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die sie soeben verlassen, schien ihnen erstaunlich. Franziska

war die erste, das Schweigen brechend.

" Ich danke Ihnen, daß Sie mich vor einer schweren Be­leidigung bewahrt haben, und ich bitte Sie, es meinem armen Papa nicht übel zu nehmen, daß er uns nicht sofort ge­folgt ist."

Dann stürzten ihr die Tränen aus den Augen und sie lehnte den Kopf schluchzend gegen einen der alten Weiden­stämme.

Sie sah so jung und kindlich aus in threm Schmerze, daß Erich in diesem Augenblick ihr gegenüber nichts empfand, als die brüderliche Verpflichtung, ihr beizustehen und sie zu trösten.

Er trat an sie heran und legte leise seinen Arm um ihre Schulter.

Sie sollen nicht mehr weinen, Franziska," sagte er sanft, und auch Ihr Vater soll sich diesen Erniedrigungen nicht länger aussetzen müssen."

Er muß nicht!" schluchzte Franziska, er hätte es nie­mals sollen. Warum zittert er vor dieser Frau, während er vor Männern das Wort führt...?"

Sie befreite sich fanft aus Erichs Arm und trocknete ihre Tränen, selbst schon wieder lächelnd, da Erich sie lächelnd ansah.

Vielleicht, Franziska, zittert er nur Shretwegen," sagte Erich, und das verzeiht ihm gewiß ein jeder, der Sie kennt; ich selbst schäße ihn darum nur um so höher, wenn das mög­lich wäre."

Dann ergriff er Franziskas schlaff herabhängende Hand und führte sie an die Lippen. Sie entzog ihm dieselbe nicht, aber sie blickte ängstlich die Terrassen empor und als sie dort ihren Vater sah, schnellte sie zurück und lief ihm mit ausge­breiteten Armen entgegen. Auch Erich war erschrocken zu­rückgefahren. Ein plögliches Bangen hatte sich seiner be­mächtigt. Wie, wenn die Todfeindin es sähe, daß er dieses holde kind liebte...?! So schoß es ihm durch das Ge­hirn, indem er langsam folgte.

Fast ohne ein Wort zu wechseln, gingen die Drei zu­sammen die stellenweise kaum mehr erkennbaren Wege ent­lang, jedes seinen eigenen und eigenartigen Gedanken nach hängend. Und der Ort war für solche Grübeleien so günstig

und verlockend.

Auch in diesem Park hatte Erichs Vater ein Zeichen seines philosophischen Tiefsinns hin erlassen, auch hier in Ver­bindung mit einer Sonnenuhr, wie er eine solche an dem Hause in der Domstraße angebracht hatte. Zwischen Bos fetts, von Beeten und Bänken umgeben, stand sie auf einem Steinernen Postament in Form einer Urne, deren Deckel als Weiser diente. Rings umher blühten die Herbstblumen, duft­los, aber farbeninnig, Aſtern und Georginen, und welke Blätter deckten den Boden unter ihnen, während die klare Luft noch von goldig getöntem Lichte durchwebt war, wie es der Sonne eigen ist, wenn sie die Tag- und Nachtgleiche der Jahresneige überschreitet.

,, Sumus umbra" stand auf dieser Urne, derselbe klöster liche Sinnspruch, den Fiebigers auch auf den Stein hatten sezen lassen, der die Stätte bezeichnete, wo Erichs Eltern zur ewigen Ruhe gebettet waren.

Wir sind wie ein Schatten... flüchtig wie der eines Vogels, der vorüberfliegt."

Der alte Fiebiger seufzte, als man an dieser Stelle auf dem Rundgange Halt machte. Wenn nur Frau Moritz diese Mahnung beherzigte. Ihr Haß wirft allerdings einen schwarzen Schatten auf unser Leben."

Auf unseres doch nicht, Papachen," tröstete Franziska, Erich heranwinkend, wir müssen uns dieser bösen Einflüsse verwehren, koste es, was es wolle."

,, Wehre sich einer, wenn er gebunden ist!" murmelte der Alte, und sie ist von Sinnen und tobt selbst gegen ihren Sohn wie eine Rasende."

Eigentlich ist es unrecht, ihr davon zu laufen." " Ist es unrecht?" fragte Franziska, leicht errötend.

Es war mir so zu Mute," sagte Erich, als dürfte Ihr Fräulein Tochter diesen wahnsinnigen Selbstverrat der un­heilvollen Frau nicht länger mit anhören."

Warum haßt sie Herrn Staudius? Was hat er ihr getan?" fragte Franziska.

