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Nr. 10

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Heimat und Nahrung seines Weges ziehen. Und er selbst war es, der dies Geschick sich in frevelhaftem Leichtsinn hers aufbeschworen!

Fräulein Leinemann trat ein und begrüßte ihn: die Priesterin, welche den Stier zum Altar geleiten sollte. Er folgte ihr fast willenlos in die ihm bestimmte Folterkammer, wo die eiserne Jungfrau Alma seiner harrte.

Fräulein Leinemann stellte ihn vor und setzte sich dann in eine Ecke, um dort der Stunde beizuwohnen; sie gedachte von der Methode des bewunderten Pädagogen etwas zu profitieren.

Dieser stand einsam vor den sieben Jungfrauen, grüßte finster, setzte sich. Mmas Blicde maßen gespannt den trennenden Raum zwischen dem Tischende und seinem Rock; doch er saß steif aufgerichtet und berührte ihn nicht. Er sah grimmiger aus als je, ganz Iwan der Schreckliche. Alle bierzehn Mädchenaugen senkten sich, und selbst Almas Lippen hauchten unhörbar: Ein König, furchtbar prächtig, wie blut'ger Nordlichtschein!"

Jezt ließ er einen scheuen Blick über das regungslose Häuflein schweifen; er entdeckte die abscheuliche Frisur Almas und wußte mit schauerlicher Sicherheit: dies bedeutete etwas. Er entfärbte sich und zitterte leise. Doch wie der einsame Mensch, der in baumloser Wüste plöglich einem Löwen gegen­übersteht, das Ungetüm mit starren Blicken festhält und zu bannen sucht, so haftete sein schwarzes Auge unbewegt an dem Scheitel des gefährlichen Mädchens.

Nie hatte er so dämonisch fürchterlich ausgesehen als in diesen Sekunden seiner äußersten Angst.

Und Alma- Alma errötete über und über, bohrte die verwirrten Blicke in den Tisch und zitterte.

Sie hatte die Empfindung, daß zwei scharfe Brenngläser unausgesetzt auf ihre Stirn gerichtet wären und dort erbar­mungslos sengten und sengten; sie wäre in diesem Augen­blick bereit geweſen, ihren schönsten Zopf zu opfern, wenn sie sich des entsetzlichen Madonnenscheitels hätte entledigen können. Umsonst versuchte sie sich zu trösten: Er merkt den Hohn ja gar nicht! Er weiß ja nicht, wie du sonst die Haare trägſt! Was half dieser Trost? Auf jeden Fall stand ihr die Frisur abscheulich schlecht.

Thränen ohnmächtiger Wut füllten ihr Auge, eine heftige Rachſucht trotzte in ihr auf gegen den Menschen, der sich herausnahm, sie häßlich zu finden, und sie tastete leise unter dem Tisch nach dem lebenwimmelnden Kästchen in ihrer Tasche. Mit nervösen Fingern hielt sie es umflammert, auf einen günstigen Moment lauernd, den Deckel zu öffnen. Aber

die entseglichen zwei Brenngläser sengten auch diese ver­borgene Hand; erschrocken zog sie dieselbe wieder heraus und legte sie in all ihrer unschuldigen Weiße offen auf den Tisch. In der Tat, diese Hand wenigstens war unzweifelhaft hübsch, rund, zart und reizend gegliedert. Hier taten die Brenn­gläser nicht mehr weh. Ich warte lieber noch eine Viertel­stunde!" dachte sie. Er muß erst noch sicherer gemacht wer­den! Und ich bin selbst noch ein bischen zu aufgeregt!"

Allein diese Viertelstunde ging herum und noch eine dazu - kein Maifäfer flog auf. Der Lehrer hatte sich längst in die Erklärung der schlichten Grundsätze der Geometrie vertieft und ließ erläuternde Zeichnungen anfertigen. Alma malt fein einziges Schweinchen, keine Lanze und feinen Mühlstein, sondern die allergesetzmäßigsten Linien, Quadrate und Kreise. Am allerwenigsten beging sie die Pietätlosigkeit, die eigen­artige Klangfarbe einer Gymnasialdirektorstimme zu kopieren.

