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allerdings ihre Bedingungen. Sascha muß bei schönem Wetter täglich mindestens 3 Stunden in der frischen Luft sein, sodann wollte sie sich in der Woche einmal nach dem Wohlbefinden ihres Lieblings bei mir erkundigen. Auch darin willigte ich schließlich ein. Thusnelda ging nun mit mir die Lebensgewohnheiten Saschas auf das genaueste durch. Ich mußte mir alle Lieblingsspeisen notieren, ebenso wie jene Gerichte, gegen die Sascha eine unüberwindliche Abneigung empfand. Ich versprach ihr alles getreulich zu erfüllen und empfahl mich, mein neues Besitztum an der Leine hinter mir herziehend.
Auf der Treppe ruft mir Thusnelda noch nach, ich soll nur nicht vergessen, gleich die Hundesteuer zu entrichten. Das war der erste Wermutstropfen in den Freudenkelch. Mit Sascha noch nicht an der Haustür und schon ein Goldfuchs fort. Doch es sollte noch ganz anders kommen. Ich gehe aufs Postamt, um eine Marke zu kaufen. Das Mitbringen von Hunden ist verboten" besagt das Plakat und so werde ich höflichst hinauskomplimentiert. Kaum habe ich den kleinen Aerger heruntergeschluckt, als ein Dienstmädchen mit dem Marktkorbe über die Hundeleine stolpert und der Inhalt des Korbes die Straße bedeckt. Das Mädel hatte sich glücklicherweise nichts getan. Ihr ein Markstück in die Hand drückend, entziehe ich mich und Sascha eiligst den Schmährufen des Pöbels. Griesgrämig blieb ich den Abend zu Hause und wollte ihn gleich meiner Sascha weihen. Merkwürdig aber, so artig sie bei ihrer alten Herrin gegen mich war, hier in meinem Heim schien sie mich nicht respektieren zu wollen. Auf meine Liebkosungen antwortete sie nur mit Zähnefletschen und ehe ichs mich versah, hatte sie mir eine blutende Wunde am Zeigefinger der linken Hand beigebracht. Meine Wirtin verbindet ihn mir, meinen neuen Zimmergenossen mit nicht sehr liebevollen Blicken betrachtend. Sascha hat sich ohne Zweifel nicht sehr gut bei mir eingeführt.
Aus alten Decken und Kissen mache ich Sascha ein Lager Aber statt zu ruhen, stimmte sie ein geradezu jämmerliches zurecht, über das zu klagen sie wirklich keine Ursache hat. Geheul an. Ich machte die ganze Nacht kein Auge zu, erst gegen sieben Uhr duselte ich etwas ein.
Na, das kann ja heiter werden, sagte ich mir, als ich mir am nächsten Morgen noch schlaftrunken die Augen rieb. Saschas wildes Gebell machte mich jedoch bald munter. Nach vielen Bemühungen gelang es mir, sie durch Liebkosungen und Zucker zu beruhigen.
Aber erst der Tag sollte mir die Freuden eines Hundeliebhabers zeigen. Im Café wies man mir mit meiner Begleitung höflich die Tür. Mittags im Restaurant ließ man mich zwar nachsichtig hinein, doch wollte man sich nicht dazu verstehen, mir Sascha zu servieren. Gekränkt verließ ich das Lokal, ich hatte ja Thusnelda mein heiliges Versprechen gegeben, nie ihres Schüßlings Wohl aus dem Auge zu verlieren und so ging es weiter.
Eine Woche hatte ich mich schon mit dem Tier herumgeplagt, da erschien Thusnelda, sich nach ihrem Schüßling zu erkundigen. Ich erzählte ihr aules. Sie hat nicht die richtige Ernährung, gehen Sie statt drei Stunden täglich vier Stunden mit ihr spazieren," war ihre Antwort. Ich suchte ihr verständlich zu machen, daß es das beste wäre, wenn sie Sascha wieder zu sich nähme, ich bat, ich flehte alles vergeblich. Mit der ihr eigenen Ruhe suchte mir Thusnelda klar zu machen, daß eine Rücknahme für beide Teile unvorteilhaft wäre.
Eine wahre Abneigung empfand ich jetzt gegen dieses Tier, das mir mein Leben so verbitterte. Keinen Schritt konnte ich tun, ohne daß seine Gegenwart sich mir nicht unangenehm bemerkbar machte.
