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Wonnementsprets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfg., Saus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertel­fährlich Mr. 1,50.

tadt 61- onttsbetlagen: Oberhefftiche Familienzeitung( täglich)

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und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich).

Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Mittwoch, den 1. Juni 1904.

Gießener

13. Jahrgang.

Jufertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober­heffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Bis. Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg.

Postzeitungslifte No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechenschluß Nr. 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Beglar; Lofalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

frühjahrsparade des Gardekorps.

L Berlin, 31. Mai. Auch wer wicht wußte, was heute los" war, wie der

inen borgeste Berliner so schön sagt, mußte, wenn er den Pulsschlag des Hauptstädtischen Lebens zu beobachten weiß, bemerken, daß Bäsche und retwas besonöcres im 2erfe war. Schon daß die Schul­ht werden. finder nicht zur Schule gingen, wohl aber in dichten Scharen chon früh morgens um 7 Uhr nach einer bestimmten Richtung der Stadt strebten, hätte ihn daran erinnert, daß heute der Steckende Kca angebrochen sei. roße Tag im Berliner Schulleben: Frühjahrsparade- Ferien" Und den jubelnden Sileinen folgten die termine Mauern standen bald die Schauluſtigen, die das Schauspiel genießen wollten, die Truppen zum Tem­pelhofer Paradefelde ausrücken zu sehen, an den bekannten Anmarschstraßen. Und wenn dann die braven Gardisten, in den üblichen weißen Hosen und den historischen Mützen, an­rüdten, empfing fie freudiger Jubel von Groß und Klein. Der Berliner hängt mit Leib und Seele am Militär. Ihm Die allen Preußen steckt der Soldat im Blut und beim Klange des friegerischen Spiels fallen die Beine wie von selbst in aftmäßigen Marschrhythmus. Also, wen sie irgend tragen wollen, Hnaus durch die Friedrich- und Bellealliancestraße eben den stattlichen langen Kriegern her zum Paradefelde.

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Zwar ist dort nicht mehr so viel zu sehen, wie früher, als dem Publikum fast ungehindert der Zutritt aufs Feld ge­tattet war. Als sich unter der oft sengenden Glut der Jung­ommersonne ein fröhliches Jahrmarktstreiben entfaltete und an den Tischen und Wagen der fliegenden Restaurateure un­ählige Weißen und erfrischende saure Gurken verzehrt wur­den. Die Beiten sind unwiderbringlich dahin. Die Ab­perrungsmaßregeln sind jetzt sehr streng, aber der Berliner hat trotzdem immer noch genug zu sehen.

Die faiserliche Suite fommt von der Kaserne des 1. Dra­onerregiments daher, an der Spitze die Majestäten. Der Faiser trägt die Uniform des 2. Garderegiments mit den Beneralabzeichen, die Kaiserin das weiße Uniform- Reitkleid der Königin- Kürassiere. Hinter ihnen eine Schar glänzender Uniformen. Der Kaiser ritt die Aufstellung der Truppen b, die in zivci parallel zur Tempelhofer Chaussee gelegenen Treffen formiert waren. Dann folgte der Parademarsch, den ider Kaiser von der historischen cinsamen Pappel" abnahm. Der ersie Vorbeimmarsch erfolgte in Kompagnie bezw. Eska­drons- oder Batteriefront, der zweite Vorbeimarsch für die Fußtruppen in Regiments- bezw. Bataillons- Kolonne, für Sie berittenen Waffen wie beim ersten Vorbeimarsch, jedoch im Trabe. Das militärische Schauspiel, das zwei Stunden ge­pährt hatte, war kurz vor 10 Uhr beendet. Der Kaiser ver­ammelte darauf die Generale und Stabsoffiziere um sich, um eine kurze Kritik abzuhalten.

Und dann kam für die geduldig harrende Menge der große Abschluß des Tages. Der Kaiser setzte sich an die Spitze Der Fahnenkompagnie, die mit dem Musik- und Trompeter­00000 forps an der Chauſſee auf ihn wartete. Und umbrauſt von den Jubelrufen seiner Berliner Feht der Kaiser unter den fhallenden Klängen der Militärmusik an der Spitze seiner ffaubbedeckten Braven zum Schloß zurück.

