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Weſen fertigten, ſie ſo harmlos und fröhlich mit mir plauderte, was ſie mit dem Kleinen beginnen und wie ſie es erziehen wollte, und war dabei ſo glücklich und ſeelen— vergnügt, daß ich wohl ſah, ſie vergeſſe nun nachgerade, daß ſie nicht an den Mann ihrer Wahl verheirathet ſei!
„Nun ja, Madame,“ fuhr Roſine fort und wiſchte ſich mit dem Zipfel ihrer Schürze die Thränen aus ihrem erloſchenen Auge,—„wir waren Alle ziemlich glücklich, wie Sie geſehen haben, und ſahen binnen Kurzem der Geburt des Kindes entgegen;— da ſah ich eines Nach— mittags, während meine Herrſchaft mit einander ausge— fahren war, und ich durch die Staketen des Gartenthors mich nach dem Wagen umblickte— denn ſie waren länger ausgeblieben als gewöhnlich— eine Geſtalt haſtig des Weges daher auf den Punkt zu kommen, wo ich ſtand; eine Geſtalt, die mir bei ihrem Näherkommen das Herz auf die Lippen rief, denn ich glaubte, es ſeie eine Er— ſcheinung! Ich warf nur noch einen zweiten Blick auf ſie, dann drehte ich mich, höchlich erſchrocken, um und rannte in's Haus zurück; bevor ich dieſes aber noch er— reicht, hatte der Fremde das Thor geöffnet und war in den Garten getreten.“
„Und wer war der Fremde?“ fragte ich.
„Es war Eugen, Madame!— Herr Eugen v. Beau— gency, der Vetter meiner Gebieterin, gab mir Roſine zur Antwort und erzählte weiter: Er eilte mir nach und rief: Roſine, fürchte Dich nicht! Glaub' mir, ich bin kein Ge— ſpenſt, Roſine! Du haſt vielleicht gehört, ich ſei in der Schlacht gefallen; aber dieß war nicht der Fall, wie Du ſiehſt,— ich fiel nur in Gefangenſchaft, und bin nun hier und Gott ſei Dank geſund und wohl! Und wie geht es meiner Couſine? Wo iſt ſie 2“
„Sie mögen ſelber beurtheilen, Madame, wie mir zu Muthe ward, als ich dieß hörte,“ fuhr die blinde Ma— trone fort;„mir war, als falle ein ſchwarzer Vorhang über meine Augen, auf welchem ich nur„Wehe! wehe!“ leſe! Was für eine Geſtalt er annahm, hätte ich nicht errathen können; allein hinter dem dunklen Vorhang, der meinem Auge die Zukunft verhüllte, ſah ich Nichts als Weh und Leid auf Erden für dieſe drei Menſchen. Der Herr erbarme ſich ihrer! dachte ich, und ich hoffe, für die zukünftige Welt mag mein Gebet auch erhört worden ſein, aber leider für dieſe nicht mehr.
„Jenun, Madame, meine erſte Furcht war, der Graf möchte zurückkehren und ihn hier finden, denn ich wußte, daß es zu Blutvergießen führen würde, wenn ſie einander begegneten. Ohne daher auf ſeine Fragen zu antworten, bat ich ihn inſtändig, ſogleich zu meiner Mutter zu gehen, wohin ich ihm alsbald nachfolgen und dann Alles erzählen wolle. Allein gerade dieſe Bitte und die Aufregung und Angſt, die er an mir bemerkte, ließen ihn mit Einem Male die Wahrheit ahnen. Er faßte mich mit einer Hef⸗ tigkeit am Arm, daß ich die Spuren ſeiner Finger noch viele Tage nachher daran trug und fragte mich: ob Hen— riette verheirathet ſei?—„Allerdings,“ gab ich zur Ant⸗ wort; ſie hielt Sie für todt, war blutarm, und es war der letzte Wunſch ihres ſterbenden Vaters, daß ſie....— „Wie?, ftel er mir in's Wort, mit einem Geſicht, das ich in meinem Leben nicht vergeſſen werde;„verheirathet an den Spanier, an Ruy Gonzalez?“—„Ja, an Ruy Gonzalez,“ verſetzte ich,„und wenn er Sie hier findet, bringt er Sie um!“—„Meinetwegen!“ ſagte er.— „Das wird aber Henriettens Tod ſein,“ rief ich,„und ſie iſt... ſie iſt.... iſt Mutter.... ihrer Entbindung nahe,“ ſetzte ich zögernd hinzu. Er ſchlug ſich mit beiden geball⸗ ten Fäuſten vor die Stirne und ſagte:„Ich muß ſie ſehen!“—„Das kann nicht ſein,“ gab ich ihm zur Ant⸗
wußte wohl, daß er mich trotzdem beobachtete.
