Ausgabe 
27.4.1853
 
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Provinz Oberheſſen im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

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M 33.

Mittwoch den 27. April

1853.

Amtlicher Theil.

Das Großherzoglich Heſſiſche Kreisamt Friedberg an die Gr. Bürgermeiſter des Kreiſes. Betreffend: Das Gemeinde-Rechnungsweſen.

Um den Stand des Gemeinde-Rechnungsweſens im Kreiſe am Schluſſe des Rechnungsjahres 1852 genau kennen zu lernen und in dieſer Beziehung die Thätigkeit der be treffenden Lokalbehörden zu überwachen, bin ich veranlaßt, hiermit Folgendes anzuordnen:

1) Die Gemeinde⸗Einnehmer ſollen zur Zeit des Buͤcher⸗ ſchluſſes von dem Jahre 1852(vergleiche Gemeinde Ordnung Art. 65.) eine Abſchrift des Abſchluſſes der 18521 Gemeinderechnung fertigen und mit ihrer Un⸗ terſchrift verſehen, dem Gr. Bürgermeiſter zuſtellen.

2) Dieſelben haben ferner gleichzeitig mit dem Bücher⸗ ſchluſſe vom Rechnungsjahr 1852 auch ihr Hand⸗ buch von 1853 förmlich abzuſchließen und ſofort einen getreuen Auszug daraus zu fertigen, woraus genau erſichtlich iſt, wie viel bis dahin unter jeder Ordnungs- Nummer eingenommen und ausgegeben worden iſt, und wie viel die Einnahme die Aus gabe übertrifft, oder das Gegentheil. Der§. 39. der Inſtruktion für die Gemeinde-Einnehmer vom 11. Nov. 1840 iſt hier maßgebend. Dieſer Auszug iſt von dem Rechner dem Bürgermeiſter zu behändigen.

3) Die Gr. Bürgermeiſter haben hierauf:

a) die ihnen von dem Gemeinde-Einnehmer zugeſtellten Abſchriften resp. Handbuchs- und Tagebuchs-Aus⸗ zuge mit Rückſicht auf die Bücher deſſelben zu revi⸗ diren und zu beglaubigen;

p) unter Beachtung des kreisräthlichen Ausſchreibens vom 1. Auguſt 1841 No. 26 des Intelligenzblattes vermittelſt Vornahme eines Kaſſenſturzes ſich zu überzeugen, ob das Ergebniß derſelben mit der Kaſſe übereinſtimmt, und

c) über den Erfolg bis zum 20. Juni l. J. unter Beiſchluß der Auszüge ꝛc. hierher Vorlage zu machen.

4) Werden rückſichtlich der Aufſtellung der Liquidailons⸗ Verzeichniſſe und deren ſorgfältigen Prüfung durch die Ortsvorſtände die beſtehenden Vorſchriften, insbe⸗ ſondere mein Ausſchreiben No. 2. von 1852 bei dieſer Gelegenheit wiederholt eingeſchärft unter dem Anfüͤ⸗

gen, daß die Liquidations-Verzeichniſſe auch von dem Gemeinderath, zum Zeichen ſeiner Billigung, mitun terſchrieben ſein müſſen. Friedberg den 23. April 1853.

de Beauclair, Kreisaſſeſſor.

Der verlorengegangene Brief. Ein Lebensbild in Novellenform von C. Baldamus. (Schluß.)

Je mehr Herr Dalling von der Schloßherrin ſah, deſto betroffener ward er. Die größten Unwahrſcheinlich⸗ keiten und Unmöglichkeiten ſchwebten ihm vor, und doch konnte er unmöglich ſeine Vermuthungen und Ahnungen für ungegründet halten. Sein Leben war voll andauern der Muͤhe und Arbeit, in den letzten Jahren voll pein licher Sorgen und ſchwerer Heimſuchungen geweſen und dieſe hatten ihm manche ſchlafloſe Nacht bereitet. Den⸗ noch hatte er nie eine längere und ſchlafloſere verbracht als dieſe erſte unter dem ſtattlichen Dache, welches ſeine Tochter, ſein Liebling Fanny, nun das ihrer Heimath nannte. Er fühlte, daß er dieſe Ungewißheit über die Perſönlichkeit von Edmund's Mutter nicht einen Tag länger ertragen könnte. Er mußte ſich Gewißheit ver ſchaffen und wollte die Gelegenheit dazu herbeiführen, wenn ſich eine ſolche nicht von ſelbſt bieten ſollte. Allein die Veranlaſſung hiezu ward ihm ſchon am andern Morgen nach dem Frühſtück geboten, denn die Dame des Hauſes erbot ſich, dem verehrten Gaſt das Gut zu zeigen, ein Anerbieten, welches er, mit dem gegebenen Zweck im Auge, unverweilt annahm. Schweigend traten ſie ihren Spaziergang an, denn auf Beiden ſchien ein ganz beſon derer beengender Zauber zu laſten. Endlich hub Herr Dalling mit unſicherer Stimme und erzwungener Faſſung an:Darf ich mir eine Frage an Sie erlauben, gnädige Frau eine Frage, die Ihnen vielleicht unceremonibs, ja vielleicht ſeltſam vorkommen mag haben Sie Ver wandte, welche den Namenv. Holz führen!

Er ſah ſie zuſammenbeben, als ſie mit erzwungener Faſſung erwiderte:Allerdings, Herr Dalling! Es iſt mein elterlicher Familienname, den ich ſelbſt bis zu meiner Verheirathung geführt habe!

Bei dieſem Geſtändniſſe blieben Beide wie in ſtummem gegenſeitigem Einverſtändniſſe ſtehen und blickten einander ernſt an. Guſtav Wartmann war nun über die Mittagslinie des Lebens hinaus; ſein einſt ſo ſchönes und