ſich mit all' dem ſchmückte, was ich verloren hatte, mit dem, was mir in dieſem Leben noch zu verlieren übrig blieb. Ich trat vorſichtig in Thereſens Zimmer, denn ich glaubte ſie wachend, und erſtaunte über ihre Bewegungs— loſigkeit. Eine leichte Bewegung ihres Kopfes, welcher etwas erhaben auf ihrem Kiſſen lag, und ſehr lebhaft ge— röthet war, obgleich die Spuren der Krankheit kaum mehr daran ſich zeigten, beſtimmte mich noch näher zu treten. Sie rief mir mit leiſer Stimme; ich ſtürzte vor ihr auf die Kniee nieder und ergriff ihre Hand, welche am Bette herabhing, um meine Lippen darauf zu drücken. Sie war außerordentlich kalt; vergebens verſuchte ich ſie durch meinen Hauch zu erwärmen; ſelbſt mein brennender Mund vermochte nicht einiges Leben darauf hervorzu— bringen. Thereſe rief mir nochmals, und verſuchte, ihre Stimme etwas lauter tönen zu laſſen.—„Ich bin ja da!“ rief ich aus!„hörſt Du mich denn nicht?“ Sie ſchien erſtaunt.—„Ich höre Dich wohl,“ antwortete ſie mir,„aber ich fühle Dich nicht.“ Ich erhob mich, brachte mein Geſicht ganz in die Nähe des ihrigen, ſo daß mein Athem ſie berühren mußte.—„So,“ ſagte ſie,„nun bin ich ſicherer, daß Du in meiner Nähe biſt; Du darfſt mich ſelbſt einmal wie Deine Schweſter und Deine Frau küſſen. Man hat es mir ſoeben erlaubt, und man hat mir ſogar geſagt, daß Gott unſerer Liebe nicht zürne, ſeitdem Du wieder zurückgekehrt biſt.“ Ich küßte ſie.—„So iſt es recht,“ fuhr ſie fort,„dieß iſt keine Sünde; dieß bringt kein Unheil, wie der Kuß mit der wilden Roſe.“—„O! meine Thereſe,“ ſagte ich zu ihr,„damals war ich allein der Schuldige!“—„Hüte Dich ſehr, dieß zu glauben,“ unterbrach ſie mich lebhaft,„denn ich allein habe bis jetzt etwas geſühnt.“
Ich bemerkte, daß ihre Stimme ſchwerer wurde, daß ihr Buſen ſich häufiger hob und ſenkte, daß ihr Athem kurz und ſchmerzhaft wurde.—„Sprich doch nicht ſo viel,“ erwiderte ich,„Du ermüdeſt Dich und thuſt Dir wehe. Ich brauche Deine Gedanken nicht zu hören; wie ſie ſich in Deinem Herzen folgen, ſo dringen ſie von ſelbſt zu mir.“ Sie wendete ſich lächelnd zu mir hin; ich lehnte ſanft meinen Kopf auf ihre Schulter und drückte meine Lippen auf ihren Hals.—„Fühlſt Du heftige Schmer— zen?“ fragte ich.—„Im Gegentheile,“ antwortete ſie, „ich fühle mich beſſer,“ dabei ſchauderte ſie wieder zu⸗ ſammen und ihr Kopf ſank völlig auf den meinigen. Ich wußte nicht, was ich empfand, ich legte mir über nichts Rechenſchaft ab; ich fühlte nur, wie ſie meine Haare mit ihren Zähnen faßte, und wie Eiſeskälte mein Herz über⸗ zog, und mein Blut in den Adern gerann. Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf meinem Bette; ich hatte nur das Bewußtſein, daß ich körperlich exiſtire, und fühlte an der Stelle, an welcher ich einen Augenblick zuvor Thereſens Zähne krampfhaft ſich ſchließen gefühlt hatte, einen hefti— gen Schmerz. Ich langte mit der Hand nach der Stelle, die Haare fehlten an derſelben. Thereſe war todt.