Um mich des Tieres zu entledigen, griff ich schließlich zu einem Verzweiflungsmittel. Ich begebe mich mit Sascha in den dichtesten Trubel der Friedrichstadt und versuche ihr dann zu entkommen. Aber morgens beim Erwachen hörte ich von draußen das mir so vertraute Gebell zwei kleine Mädchen bringen mir Sascha zurück.
Da gab ich denn gestern folgendes Inserat auf: Pudelhündin, Prachieremplar, fehlerlos, zutraulich, an!, änglich, ganz besonderer Umstände halber zu verschenken. Darunter meine Adresse.
"
Jetzt bin ich dabei, meinen Rache durst an der MenschI eit zu fühlen und harre mit Wonnegefühlen der Bewerber um ineine Pudelhündin.
AUS FERNEN ZONEN
Malayische Kriegssikken.
Die Kriegserklärung unter den Eingeborenen des malayischen Archipels, die dem häufig eintretenden und lange währenden Kriegszustande vorausgeht, hat merkwürdige und ganz bestimmte Formen, in denen sich ausspricht, daß der Krieg unter diesen Wilden nicht in blinder Wut und Leidenschaft, die alle Rücksichten beiseite setzt, sondern in nobler, ritterlicher Weise, mehr aus Liebhaberei als Sport geführt werde. Der Batta kündigt durch Fehdebriefe den Krieg an. Er verhandelt tagelang lebhaft und in feuriger Rede unter Schlichtungsversuchen benachbarter Häuptlinge, ehe er zu den Waffen greift, und schließlich entscheidet der erste Tote über Sieg oder Unterliegen. Ein Fehdebrief aber besteht aus einem handlangen Bambusrohre, worauf Beschwerde und Kriegserklärung geschrieben sind, einem Bündel Stroh, Brandlegung bedeutend, einem aus Bambus geschnitzten Messer, welches an das Halsabschneiden erinnert, einer aus Bambus geschnitten Lanzenspitze zur Verdeutlichung des Stoßes ins Herz- was alles in einem Bündel nachts bei dem Feinde an leicht sichtbarem Drte aufgehängt wird. Die Alfuren auf Ceram warnen ihre Opfer, ehe sie sich in den Hinterhalt legen, durch Beschädigung ihrer Fruchtbäume und durch Einstecken abgebrochener Zweige des Kadiehobaumes in den Boden. Bei den Jlongaten auf den Philippinen bedeutet ein Bündel Pfeile oder Besprengung des Weges mit Blut Krieg. Aber nach dieser Erklärung bricht dennoch der Krieg nicht aus, wenn nicht innerhalb acht Tagen eine entschieden feindselige Tat begangen wird. Kr: egerischer Sinn ist den Malayen überhaupt nicht abzusprechen, das beweisen schon die tausende, dem Seeraube ergebenen Bugi und Alfuren, sowie die kühnen Sklavenräuber an den Küsten Neuguineas, wenn auch ganze große Völkerschaften, wie die Javanen, in langer Unterdrückung und unter der Last der Fronen entnervt sind. Die Eingeborenen Borneos sind geborene Krieger. Was ihren Waffen an moderner Vollkommenheit fehlt, wird dadurch ersetzt, daß sie vollkommen der Natur des Landes entsprechen und mit Geschicklichkeit gehandhabt werden. Schon die Erziehung der Knaben geht auf Weckung der kriegerischen Tüchtigkeit aus. Kriegstänze, religiöse Weihen ausziehender Krieger, Behängen mit Talismanen, auf Timorlaut das Verschlingen eines Schmetterlings, um Schnelligkeit zu erlangen und ähnliches helfen den Mut stärken. Auch die Weiber und selbst die Kinder nehmen vielfach am Kriege teil. Merkwürdig ist die Sitte der Batta, zu ihren Kriegen Borkämpfer von weither, z. B. aus Atschin, kommen zu lassen, die, je weiter sie hergeholt werden, desto mehr Vertrauen erwecken
genau,
wie sichs bei uns Höchstzivilisierten mit gewissen Mode- oder Literaturwaren verhält. Nach beendigtem Kriege wird der Friede noch heute häufig durch Menschenopfer besiegelt, wie Blutvermischung, welche die Freundschaft der Männer zur Blutbrüderschaft erhebt. Nach kleinen Streitigkeiten des täglichen Lebens bildet dagegen die Sirihbüchse das ausreichende Mittel und Symbol der Verständigung, wie anderwärts die Pfeife oder Rumflasche.
es
Buntes Allerlei.
