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Nr. 28

bonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., n's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­fährlich Mr. 1.50.

Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Mittwoch, den 3. Februar 1904

Gießener

13. Jahrgang.

Jnsertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober heffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88 Fernsprechanschluß Nr. 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Bekanntmachung. Betr. Die Ausführung des Gefeßes über den Urkundenstempel vom 12. Auguſt 1899.

Diejenigen Befizer von Fahrrädern, Automobilen, Luruswagen, Luxusreitpferden, Verkaufs- und Wagautomaten, automatischen Straftmessern, öffent­lich aufgestellten Klavieren oder sonstigen Mafil­werken, welche die Abgabe für das Jahr 1904 noch nicht entrichtet haben, werden hiermit wiederholt an die Ent­richtung der Abgabe ohne Kosten bis spätchess Ende Februar d. Js. erinnert. Auch fönnen bis zu diesem Termine Fahrräder unter Rückgabe der Nummerplatte und Radfahrkarte noch abgem Ibet werden.

Die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises werden beauftragt. vorstehende Bekanntasung sofort und sodann dreimal in Zwischenpausen von zwei Tagen orts­üblich bekannt machen zu lassen.

Gießen, den 26. Jaruar 1904. Großherzogliches Streisaint Gießen.

Dr. Breidert.

Bekanntmachung.

Betr. Schweinerotlauf in Geilshouses.

Unter dem Schweine bestand des Wirts Konrad Feder zu Geilshausen ist Schweinerotlauf ausgebrochen; es ist- höftsperre angeordnet.

RPP

Gießen, den 29. Januar 1904

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

J. V.: Dr. Kranzbübler.

Betanntmachung.

Betr.: Notlauf bei einem Schwein des Martin Krieb zu Dorf- Gill.

Bei einem Schwein des Martin Krieb in Dorf- Gill ist Schweinesotlauf festgestellt worden. Gießen, den 29. Januar 1904.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. J. V.: Dr. Kranzbübler. Bekanntmachung.

Betr. Die Stiftung des Gemeinderatsmitgliedes Friedrich Lony sen.

Die diesjä rigen Zinsen aus der rubr. Stiftung soßen an 8 Arme der Stadt Gießen mit je 20 Mt. De geben wer­den. Bewerbungen um dieselben sind bis zum 20. Februar 1904 schriftlich oder mündlich bei dem Armenamt, Nuen­Bäue 25, vorzubringen.

Gießen, den 1. Februar 1904.

Großh. Bürgermeisterei Gießen. Cursdmann.

Die Reichstagspause.

( Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter.)

Die kleine Feierschicht, die in die Reichstagsverhand­lungen eingelegt wurde, war notwendig geworden durch den katholischen Feiertag Mariä Lichtmeß". In der letzten Sizung prägte sich dessen Nähe deutlich aus, denn eine Anzahl Abgeordneter war so sehr von der Ferienstimmung beherrscht, daß sie nicht einmal vor versammelten Kriegsvolk_ihre Un­geduld zu bezähmen vermochten. Das in der Garderobe herumlagernde Reisegepäck war ziemlich stattlich, und es ist deshalb wohl anzunehmen, daß eine große Zahl von Ab­geordneten unmittelbar nach Sizungsschluß die Fahrt zur Heimat antrat. Nur die Budgetkommission tagt unausge setzt weiter, obschon sie sich nach dem seitherigen Geschäftsgang tatsächlich für ihren Betrieb eine größere Muße gönnen könnte, denn das Schneckentempo, in dem das Reichstags­plenum arbeitet, kann ihr niemals gefährlich werden; es kann niemals der Fall eintreten, daß der Reichstag verhand­lungsunfähig wäre, weil die Budgetkommission die Vor­arbeiten noch nicht erledigt hat.

Im ganzen sind seit Wiederaufnahme der Verhandlungen 14 Sitzungen abgehalten worden. Davon wurden 7 auf Interpellationen, die entweder nicht notwendig waren, oder nur ganz obenhin die Zuständigkeit des Reichstags berührten. Das gilt insbesondere von der Aussprache gegen die Wurm­krankheit, deren Beantwortung fast einzig und allein von dem preußischen Handelsminister geleistet wurde, nachdem der Staatssekretär Graf Posadowsky eine grundsätzliche Er­flärung abgegeben hatte; es handelte sich also nur um eine vorwiegend preußische Angelegenheit. Aber auch eine Reihe von anderen Interpellationen war unnötig, so z. B. diejenige über die Ausdehnung des Versicherungszwanges für die selbständigen Handwerker, weil schon im Vorjahre von dem Staatssekretär Posadowsky die Erklärung abgegeben worden war, daß diese Frage nur mit der Reorganisation der Ver­sicherungsgesetze spruchreif werden könne, und diejenige über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine, weil durch eine regie­rungsseitige Auskunft in einem süddeutschen Parlament be­

kannt geworden war, daß eine entsprechende Vorlage ausgear­beitet werde.

