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Brodbeilegen: Oberbeffische Familienzeitung( glich) fie Bettschrift für Landwirtschaft, Sb- und avtebat, sowie Sie lebener elfenblasen( wichentlich). Das Blat riddat en allen Berlingen neemitaes
Samstag, den 2. Januar 1904
Gießener
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13. Jabrgang.
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gany Oberbeffen. bie Rreth Baler uns Barburg 10 hs. fofi 15 Big.: Reflumen ble Petitselle 30 ref. 40 ig
Bofzeitungsliste No. 3938.
Rebettion und Syvebition: Gießen Reuenweg 96 Fraised R. 348.
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Neuelle Nachrichten
GIESSEN
Mr
( Gießener WageBlai!)
nabhängige Tageszeitung
r Oberheffen und die Kreise Marburg und Weßlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung Gutblit alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhau
Die Brandkatastrophe in Chicago.
Die furchtbare Kunde, die der Draht über den Ozean berüberbrachte, daß im Iroquois- Theater zu Chicago viele hunderte von Menschen ums Leben gekommen sind, hat in den Feierklang der Silvesterglocken einen schrillen Wehruf menschlichen Elends gemischt. Zwar scheint sich jetzt die anfängliche Annahme, daß die Katastrophe 1000 Opfer gefordert babe, nicht in ihrem vollen Umfang zu bestätigen, aber selbst wenn der von 562 Toten und 55 Vermißten sprechende offizielle Bericht nicht gefärbt sein sollte, das Unheil ist noch immer riesengroß.
Und fast niederschmetternder noch als die Hekatomben von Opfer ist die Art, wie sie untergehen mußten. Es steht fest, daß ein großer Teil hätte gerettet werden können, wenn das Publikum Ruhe und Besonnenheit bewahrt hätte. Nach den Berichten von Augenzeugen spielten sich aber Szenen ab, in denen sich die Nachtseiten der menschlichen Natur in entfeblicher Brutalität offenbarten. Alle Bande der Ordnung waren zerrissen, jede humane Regung schien von dem Qualm der Feuersbrunst erstickt. Rücksichtslos hastete die Menge in ihrer Todesangst den Ausgängen zu, vor sich niederstampfend, wus dem Ansturm nicht stand zu halten vermochte.
Franen und Kinder zertreten.
So kam es, daß der Fußboden in den Gängen mit den zertretenen Leichen von Frauen und Kindern, die, da ein Zaubermärchen„ Ritter Blaubart" gegeben wurde, das Hauptfontingent der Zuschauer stellten, wie befäet war. Ein Leppich aus Elutenden, verstümmelten Menschenleichen. Wie die Aught um das Leben die Massen vertiert haben muß, erfiebt man mit Schaudern aus dem furchtbaren Anblick, den cinzelne Körver von Frauen und Kinder bieten mehreren,
Leichen ist der Kopf direkt von den Nachdrängenden abgeriften, andere, die im Gewühl erstickt sind, heben noch im Tade slebend die Hände und Händchen empor, in stummer Anlage gegen umienschliche Roheit und Selbstsucht.
Die Entstehung des Feuers
tried mad, einer Version einem Kurzschluß hinter den Kulifen zugeschrieben, der auf Fehler in der elektrischen Leimg surüdzuführen sei. Nach einer zweiten ist das Unalau auf das Bersten eines Calciumbehälters zurückzuführen. Ten fei, wie ihm wolle. Jedenfalls hätte das Feuer leicht erflidt merden können, wenn die Bühne, wie es in Deutschland blich ist, mit einem eisernen Vorhang versehen gewesen wäre, der Bühne und Zuschauerraum völlig von einander obbließt und leicht gehandhabt werden kann. Es war aber man ein sogenannter Asbestvorhang angebracht, dessen Maschinerie im kritischen Moment versagte. Der Komiker hatte Beiftesgegenwart genug, ihn, als der Ruf Feuer!" erscholl, niederfallen zu lassen, doch ging er nur halb zu Boden. Die Flammen schlugen von der Bühne in den Zuschauerraum und die Antastrophe trat ein. Eine Feuerwehr auf er Bühne ist in amerikanischen Theatern auch unbekannt, so daß die Künstler ebenso hart gelitten haben und dezimiert worden find, wie die unglücklichen Zuschauer. Die Chikagoer Tragödie ft die furchtbarste in der Geschichte der großen Theaterbrände und läßt selbst den Brand des Wiener Ringtheaters am 8. Dezember 1881 weit hinter sich. Damals lamen 500 Menschen in den Flammen um. Das FroquoisTheater galt als feuerfest. Es steht zu hoffen, daß der durch hre Sorglosigkeit unrühmlichst bekannten Chikagoer Baufommission angesichts des furchtbaren Unglücks das Gewissen schlagen wird.
