In Stuttgart fand die Jahresversammlung der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger statt. Ihr wohnte auch der Vizepräsident der französischen Gesellschaft, Emil Roubin bei, der der deutschen Gesellschaft auch diesmal wieder zu Ehrengaben und Unterstüßungen 30 000 Marf gestiftet hat. Die Versammlung bewilligte unter anderem 61 000 Mart für die Errichtung neuer Rettungsstationen. Als Ort der nächsten Jahresversammlung wurde Emden gewählt. Die Zahl der durch die Gesellschaft seit ihrer Begründung geretteten Personen ist im letzten Jahre auf 3105 gestiegen. Die Gesamteinnahme belief sich auf 287 155 Mark, die Gesamtausgabe auf 242 052 Mart.
Der preußische Finanzminister hat auf den Wunsch einer Reihe von mittleren Steuerbeamten Titeländerungen in der Steuerverwaltung verfügt. Die Hauptamtsassistenten in etatsmäßigen Stellen beißen fortan ,, Steuersekretäre", die Steuereinnehmer 1. SPI. erhalten den Titel„ Obersteuereinnehmer", die Zollamts- und Steueramtsassistenten führen die einheitliche fürzere Benennung ,, Steuerassistenten".
Wie stark noch immer die französischen Sympathien in den Reichslanden sind, dafür bietet ein Vorkommnis einen Beweis, das aus Straßburg berichtet wird. Danach hat in Straßburg ein Zirkus sein Zelt aufgeschlagen, zu dessen Hauptanziehungspunkten eine„ Walderseequadrille" gehört. Dabei erscheinen der Reihe nach Offiziere sämtlicher an dent China- Feldzug beteiligten Mächte in phantastischen Uniformen auf der Bühne, um dann zusammen ihre Kunststücke auszuführen. Als nun der französische Offizier erschien, wurde er mit lautem Beifall empfangen. Noch war der Beifall nicht verklungen, als der deutsche Offizier eintrat. Ein Teil der Zuschauer empfing auch ihn mit lautem Beifall, die Mehrzahl aber erhob dagegen Protest, und es wäre beinahe zu einer solennen Prügelei gekommen...
Oefterreich- Ungarn.
Sehr interessante Aeußerungen tat der österreichischungarische Kriegsminister v. Pittreich in Budapest vor der österreichischen Delegation zu der Regierungsvorlage über die Heeresvermehrung. U. a. sagte der Minister, er habe nicht leichten Herzens die Militärforderungen gestellt, habe sich aber durch seine verantwortliche Stellung genötigt gesehen, für die Vervollständigung der Schlagfertigkeit des Heeres und der Marine Vorsorge zu treffen. Von einer absichtlichen Ueberraschung der Deffentlichkeit sei keine Rede; die Ueberraschung sei wirklich in dem ostasia. tischen Kriege zu suchen, durch dessen Erfahrungen jeder Kriegsminister aufgeschreckt merde. Es steht zu hoffen, daß die Forderungen der Regierung bewilligt werden. Wir Deutschen haben ein besonderes Interesse an der Schlagfertigkeit des österreichischen Heeres, da die Donaumonarchie uns verbündet ist.
Frankreich.
Von den Zustimmungen der Großmächte zum englischfranzösischen Marokko- Abkommen steht nur noch die Deutschlands aus. Man zweifelt in Paris nicht, daß sie bald eintreffen wird, nachdem beide Mächte über die Neutralität des Suezkanals und die Unabhängigkeit Marokkos befriedigende Erklärungen abgegeben haben. Wir können demgegenüber feststellen, daß diese Zustimmung Deutschlands an gewisse Bedingungen geknüpft sein wird, die den Franzosen wie den Engländern nicht ganz willkommen sein werden.
Russland.