Ein eigenartiger Fischfang wird in dem nordamerikanischen großen Columbiafluſſe betrieben. In der Mitte der Strömung werden zahlreiche Schaufelräder quer zum Strome aufgestellt, die bei ihrer Drehung die Fische fangen und in große Tröge am Ufer schleudern. Hier werden vorzüglich die Lachse verpackt und überallhin versandt. Zuweilen wurden auf diese Weise an einem Tage gegen 100 Zentner Fische gefangen.
Kameele als Ackertiere. Nicht nur bei den Turkmenen, sondern auch bei den Russen, und zwar in den Gouvernements Orenburg, Astrachan, Stawropol, Taurien und im südlichen Teil des Dongebiets, in der Krim und in zwei Kreisen des Gouvernements Samara wird das Kameel mit Erfolg für Feldarbeiten benutzt. Viele bäuerliche Wirtschaften besitzen außer Kameelen kein anderes Arbeitsvieh und auch die Gutsbesitzer ziehen Kameele Ochsen und Pferden vor. In geringerer Zahl kommen Kameele auch in den Gouvernements Charkow, Pultava, Woronesch, Saratow und vielleicht in noch anderen Gegenden des europäischen Rußlands vor. Gegen Kälte unempfindlich und nur Feuchtigkeit des Bodens fürchtend, tönnen Kameele in fast ganz Rußlan' leben
Nr. 25.
Dienstag, den 2. Februar
Oberhessische Familienze
Cägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
evad ni. Beslag hos Stefren Briegsbrade, vorm. Bil. ReBore novel( g. 1788);
( 22. Fortsetzung.)
Der Beuge.
Roman von Marie Bernhard.
Hilda fühlte zu ihrem Aerger, daß sie jählings errötet war, und, wie das meistens beim Rotwerden zu gehen pflegt, je mehr sie darnach ſtrebte, unbefangen auszusehen, desto mehr verwirrte sie sich. Wunderschön sah sie aus in dieser peinlichen Bestürzung, und Hellmut vergaß die Schale mit Früchten, die er gerade in der Hand hielt, weiterzugeben und starrte sie wie verzaubert an. Kein Wunder," mußte er denken, wenn sie diesen exzentrischen Freier jetzt endlich dennoch erhört! Ein Anbeter, der ihr eine solch eklatante Probe seiner Liebe zu kosten gibt, daß er ihretwegen über das Weltmeer segelt, um ihr abermals sein Herz und seine Millionen zu Füßen zu legen, findet sich nicht alle Tage und ist wohl imstande, selbst ein stolzes, eigenwilliges Mädchenherz zu rühren!"- Aber während Hellmut dies dachte, fühlte er sich von einem wilden Born und Gram ergriffen, daß es ihn von Kopf bis Fuß durchrüttelte; gewaltsam fast machte er seine Augen von dem schönen, errötenden Mädchen los und sprach während der weiteren Mahlzeit keine Silbe mehr.
Walter Ermshagen geleitete seine Schwester sonst jedes mal bis in ihre Zimmer; jetzt aber, da die Abende so schön wurden, pflegte Hilda nach dem späten Diner noch ein wenig in den Park zu gehen, der, von schönen Coniferen, hohen Kamelienbäumen und immergrünen Kamelienhecken bestanden, einer der größten und prächtigsten von ganz Yokohama war.
Hellmut folgte der leichten weißen Gestalt, wie sie zwischen diesen immergrünen Hecken verschwand, sehnsüchtig mit den Blcken, allein er bezwang sich, schlug den Weg zu seiner Wohnung ein und rief Hot- sumi, das Satteln zu bestellen, er wolle ausreiten.
Walter dagegen, durch eine kurze Rücksprache mit seinem Chef noch im Speisezimmer festgehalten, eilte, seine Schwester einzuholen, und er fand sie auf einer Bank sipend, die von einer prachtvollen Zeder beschattet wurde.
Du gestattest!" sagte er und setzte sich neben sie. Sie nichte nur, antwortete aber nicht. Da sie das Gespräch nicht anfing, so begann der Bruder endlich:„ Nun, was sagst du?"
Hilda bewegte ein wenig unmutig die Schultern. Was soll ich sagen? Herr Demetrius Vanescu wird mir in Mokohama nicht anders erscheinen, wie er mir in Hamburg crschienen ist. Der Mensch bleibt doch ganz derselbe!"