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Der Krieg in Oftalien.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Japaner entschlossen find, Port Arthur so schnell wie möglich mit Sturm zu nehmen. Ihre Landtruppen sind kaum mehr als 20 Kilo: meter von der Festung entfernt, und die Flotte unter Ad­miral Togo unterstützt die Operationen General Okus, des Siegers von Kintschau, auf das nachdrücklichste. Eine

Rekognoszierung durch japanische Torpedoboote egegen den Hafen von Port Arthur wurde mit derselben un erschütterlichen Todesverachtung vorgenommen, die das japa nische Landheer beim Sturme auf die verderbenspeiender Geschützschlünde der Verschanzungen von Hantschau bewieser Ihat. Aus Tokio wird über das Unternehmen, das von Erfolç getrönt war, unter dem 31. d. Mts. berichtet:

Gestern früh sandte Admiral Togo vier Kanonenboote zwei Torpedobootszerstörer und zwei Torpedoboote nad Port Arthur, die dort unter dem heftigen Feuer der Strand batterien eine sorgfältige Rekognoszierung vornahmen. Si stellten fest, daß die Russen auf einem der beiden neuer Forts am Liautischan- Vorgebirge eine neue Scheinwerfer station eingerichtet haben. Das Kanonenboot Nr. 3 wurd bon einem feindlichen Geschoß getroffen, wobei ein Unter offizier getötet, drei Mann verwundet und ein Geschüt beschädigt wurde; die übrigen Kanonenboote blieben un beschädigt.

Wie ein englischer Korrespondent wissen will, gedenken Die Japaner ihre Belagerungsarmee auf 100 000 Mann zu Ibringen und dann mit voller Wucht den Sturm auf Port Arthur anzusetzen. Die Opfer würden ungeheuer sein, müßten aber gebracht werden. Nach Ueberzeugung des japa nischen Oberkommandos sei es besser, Tausende von Menschen u verlieren, die ersetzt werden könnten, als die kostbare Zeit, die sich nicht wieder einholen ließe.

Uebrigens wird

die Widerstandskraft der Festung

von der modernen Kriegskunst nicht sonderlich hoch geschätzt. Unser Mitarbeiter schreibt uns darüber: Wenn auch die Russen seit Jahren schon alle Vorsicht geübt haben, niemand Einblick in die Festungswerke zu gestatten, so existiert dock eine englische Admiralitätskarte, die ein ziemlich verläßliches Bild der Landbefestigungen Port Arthurs bietet. Die Mehr zahl der Werke liegt auf dem Drakonowni genannten Höhen­rücken, der sich nordöstlich der Stadt in einer Länge von un gefähr 6 Kilometer hinzieht. Hier liegen drei große und neun kleinere Forts. Die Werke sind meist von dem deutsch­chinesischen General Herrn v. Hannefen angelegt worden. Das eine große Fort heißt auf chinesisch Hwangtschantschen­Fort und bildet den Stützpunkt für den rechten Flügel der ganzen Befestigungsreihe. Das zweite große Fort bildet den Kernpunkt, und das letzte beherrscht die Bahnlinie Port Arthur Port Adams auf der östlichen Seite, während sich westlich der Bahnlinie ein zweiter Höhenrücken erhebt, der mit vier Werken gekrönt ist. Drei davon sind als reine Land­befestigungen anzusehen, während das vierte, am weitesten nach Westen vorgeschobene, auch noch nach der Seeseite hin wirfen kann. Ob sich unter denselben ein größeres Werk befindet, ist nicht genau bekannt. Der eben beschriebene Befestigungsgürtel hat zwei schwache Punkte. Der eine ist zu suchen auf dem rechten Flügel des Drakonowyj- Rückens, wo sich allerdings ein besonders großes und starkes Fort be­findet. Dasselbe ist auch auf seiner Ostfront zu Lande un­angreifbar, da es hier von der See geschützt ist. Aber dafür fann es von der Seeseite mit Leichtigkeit durch Kriegsschiffe unter Feuer genommen werden. Nach seinem Fall würde sich für Port Arthur dieselbe Lage ergeben, wie für Sebasto­pol nach dem Falle des Malakow, das heißt die Japaner sind dann imstande, die im Süden und Südosten der Stadt ge­legenen Werke im Rücken zu fassen, beziehungsweise in der Flanke. Sie sind ferner in der Lage und das ist das Bedenkliche die Stadt und den Hafen zu beschießen, und hieran kann sie auch das größte aller Werfe, das Fort auf dem Goldenen Hügel", welches südlich der Stadt liegt, nicht hindern, weil dessen Hauptfront nach Süden gerichtet ist. Der 3rvette schwache Punkt der Landbefestigungen ist die verhält nismäßig leichte Durchführung einer Bekämpfung der Werke auf dem Höhenzuge westlich der Bahnlinie. Sie können umfaßt werden, owohl vom Ingenieurangriff als durch Batterien. Ihr Fall würde aber dieselbe Wirkung haben, wie der des Forts Hwangtschenischen, das heißt Stadt und Hafer würden dem Feuer der japanischen Geschütze preis­gegeben sein.