Unweiter im Rheinland. Bei einem über die Gegend zwischen Neuß und Grevenbroich niedergegangenen Gewitter richtete eine Windhose in den Ortschaften Grefrath, Sem: rierden und Lüttenglehn große Verwüstungen an. 2.bl reiche Häuser wurden abgedeckt, starte Bäume entpurzelt und die Feldfrüchte vollständig niedergeschlagen. Der Schaden ist sehr groß. Unglücksfälle von Menschen sind bisher nicht gemeldet.
Ueber das furchtbare Unwetter, das sich vor einigen Tagen auf dem südlichen Eichsfelde eutlud, laufen fortgesetzt Siebsposten ein, die erst die ganze Größe des Unglücks ermessca lassen. Der Wolfer.bruch fiel westlich von Effelder. Von da aus nahmen die riesigen Wassermassen ihren Weg nach dem Friedatal und überfluteten das Land meilenweit, da die fieine Frieda das Wasser nicht zu fassen vermochte. Die Acferfrume ist mit sortgeflossen, metertiefe Gräben sind gezogen, so daß manche Ländereien auf Jahre hinaus unbrauch bar geworden sind. In manchen Häusern 31: Großbartloff, Lengenfeld, Geismar usw. stand das Wasser zwei Meter hoch. Biele Familien mußten Haus und Hof verlassen, um nicht zu ertrinten. Ricle Tierleichen und Hausgerätschaften triebea in den Fluten. Dice Mauern wurden eingerissen; Steinquadern wurden bis auf die Felder vom Wasser fortgeführt. Die Felder bieten ein Bild der Verwüstung dar. Am meisten gilt dies von Lengentsid, wo eine volle Stunde lang Hagel. förner in Taubeneigröße berniedertraffetten usid alles zerschlugen. Noch an anderen Morgen ingen die Eisnrassen fußhoch. Der Schaden beträgt viele Sunderttoriend Mark.
Großes Aufsehen erregt in der russischen Hauptstadt eine Skandalgeschichte, in die der russische Minister des Auswärtigen, Graf Lambsdorff, verwickelt ist. Der bekannte Fürst Dolgoruki, der früher einmal für den bulgarischen Thron ausersehen war, lauerte dem Grafen Lambsdorff auf der Promenade auf und ohrfeigte ihn. Der Beweggrund Dolgorufis ist nicht bekannt, doch nimmt man an, daß politische Motive dabei nur eine geringfügige Rolle spielen. Man erwartet eine Verbannung Dolgorukis vom Hofe. Auch dürfte es zwischen ihm und Lambsdorff zum Duell kommen.
Balkan- Staaten.
Das Bandeuunwesen in Mazedonien nimmt wieder zu. Viele nach Mazedonien zurückgekehrte amnestierte Bulgaren schließen sich den Banden an, deren Zahl wieder wächst. Zahlreiche Morde und Gewaltakte an Griechen geschehen un gestraft. Die Landbevölkerung befürchtet neue Ruhestörungen. Hoffentlich räumt General de Giorgie mit diesen Störenfrieden bald und gründlich auf.
Afrika.
Brandkatastrophe. In Greifenhagen fomen bei einem großen Brand zwei Feuerwehrleute in treuer Erfüllung ihrer Pflicht ums Leben. Sechs Wohnhauser wurden durch das Feuer eingeäschert.
* Lustmord? Auf der Feldmark der Gemeinde Hermsdorf in Ostpreußen wurde die 21jährige Tochter eines Abbaubesitzers tot aufgefunden. Wie es den Anschein hat, ist das Mädchen vergewaltigt und dann erdrosselt worden.
A Tragische Schülerliebe. Einen furchtbaren Ausgang nahm eine Liebelci zwischen einem 16jährigen Gymnasiasten md einer 15jährigen höheren Tochter" in Paris. Nachdem zwischen den beiden jungen Zentchen eine Zeit lang ein zärtficher Flirt bestanden hatte, trat infolge Auftauchens eines Rivalen plößlich ein Riß in das Verhältnis ein. Der jugendliche Liebhaber griff nach berühmten Wustern zum Revolver and feuerte auf die Ungetreue, als diese von der Schule nach Hause ging, vier Schüsse ab, die sie schmer verletten. Er elbst schoß sich mit einer fünften Sugel in die Schläfe und anf lebles zusammen.