Die Politik.
Wenn auch die gestern erwähnten Alarmnachrichten englischer Blätter über angebliche neue Mordtaten der Bondelzwarts sich erfreulicherwise als unzutreffend herausgestellt haben, so scheint die Lage in Deutsch- Südwestafrika doch feineswegs günstig. Nach einer Depesche des Gouverneurs Leutwein ist dieser in ziemlich großer Besorgnis, daß der auf weitzerstreute Gebiete ausgebreitete Aufstand lange dauern und seine völlige Niederwerfung sehr schwer sein werde. Den Bondelzwarts ist offenbar durch die Witboois im Karasgebirge keine entscheidende Niederlage beigebracht worden. Allem Anscheine nach wollne sich die Flüchtigen im Karasgbirge festsetzen. Da ihnen hier, mitten im Schutzgebiete, die Zufuhr von Waffen und Munition und auch von Lebensmitteln völlig abgeschnitten ist, wird man hoffen dürfen, daß die Befürchtungen des Gouverneurs sich nicht bestätigen.
Die amtliche Einberufung des preußischen Landtages ist nun erfolgt: Als Termin des Zusammentritts der beiden Häuser des Landtages wird der 16. Januar bestimmt. Diesen Tag hatten wir, wie erinnerlich, bereits vor einiger Beit als den Zeitpunkt der Eröffnung des Landtages ge
nannt.
Auch der neue preußische Etat wird, wenn auch in gemessenen Grenzen, den Beweis liefern, wie die Staatsregierung unablässig bemüht ist, das gewerbliche Fortbil
dungsschniwesen mehr und mehr zu vervollkommnen. U. a. wird für die Fortbildungsschule in Stettin die Errichtung einer ersten Klasse für Maschinenwesen gefordert werden. Die Ausstattung solcher Klasse mit den entsprechenden Lehrmitteln ist bei dem heutigen Stande der Technik und insbesondere auch der Elektrotechnik mit Kosten verknüpft, die verhältnismäßig hoch sind, wenn man den Maßstab der Gymnasien zu Grunde legt.
Eine Reihe Neuernennungen von Mitgliedern des preußischen Herrenhauses sind wieder erfolgt. Zunächst wurde der Generalkonsul, außerordentliche Gesandte und Bevollmächtigte Minister Gustav von Below- Ruzau, dann der Erste Bürgermeister von Minden Dr. Johannes Wolf und schließlich Rittergutsbesitzer Joseph v. Czapski auf Kuchary, Kreis Pleschen, ins Herrenhaus berufen.
Die Ernennung des neuen Münchener Nuntius ist erfolgt. Wie man erwartete, ist die Wahl auf Monsignore Caputo gefallen. Wie verlautet, soll er gleichzeitig auch für Berlin beglaubigt werden. Diesem Zweck soll die jüngste Romreise des Freiherrn v. Hertling, des bayerischen Zentrumsführers, gedient haben. Wie es heißt, ist während der Anwesenheit des Freiherrn v. Hertling in Rom auch die Frage der Ernennung eines bayerischen Kardina Is erörtert worden, ein Projekt, dem die bayerische Regierung feineswegs ablehnend gegenüberstehen soll. Angeblich soll im Werke sein, dem Bamberger Erzbischof den Kardinalspurpur zu verleihen.
Neulich war in mehreren Blättern geheimnisvoll von einer bedeutsamen Kundgebung der preußischen Generalsynode die Rede, die sich auf das Gebiet der Arbeiterfrage erstrecken sollte. Diese Kundgebung liegt jetzt vor; es ist ein Aufruf, den mehr als 150 Mitglieder der Generalsynode unterschrieben haben. Er fordert alle evangelischen Kreise 311 umfassender Unterstübung der evangelischen Arbeitervereine und der Kirchlichsozialen Konferenz auf. Beide Vereinigungen bedürfen vermehrter finanzieller Unterstügung. Eine„ bedeutsame" Rundgebung der Generalsynode wird man diese einfache Bitte um Spenden nun freilich nicht nennen dürfen. Aber manche Blätter hören das Gras wachsen und machen gern aus der Mücke einen Elefanten.