Smmer demütiger, immer trauriger ward ihr kühnes Gesichtchen; sie tam fast einer Ohnmacht nahe, wenn sie an die verhängnisvolle Kreide auf dem Tischrand dachte. Zum Glück war Doktor Bellings Bauch nicht von zu beträchtlichen Ausmeſſungen; doch so oft er sich im Eifer des Beweises ein wenig borbeugte, richtete sie einen angstvoll flehenden Blick auf ihn, ais ob es gälte, ihn von einem Abgrund zurückzu­reißen. Sein Antlig aber wandelte sich nicht; sein Auge hing an Almas verängstigten Zügen mit unentwegter, düsterer Strenge.

So ging diese denkwürdige Stunde herum und schloß mit einem unbezweifelten Sieg wans des Schrecklichen. Fräulein Leinemann trat auf ihn zu, drückte ihm die Hand und sagte leise:

Ich bewundere Sie, Herr Doktor!"

Der Herr Doktor empfand in seinem Gewissen, daß dieser Lobspruch eigentlich ein unverdienter sei, und fühlte doch zugleich, daß sein Herz ihn nur um so mehr mit einem ge­steigerten Wohlwollen gegen die Lobende beantwortete.

Die Betrachtung dieser

eigenen

Gefühle

gab

ihm

einen

genialen Gedanken ein. Er verneigte sich leicht vor Alma und sagte ernsthaft: (

Fräulein Alma, ich bewundere Sie!"

Sie antwortete heiß errötend mit einem Blick, in welchem beschämtes Danfgefühl zugleich mit dem stillen Bekenntnis all ihrer geplanten Sünden und rückhaltlose Unterwerfung lag. Dann hielt sie ihren Abgang, stolz, hochaufgerichtet, mit einem verächtlichen Blick auf ihre Gefährtinnen; auf ihrer Stirn thronte der volle Triumph:" Seht, dieser Mann be­wundert mich!"

Jetzt war sein Sieg vollständig. Almas Tag von Da maskus war gekommen.

Als sie in ihr Kämmerlein trat, zog sie die fatale Schachtel aus der Tasche, hob den Deckel ein wenig in die Höhe und betrachtete das frabbelnde Gewimmel. Ein Haß ergriff ste gegen diese mutlosen Geschöpfe, welche ihrer Pflicht so wenig genügt hatten, und sie verurteilte dieselben ohne Umstände samt und sonders zum Tode. Etwas vom Geist Iwans des Schrecklichen war über sie gekommen. Und zwar war ihnen der Tod durch das Fallbeil beſtimmt.

Auf dem Tisch stand ein sinnvoller Apparat zum Zigar­renabschneiden, den sie vermittels einer hinzugefügten Stiderei als Geburtstagsgeschenk für ihren Vater verarbeitete; derselbe wies drei runde Löcher und darüber ein bewegliches Messer auf. Durch diese Löcher steckte sie hurtig die Köpfe von drei Maikäfern und guillotinierte sie mit der Präzision eines geprüften Nachrichters.

,,, wenn das doch die Köpfe von Fräulein Stübbe, Fräulein Kahlemann und Mademoiselle Picard wären!" feufzte sie mit einem wonnevollen Schauder, die Namen ihrer bestgehaßten Lehrerinnen aufzählend.

,, Na, gut," fügte sie hinzu, und jetzt kommen Herr Hoppmeyer, Herr Jonsky und Herr Dehnel an die Reihe!" Auch diese drei wackeren Erzieher wurden um einen Kopf kürzer gemacht.

So ging die Blutarbeit fort, bis nur noch zwei beson­ders schöne und fette Exemplare übrig waren. Von diesen schien sich das eine für ihr phantasievolles Auge durch einen besonders sanften, seelischen Blick auszuzeichnen: das war natürlich Fräulein Leinemann. Diese wurde für sich allein mit solcher Leidenschaft hingerichtet, daß der Kopf weithin in das Zimmer flog. Ein Ausdruck wilder Befriedigung lag auf ihren Lippen, sie glich der Criemhild, da sie den grimmen Hagen erschlug.