Man trägt der Schwäche des Alters Rechnung," wandte der Justizrat ein. Denke, wenn ich erst einmal so weit bin. Es schien, als wollte er in Tränen aus­brechen.

Papachen!" Franziska schlug

den Hals des Vaters. Erich lächelte.

angstvoll ihren Arm um

Dann werden Sie schwerlich irgend welchen verborgenen Haß verraten," sagte er, sondern nur Ihr gutes Herz auf der Zunge tragen."

" Ja, ja, Kinder und alte Leute sprechen die Wahrheit," seufzte der Justizrat, nach Fassung ringend.,

Indessen, Erich, Sie werden es ihr nicht nachtragen." Die Nache ist mein, spricht der Herr," erwiderte Erich, aber das soll mich nicht hindern, für begangenes Unrecht Rechenschaft zu fordern und gewisse Vergeltung zu üben." Der Justizrat machte große, verwunderte Augen. Er war oft wie ein Kind.

Wollen Sie einen Prozeß anfangen, Erich... wegen des Gutes? Das wäre ein aussichtsloses Unternehmen. Sie würden einfach abgewiesen werden."

Daran denke ich auch nicht," versicherte Erich, sont­dern an das Sprichwort: Auf einen Schelm anderthalbe. Ich glaube, unter uns gesagt, daß ich noch einmal wieder in den Besitz dieses Gutes gelangen werde."

Der Justizrat hob die Brauen noch höher als zuvor und sah die Urne vor sich an, als ob diese nun mit ihm Zwie­gespräch hielte.

Zuversichtlich war mein alter Freund auch, trotzdem er diese Inschrift hierher setzen ließ: Sumus umbra, zu­versichtlich, namentlich in Hinsicht auf die eigene Kraft. Man kann auch in der Vertrauensseligkeit zu sich selbst zu weit gehen."

Erich lächelte. Es ging ihm durch die Seele, dieses Sumus umbra, wie ein Beethovensches Motiv in hundert mächtigen Variationen, oder wie eine Bachsche Fuge mit brau sendem Orgelflang. Aber er erwehrte sich dessen.

,, Sumus umbra," sagte er, ist das nicht ein bischen entmutigend für eine Welt, wo alles auf Tatkraft und Schnelligkeit ankommt und welche jede Saumseligkeit und Schwäche, selbst die gutherzigste, schlimmer ahndet als ein Verbrechen."

Vielleicht ist es nicht gut, sich von derartigen Devisen zu sehr beeinflussen oder niederdrücken zu lassen," stimmte Franziska in scherzendem Tone bei, sie sind immer nur auf besondere Stimmungen berechnet."

Erich nickte. Wir stehen hier mitten im Weben des Herbstes und aller Zeichen der Vergänglichkeit. Wir ge­denken der Eitelkeit alles Irdischen und uns erscheint dieses finstre Wort wie ein umfassendes Motto des Lebens. Aber im Frühling, wenn die Veilchen blühn, hoffe ich abermals hier zu stehn, und dann, wenn ich hier Herr sein werde, lasse ich dieses Sumus umbra auslöschen und setze dafür hin einen Ovidschen Vers, dessen ich mich noch aus den Schul­tagen her entsinne: Fugit interea, fugit irreparabile tempus... Nimmer säume; es flieht, und unwiederbring­lich, die Zeit."

Franziska sah lachend zu ihm empor.

,, Warum nicht time is money? Bumal wenn hier nun eine wüste Fabrik herkommen soll, so daß man es vor Häm­mern und Getöse nicht mehr aushalten kann?"

Der alte Herr blickte von einem zum andern, hob wie­derum die Brauen und schüttelte mit dem Kopfe.

,, O Vanitas, vanitatum vanitas! Indessen das Leben fordert sein Recht. Ihr Frauen seid immer unlogisch. Eine Wüste! Was verstehst du darunter? In diesem Falle han­delt es sich um eine Arbeitsstätte, aus der Tausende Reich­tum und reichlichen Lohn ziehen, eine Quelle der Größe für das Vaterland. Schöne Aussichten, deren gibt es ja viele! Und ich habe immer gefunden, je mehr deren sind, um so geringer ist die Bevölkerung, und je schöner die Gegend, nicht recht. Halten Sie es für eine Entweihung dieser Stätte, um so ärmer ist das Land. Lieber Erich, ich verstehe Sie wenn mir hier etwas herbauen?"

Erich schüttelte mit dem Kopfe.