Balkan- Staaten,
* Von allen europäischen Gesandten am Belgrader Hofe ist nur der französische auf seinem Posten geblieben. Indessen wird wohl auch ihm nichts übrig bleiben, als sich dem Gesamtstreik anzuschließen. Die klugen Serben haben ihm nämlich eine ostentative Huldigungskundgebung vor dem Hause der Gesandtschaft gebracht. Das war dem Ge= sandten höchst peinlich, da er dadurch sozusagen in einen offenen Gegensatz zu den Vertretern der übrigen Mächte ge' stellt wurde und es den Anschein gewann, als denke Frankreich anders über die serbische Affaire als die anderen Mächte. Infolge dessen will der Gesandte jetzt ebenfalls abreisen. König Peter hat aber noch anderen Aerger. Seine Gegner im Lande behaupten, es existiere ein Brief von seiner Hand an die Königsmörder, der zeige, daß er mit ihnen im Bunde gewesen sei. Der König läßt zwar erklären, daß dieses Gerücht haltlos sei, und ein reicher Freund der Regierung bietet demjenigen 100 000 Francs, der auch nur eine Photographie des angeblichen Schreibens des Königs vorweisen würde. Nichtsdestoweniger erhält sich das Gerücht, und vor allem: es wird geglaubt. Zu alledem tritt noch ein schlechter Finanzabschluß im Staatshaushalt, eine Unterbilanz von 1134 Millionen Francs. Grund genug für König Peter, das Neujahrsfest nicht mit besonderem Behagen zu begehen!
Alien.
Es bestätigt sich, was wir bereits im unmittelbaren Anschluß an die Meldung von der japanischen Kriegsdrohung an Rußland erklärt hatten: Eine solche Drohung ist bisher nicht erfolgt. Der russisch- japanische Handel steht völlig auf dem alten Fleck, es hat sich in der Zwischenzeit nichts ereignet, was die Spannung mildern oder verhärten könnte.
Oefterreich- Ungarn.
O Das provisorische Handelsvertrags- Uebereinkommen zwischen Desterreich und Italien, über das in den letzten Wochen so eifrig verhandelt wurde, ist jetzt zu Stande gekommen. Es verlängert den am 1. Januar ablaufenden Handelsvertag zwischen beiden Ländern um sechs Monate.
Italien.
Einige katholische Mächte besigen bekanntlich bei einer Papst wahl das sogenannte„ Vetorecht", d. h. sie können durch ihre Kardinäle gegen die Wahl eines bestimmten Papabile Einspruch erheben, dem stattgegeben werden muß. Desterreich hat dieses Recht bekanntlich bei der letzten Bapstwahl ausgeübt und damit Rampollas Wahl unmöglich gemacht. Jetzt sind im Vatikan Bemühungen im Gange, die Ausübung des Vetorechts im Konklave für die Zukunft zu verhindern. Diese Bestrebungen haben indessen wenig Aussicht auf Erfolg, da die beteiligten Mächte auf dies Recht kaum werden verzichten wollen.
Spanien.
In Barcelona, wo seit Jahren kein Tag ohne Streitgfeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern verläuft, ist jetzt wieder ein Droschkenkutscherstreif ausgebrochen. Zwischen den Ausständigen und ihren Dienstherren fam es zu Tätlichkeiten. Die Streifenden weigern sich, in Unterhandlungen einzutreten. Viele Verhaftungen wurden vorgenommen.
Afrika.
Im Nigergebiet ist es zu einem EingeborenenAufstand gekommen, der zwei englischen Beamten das Leben gekostet hat. Aus Lokodscha erhält das Reuterbureau die Meldung, unter dem Akapoto- Stamm südlich von Benue sei ein Aufstand ausgebrochen. Der britische Resident und ein Polizeioffizier seien getötet worden. Binnen kurzem werde eine Straferpedition abgesandt werden.
