Ausgabe 
30.11.1853
 
Einzelbild herunterladen

An Dieſelben.

Betreffend: Die Lungenſeuche in Büdesheim.

Mit Bezug auf das Ausſchreiben vom 3. November benachrichtige ich Sie weiter, daß ſich die Lungenſeuche nur in den Ställen des Freiherrn von Edelsheim zu Büdesheim gezeigt hat und daß bis jetzt keine Anzeigen vorliegen, wo nach ſich die fragliche Seuche weiter verbreitet hätte.

Friedberg am 16. November 1853.

de Beauclair, Klreisaſſeſſor.

Ehrlich währt am Lüngſten. (Aus der Spinnſtube.)

Es iſt himmelſchreiend, ſagte eines Abends der Schmiedjacob, wie die Leute gleich Alles über Bauſch und Bogen zuſammenwerfen, wenn ſie einmal von einem Spitz buben geprellt werden! Dann heißt's gleich: Es gibt keine Ehrlichkeit mehr unter den Menſchen! Da kann ich mich immer fürchterlich ärgern, wenn ich ſo ein unbeſon nenes, unbedachtes Wort höre! Geſtern ging mir's wie der einmal ſo, und ich wollte eben dem, der das ſagte, den Kopf waſchen, als es ein Anderer übernahm durch die Erzählung einer Geſchichte, die er erſt kürzlich erlebt hatte.

Die müßt Ihr uns doch auch wiedererzählen, ſagte Nachbar Veit.

Warum nicht? war des Schmiedjacob's Antwort.

Ihr wißt, ich war geſtern in der Stadt. Als ich meine Geſchäfte abgemacht hatte, ging ich in den goldenen Pflug, um ein halb Schöpplein Wein zu trinken und mich dadurch zu meinem Heimgange zu ſtärken, denn die alten Knochen wollen nicht mehr recht fort und der Stelz fuß iſt auch keine Dampfmaſchine, die unſer Einen fort zieht, wie auf der Eiſenbahn.

Da ſaßen, weil es Sonntag Nachmittag war, eine große Anzahl Bürger an den Tiſchen und thaten, was ich auch thun wollte, nur im Generalmarſch und Sturm ſchritt mitunter.

Wie es da ſo geht der erzählt Dies, der Andere Das. Erzählt auch Einer, wie ihm ein Schneider das Tuch zu einem neuen Rocke vertauſcht, das gute, was er ihm gegeben, verkauft und ſchlechteres dagegen gekauft und ein Erkleckliches dadurch profitirt habe.

Da wurde denn der unehrliche Meiſter tüchtig durch eine ſcharfe und wohlverdiente Hechel gezogen, und der, dem es paſſirt war, ſagte: Ja, liebe Freunde, es gibt heutzutage keine Ehrlichkeit mehr in der Welt, und das Sprüchlein:Ehrlich währt am Längſten muß ausge ſtrichen werden! Viele ſtimmten gleich ohne Weiteres bei.

Wie geſagt, mir lief ſchon die Galle über und ich wollte eben drein fahren, da erhob ein alter, wohlgeklei deter Mann, deſſen ſchneeweißes Haar gewiß eine Krone der Ehren war, die auf dem Wege der Gerechtigkeit er worben worden war, ſeine Stimme und ſagte: Man ſollte doch nicht gleich ſo das Kind mit dem Bade zum Fenſter hinausſchütten! So wird das Vertrauen nur mehr getödtet, deſſen wir in der Welt ſo ſehr bedürfen. Wie Eine Schwalbe keinen Sommer bringt, ſo macht auch Ein Spitzbube noch nicht, daß alle Menſchen Spitz buben ſind. Ich muß da eine Geſchichte gegen Eure ſetzen, die in meiner Nachbarſchaft vor etwa vierzehn Tagen ſich ereignet hat. Ich ſehe, Ihr kennt ſie Alle nicht, ſonſt würdet Ihr einem ſo ungerechten Verdammungsurtheile nicht ſo, mir nichts, dir nichts, beigeſtimmt haben.

Ihr Alle, oder doch Viele von Euch kennen den armen Schreiner Büttner in der Langgaſſe. Der Mann

hat neun lebendige Kinder, von denen nur das älteſts, ein Mädchen, durch Nähen etwas zur Erhaltung der Fu milie beiträgt. Er iſt heruntergekommen, weil er eilen

großen und koſtbaren Holzvorrath ſich nicht anſchaffeh kann und auch früher nicht konnte, obwohl er einer unſerer

geſchickteſten Schreiner iſt und ebenſo dauerhaft als ge ſchmackvoll arbeitet. Ueberdies haben die ſogenannten Möbelmagazine die armen, kleinen Meiſter faſt nur auf die Reparatur- und Bauſchreinerei herabgedrückt.