Jetzt packte sie den letzten Ueberlebenden. Der hatte etwas merkwürdig Finsteres, Despotisches im Ausdruck, wie ein gefangener Krieger. Gut, das war also Iwan der Schreckliche; der sollte nicht eines so ordinären Todes sterben, sondern mit der edlen friegerischen Lanze durchbohrt werden. Sie zog eine Nadel aus dem Kleid und setzte die Spize mord­bereit auf seine Bruſt.

Da überlief sie ein Grauen. Ihr Opfer hatte so dämo­nische Augen, die mit überlegenem Hohn ihr entgegenstarrten und sie nicht loslassen wollten. Da warf sie es hastig in großem Schwung aus dem offenen Fenster. Und siehe da, stolz wie ein Adler flog es der Sonne zu.

Alma blickte ihm schwärmerisch nach und sprach feierlich: Ein König, furchtbar prächtig, wie blut'ger Nordlichtschein!" Hierauf brach sie in heftige Tränen aus. Doch, wenn man sie gefoltert hätte, sie würde nicht haben sagen fönnen, wo­rüber sie weinte. Ueber die ermordeten Maikäfer doch schwerlich.

Gotthold Belling kehrte in äußerst gehobener Stimmung Es war gut, daß keiner seiner Schüler nach Hause zurüd. den nunteren Ausdruck seiner Züge sah; wer weiß, ob nicht der Respekt darunter gelitten hätte! Nicht gerade Fräulein Leinemanns glänzende Arerkennung war es, was ihn so heiter durchwärmte, nicht der pädagogische Triumpho ja, freilich, das war etwas recht Schönes, noch mehr, ein wahres, großes Glück, eine rechte Rettung aus dringendster Gefahr, und doch, und doch auch dieses erhebende Bewußtsein fam nicht auf gegen die Erinnerung an den unbeschreiblich rühren­den Blick jenes bildhübschen Geschöpfchens. Welcher Blick! Welcher Blick! Und wie wundervolle schwarze Augen!

( Fortsetzung folgt.)

Einmal vielleicht im Leben

Gab uns das Glück die Hand, Doch tausendmal beneidet Hat uns der Unverstand.

Wie Hans zu seiner Ilse kam.

Novelle von A. Wald.

( Nachdruck verboten.)

Also, mon cher ami, Du wünscheſt, außer einem wohl gezählten Duhend anderer freundschaftlich teilnehmender Fragen, zu wissen, auf welche fuchsteufelschlaue Manier ich alter Frechling"- übrigens sehr schmeichelhaft für meine persönlichen Qualifikationen ich während deines dreijähri­gen Aufenthaltes da unten bei den Howas, zu einem so un­berdient reizenden Juwel von Braut" und meiner jetzigen Frau gekommen? Die gedruckten Karten von damals und die beigefügten Photographien, als fait accompli, genügten deiner Wißbegier nicht.

Nun, da muß ich mich denn nolens volens mal dazu ent­schließen, in einem wohlstilisierten Halbfilobriefe dir das Geheimnis anzuvertrauen. Schließlich bin ich, eingedenk unseres alten Pech- und Schwefelbundes, dir ja auch so etwas schuldig, obschon wir von der grünen Farbe, die wir ja leider Gottes die Tinte literweise vergeuden müssen, im allgemeinen eine heftige Aversion gegen alles unnötig Schriftliche haben.

Hoffte überhaupt immer noch, du alter Vagabund würdest eines schönen Tages uns mal auf unserer Klitsche überfallen, um dich mit eigenen Augen von unserem Glück zu überzeugen. Sybaritisch freilich gehts bei uns nicht zu, doch sehr gemütlich, und ich hatte es mir so hübsch gedacht, an lauen Sommer­abenden, wenn durch die Hainbuchenlaube vor unserer Tür das Mondlicht zittert und aus dem nahen Walde das Blat­ten" herübertönt, bei einer Flasche Wein und leidlichen Zi­garren mit meinem alten Freunde Reminiszenzen auszu­tauschen.