Trotz aller Warnungen besonnener Afrikander ist mun doch die Frage der Einfuhr chinesischer Kulis nach Südafrika so gut wie bejahend entschieden. Der geseßgebende Rat in Pretoria hat einen Antrag angenommen, in dem die Regierung aufgefordert wird, einen Gesezentwurf vorzulegen, der die Heranziehung asiatischer Arbeiter in den Randminen gestattet. Die südafrikanische Regierung iſt bekanntlich durchaus willens, diese Maßregel durchzuführen, und wird dem Antrage gern Folge leisten.
A Französische Blätter wissen zu berichten, der König der Belgier habe den ozeanischen Transport Dienst für den Kongostant, den bisher eine englische Gesellschaft versorgte, der Hamburg- Amerika- Linie übertragen. Diese Meldung eilt, wie unser Berliner CB.- Mitarbeiter von zuständiger Stelle erfährt, den Tatsachen voraus; die in der Sache schwe benden Verhandlungen sind noch nicht zum Abschluß gelangt. Für die Hamburg- Amerika- Linie wie für die deutsche Schiffahrt t und Volkswirtschaft überhaupt wäre Abkommen zweifelsohne von großer Bedeutung.
Hof und Gefellschaft.
Der Kaiser empfing den Kronprinzen von Sachsen, der ihm in seiner Eigenschaft als fommandierender General Glückwünsche zum neuen Jahr überbrachte. Es ist das erstemal nach dem Ehedrama am Wettiner Hofe, daß der Kronprinz den Berliner Boden betritt.
** Prinzregent Luitpold von Bayern hat sich infolge eines Fehltritts bei den diesjährigen Hochgebirgsjagden eine Verlegung am rechten Fuß zugezogen. In den Strecksehnen des Gelenks hat sich ein Ersudat gebildet. Um durch die Anstrengungen längeren Stehens den Zustand nicht zu verschlimmern, fallen am Münchener Hofe diesmal die üblichen großen Neujahrsempfänge aus.
Heer und flotte.
Die Neuordnung des Forbacher Trainbataillons ist nun endgültig erfolgt. Das Militärwochenblatt meldet: v. Nathusius, Major des Dragonerregiments Nr. 6, wurde zum Kommandeur des Trainbataillons Nr. 16( Forbach) ernannt; Ey, Nittmeister des Trainbataillons Nr. 16, mit der gesezlichen Bension zur Disposition gestellt und zum Bezirksoffizier in Gnefen ernannt; Noack, Rittmeister des Trainbataillons Nr. 10 in das Trainbataillon Nr. 16 versest; Herpott, Rittmeister des Trainbataillons Nr. 8, in das Trainbataillon Nr. 16 versett; Frhr. v. Larisch und GroßNimsdorff, Hauptmann und Offizier des Train depots des 11. Armeekorps zum ersten Offizier des Train depots des 16. Armeekorps ernannt; Fuchs, Major und Kommandeur des Trainbataillons Nr. 16 mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des Ulanenregiments Nr. 16 und mit der gesezlichen Bension der Abschied bewilligt; Bandel, Rittmeister des Trainbataillons Nr. 16 wurde mit der gesetzlichen Bension der Abschied bewilligt; Koch, Oberleutnant, beauftragt mit der Wahrnehmung der Stelle eines ersten Offiziers des Traindepots des 16. Korps ist als Halbinvalide mit der geseglichen Bension ausgeschieden und zu den Offizieren der Landwehr des Trains übergeführt worden; Habenicht, Oberleutnant des Trainbataiqons Nr. 16 wurde mit der gesetzlichen Bension zur Disposition gestellt.
Punktum!
[ Politische Wochensch a u.]
Leider hat die segenspendende und gnadenbringende Weihnachtszeit in Crimmitschau nicht mit einem versöhnen den Abschluß geendigt. Die Vermittelungsversuche sind gescheitert und schroffer als je stehen sich die Parteien gegenüber. Steuerdings verlaufet sogar, daß auch solche Unternehmer, deren Betriebe der Textilindustrie fernstehen, die Mittel zur vollständigen Unterwerfung der Arbeiterschaft gewähren wollen. Eine derartige Lösung der Krisis ist ir die soziale Entwickelung in Deutschland außerordentlich schädlich, denn au weffen Gunsiten der Streit auch entschieden