Wie geſagt, der Mann iſt ſo arm, daß er oft Tage lang kein Brod für ſich und ſeine armen Kinderchen hat, die dennoch nicht betteln gehen, ſondern lieber den ſchwarzen Hunger leiden.

Das hat man ſo gar nicht gekannt, wie es eben

durch die Geſchichte herausgekommen iſt.

Der Rath Völker, den Ihr Alle kennt, iſt ein alter,

curioſer Kautz. Er iſt ſteinreich; aber er hat ſein Haus noch möbelirt, wie er es vor ſechs und vierzig Jahren einrichtete, als er ſich verheirathete,

Die alten Möbel werden immer wieder geflickt, ge leimt und ausgeſpannt. Wie auch ſeine Töchter jammern, er iſt nicht zu bewegen, daß er neue kaufe.

Dieſe Möbel haben mir treu gedient, ſagt er; wie undankbar wäre es, wenn ich ſie jetzt in die Rumpelkam⸗

mer ſtellte? Mein Landesherr läßt mich, der ich auch ein altes Stück Möbel bin, im Amte, ſo lange er mich brauchen kann. Seinem Beiſpiele folge ich. Dankt er mich einmal ab, ſo wird gleich das ganze Haus neu möblirt. Bis dahin ſollen dieſe Geräthe, die mit mir alt geworden ſind, mir dienen. Ueberdies, ſagt er, iſt mir ſo heimlich in ihrer Nähe. Sie haben, wie treue Freunde, Glück und Unglück mit durchgemacht. Und wie der Arzt an mir flickt, daß die alte Hütte zuſammenhält, ſo ſoll der Schreiner an den alten Geräthen ſo lange flicken, als er es vermag. Nun hat der alte Herr einen Seeretär oder ſo ein Schreibpult, wie man es vor etwa achtzig Jahren machte, das er von ſeinem Vater noch ererbt hat, Der hat ſein ganzes Leben vielleicht daran geſchrieben und er nun auch. Oben hat es ein Schränkchen und zu beiden Seiten Schubladenreihen. Unten zieht man das Schreibe brett heraus und dann rollt ſich eine runde Walze zurüch, die das Innere öffnet. Ganz unten ſind große Schub fächer, wie an einer Commode.

In dieſem uralten Geräthe hat nun ſchon gar lange Zeit ein Holzwurm ſeine Wohnung genommen, der Tag und Nacht unermüdlich an ſeiner Zerſtörung arbeitet.

Der Rath hat ſtarkriechende Dinge hineingelegt;

aber der Zerſtörer hat ſich nicht daran gekehrt. Er hat auch verſucht es auszuſchwefeln, um den Feind ſo zu tödten, das hat auch nicht verfangen wollen.

ö Da läßt er denn vor etwa vierzehn Tagen den ehr lichen Schreiner Büttner kommen und klagt ihm ſeine Noth, und ſagt ihm, daß, wenn er ihm das liebgewordene Schreibepult rette, den Zerſtörer tödte und das zernagte Holzwerk wieder herſtelle, er ihm fünfzehn Thaler geben

wolle. Es begreift ſich leicht, daß der alte Herr, der des

Mannes Noth kannte, ihm zugleich eine Wohlthat wollte zufließen laſſen.

Büttner beſieht ſich das Pult und ſagt dann beſchei den, wie er iſt: Herr Rath, da alte Liebe nicht roſtet, ſo muß man auch den Gegenſtand zu ſchätzen und zu erhalten ſuchen. Ich will's verſuchen. Gelingt's, ſo ſoll's mich doppelt freuen, weil ich Ihnen etwas Angenehmes er weiſe und ein ſehr ſchönes Stück Geld verdiene, was mir, bei meinen neun geſunden Miteſſern, wahrlich Noth thut.

Glaub's wohl, ſagte der Rath, und damit er mit Luſt und Liebe dran geht, will ich ihm gleich fünf Thaler

2376 0

ſtzt der Racker Dieſe W zu erſczen, t auszuſprechen ſührt; denn d Händen zu zer Mit geh' ohne den ganz der Freude ſe

Behauſung de kehrt dann zu er genauer n ſtecktes, heiml in ſolchen Di. erſtaunt er, al angefüllt ſieht

Faſt zit hbellglaͤnzet

Bekanntm.

* E di (1762) Gr. heſſen hat über Narguth zu Bu Igommenen ste f, den förmliche AMungen jeder Uusſchluſſes von Mittwoch den

f mi wier anzumelde Vorzugsrechte 90

Im Fale eir blen die nicht Leſchlüſſen der helend angeſebe

Butzbach de Ebe

Oeffent (1789) Di

Maximilian z. achtersbach