noch immer intereſſantes Geſicht war tief durchfurcht von Spuren langen Kummers und herber Sorge, und ſeine einſt ſo üppigen Locken waren dünn und grau geworden, während ſeine Zuͤge, die er lange ſo ſehr in ſeiner Ge— walt gehabt, daß ſie niemals ein Zeichen von Ruͤhrung oberflaͤchlicherer Art an den Tag legten, jetzt unter dem Einfluſſe einer heftigen Leidenſchaft zuckten. Eine leichte Röthe überflog Emiliens ſonſt ſo bleiche Wange; ſie ſchöpfte tief Athem und ſetzte endlich mit hörbar zittern⸗ der Stimme hinzu:„Ja, Guſtav Wartmann, ich bin Emilie v. Holz!“
Er gab weder in Wort noch durch Blicke eine Ant⸗ wort, bis Frau v. Schönfeld beinahe überraſcht hinzu⸗ ſetzte:„Aber nicht wahr, Herr Dalling, wir ſehen uns als Freunde wieder?
Einen Augenblick lag Guſtav Wartmann's beſſere Natur im Kampfe mit dem Stolz; allein entweder beſaß er jetzt mehr Selbſtbeherrſchung als in früheren Zeiten der feurigen unbedachtſamen Jugend, oder er konnte nicht zürnen noch Rachſucht fühlen angeſichts der freundlichen, ſanften, milden Frau— kurzum, dießmal trat er ſeinen alten böſen Dämon Stolz unter die Füße, und zwang ſich ſelbſt, ihr wenn auch in etwas barſchem förmlichem Tone zu antworten:„Ja, als Freunde, Frau v. Schönfeld. Gewiß ſind wir Freunde, wenn Sie es wünſchen. Ihre Güte gegen meine arme mutterloſe Fanny hat alles Un— recht ausgeglichen, welches einſt Fanny's Vater erdulden mußte. Laſſen wir die Vergangenheit vergeben und ver— geſſen ſein!“
„Nicht doch, mein Freund,“ entgegnete Emilie ſanft, „laſſen Sie uns lieber die Vergangenheit erklären! Herr Dalling, wir ſind Beide nicht mehr jung, und haben uns hoffentlich Beide die unbedachtſame Raſchheit der Jugend abgewöhnt. Wir können aber nicht eher wieder wahrhaft gute Freunde ſein, wie wir ſein müſſen, als bis unſere beiderſeitige Treue uns gegenſeitig klar gemacht worden iſt,— und ich wünſche um Edmund's und Fanny's Willen, daß wir recht gute Freunde würden! Laſſen Sie uns daher Beide frei und kühn reden und ohne Furcht, hüben oder drüben zu kränken. Ich verſpreche meinerſeits, nicht empfindlich zu ſein gegen die Wahrheit, wie ſie auch immer ſein mag!⸗
Herr Dalling betrachtete ſie aufmerkſam, forſchend und bewundernd, während ſie ſo ſprach, und ſagte, als ſie geendet hatte, halb träumend, halb zu ihr gewendet: „Noch immer derſelbe klare geſunde Menſchenverſtand, daſſelbe milde treffliche Gemüth, das ich in meiner Ver— blendung für trügeriſch anſehen konnte! Aber ich bitte um Verzeihung, Madame, und ich verſpreche Ihnen, nicht minder wahr und nachſichtig zu ſein als Sie!“
„So ſagen Sie mir denn unumwunden, Herr Dalling, warum Sie mir niemals meinen letzten Brief beantworteten oder den Empfang der Börſe beſtätigten, die ich Ihnen verfertigt hatte!“
Er bebte zuſammen, wie von einem Schuß getroffen. Der förmliche, kalte, gemeſſene Dalling war verſchwunden, — der leidenſchaftliche glühende Guſtav Wartmann ſtund wieder wie ehedem vor ihr. Ich habe ihn beantwortet, Emilie,— aus der Tiefe und Fülle meiner Seele— und wie glücklich, wie voll dieſe war, vermag ich kaum zu be— ſchreiben.— Ich beantwortete Ihren Brief, aber Sie antworteten mir niemals auf den meinigen, Emilie!“
„Ich verſichere Sie, daß ich niemals einen ſolchen erhalten habe!“ entgegnete Emilie feſt.