-sch gehe nicht so weit wie Cobden, der große Prophet, dem eine Gegend nicht gefiel, wenn sie nicht verräuchert war," gab er zur Antwort; allein diesen Park möchte ich gerne erhalten."

Der Justizrat blickte so verdußt drein, daß Erich und Franziska nun unwillkürlich in ein schallendes Gelächter ausbrachen, welches vielleicht bis zum Herrenhause empor­drang und dort neuen Verdruß erregte.

( Fortsetzung folgt.)

Vor Menschen Vor Menschen zeige deiner Menschheit Größe, In kräftiger Tat bewähre sich dein Wille, Vor Gott erkenne deine Schwäche und Blöße.

Töff- Töff."

Humoreske von Berthold A. Baer. ( Nachdruck verboten.)

Sie sind hiermit höflichst eingeladen, an der am Sonn­tag, den 21. Juni, morgens 7 Uhr, stattfindenden gemein­schaftlichen Ausfahrt des Coolidge Töff- Töff- Klub" teil­zunehmen. Versammlungsplay: Backers Road House. Der gemeinschaftliche Imbiß wird in" The Arlington" in Wool­worth eingenommen. Der Vorsitzende des C.-T.-T.-C. Cheſter F. Downs."

" Das paßt mir ausgezeichnet," sprach Realff Leeds. Da kann ich meine ,, Edith" zum erstenmal ausnehmen und gleich mit den Damen und Herren der Gegend bekannt werden. Ob Miß Scull an der Ausfahrt teilnehmen wird? Wie kann ich das nur ausfinden? Ich muß eben abwarten."

Stroudsburg, Elmhurst und Coolidge sind drei kleine Städtchen, deren Elite immer miteinander wetteifern. Grün­det man in Strousburg eine Glee- Klub"", dann ist man sicher, bald aus Elmhurst von einer Choral Society" und aus Coolidge von einem Symphonie- Orchestra" zu hören. Dabei laden die einen die anderen ein, um zu zeigen, daß man nicht zurück ſtehe.

Man wählte zur ersten Vereinsfahrt als Endziel Wool­worth, weil man eine große Tour machen wollte, die die Ausdauer der Maschinen und die Tüchtigkeit der Chauf­feure" beweise und die Entfernung bis Woolworth dazu Ge­legenheit gab.

Doch fehren wir wieder zu Realff zurück.

Es sind kaum drei Monate, daß er sich in Stroudsburg niedergelassen, und da bei einem jungen Doktor viel auf das Aeußere gesehen wird, bestellte er sich sofort ein Automobil, einen sogenannten Roten Teufel", um schneller zu seinen Patienten gelangen zu können, falls er solche einmal be­komme.

Bis jetzt hatte man ihm das Arbeiten ziemlich leicht ge­macht. Als indes der Red Devil" angekommen, sagten sich die Stroudsburger: Das muß ein tüchtiger Arzt sein."

Auf seinen Probefahrten kam Leeds auch nach Coolidge, woselbst er Gelegenheit hatte, Miß Myra Scull zu sehen. Sie fuhr in einem eleganten Oldsmobile" und lenkte das Fahrzeug selbst.

Ein Blick in Myras Augen genügte, Leeds zu einem Herzkranken zu machen.

Töff- Töff"

**

Lachender Sonnenschein begrüßte die Automobilisten, als sie sich zur Ausfahrt nach Woolworth rüsteten.

In fliegendem Tempo ging es Backers Road House" zu. Töff- Töff-"

Wieder ein Auto. Wer nur der Chauffeur ist? Mit den großen ,, Goggles" vor dem Gesicht, sieht einer wie der andere

aus.

Töff- Töff"

Da fliegt Chester F. Dawns hin, neben ihm Miß Langen, in weißem Mullfostüm. Sie sieht entzückend aus. Töff- Töff"

Ist das nicht Missis Humphreys, die junge Witwe, in ihrem Red Devil?" Mit welcher Nonchalance sie die schwere Maschine leitet.

So flogen sie dahin, eine nach der andern und ehe die siebente Stunde anschlug, hatte sich eine ansehnliche Gesell­schaft zusammengefunden.

Nach einer kurzen Begrüßung setzte sich der Zug in Be­wegung.

Realff Leeds war absichtlich nicht am Versammlungsplate eingetroffen; ein Doktor, der eine Praris" hat, darf nie zeitig zu einer Gesellschaft kommen.

Neun Uhr war bereits vorüber, als Realff seine Edith" tadelte.

Töff Töff" und los ging es nach Coolidge und dann dem guten Glücke nach gen Woolworth, und weiter, bis er an eine Kreuzung dreier Wege kam.

