Ausgabe 
28.9.1853
 
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Intelligenz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

76.

Mittwoch den 28. September

1853.

Amtlicher Theil. Das Großherzoglich Heſſiſche Kreisamt Friedberg an ſämmtliche Großh. Bürgermeiſter des Kreiſes.

detreffend: Den diesjährigen Recrutirungsrath in der Provinz Oberheſſen.

Nach einer Benachrichtigung des Kreisamts zu Gießen funden die Sitzungen des Recrutirungsraths für die Pro⸗ zinz Oberheſſen vom 31. Oktober bis 4. November d. J. u Gießen Statt. Es iſt dabei, zur Erleichterung dieſes Zeſchäfts und zum Beſten der zum Theil weit herreiſenden eclamanten, die Einrichtung getroffen worden, daß für alle Bezirke der Provinz nachfolgende Tage beſtimmt wor⸗ gen ſind, an welchen diejenigen Individuen, welche beim Recrutirungsrathe etwas zu thun haben, ſicher ſind vorzu ommen, während an andern Tagen dieſelben den Ange⸗ rigen anderer Bezirke nachſtehen müſſen.

Vorgedachte Tagbeſtimmung iſt nun folgende:

31. Oktober für die Kreiſe Alsfeld und Lauterbach, . November- Biedenkopf und Vöhl, Büdingen, Nidda und Schotten,

2. 5 5 5 8. 5Friedberg und Vilbel, 1. 5 Gießen und Grünberg.

Sie haben dieß alsbald zu veröffentlichen und weiter gekannt zu machen, daß alle zur Muſterung des laufenden Jahrs gehörigen Militärpflichtigen, ſowohl die, welche ſpe⸗ ziell von Ihnen zu laden ſind, worüber das Verzeichniß unten folgt, als auch die, welche ohne Einladung aus freiem Willen vor dem Recrutirungsrath erſcheinen und daſelbſt Reclamationen vorbringen, oder ſich einer ärztlichen Unterſuchung unterwerfen wollen, vorzugsweiſe an dem

Tage, der nach der obigen Eintheilung für ihren Bezirk be⸗ ſtimmt iſt, Morgens halb 8 Uhr auf dem Büreau Gr. Kreisamts(im Regierungs gebäude), verſehen mit

einem verſiegelten, von dem germeiſter ausgeſtellten Signalement ihrer Perſon, und allen ſonſtigen für ihre Reclamation ſprechenden Beweis mitteln(Zeugniſſe der Aerzte, Schullehrer, Geiſtlichen, Orts vorſtände, glaubhafter Privatperſonen, deren Zeugniſſe je⸗ doch, da ſie nicht in Amt und Pflichten ſtehen, gerichtlich beeidigt ſein müſſen) ſich zu melden; ſowie auch, daß alle bei der letzten Truppenergänzung von den Regimentern und Corps als untauglich zurückgewieſenen Recruten, welche zur definitiven Entſcheidung über ihre Tauglichkeit oder Untaug⸗ lichkeit bei dem Recrutirungsrath erſcheinen müſſen, eben⸗

betreffenden Gr. Bür⸗

falls mit einem verſchloſſenen, von dem betreffenden Buͤr⸗ germeiſter ausgeſtellten Signalement ihrer Perſon und dem von dem Militär erhaltenen vorläufigen Entlaſſungs⸗ ſchein, Morgens halb 8 Uhr, in dem oben bezeichneten Büreau ſich einzufinden haben. Friedberg am 21. September 1853. de Beauclair, Kreisaſſeſſor.

Es ſind zum Recrutirungsrath von 1853 vorzuladen: Kreis Friedberg: A. Recruten: 1) Zugſchwerdt, Joh. Heinrich, von Münzenberg, untauglich beim Eintreffen im Dienſt 1853. B. Conſcriptionspflichtige de 1853:

2) Philippi, Johannes, von Maibach, zweifelhaft untauglich. 3) Krämer, Lorenz, von Niedermörlen, desgleichen. 4) Fink, Joh. Eberhard, von Steinfurt, desgleichen. 5) Stephan, Wilhelm, von Weckesheim, desgleichen.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß von Anfang des Monats Oktober l. J. der ſeither auf Montag fallende Zahltag auf Dienſtag verlegt worden iſt. Donnerſtag wird nach wie vor Zahltag abgehalten. Man erſucht die Gr. Bürgermeiſter dieſes in ihren resp. Gemeinden auf ortsübliche Weiſe veröffentlichen zu laſſen.

Friedberg den 19. September 1853.

Großherzogl. Rentamt Grünewald, Gr. Rentamtsvicar.

Wahrheit und Dichtung in Form einer Memoiren-Novelle. Von Charles Nodier. (Schluß.)

Nach einigen Schritten blieb er aber plotzlich ſtehen und rief:Antonie! ich ſtellte mich ihm vor.Das Fräulein verlangt nach Ihnen, ſagte er und betrachtete mich mit einem forſchenden Blicke, der anfangs traurig und ernſt war, ſich aber nach und nach aufhellte. Hier auf näherte er ſich mir raſch, drückte meine Hand mit den ſeinen und gab mir ſeinen Segen. Jedermann ſah ihn erſtaunt an, denn ich allein vermochte ihn zu verſtehen Ich glaubte zu errathen, daß der Segen und das Drücken der Hand von dieſem heiligen Prieſter nichts als eine Vorladung zu baldigem Einfinden in einer Welt ſei, in der wir erwartet würden. Dieſer Gedanke verlieh mir

wieder einige Kraft, weil die Erinnerung an den Tod

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