Einige Minuten vergingen nach dieſer Erörterung, bevor Eines von Beiden ſprechen konnte; endlich aber rief
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Herr Dalling:„O wie ſehr habe ich Ihnen Unrecht ge⸗ than, Emilie! In dieſem Augenblick iſt mir als erblicke ich tief unten in einem finſtern Abgrunde das Abbild des Böſen in meinem ganzen Weſen. Ich beginne nachgerade zu glauben, ich habe einen Teufel im Buſen gehegt, und ihn meinen guten Engel genannt. Emilie, wenn ich noch nicht zu alt bin, um mich zu beſſern, ſo ſind Sie das Werkzeug meiner Beſſerung geworden. O ich bitte Sie nicht um Verzeihung, edle großmüthige Frau, denn ich fuͤhle, daß Sie mir ſchon vergeben haben!“
Frau v. Schönfeld begriff, was es den ſtolzen Mann gekoſtet haben mußte, dieſes Zugeſtändniß zu machen, und ſie ſchätzte ihn hoch für dieſe Bemühung.„Wir haben Beide Tadel und Vorwürfe verdient und bedürfen Beide in gleichem Maaße der Vergebung,“ verſetzte ſie.„Allein wir würden vergebens nun die Vergangenheit beklagen; laſſen Sie uns vielmehr darüber freuen, daß unſere alte Freundſchaft auf der feſten Baſis vollkommenen Vertrauens wiederhergeſtellt und durch die Verbindung unſerer theuren Kinder noch mehr verkittet und befeſtigt iſt!“
Statt aller Antwort bot ihr Herr Dalling ſeinen Arm mit der freundlichen und vertraulichen Artigkeit eines
alten Freundes, da er Frau v. Schönfeld etwas ange-
griffen ſah, und ſie wanderten eine Weile ſchweigend neben einander her. Endlich fragte Frau v. Schönfeld: „Glich Fanny's Mutter ihrer Tochter einigermaßen?“
„Mit nichten, Emilie!“ gab Dalling zur Antwort und ſeine Stimme bebte leiſe;„meine arme ſelige Frie- derike war ſanft und hold, hatte aber wenig Aehnlichkeit mit meiner kleinen Fanny.“
„Und Ihre Ehe war wohl eine glückliche? Das freut mich von Herzen!“
„Ich wäre der undankbarſte Menſch geweſen, wenn ich mich mit ihr nicht glücklich gefühlt hätte,“ war die Antwort;—„und auch die Ihrige, Emilie, war wohl .... Er hielt inne, er wußte nicht weßhalb, während Emilie geſenkten Blickes langſam und leiſe erwiderte: „Ich bin nun ſehr, ſehr glücklich!“
Ein Gefühl innigſter Hochachtung und Bewunderung hielt Herrn Dalling eine Weile ganz ſtumm; dann ſagte er im Tone innigſter, ernſthafteſter Ueberzeugung:„Sie ſind die großmüthigſte, edelſte, erhabenſte Frau, die ich je kennen gelernt habe!“ 5
Frau v. Schönfeld gab keine Antwort; als ſie aber
mit einander in's Schloß zurückgekehrt waren, ſagte ſie
in ihrem gewohnten freundlichen, ruhig-heitern Tone zu ihm:„Und nun, Herr Dalling, laſſen ſie uns nach Ed— mund und Fanny ſehen, und damit ſie aus unſeren Irr— thümern lernen mögen, daß Vertrauen der beſſere Theil und die Blüthe der Liebe iſt, ſo laſſen Sie uns ihnen nunmehr die Geſchichte von unſerem verloren ge— gangenen Brief erzählen!“—
Für die Abgebrannten in Gambach
find bei Unterzeichneten bis heute eingegangen:
Von H. V. 10 fl.; L. L. 2 fl. 30 kr.; P. W. 1 fl. 30 kr.; N. N. 30 kr.; St.⸗E. D. 1 fl.; Sch. in D. 2 fl. 40 kr.; Fr. Ob.⸗L. W. 1 fl. J. St. 1 fl.; Lehrer Sp. 12 kr. N. N. 12 kr.; N. N. 2 fl.; F. B. 2 fl.; Ungenannt 18 kr. B. Gr. 18 kr.; N. N. 18 kr.; N. B. 12 kx; S Mi. 18 kr.; N. N ir; N St.; 8 h 2 r; N. N. 18 kr.; N. N. 12 kr.; N. N. 6 kr.; Konr. St. 1 fl.; H. K. 12 kr.; H. W. 24 kr.; W. Sch. 18 kr.; L. Na. 12 kr.; L. Gr. 40 kr.; J. W. 1 fl.; durch Hrn. Domänenrath Buß: von Hrn. Forſtmeiſter Winheim in Bingenheim 3 fl. 30 kr.; von K. 3 fl.; zuſammen 37 fl. 14 kr., wofür wir den edlen Gebern herzlich danken. Zugleich bitten wir um weitere Beiträge.
Friedberg den 21. April 1853.
Der Ausſchuß des Hulfs-Vereins.
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