A Die Ruffen sehen es neuerdings anscheinend auch noch darauf ab, in Afrika festen Fuß zu fassen. Und zwar vorerst auf dem bewährten Wege der Glaubensgemeinschaft. Nach einer Meldung aus Konstantinopel ist eine große abessynische Mission, bestehend aus einem General und mehreren abessynischen Geistlichen, von Jerusalem kommend, mit zwölf Kisten mit Geschenken des Negus von Abessynien an den Sultan hier eingetroffen. Die Mitglieder der Mission sind Gäste des Sultans. Durch Vermittelung der russischen Botschaft trat die Mission in direkte Verbindung mit dem oku menischen Patriarchen, woraus auf eine Annäherung zwischen der abessynischen und der griechisch- orthodoxen Kirche geschlossen wird. Die griechisch- orthodoxe Kirche aber kommandiert Rußland, dessen Herrscher der oberste Bischof dieser Kirche ist. Wenn die Russen erst die abessynische Kirche kommandieren, so haben sie auch das abessynische Volk...
Nab und fern.
Das 1200jährige Jubelfest der Stadt Arnstadt wurde unter großem Enthusiasmus der Bevölkerung begangen. Zum Ehrentage der Hauptstadt des Fürstentums Schwarzburg- Sondershausen war das Fürstenpaar und Prinz Leopold dort anwesend. In Anwesenheit des gesamten Ministeriums, der Vertreter der Fürsten, der Spitzen der Behörden und der Abordnungen füringischer Städte fand im Rathaussaale eine Festsizung statt.
Die neue Spur in der Konzer Wordaffäre soll der Staatsanwaltschaft bereits Veranlassung zu Haftbefehlen ge geben haben. Es wurde sogar behauptet, daß der Arbeiter Maßloff unter dem dringenden Verdacht, den Schüler Winter ermordet zu haben, in Halberstadt verhaftet sei. Nach einer anderen Darstellung ist Maßloff, der in einer Halberstädter Mühle arbeitete, schon vor längerer Zeit zur Verbüßung einer Gefängnisstrafe nach dem Osten transportiert worden Außer den bereits bekannten Verdachtsgründen-- gelbrote Razzenhaare an den Kleidungsstücken des Ermordeten, die von einer den Maßloffs gehörigen Staße stammen sollen- hat, wie aus Sonik verbreitet wird, eine Haussuchung in der früher von Maßloff innegehabten Wohnung zur Auffindung pon halbverkohlten, dem Winter gehörigen Kleidungsstücker im Schornsteinschacht geführt.
Nationalspende zur Silberhochzeit des Kaiserpaares. Zum 27. Februar 1906, dem Silberhochzeitstage des Kaiserpaares, werden allerorten Sammlungen für eine nationale Spende eingeleitet. Das Lieblingswerk des Herrscherbaares ist die Kaiser- Wilhelm- Gedächtniskirche. Es soll deshalb vor allem der endgültige Ausbau dieser Kirche dem Raiserpaare als Gabe zur silbernen Hochzei: Sargebracht und weitere Spenden für den Ausbau der zum Gedächtnis an die Kaiserin Augusta erbauten Gnadenfirche sowie für den Bau eines Erholungsheims auf dem Delberge bei Jerusalem, und schließlich zur Verstärkung der Behltätigkeitseinrichtungen für Arme und Kraufe verwendet werden. Die Fertieftellung der Kaiser Wilhelm- Gedächtniskirche mit den bercité 5cnonnenen Mosaitschmuck erfordert eine Summe von über 1 Million Mark.
Aus dem Gerichtsfaal.