Noch niemals hat eine Periode eine solche Fülle von initiativen Vorschlägen aufzuweisen gehabt, wie der jetzige Reichstag. Zu dem Etat des Reichsamts des Inneren sind allein 34 zum größten Teil aus umgearbeiteten Initiativ­anträgen bestehende Resolutionen angemeldet, deren Verhand­lung erst nach Fertigstellung des Etats erfolgen soll. Das ist geschehen, um den Gang der Beratung zu beschleunigen, aber bis jetzt hat diese Maßnahme keinen Segen gebracht, denn auch bei der Etatsberatung verzettelten sich die Ver­handlungen über die verschiedenartigsten Interessengebiete. Zwei Tage allein gingen wegen einer grundsäßlichen Aus­einandersetzung zwischen den Parteien über den Crim­mitschauer Streif verloren. Da ſeither für eine Resolution oder Interpellation stets ein voller Sitzungstag verwendet wurde, so steht der Reichstag also vor der unerfreulichen Wahrscheinlichkeit, daß die gesamte Zeit von jetzt bis zu den Osterferien nur für die Beratung des einen Etatstitels des Reichsamts des Inneren verwendet wird. Der Gesamtetat kann kaum vor Pfingsten zur Fertigstellung gelangen. Es läßt sich noch nicht absehen, wann die übrigen Vorlagen im Plenum überhaupt zur Verhandlung kommen können. Der Reichstag hätte aber fruchtbarere Arbeit zu tun, als daß die einzelnen Parteien zur Labsal der Wählerschaft Reden zum Fenster hinaushalten. Die kleine Reichsfinanzreform, die Novellen zum Servisgesetz und zum Börsengesetz, sowie auch das Militärpensionsgesetz erheischen dringend eine schnelle Erledigung. Wir möchten wünschen, daß die Herren Reichs­Soten die kleine Pause zu einer Gewissenserforschung_be­nüßen und in Zukunft etwas prompter ar eiten, als seither.

Der Hufftand in Südwestafrika.

Den überwiegend unerfreulichen Meldungen der letzten Tage ist jetzt eine durchweg erfreuliche gefolgt: Die auf­rührerischen Bondelzwarts im Süden der Kolonie haben die Waffen gestreckt. Der deutsche Generalkonsul in Kapstadt telegraphiert an das Berliner Kolonialamt:

,, Nach einer Mitteilung der Kapregierung haben die Bondelzwart- Hottentotten am Oranje unter ihrem Häupt­ling sich am 28. Januar ergeben. Die Uebergabe der in den Kharasbergen wohnenden Aufständischen wird er­wartet."

Die im letzten Saße ausgesprochene Erwartung kann gut und gern als Gewißheit angesehen werden. Die in den Kharasbergen sich aufhaltenden Bondelzwarts sind dorthin vor der deutschen Schuztruppe geflüchtet; sie werden um so lieber bereit sein, ihren Frieden mit uns zu machen, als sie sehen, daß jeßt ihre ins Kapland, also auf englisches Gebiet geflohenen und daher für unsere Schußtruppe nicht mehr erreichbaren Landsleute es dort vorgezogen haben, sich zu unterwerfen.

Durch die Beendigung der Unruhen im Süden der Ko­lonie gewinnen wir größere Ellbogenfreiheit im Norden, im Herero gebiet. Ueber neue Kämpfe in dem gefährdeten Landstrich verlautet einstweilen nichts. Nach wie vor ist man in Berliner amtlichen und Kolonialkreisen in großer Be­sorgnis um das Schicksal des Gouverneurs Leutwein und seiner Truppe. In Windhuk ist Leutwein, wie jetzt sicher scheint, bisher noch nicht wieder eingetroffen. Es gibt da­nach nur zwei Möglichkeiten: Entweder der Gouverneur weiß noch nichts von den Unruhen im Norden, wofür viel­leicht eine Unterbrechung des Heliographendienstes die Er­klärung gibt, oder aber er ist von den Hereros angegriffen und mit seiner Truppe vernichtet worden. Mit 240 Mann mar Leutwein nach dem Süden abgegangen; mindestens 120 Mann zwei Feldkompagnieen mußte er auf alle Fälle im Süden zurücklassen; er kann den Marsch nach Norden also nur mit etwa 120 Mann angetreten haben. Diese 120 Mann hätten nun freilich gegen die nach Tausenden zählenden und gut bewaffneten Hereros sich in freiem Felde nicht be­haupten können. Hoffen wir, daß Leutwein in Unkenntnis der Vorgänge im Norden noch unten im Süden weilt.