Nun, da aber deine Redaktion, in die du nach der Rück­fehr eingetreten, wie ich aus deinem Schreiben erfuhr, dich fitrs erste noch nicht freigeben wird, so mags zunächst denn auf dem Papier geschehen. Aber eins zuvor, Erhard euch alten Nomanziers ist darin nicht recht zu trauen laß dir um Gottes willen nur nicht etwa beifallen, dies Aftenstück eines Tages unter irgend einem nom de guerre und viel leicht dem wirkungsvollen Titel Wie Hans zu seiner Ilse fam" in einem eurer Familienblätter zu publizieren. Ilse und ich würden dich höchst eigenhändig umbringen, zum mindesten dich wegen unbefugten Abdrucks gerichtlich ver­folgen lassen.

Ja, das würden wir tun, soweit die Präliminarien. Und nun los.

Als du alter Weltenbummler damals im Auftrage deiner Gesellschaft delnen Madagaskar- Ausflug antratest, saß ich derweil, wie du dich entsinnen dürftest, noch im Schnee ver graben, da oben in Tannrode. Die Jagd dort war ja freilich prima, aber ist sie doch kein Aequivalent für alles; obendrein war der Alte ganz verteufelt schußneidisch, und im übrigen -- auch noch nach der Arbeit, in so einer weltverlorenen Ein­famfeit stets so in ausschließlicher Gesellschaft dieses mür rischen Brummbären und seiner misanthropischen Hausunke - rein zum Grasfressen.

Ich war daher keineswegs unangenehm überrascht, als ich eines Tages zur weiteren dienstlichen Verwendung meinen Wohnsitz nach Heidbergshausen zu verlegen hatte, um dort, als der letzten Uebergangsstation, meine endliche Beförderung auf eine verheiratete Oberförsterei" zu erwarten. Die Re­viere dort sollten sehr ausgedehnte sein, auch der Wild­bestand vorzüglich, und der alte Forstmeister ein fideles Haus, der seiner teuern" Söhne wegen, troy Ischias und Podagra noch immer nicht an die Pension heranwollte. Die Assessor­stelle bei ihm war gut beleumdet, auch die gesellschaftlichen Verhältnisse der Umgegend wenigstens erträglich denn ich hielt es stets damit, nachdem wir beide damals im Ma­növer weißt du wohl noch?- bei unserem Wirt, einem Gutsbesizer, nach der werten Frau Gemahlin" uns erkun­bigt, und tags zuvor war sie mit dem Nachbar durchgebrannt - wenn irgend möglich schon vorher über alles wichtigste so einigermaßen au fait au setn.

Na, das nebenbei. Ich machte mich also guten Mutes auf, doch den Zug und die Minute meiner Ankunft hatte ich unbestimmt gelassen, da ich Abholen und Empfang nicht liebte. Ganz mutterseelenallein trat ich den Weg von der Haltestelle des verlorenen Haidedörfchens an, von dem aus, eine Stunde entfernt, das einsame Forsthaus und die Stätte meiner fünf­tigen Wirksamkeit liegen sollte.

Ein wundervoller Maientag war's, und Pfingsten, das liebliche Fest, vor der Tür. Zu beiden Seiten der Land. straße, die sich in anmutigen Windungen durch den Wald dahinzog, hohe, prächtige Birkenstämme, durch deren helles Maiengrün die goldigen Sonnenstrahlen im zarten Waldgras ſpielten. Die Vögel flirteten, Blauveilchen blühten, und Schillernde Falter trieben ihr Spiel. Es war entschieden ein lyrischer Tag.