Da trotz aller Ausstreuungen von russischer Seite auf einen Entsag durch Kuropatkin nicht zu rechnen ist, scheint Port Arthurs Schicksal besiegelt. Meldungen, daß der russische Obergeneral mit 60 000 Mann von Liautschang heranziehe, um den Japanern in den Rücken zu fallen, sind in das Gebiet der Fabel zu verweisen. Für Kuropatkin liegt der Schwerpunkt der Entscheidung jet wie früher an der Linie Liautschang- Mulden. Er würde seinem ganzen bis­her befolgten Strategem untreu werden, wenn er seine Truppen verzettelte. Für ihn ist es eine bittere, aber un­ungängliche Notwendigkeit, Port Arthur sich selbst zu über­lassen. In Lokio rechnet man, daß der entscheidende An­griff auf Port Arthur für den 15. Juni ge= plant sei.

Dalny von den Russen geräumt.

Die Russen räumten Dalny Hals über Kopf, nachdem sie versucht hatten, die Stadt zu zerstören. Die japanischen Pa­trouillen berichten, daß mehr als 100 Gebäude, Kaserne­ments, Depots, Eisenbahn- und Telegraphen- Bureaus be­schädigt seien. Die Russen zerstörten den großen Kai und sperrten die Einfahrt zum Hafenbassin mit versenkten Dam­pfern. Man glaubt, daß die Armee des Generals Oku Dalny unverzüglich besetzen wird.

Inzwischen beginnt man auf japanischer Seite auch den Kosakenstreifzügen in Korea

mehr Aufmerksamkeit zu schenken als bisher. Man scheint entschlossen zu sein, sich die gefährliche Bedrohung der Rück­zugslinie ein für allemal von Halse zu schaffen. Nach Mel­dungen, die in Washington eingegangen sind, ist eine neue Division der japanischen Armee von Japan abgegangen. Obwohl noch nicht bekannt gegeben ist, wohin diese Streit­kräfte gesandt werden, nimmt man an, daß sie versuchen sollen, die russische Nachhut im Nordosten von Korea zu um­zingeln und die russische Kavallerie, welche die Verbindung mit der Armee des Generals Kuroki zu unterbrechen droht, abzu­schneiden. Kurokis Truppen selbst lieferten sich mit den Russen in der Umgebung von Fönghwanghtscheng weiter Vorposten­gefechte, bei denen es auf beiden Seiten mehrere Tote und eine ganze Zahl von Verwundeten gab.

Die Politik.

Oberst Leutwein telegraphiert aus Windhuk: Die Heliographenstation Otowafuatjimi wurde am 28. früh von einer Hercrobande anacariffen. Der Gegner wurde zurücks

geschlagen und verlor 4 Tote. Seine Verfolgung wurde durch eine stärkere Patrouille ausgenommen. Okowafuat­jimi liegt am Fuße der Konjati- Berge, eiwa auf dem halben Wege zwischen Karibib und Dutjo.

In politischen Kreisen verlautet, daß von der bevor­stehenden Monarchenbegegnung in Kiel König Eduard von England trifft dort bekanntlich zum Besuch des Kaisers ein- bedeutsame politische Ergebnisse zu erwarten seien. Der deutsche Gesandte in London, Graf Metternich, wird heute die politischen Fragen feststellen, die bei der Entrevue zur Sprache kommen sollen.