Die Hilfsexpedition

hat, wie sich jetzt genau feststellen läßt, eine Ge­samtstärke von etwa 2000 Mann. Dabei werden indes die im Schutzgebiet selbst zurzeit eingezogenen Reservisten, Landwehrleute usw. nicht mitgerechnet. Die Gesamtkopfstärke der aktiven Truppen der einzelnen Korps und Transporte setzt sich nach diesen Angaben zusammen aus: 400 Mann der südwestafrikanischen Schutztruppe selbst; 225 Mann des in See befindlichen Ablösungstransports, der in den nächsten Tagen Swakopmund bereits erreichen soll; 800 Mann des Marine- Expeditionskorps an Bord der ,, Darmstadt", die etwa am 10. Februar in Swakopmund eintreffen werden; weitere 500 Mann, von denen die kleinere Hälfte am 30. Januar an Bord des Dampfers ,, Adolf Woermann" die Heimat verlassen hat, während der größere Rest erst am 6. Februar als zweiter Heeres­transport folgen soll, und endlich 130 Mann als Gesamt­besetzung des Kanonenbootes Habicht", die zum Teil als Landdetachement in Karibib, zum Teil als Schiffsbesazung in Swakopmund sind.

Weitere Truppencitsendungen.

Wie unser Berliner C.B.- Mitarbeiter aus guter Quelle hört, plant die Regierung die Entsendung weiterer Truppen nach dem Aufstandsgebiet, falls diese sich als notwendig erweist. Letzteres ist indes kaum zu erwarten, da man allmählich dahinter gekommen ist, daß die Hereros nicht über 15-20.000, sondern höchstens 5000 waffenfähige Krieger verfügen. Da nun aber wegen der Bewachung der Viehherden auf den weitzerstreuten Weideplätzen eine große Anzahl von Männern unabkömmlich ist, dürften die auf dem Kriegspfade befindlichen Herero nur 3000 Köpfe zählen. Auch diese Zahl ist groß genug, um den Ernst der Lage erkennen zu lassen, zumal die Herero von unbändiger Grausamkeit beherrscht werden; sie schlagen alle Verwundeten unfehlbar mit ihrem Kirri( Keule) tot. Die Entsendung weiterer Hilfs­truppen wird nur nötig sein, wenn andere Negerſtämme wie die Ovambos sich dem Aufstand anschlössen.

Die Bestrafung der Hereros

oll exemplarisch sein und sie gerade da treffen, wo sie am empfindlichsten find: an ihrem Besitztum. Die Kolo­nialverwaltung wird zunächst in erster Linie den reichen Viehbestand der Hereros dazu benügen, den beraubten Far­mern aufzuhelfen. Man wird das Vieh der Hereros an diese Farmer und dann an die übrigen Ansiedler verteilen. Ferner soll die bisherige halbe Souveränität der Häuptlinge pernichtet werden. Die Herero verlieren ferner auch das Eigentumsrecht an Grund und Boden. Das Land geht an den Fiskus über. Die Ansiedler müssen sich also behuss An­fauf von Herero- Land in Zukunft an den Fiskus wenden. Hierdurch hofft man einen Teil der Kriegskosten decken zu fönnen. Als nachhaltigste Strafe aber wird die energische und rücksichtslose Heranziehung der Herero zu öffentlichen Arbeiten bezeichnet. Man will sie fest herannehmen und sie nicht für Lohn, sondern nur für Kost und Bekleidung ar­jeiten lassen. Auch hierdurch würde man erhebliche Erspar­nisse erzielen. An Arbeiten wird nach dem Aufstande gewiß fein Mangel sein. Außer der Wiederherstellung der zer­störten Bauten u. s. w. kämen noch besonders Damm- und Eisenbahnarbeiten in Betracht. Diese Art der Strafe wäre besonders deshalb eine passende, weil sie jeder einzelnen Person des Stammes tüchtig fühlbar wird. Man glaubt ind das mit vollem Recht daß die geplanten Maßnahmen besser als die sonst allein beliebte Erschießung der Rädels: führer wirken und eine neue Erhebung für später völlig ausschließen werden. Selbstverständlich wird man von der Erschießung oder besser Aufknüpfung der Hauptschuldigen nicht absehen dürfen.