Und lyrisch war auch mir ums Herz. Alles liebt und paart sich wieder," seufzte ich leise. Ja, das Paaren! Dazu gehörten und gehören bekanntlich zwei. Die kleinen Sänger freilich, die haben's leicht. Verlobung, Nestbau, Hochzeit, das sind die drei Phasen in ihrer Welt, und alles ohne Kosten und große Schwierigkeiten. Und auch im menschlichen Schick­salsdrama und dem eines Assessors im besonderen, sind sie, zuzüglich der staatlichen Anstellung, die großen Entwicklungs­stufen Anstellung und Verlobung als der Höhepunkt der Handlung und die Heirat als die Peripetie aber- ob zum Guten oder Bösen?!

Und in einer naheliegenden Ideenverbindung dachte ich wieder an die eigene, in absehbarer Zeit mir bevorstehende Oberförsterei. Allein zog ich dort nicht ein, das stand bei mtr fest. Dabei aber war ich anspruchsvoll und hatte von meinem Vorgänger mal was von minderwertigem weib­lichen Remontematerial der Umgegend" gehört. Da waren die Aussichten freilich schlecht. Denn jung und hübsch, klug und liebenswürdig mußte sie" sein, und sollte sie Moneten haben, so würde auch das kein Hindernis bilden.

Unter solchen Betrachtungen schritt ich rüstig meines Weges, in altbekannter Sorglosigkeit vertrauend, daß die Sache sich schon machen würde; denn umsonst ist man doch nicht an einem Sonntage geboren!

Da plötzlich wurde ich gestört in meinen Reflexionen, denn kaum fünfzehn Schritte vor mir wechselte ein starker Bock über die Chaussee, äugte zu mir hinüber, schreckte, als wollt' er sagen:" Donnerwetter! Der neue Forstassessor!" und ver­schwand in einem der lauschigen, stillen Pfade, die in das Innere des Waldes führten.

Ein paar Schritte bog auch ich in den schattigen Waldweg ein, um dem alten Herrn nachzuspähen, denn der Weidmann regte sich in mir. Natürlich war der alte Bursche längst ver­schwunden, und während ich interessiert auf die Fährte nieder­blickte, sah ich plötzlich etwas Lichtes vor mir liegen, ein zart­grünes, also offenbar weibliches" Briefkouvert. Ich hob es auf. Eine energische, beinahe männliche und doch elegante Handschrift und die Adresse an eine Frau Professor Helwig, Kurfürstendamm, Berlin, gerichtet. Das Kouvert, das un­verschlossen und unfrankiert, war noch ganz tadellos ge­blieben, also hatte irgend jemand das Briefchen erst vor kurzem dort verloren.

Aber wer?

Darüber konnte nur das Briefblatt selbst mir Auskunft geben. So setzte ich mich denn auf eine Moosbank nieder, nahm die Bricfbogen heraus und hielt gleichzeitig auch eine Photographie in Händen. Und was für eine Photo­graphie! Ein ganz liebreizendes, feines Gesichtchen- na, alter Freund, du kennst ja Ilses Bild aus eigener Anschauung und als ich länger als nötig es betrachtet, studierte ich auch den Inhalt des Briefes durch, denn hier war Indiskretion ja Pflicht; und da das kleine Schriftstück mich lebhaft inter­essierte, ja sehr folgenschwer für mich wurde, ſo iſt's erklärlich, daß ich es noch heute beinah auswendig weiß und dem Inhalt nach hier folgen lasse:

Liebste Helene!" las ich. Da weile ich denn bereits jetzt eine volle Woche in meiner fashionablen Sommerfrische. Fashionabel insofern, wenn man die auserlesenste Einsamkeit, die ja bekanntlich als sehr vornehm gilt, aber andauernd ge­nossen, auch recht langweilig ist, als den Kapitalvorzug dieser ländlichen Idylle auffassen will.

Du weißt ja, weswegen mir diese Sommerfrische blühte- weil ich hier in der Einsamkeit zur Vernunft kommen" soll, ich, die auf Großmutters Befehl das dicke Monstrum von Kommerzienrat, den Karlsberger, nicht hei­raten wollte. Und ich will's auch heut noch nicht und werd'

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