Ausgabe 
25.6.1853
 
Einzelbild herunterladen

ge,. egen der teau

D N* bi⸗ don dier Nah

Schmittnei,

ö

achtbriefe thig bel

Binderuagel

Intelligenz-Blat

fuͤr die

Provinz Oberheſſen im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

M19.

Sonnabend den 28. Juni

1853.

Amtlicher Theil.

Das Großherzoglich Heſſiſche Kreisamt Friedberg an die Gr. Bürgermeiſter des Kreiſes.

Betreffend: In Unterſuchungsſachen gegen Philipp Rullmann in Sta⸗ den wegen Majeſtätsbeleidigung.

Wenn ſich der unten näher ſignaliſirte Philipp Rull⸗ mann von Staden in Ihren Gemeinden betreten läßt, ſo werden Sie denſelben feſtnehmen und mir vorführen laſſen.

Friedberg den 21. Juni 1853.

de Beauclair, Kreisaſſeſſor.

Signalement:

Alter: 49 Jahre. Größe 6 Fuß 6 Zoll. Haare; blond. Stirne: rund. Augenbraunen: blond. Augen: grau. Naſe: ſtumpf. Mund: proportionirt. Bart: graulich. Kinn: rund. Geſicht: oval. Geſichtsfarbe: geſund. Statur: mittel. Beſondere Zeichen: unter dem rechten Auge eine Narbe.

Bekanntmachung. Betreffend: Das Auffinden einer männlichen Leiche im Niddafluſſe.

Am 31. Mai d. J. iſt eine männliche Leiche in dem Niddafluſſe bei Ilbenſtadt gelandet, der Name des Verbli⸗ chenen bis jetzt aber nicht ermittelt worden. Ich erſuche daher, unter Bezugnahme auf nachſtehendes Signalement, welches, inſoweit dies bei der bereits eingetretenen Verwe ſung ermöglichſt war, aufgenommen worden iſt, alle Polizei⸗ und Gerichtsbehörden, die auf Ermittelung des Verunglück ten abzielenden Notizen mir baldgefälligſt zugehen zu laſſen.

Friedberg den 21. Juni 1853.

de Beauclair, Kreisaſſeſſor.

Sünhn gad e tent;

Alter: zwiſchen 30 und 40 Jahre. Haare: ſchwarz, ziemlich kurz geſchoren. Backenbart: ſchwach und die Farbe deſſelben nicht mehr recht zu erkennen. Größe 7 Fuß 2 Zoll. Statur: ſehr ſtark, unterſetzt.

Nei d ung: Blauer Kittel, der keinen Kragen, ſondern nur einen Bund hatte; blaue geflickte Tuchhoſen;

blauer Tuchwams mit überzogenen Knöpfen von demſelben Tuche;

weiß leinenem guten Hemde, was auf der linken Seite des Bruſtſchlitzes H: B: roth gezeichnet iſt z

Halbſtiefel in gutem Zuſtande, ſtark mit Spitz, Kopf⸗ und Plattnägeln beſchlagen;

gewebene graue Strümpfe mit weißer Borde und

ein baumwollenes weiß und roth carirtes Halstuch, wel ches ziemlich los um den Hals hing.

Miszelle.

Jedermann weiß, daß in einer Univerſſtätsſtadt ſo ziemlich alle Leute in dem Punkt ausſtudirt haben, wie ſie den Studenten das Geld aus der Taſche heraus und in die ihrige bringen.

Das verſtand aber in einer ſolchen Stadt Niemand beſſer, als ein Kutſcher oder Reitpferdevermiether. Der Menſch war ein ausgeheckter Spitzbube; hatte Kutſchen, die, wer weiß, wie alt waren, und doch ſchwer bezahlt werden mußten, wenn ſie ein Student miethete. Wurde etwas daran zerbrochen, ſo mußten die Studenten ſo viel dafür zahlen, als die alte Schartecke werth war. Miethete Einer ein Pferd, das in der Regel ſteif und blind war, ſo ging's kaum beſſer. Ueberdies ließ er ſich, wenn ein Pferd beſtellt wurde, gleich die Hälfte vorausbezahlen, die er behielt, wenn der Ritt nicht vor ſich ging.

Einmal hatte auch eine Geſellſchaft Studenten einen Ritt nach einem benachbarten Luſtorte verabredet, und Einer von ihnen ging zu dem Pferdevermiether und beſtellte ſich ein Pferd zu dem Ritte. Sie müſſen mir aber einen Gulden drauf geben, ſagte der Vermiether. Der Student, der den Menſchen kannte, gab den Gulden, weil er das ſchönſte und beſte unter den ſchlechten Pferden ausgeſucht hatte.

Durch das Unwohlwerden deſſen, der die Reitpartie veranlaßt hatte, unterblieb ſie aber.

Der Student, der auch ein Schalk war, dachte: Wie kriegſt du nun deinen Gulden wieder? Er ſann eine Weile nach, dann packt er auf und geht zu dem Vermiether.

Zeigen Sie mir das Pferd noch einmal, ſagte er.

Der Vermiether führt ihn arglos in den Stall, wo das Pferd ſteht, und der Student betrachtet lange das Pferd von allen Seiten ſehr ernſt, dann zieht er einen meſſingenen Maaßſtab aus der Taſche und beginnt das Pferd vom Halſe bis zum Schweife zu meſſen, und wieder zu meſſen.