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Blaz zu firieren, wo jetzt die Berliner Bank" liegt. Denn vie ein Lauffeuer durchzog die Handelshallen in der Burg. straße die überraschende Kunde: Aus der Fusion der Deutschen mit der Berliner Bank ist nichts geworden! Die Deutsche" zupfte zurück, und die„ Ver. liner" ist zum Weiterleben verurteilt. Die Aktionäre der Berliner" so hieß es hätten die von der Deutschen" gestellten Bedingungen nicht akzeptiert, und darum habe di; Deutsche" die Uebernahme der„ Berliner" abgelehnt.
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Der sensationellste Punkt der ganzen Angelegenheit is ohne Zweifel die Entdeckung, daß es Aktionäre", ja daß es sogar eine Ansicht von Aktionären" gibt. Der Aktionär einer großen Bank war bis jetzt ein seltsames Phänomen. Mar wußte wohl, daß er irgendwo existieren muß, man sprach mi Rücksicht und einer gewissen Zärtlichkeit von ihm in allen Sizungen von Direktion und Aufsichtsrat und in den Gene ralversammlungen, er blieb die Hauptperson in allen Dis Eussionen, aber ihn selbst hat noch kein sterblich Auge ge sehen und kein sterblich Ohr gehört. Die Verwaltungen der großen Institute pflegten ihre Beschlüsse zu fassen und sie dann in den Generalversammlungen, in denen sie fast immer mit ihrem Anhang unter sich waren, offiziell bestätigen zu lassen. Es war eine Form, die erfüllt werden mußte, aber eben nur eine leere Formalität. Das indifferente Verhalter der Aktionäre veranlaßte die Leitung einer Bank bisher, jeden ihrer Beschlüsse als perfekt anzusehen, ehe die General bersammlung ihre Zustimmung erteilte; denn diese sagte selbstverständlich zu allem„ Ja und Amen"; Aktionäre, die sprachen oder gar widersprachen, kannte man eben nicht.
§ Das Wiederaufnahmeverfahren im Dreyfusprozeß hat die Verhaftung des beim Nachrichtenbureaus des französischen Kriegsministeriums angestellten Verwaltungsoffiziers d'Antriche zur Folge gehabt. Er soll dabei ertappt worden sein, als er in einem Register Radierungen und Aenderungen vornahm. Dort war zu lesen gewesen: Als Reisekosten 625 Francs, übergeben 5000 Francs, Austerlig übergeben 20 000 Francs. Da keine Belege vorhanden sind, wofür diese Summen gezahlt worden sein können, so muimaßt die Untersuchungskommission, daß diese 25 000 Francs für de den Angeklagten Dreyfus schwer belastende Aussage Czernuschis im Prozeß zu Rennes ausgegeben werden sollen. Die Daten der Eintragung und des Prozesses fallen zusammen. Es wurde nun eine Untersuchung vorgenommen und ein Brief des Hauptmanns François vorgefunden, der ebenfalls bis vor kurzem dem Nachrichtenbureau des Kriegsministeriums angehört hatte. Dieser Brief war die Antwort auf ein Schreiben d'Autriches, worin François zur Vorsicht gemahni wird, da der Kassationshof die Sache Czermuschis sehr ge nau untersuchen wolle. Die Antwort François lautete, dak er, um sicher zu gehen, alles ablengnen werde.