Welcher Wea führt nach Woolworth?

Da kam ihm ein Mann entgegen, als eben auch ein Auto­mobil hinter ihm hörbar ward.

Welcher Weg führt nach Woolworth?" fragte Leeds den Therkommenden.

Ohne sich umzudrehen, deutete der Gefragte nach links. Als Leeds ebeit der Weisung folgen wollte, hörte er eine Damenstimme sagen:

Nach Woolworth nehmen Sie den Weg zur Rechten." Leeds schaute sich um, erkannte Miß Scull, hob dankend seine Müße und fuhr los nach rechts.

Miß Scull bereute es fast, zu einem Fremden gesprochen einen falschen Weg bezeichnete. Sie kannte den Weg; war sie zu haben. Sie konnte aber doch nicht zusehen, wie man ihm doch schon einmal nach Woolworth gefahren. Etwa vier Mei­len hinter der Kreuzung stand eine große alte Buche, darunter eine Quelle; sie selbst hatte aus der Quelle damals getrunken.

kannte ihn nicht, hätte ihn auch nicht erkennen können mit ſei­Ob der Chauffeur auch nach Woolworth fahre? Sie leder umhängen? Es gefiel ihr, daß er ihrer Weisung ge­ner großen Schußbrille. Warum Männer nur solche Scheu­folgt war, ohne nur einen Augenblick dem Farmerjungen zu glauben.

Leeds ließ seine Edith" fliegen, damit der Staub die Denn daß sie nachkomme, stand bei ihm fest. freundliche Wegweiserin nicht belästigte, wenn sie nachkomme.

Myra fuhr langsam; er sollte nicht denken, daß sie die Bekanntschaft fortzusetzen wünsche.

Vier Meilen.

Jezt mußte die Buche kommen und die Quelle. Sollte sie noch keine vier Meilen gefahren sein? Merk­würdig, der Meilenmesser zeigte bereits fünf Meilen.

Sie fuhr eine weitere Meile: keine Buche, keine Quelle. Und ringsum nicht eine Stelle, an die sie sich erinnern konnte. Himmel! Wenn sie ihm den falschen Weg gezeigt hätte! So mußte es sein!

Was nun tun? Sie mußte ihren Irrtum berichtigen und ihm sagen, daß sie ihn auf falsche Fährte geleitet... Töff- Töff­

Myra ließ ihre Maschine fliegen, doch sie kam dem Dahin­fahrenden nicht näher.

Wie war es möglich, ihn auf den Irrtum aufmerksam zu machen?

Töff- Töff, Töff- Töff" klang es unaufhörlich aus ihrem Gummihorn. Da ließ der im Laufe nach er hatte offenbar ihre Signale gehört und gedacht, sie benötigte seiner Hilfe.

Endlich war sie bei ihm.

" Ich bitte um Verzeihung, mein Herr," sagte Myra in höchster Verlegenheit, ich habe Ihnen den falschen Weg ge­zeigt. Dies ist nicht die Straße nach Woolworth. Ich be­dauere unendlich..."

,, eine Ursache," entgegnete Leeds, seine Müze lüftend. ,, Dies ist eine reizende Gegend, und ich bin froh, sie gesehen zu haben. Wirähich muß wohl umkehren und zurück­fahren­

,, Bis zur Dreikreuzung, dann links." ,, Besten Dank."

Hierauf wandte er seine Maschine und war bald in der Ferne verschwunden.

In The Arlington" herrschte reges Leben und Treiben. Die Mitglieder des C.-T.-T.-C." waren angelangt, die Ma­schinen untergestellt, der irdische Mensch in passable Ver­fassung gebracht und nun sollte dem Magen sein Teil werden. Da sauste eine Maschine an. Brrrrr

Stille stand sie.

Sofort eilten mehrere Herren dem Ankommenden ent­gegen und bald befand sich Realff Leeds in angenehmster Un­terhaltung.

Mrs. Humphreys schien ganz besonderen Gefallen an dem jungen Doktor zu finden. Wie seltsam, daß die beiden genau dieselbe Maschine fahren.

Geistesverwandtschaft," sagte Leeds.

Schmeichler," entgegnete die junge Witwe.

Es war fast vier Uhr, als Miß Scull ankam, über und über mit Staub bedeckt.

Leeds erkannte sofort seine Wegweiserin und nahm die Gelegenheit wahr, sich ihr vorstellen zu lassen.

Myra," sagte Mrs. Humphreys, als sie die beiden mit­einander bekannt machte, dies ist Doktor Leeds, der sich in