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wort;„der Graf verläßt ſie keinen Augenblick.“—„Wo ſind ſie nun?“ fragte er weiter.„Sie ſind ausgefahren in einem dunkelblauen Wagen, und ich erwarte ſie jeden Augenblick zurück! Gehen Sie, um's Himmels willen gehen Sie zu meiner Mutter!“—„Ich habe den Wagen geſehen; er begegnete mir dieſſeits Noirmoutiers,“ ſagte er mit einem bittern Lächeln.„Ich ahnte nicht, daß ſie darin ſaß,“ fuhr er fort, und ſeine Lippen bebten, ein krampfhafter Schauder lief über ſeine Züge.„Ich will, — ich muß Henrietten ſehen, und es wäre klüger, Du hälfeſt mir dazu, Roſine, ſonſt wird es für uns Alle nur um ſo ſchlimmer! Verbirg mich in ihrem Zimmer; ihr Gemahl ſchläft ja wohl nicht dort?,—„Nein ſagte ich;„aber er kömmt öfters dorthin, um mit ihr zu plau⸗ dern, wenn ſie Toilette macht!,—„Sperre mich in das Kloſett; es iſt Raum genug darin für mich, wenn ich mich unter die Büchergeſtelle verkrieche. Du ſagſt es dann Henrietten, und läßt mich heute Abend heraus, wenn der Graf zu Bette gegangen iſt!“—„Großer Gott!“ rief ich, und meine Kniee wollten unter mir einbrechen; „ich höre den Wagen; ſie werden im Nu hier ſein!“— „Thue, was Du willſt, Roſine,“ ſagte Herr Eugen zu mir und benützte den Vortheil, welchen meine Angſt ihm bot;„ich muß Henrietten ſprechen, und werde es auf meine Fauſt erzwecken, wenn Du mir nicht dazu behülf⸗ lich ſein willſt. Ich rühre keinen Fuß von der Stelle!“ damit ſtieß er ſeinen Stock feſt in den Boden und ſah mich mit einem Blicke an, in welchem ich ſeine verzweif⸗ lungsvolle Hartnäckigkeit deutlich las.—„So kommen Sie denn in Gottes Namen!, rief ich, denn der Wagen war ganz in der Nähe und kein Augenblick zu verlieren; dann nahm ich ihn am Arm und zog ihn in's Haus, denn ſelbſt jetzt noch ſchien er lieber ſie hier ſtehenden Fußes erwarten und mit dem Grafen einen Streit beginnen zu wollen. Genug, ich hatte kaum Zeit genug gehabt, ihn einzuſchließen und den Schlüſſel in meine Taſche zu ſtecken; ſchon waren der Graf und die Gräfin ausgeſtiegen und kamen den Garten herauf.
„Sie können ſich denken, Madame, in was für einem Gemüthszuſtande ich dem Grafen und meiner Gebieterin unter die Augen trat, und meine Betretenheit ſtieg noch, als ich fand, daß der Graf es bemerkte.„Was gibt es, Roſina? iſt etwas Ungewöhnliches begegnet?“ fragte er und heftete ſein ſtechendes ſchwarzes Auge ſo forſchend auf mich, daß mir war, als wollte er in meiner innerſten Seele leſen. Ich machte mir um meine Gebieterin zu thun und wandte mein Geſicht von ihm weg; aber ich Sonſt pflegte er ſich, wenn er von der Spazierfahrt heimkam, auf ſein Zimmer zu begeben und mich bei ſeiner Frau zu laſſen; allein dießmal kam er in den Salon, legte den Hut ab, nahm einen Stuhl und verließ ſie den ganzen Abend keine zwei Minuten lang. Dieſes Betragen war ſo ungewöhnlich, daß er offenbar irgend einen Argwohn gegen mich hegte; überdem las ich dieß in ſeinen Zügen, obwohl ich natürlich nicht entſcheiden konnte, ob ſein Arg⸗ wohn durch meine Bläſſe und Aufregung oder durch irgend einen anderweitigen Zufall geweckt worden war. Später ward mir's aber klar, daß er den jungen Mann im Vor— überfahren erkannt haben oder doch von der Aehnlichkeit deſſelben ſo betroffen worden ſein mußte, um ſich meine Verwirrung richtig erklaren zu können. Sie mogen ſich nun hiernach denken, Madame, wir mir dieſen Abend zu Muthe war. Ich ſah deutlich, daß er mich nicht mit ſeiner Frau allein laſſen wollte; allein dieß war noch nicht das Schlimmſte, da ich mir vorgenommen hatte, ſie mit den Begebenheiten dieſes Abends nicht eher bekannt zu
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