Die Politik.

Zur Einweihung der neuen Reichstagspräsidialräume wird von Grafen Ballestrem heute( Mittwoch) abends ein Fest veranstaltet, zu dem auch der Kaiser sein Erscheinen zugesagt hat.

O Bei der Reichstagsstichwahl im Wahlkreise Osna. brück wurde Wamhoff( natl.) mit 15 503 Stimmen ge wählt; v. Bar( Zentrumshospitant) erhielt 15 137 Stimmen.

Der Staatssekretär des Reichsjustizamts hat jetzt eine amtliche Liste über die Fälle einer Anwendung des Zeugnis­zwangs gegen Redakteure aufstellen lassen. Die Liste, die mit dem Jahre 1885 anhebt und bis 1903 reicht, ergibt in der Tat, was der Staatssekretär im Reichstag behauptet hat: daß von dem Zeugniszwangsverfahren recht selten Gebrauch gemacht worden ist: in der ganzen Zeit nur 18mal!

Ein Erlaß der preußischen Minister des Kultus, des Innern und des Handels weist die Regierungspräsidenten an, auf eine Herabsetzung der Fleischbeschaugebührentarife dahin zu wirken, daß in kleinen Beschaubezirken die in der Gesamtgebühr enthaltenen Wegevergütungen er= mäßigt werden, während in den Orten mit mehr als 1500 Einwohnern diese Wagevergütungen überhaupt wegfallen und in Orten mit mehr als 2000 Einwohnern noch eine weitere Ermäßigung der Gesamtgebühren eintreten soll.

* In seiner Eigenschaft als König von Preußen hat der Kaiser bestimmt, daß preußische Staatsgebäude beim Tode außerdeutscher Souveräne und Fürstlichkeiten nur auf aus­drücklichen Befehl halbmaſt zu flaggen haben.

A Gegen die sächsische Wahlrechtsreform, wie sie das Dres­dener Ministerium vorgeschlagen hat, machen die sächsischen Ronservativen entschieden Front. Da die Konservativen in der zweiten sächsischen Kammer über die Zweidrittelmehr­heit verfügen, kann der Reformplan der Regierung bereits jetzt als begraben gelten. Die Konservativen erkennen zwar m:, daß die Reformvorschläge der Regierung einiges Dis­futable und Acceptable bieten( Heranziehung der Vermögens­stener bei der Klasseneinteilung, Vermehrung der städtischen Wahlkreise und größere Berücksichtigung von Industrie und Gewerbe in der Ersten Kammer), allein sie lehnen auf das entschiedenste den als das Wesentlichste" bezeichneten Teil der Vorschläge ab, der der Sozialdemokratie 16 Mandate sicher zufallen läßt. Uebrigens will auch die national­Iberale Partei, welche sich für ein den Konservativen feinesfalls genehmes Pluralwahlsystem ausgesprochen hat, die Regierungsvorlage nicht annehmen, und die drei

Berrenbesuche. Du haft richtig verstanden fann ich Ermshagen, in Geschäften abwesend sei, empfinge ich keine men zu können. n den Stunden, da mein Bruder, Mr. und wirst

Sage den Serren, ich Tieße bebauern, fie nicht anneh­

märtlich bestellen

hatte, ihr Dasein überhaupt zu entdecken.

,, wie in meiner ostpreußischen Heimat ein Gebäd mit rend er feinen Blak am untern Ende der Tafel einnahm, fieht aus," dachte der unehrerbietige Koßmann bei sich, wäh­über und über in dünne Milch getaucht Dieser Kerl

fonnen

schöne Festung zu versuchen.

Freund, der Earl of Stratmore, machte es sich zur Aufgabe, Herr and Hilfstruppen dazu geworben, denn sein englischer zu sein, heute einen entscheidenden Sturm auf die Offenbar hatte der ungarische

die übri

fie unausgesetzt den Rosenkranz, ihre Lippen gitterten wie im fuch, machte immer eine schüttelnde Beweging, toie wen:: fie Sieber, und ihr Haupt, unter dem ungemidelten Seiden­Sie

meinte nicht, die te, in ihren dürren Händen drehte

· Das ist