„ Das schon! Aber durch sein Erscheinen hier in Japan hat er dir den denkbar größten Beweis einer anscheinend idlich ungewöhnlichen Liebe geliefert. Sollte das dein Berz gegen ihn nicht etwas mehr erweichen?"
,, Nein, das tut es ganz und gar nicht! Weite Seeen sind für Männer vom Schlag des Herrn Vanescu weder eine Gefahr, noch ein besonders wichtiges Unternchmen, sondern einfach eine Art von Sport, der ihnen gons geläufig ist und durchaus nichts Ungewöhnliches bebeutet. Ich bin fest überzeugt, daß der Baron um eines ivonen, seltenen Pferdes willen ebenso ruhig nach Ceylon oder den Kurilen segeln würde, wie er jegt um meinet willen nach Japan gesegelt ist. Er ist Egoist durch und
1904.
( Nachdruck verboten.)
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durch, er jagt dem unermüdlich nach, was er für sein ück hält. Ich finde das verzeihlich, aber nicht besonders terführerisch! Er hat nun einmal seinen Kopf darauf geseßt, mich mit allen ihm zu Gebot stehenden Mitteln zu erringen, koste es, was es wolle. Ich setze ebenso meinen Kopf darauf, an mich und mein Lebensglück zu denken, wie er an sich und das seine, und mein Glück ist nicht bei Herrn Vanescu zu suchen. Ich finde, die Partie steht ganz gleich, und beide sind wir in unserem Recht, ich mehr noch als er, denn ich habe ihm deutlich genug gezeigt, daß ich ihn nicht will! Seine Ankunft läßt mich ganz falt, ich ärgere mich nicht einmal darüber, denn hier in Yokohama fann er deiner Stellung nicht weiter schaden, man ist hier an ganz andere Abenteuer gewöhnt, und er kann uns durch seine auffallenden Manöver nicht von hier vertreiben, wie er uns leider von Hamburg vertrieben hat!"
,, Du bist verzweifelt verstandeskühl, Hilda!" „ Meinst du? Es käme vielleicht doch darauf an! Leute wie Herr Vanescu können mir allerdings nicht gefährlich werden! Mögen mich die Männer doch in Gottes Namen in Ruhe lassen, ich will ja nichts von ihnen!"
dein Feind
Nein, das tust du nicht, mein Kind, muß es dir lassen. Du müßtest eine schwarze Sammetmaske vor dem Gesicht tragen, um nicht so viel Unheil an zustiften, ich sagte es neulich schon zu Norden junior!" ,, So hast du ihm erzählt
„ Die Geschichte mit dem Ungarn? Ja! Sollte ich etwa nicht? Ich berichtete ihm, warum wir von Hambur fortgingen, Hendrichs hatte ihm nichts davon geschrieben. Er bewunderte deine Schönheit-"
,, Wer? Hendrichs?"
" Unsinn! Hendrichs! Norden junior natürlich, und se kam es, daß ich ihm den kleinen Roman erzählte!" Und was sagte er dazu?"
" Nun, er schien sehr erbaut von deinen Prinzipien. Ueberhaupt will es mir zuweilen scheinen,... wohin denn mit einemmal?"
Hilda war rasch aufgestanden. Ich möchte eine kleine Promenade machen! Man kommt ja nur eben vom Sitzen!" Walter Ermshagen folgte ihr, die sehr eilfertig daherschritt, bequemen, langsamen Schrittes nach.„ Aha!" dachte er und pfiff ganz leise vor sich hin. Hätte dein Stündlein vielleicht doch geschlagen, junge Turandot? Am .. zu verwundern wär's nicht! Ein merkwürdig reizender Mensch, dieser Hellmut Norden!"
Ende
Schon am folgenden Tage gegen fünf Uhr es war dies die übliche Visitenstunde in Yokohama ließen sich zwei Herren, George Sydney, Earl of Stratmore" und ,, Demetrius Vanescu" schlichtweg bei Fräulein Ermshagen melden. Hilda saß, bereits zum Diner angekleidet, mit einem französischen Buch in ihrem kleinen Salon, als ihr Tommy, der japanische Bediente, mit wichtiger und gravitätischer Miene die beiden Visitenkarten auf einem Tablet präsentierte. Sie warf einen raschen Blick darauf und war ganz auf ihre Antwort vorbereitet.
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