Nun hat dieses blinde Vertrauen zu der Generalversamm lung beide beteiligten Banken in Verlegenheit gebracht. Die Deutsche Bank, die in ihrem Konzentrationswettlauf mit der Dresdener Bank die Aufnahme der Berliner Bank als einen fräftigen Schlag für ihre scharfe Konkurrentin plante, muß sich vor den Schwierigkeiten, die sich ihr in den Weg stellen, zurückziehen und deckt ihren Rückzug durch einen Verlegen. heitscoup, indem sie ihre Kapitalserhöhung um zwanzig Mi lionen nun durchführt, ohne die Bestände der Berliner Bant dagegen zu übernehmen. Man munkelt freilich, daß sie im ganzen keinen Schaden bei der Sache habe; im Gegenteil! Und das ist das Pikanteste bei dieser Komödie. Die eitung der kleineren Bank war in ihrer Vertragstreue natürlich be flissen, ihre Kundschaft an die Großbank hinüberzuleiten, und sicherlich dürfte ein großer Teil der Klienten daraufhin be. reits„ angenehme Beziehungen" zu der Deutschen Bank an geknüpft haben, die man der schönen Augen der„ Berliner Bank"-Leiter wegen nun nicht mehr rückgängig machen wird, selbst wenn die Deutsche Bank in einem Anfall von Loyalitäi Verzicht leisten wollte.
§ Eine Liebestragödie fand vor der Berliner Strafkammer mit der Verurteilung des 23jährigen Handlungsgehilfen Karl Markgraf zu drei und einem halben Jahre Gefängnis ihren Abschluß. Markgraf hatte ein intimeres Liebesverhältnis mit der 19jährigen Margarete Mittelstädt angeknüpft. Als sich die Folgen bemerkbar machten, drang das Mädchen in ihren Geliebten, mit ihr gemeinsam in den Tod zu gehen. An eine Verheiratung war nicht zu denken, weil Markgraf seit langem stellenlos war. Markgraf erschoß seine Braut in einem Hotel und jagte sich selbst eine Kugel in die Brust. Doch gelang es der ärztlichen Kunst, ihn am Leben zu erhalten.
O, diefe Aktionäre!
( Von unserem ständigen Korrespondenten.)
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Knoten
Mit der Kron Pärdienfönige zeigt Ser Beherrscher von pie fein angeftamm Eduards von der S Der Reisezwed des tijd als dessen Au geldikter Fördere mem Reiche und Gaumwollforten n vird Bradford, W briken besichtigen [ Angenehme muzte der Redakte dt machen. Er Bost ein jung nahm er an, daß dernünftige Weise wollte, nahm das H wohl schmecken. angenehm überrasc fommen:„ Geehrte cin totes junges Meinungsverschied Sie freundlichst fef Kun
In recht übler Lage ist jedenfalls das kleinere der betei. ligten Institute. Nachdem ihm in zahlreichen Nekrologen die Existenzberechtigung abgesprochen worden ist, soll es jetzt weiter existieren, nachdem es selbst seine Schwäche ein gestanden hat, soll es den Kampf mit den Riesen wieder aufnehmen. Und durch die Uebergangsperiode der letzten Wocher ist nicht nur das Prestige, sondern auch die innere Sonsti tution schlechter geworden. Nicht allein dadurch, daß die Bank in dieser Zeit wahrscheinlich einen erheblichen Teil ihrer Kundschaft an die Deutsche und andere Banken abgegeben hat, sondern indirekt auch dadurch, daß man der Konkurrenz einen genauen Einblick in die Verhältnisse gewährte. Die Bankdirektoren, die nicht gewöhnt sind, die Katze im Sad zu kaufen, werden sich die Bücher genau angesehen haben, ehe fie ihr Gebot machten. Und wenn es jetzt dem„ wissenden" Institut so leicht fällt, tampflos zu verzichten, so ist man zu der Vermutung berechtigt, daß es sich um feinen„ fetten Braten" handelt. Das aber dürfte anderen, die früher bereits lüstern auf diesen Braten schielten, den Appetit darauf gründ lich verlegen. Die Berliner Bank muß also weiter leben ohne den Willen und ohne die Kraft zum Leben; sie muß leben, nachdem sich durch den mißlungenen Selbstmordversuch die Lebensbedingungen für sie noch verschlechtert haben. Und das haben mit ihrem unerwarteten Nein- Sagen die Aktionäre getan.