*

* Die Opfer an Gut und Blut, die wir jetzt in unseren südafrikanischen Kolonien bringen müssen, haben die alte Gegnerschaft wider unsere gesamte Kolonialpolitik wachge. rusen. Wohl hauptsächlich aus diesem Anlaß sprach der Ober­präsident von Pommern Frhr. v. Malzahn- Gülz auf dem Festmahl, das in Stettin zu Ehren der dort tagenden Deut­jchen Kolonialgesellschaft gegeben wurde, warme Worte über und für unsere kolonialen Bestrebungen: Wenn man zurück­blidt auf die kolonisierende Tätigkeit des Mittelalters und damit das folonisierende Vorgehen jetzt vergleicht, so finden sich da der Aehnlichkeiten außerordentlich viel und der Rück­blick kann für uns tröstlich sein. Vor allem ist damals wie jetzt das Ziel nicht im schnellen Anlauf gewonnen, sondern durch die andauernde, immer wiederholte, immer neu ein­setzende Arbeit von mehreren Generationen. Damals sind schwere Rückschläge erfolgt, Rückschläge, die fast den Glauben crwecken konnten, als ob das Werk völlig gescheitert wäre. Und dennoch ist es schließlich gelungen. Auch die Kräfte, die damals kolonisierend wirften, sind dieselben, die in anderer Form auch heute zusammenwirfen: Der Krieger und die Mission, damals der Bischof und der Ritter. Ja, und das ist damals auch mite heute gewesen, daß vielfach der Krieger zuerst fam." Es ist begreiflich, daß diese geistreichen wie ermutigenden Ausführungen den Beifall der Festversamm­lung fanden.

*

Die württembergische Regierung hat die Zulassung der Feuerbestattung im Königreich Württemberg beschlossen.

Gute Fortschritte macht die in die Wege geleitete Be­seitigung der Arbeiten von Strafgefangenen zugunsten ein­zelner Unternehmer. Sowohl die Arbeiterschaft als auch die Gewerbetreibenden sprechen sich über die neuen Maßnah­men befriedigt aus.

Gegen die Begründung von Invalidenhäusern für alte Krieger sprach sich auf dem Kriegervereinsbezirkstage zu Rothenfelde der Vorsitzende des Deutschen Kriegerbundes, General z. D. v. Spitz, aus. Der Staat, so führte der Ge­neral aus, habe die Invalidenhäuser aufgelöst, weil sich dort allerlei Unfug, ein Faulenzerleben und Müßiggang brei­machte. Wenn man den Invaliden helfen wolle, könne dies besser durch Zulagen geschehen. Ein Antrag, die Begrün­dung von Invalidenhäusern beim Bundesrat anzuregen, wurde darum nach den Ausführungen des Generals v. Spitz von den Antragstellern zurückgezogen.

Oefterreich- Ungarn.

Auf dem letzten Deutschen Turntage war nach heftigem Meinungskampfe bekanntlich beschlossen worden, die aus der österreichischen Turnerschaft wegen des Arierpara­graphen" ausgetretenen fortschrittlichen Turnvereine als einen besonderen Turnfreis 15b in die deutsche Turnerschaft auf­zunehmen. Die an dem Arierparagraphen festhaltenden österreichischen Turnvereine, der Turnkreis 15 der deutschen Turnerschaft, haben darauf aus dieser ausscheiden wollen. Auf ihrem vorgestrigen Kreisturntage fand ein dahingehen­der Antrag zwar eine große, aber nicht die nach den Sta­tuten erforderliche Zweidrittelmajorität. Daraufhin nahm der Kreisturntag mit derselben Mehrheit eine Resolution an, in der es heißt, der Beschluß des deutschen Turntages betr. die Bildung eines Turntreises 15b verstoße gegen das Grund. gesep der Turnerschaft. Die Aufhebung dieses Beschlusses wird in der Resolution gefordert und gleichzeitig bekannt gegeben, daß in anderen Falle der Turnkreis 15 aus der tiden Turnerschaft austreten werde. Da an eine Ab­& nderung des Turntagbeschlusses nicht zu denken ist, muß der Mastritt des 15. Turnkreises aus der Turnerschaft als sicher gesehen werden.

Belgien.

Die eben bouzogenen Wahlen zum Senat und zur Kam­mer haben den Liberalen auf Kosten der Katholiken­partei und der Sozialisten einen zwar nicht großen, aber immerhin bemerkenswerten Mandatszuwachs gebracht. Die Zahl der liberalen Mandate ist in der Kammer von 34 auf 43 gestiegen, die der Katholikenpartei ist von 96 auf 93 ge­fallen. Die Sozialisten sind mit 28 Mann statt 34 in dic Rammer wiedercingezogen, die christlichen Demokraten zählen nach wie vor 2 Abgeordnete. Danach beträgt die jetzige katho­lische Majorität nur noch 20 Stimmen gegen 26 im Vorjahre. Aehnlich hat sich das Stimmenverhältnis im Senat ae­