entgegen, der mit frohem Lachen ihm beide Hände reichte. „ Welch' angenehme Ueberrraschung!" sagte Alfred. " Jawohl, für dich!" lachte der Baron, dem Neffen die Hände schüttelnd, aber in eurer Reſidenz ein solches Hundewetter zu finden, war für mich nichts weniger als angenehm." „ Wäre es besseres Wetter gewesen, hättest du mich nicht zu Hause gefunden, denn ich bin heute vom Dienste dispensiert
,,, o, Stubenarrest?"
Leider nein, sonst hätte ich mich in die Notwendigkeit, zu Hause bleiben zu müssen, leichter gefunden," scherzte Alfred, ein jüngerer Kamerad verſieht heute den Dienst im Schloß, auch ein fürstlicher Adjutant will einmal eine Abwechslung haben. Na, nun laß dich nieder, Onkel, was willst du genießen?"
( Nachdruck verboten.),
Nur eine Zigarre," sagte der Baron, sich über den grauen Vollbart streichend.
,, Nicht ein Glas Wein?"
Nein, jetzt noch nicht, ich habe soeben erst im Hotel gefrühſtückt."
" Du bist gestern Abend schon angekommen?" fragte Alfred, während er ein elegantes Rauchservice vor ihn hinſtellte.
Gegen Mitternacht. Natürlich galt mein erster Gang heute Morgen dir."
" Du hast Geschäfte hier?" forschte Alfred. " Ja, und nein, vor allen Dingen wollte ich dich einmal wiedersehen, lieber Junge!"
" Dieselbe Sehnsucht hatte ich nach dir," sagte Alfred, „ ich dachte vorhin noch an dich. Ich wollte in nächster Zeit Urlaub nehmen, um dich zu besuchen, ich wäre früher schon gekommen, aber der Fürst gibt nicht gerne längeren Urlaub."
,, Ach was, quittiere den Dienst, hast es ja nicht nötig!" " Daran habe ich auch schon gedacht," meinte cer Adjutant,„ aufrichtig gestanden, habe ich es hier satt."
,, Auch mit der Verwaltung deiner Güter ist es nicht zum besten bestellt, hast du das nicht schon bemerkt?"
„ Daran dachte ich vorhin gerade, der Reinertrag wird immer geringer, woran liegt das? Ich kann mir nicht wohl denken, daß mein alter Verwalter
,, Unter die Spitzbuben gegangen sein soll? Nein, keineswegs, er ist ein solider Mann, aber mein Gott, er ist alt geworden und sozusagen verschlissen. Von Neuerungen will er nichts wissen, und gerade wir Landwirte sind auf den Fortschritt angewiesen, wir müssen uns jede neue Erfindung, sobald sie sich bewährt hat, zu Nutzen machen. Wenn die Verringerung deiner Einnahme Dir auch augenblicklich noch feine Schmerzen macht, weil du immer noch genug erübright, so darfst du doch nicht müssig zusehen
„ Das will ich auch nicht, Onkel," unterbrach Alfred ihn. „ Nun ich die Gründe kenne, werde ich Abhilfe schaffen: Der alte Verwalter soll in den Ruhestand treten, er hat eine lebenslängliche Pension redlich verdient, ein tüchtiger Mann muß an seine Stelle gesetzt werden
Und vor allem mußt du selbst mit anfassen," fuhr der Baron fort.„ Das müßige Leben hier taugt nichts für dich, wie dir die Güter von deinem Vater überfominen sind, so mußt du sie dereinst auch deinen Kindern hinterlassen. Tu bist nun zum Heiraten alt genug geworden, also wähle unter den Töchtern des Landes, nimm deinen Abschied und werde dasselbe, was dein Vater war, ein rechtschaffener Landwirt!"
Alfred v. Bodenlauben hatte sich in seinen Sessel zurückgelehnt, den Rauchwölfchen seiner Bigarre nachschauend, schien er über den Vorschlag des Onkels nachzudenken; der Baron sah den ängstlich forschenden Blick nicht, der verstohlen sein Antlitz streifte.
" Ich bin damit völlig einverstanden," ſagte er, nur über eine Frage müssen wir noch schlüssig werden. Daz ich als Landwirt eine tüchtige, sorgende Hausfrau einer Modepuppe vorziehe, wirst du hoffentlich verständig finden."
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