Berlin, 1. Juni. Das Tohuwabohu auf der Börse war gestern verworrener und verwirrender denn je. Anstatt der stereotypen Rufe: Ich gebe",„ ich nehme",„ von Ihnen",„ an Sie"- die Sunstkenner" wissen ja, was diese abgebrochenen Sätze zu bedeuten haben, und die Fernstehenden interessiert deren Bedeutung nicht also: anstatt dieser Rufe hörte man ein abgehacktes Frage- und Antwortspiel:„ Wissen Sie schon?"
Was, die gescheiterte Fusion? Ja!"" Was sagen Sie dazu?"„ Was soll man sagen? Nnnah!" Und eine Handbewegung deutet auf den Fußboden, vermutlich, uni den
Die Konzentrationspolitik der Banken aber, die so viel Gefahren in sich birgt, wird durch die kleine Schlappe keine Einschränkung erleiden; denn die Konkurrenz läßt nicht nach, und man wird weiter fufionieren, wenn auch diesmal die Fusion mit einer Konfusion endete. Spectator.
Vermischtes.
[ Unfreiwillige Komik.] Auf dem ersten kriminalistischen Rongreß in Stuttgart, der die Reform des Strafrechts durchberiet, kam auch der Humor zu seinem Recht. Juristen sind gewohnt, imnier Recht zu haben. Wie sehr sie sich in ihre Rollen hineingewöhnt haben, bewies ein reichsländischer Staatsanwalt, der im Eifer des Gefechts nach der Einleitung seiner Rede die Erwiderung gegen seinen Vorreiner. der übrigens fein Rechtsanwalt war, mit den ihm offenbar sehr geläufigen Worten begann:„ Der Herr Verteidiger hat soeben..." Die stürmische Heiterkeit der Versammlung, die auch nicht sogleich wieder aufhörte, machte ihn darauf auf merksam, daß er sich nicht im Gerichtssaal befand. Er besaß Humor genug, in die allgemeine Fröhlichkeit mit einzustimmen und dann in seiner Rede fortzufahren. Aus diesem Anlaß erzählte ein württembergischer Kollege des Redners der neben ihm sisenden Hörern ein artiges Anekdötlein ähn lichen Inhalts. Darin war es ebenfalls ein Staatsanwalt, der als Offizier der Reserve oder Landwehr eine Ansprache bei einem patriotischen Feste mit den Worten einleitete: Meine Herren Geschworenen!"- Wenig bemerkt schien es leider zu werden, daß ein Redner, der in seinen Ausführungen über die stärkere Beteiligung des Verletzten am Vorverfahren davon sprach, daß der Verletzte besonders in Fällen von Körperverlegung, Totschlag u. dergl. stärker am Verfahren zu beteiligen sei. Auf eine so gründliche Reform des Vor verfahrens, daß daran der Totgeschlagene beteiligt werden kann, wird man aber doch wohl in absehbarer Zeit kaum rechnen dürfen.
NO Gine Herze Das Herz für die Beit aber hat ma ten Mitteln gegri Professor Richet
schaft für Chiru halten, die er an Die linke Herztam Fugel mit 8 Milli Außerdem auch der den unteren Rand legte, ein Mann nach dem Unglüd erhielt er Einsprit
[ Die Schildwache als Einbrecher.] Daß eine mili tärische Schildwache, statt die ihrer Obhut anvertrauten Bau lichkeiten zu bewachen, in diese einbricht, ist ein kaum denk barer Fall, der sich aber doch in England ereignet hat. Die vor dem Palais des Prinzen Alexander von Teck in Mdershot postierte Schildwache stahl aus dem Schloß verschiedene Wertgegenstände und Anzüge des Prinzen und machte sich dann aus dem Staube. Die Uniform des treulofen Postens fand man im Geblisch versteckt. Der Täter wurde später in einer Vorstadt Londons verhaftet, wo er mit einem prinzlichen Anzuge bekleidet, umherstolzierte.
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