Ich hatte nie zuvor meinen Muth mit dieſem Ge— danken auf die Probe geſtellt. Er war mir ſogar nie in den Sinn gekommen; ich war daher erſtaunt, daß ich noch lebe, und noch mehr erſtaunt, daß ich ruhig war. Ich ſtand auf, holte das Tuch, in dem mein Vendéer An— zug ſich befand, nahm es unter den Arm, wie damals, als ich nach Sancy gekommen war, und ging feſten Schrittes der Hausthüre zu. Ich mußte an Thereſens Thüre vorbei, welche ſich hart daneben befand; ſie war aber nur ein wenig geöffnet. Ueberall herum waren Leute, die weinten und beteten; aus dem Innern drang nur eine unbedeutende Helle. Mein erſter Gedanke war, hineinzugehen und da zu ſterben; ich ließ ihn aber ſogleich
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als unſinnig wieder fallen. Denn die Anweſenheit eines jungen Mannes, der ſechs Monate lang in Frauenkleidern im Hauſe verborgen geweſen war, hätte Thereſens An— denken ſchaden können, und der Name dieſes Menſchen hätte ihre Familie in's Verderben geſtürzt, wenn er als Geächteter erkannt worden wäre. Auch mußte ein Selbſt⸗ mord, woran ich bis jetzt noch nicht gedacht hatte, ein großes Verbrechen gegenüber von Gott ſein, und dieſes Verbrechen konnte mir vollends das letzte Gut rauben, deſſen Hoffnung dem Chriſten in ſeinem Unglücke ver⸗ bleibt, nämlich in einer andern Welt die Weſen wieder zu ſehen, die er geliebt hat. Dieſer Gedanke machte mich erbeben, weil er zum erſten Male ſich meinem Geiſte aufdrängte, und mir zeigte, daß ich nahe daran geweſen ſei, wenn ich meiner erſten Empfindung nachgegeben hätte, meine ganze Zukunft zu opfern, und Thereſen ſelbſt für die Ewigkeit zu verlieren, weil ich nicht die Kraft hatte, ſie eine kurze Zeit zu uͤberleben. Mit dieſen Ge— danken beſchäftigt, kam ich durch die letzte Thüre des Hofes, während aus dem Innern das Geſchrei und Ge— wimmer mir nachtönten.—„Ach! meine Tochter, meine liebliche Thereſe, meine einzig Geliebte,“ rief die Groß⸗ mutter aus,„ſo werde ich Dich alſo nie, niemals wieder ſehen?....“ Und Schluchzen erſtickte ihre Stimme.— „Warum nie wieder?“ ſagte ich zu mir ſelbſt.„Ha! ich, ich werde Dich bald wieder ſehen, bald, ich werde Dich ewig, ewig ſehen!....“ und dieſe Ueberzeugung verlieh mir eine wunderbare Kraft, weil alle meine Geiſteskräfte ſich in ihr verloren. Selbſt meine Sinne, obgleich ſie ſonſt nur Dunkelheit im Leben erblickten, befeſtigten mich darin. Ich folgte mit den Augen einem glänzenden Phan— tome, welches mich aufforderte, ihm zu folgen. Ich hörte immerwährend eine ſtarke Stimme ertönen, die mir wie— derholt zurief: bald, bald, ewig, ewig; und wenn ich ſie fragte, ob ſie mich auch nicht täuſche, ſo antwortete ſie mir mit vermehrtem Schreien und wie im Zorne. Es ſchien mir der Anfang eines Irrſinnes, und ich flehte, als das höchſte Glück, um einen ununterbrochenen Irrſinn, der mich für immer von der Erinnerung an die Vergangen- heit befreie.
Die Sonne ging unter, ich ſtieg den Fußweg zum Kreuze hinan, und als ich die Höhe des Berges erreicht hatte, war es nicht mehr helle genug, daß ich das Haus hätte noch unterſcheiden können, aber ſeine vier weißen Kamine waren ſelbſt durch die zunehmende Dunkelheit der
Nacht noch ſichtbar, und erſchienen mir wie ein Todten— monument.
Ich wandte mich von dieſer Seite ab, und ſuchte einen langen Felskamm, den ich mehrmals bemerkt hatte und der gleich einem vorſpringenden Kranze den Abgrund überragte. Dort legte ich mich nieder, die Augen feſt
Rauf den Ort geheftet, an welchem Thereſens Körper ruhen
mußte, und betete zu Gott mit voller Inbrunſt des Her⸗ zens, daß er mich doch während meines Schlafes hinab— fallen laſſen möchte. Weinen konnte ich nicht. Ich hatte die vorhergehende Nacht nicht geſchlafen, meine Sinne unterlagen einer unbeſiegbaren Erſchöpfung. Ich gab ihr nach; aber der Schlummer, der mich übermannte, war kein Schlaf der Ruhe. Er war nur eine Fortſetzung der ungeſtümen und phantaſtiſchen Gedanken, von peinlichen und quälenden Träumen. Ich glaube, daß, wenn die Vorſehung den Verdammten eine Ruhe zuläßt, ihr Schlaf dieſer Art iſt. Manchmal überredete ich mich, daß man ſich über die äußeren Anzeichen von Thereſens Tode ge⸗ täuſcht habe, und daß ſie nicht wirklich todt, ſondern nur ſehr krank und ſterbend ſei, und dieſer Gedanke tröſtete mich einigermaßen. Ich machte eine furchtbare Anſtren⸗
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