Ausgabe 
24.9.1853
 
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derſelben warſt Du. Ich betrachtete Dich mit Erſtaunen, wie Dein Geſicht kriegeriſch und ſchrecklich geworden war, ohne daß es aber deßhalb ſeinen ſanften Ausdruck ver loren hatte, um deſſen Willen ich Dich liebte; denn es blieb Dir noch immer der zärtliche Blick, die Schüchtern heit Deines Lächelns, und ich freute mich, ein ſo beſchei⸗ denes und doch ſo ſtolzes Herz gerührt zu haben. Der andere Offizier mußte Mondyon ſein. Ich ſah ihn unge⸗ fähr, wie Du mir ihn beſchrieben haſt, bald heiter, bald widerſpenſtig, ſchmollend und aufgebracht, aber werth ein wenig von meinem Adolph geliebt zu werden. Wir waren voll der ausgelaſſenſten Luſtigkeit, wie arme junge Leute, die ſich für glücklich halten, und die glauben, das Glück ſei eine dauerhafte Sache. Plötzlich erhob ich meine Augen auf Henrietten, weil ſie ſang. Ich erſtaunte und erſchrack; denn ſie war blaß, ſo krank, ſo traurig gekleidet. Ach! wenn Du ſie ſo geſehen hätteſt! Von Erſchrecken ergriffen kehrte ich mich nach Euch um; aber Mondyon und Du hatten ganz ſtiere, unbewegliche, erloſchene Augen. Ihr glichet jenen von Gyps oder von Wachs boſſirten Bildern, denen zur vollſtändigen Täuſchung nur Bewegung und Leben fehlt. Ihr lebtet aber nicht, denn Du ſahſt mich nicht an, oder ſchienſt mich nicht zu ſehen; und es war abſcheulich anzuſehen, weil Eure Köpfe nicht mehr zu Euren Körpern zu gehören ſchienen, und nur wie durch einen blutigen Streifen damit zuſammen zu hängen ſchienen.

Nachdem Thereſe mir dieß erzählt hatte, war ſie ſehr erſchöpft. Vergebens ſuchte ich die Gedanken, die ſie quälten, zu zerſtreuen; weil ſie mich ſelbſt verfolgten, da⸗ rum gab ich mir wenigſtens Mühe, ſie glauben zu machen, daß ich ruhig ſei, obgleich meine Stimme bewegt war und zitterte. Endlich war es Tag geworden; Thereſe

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ſehen war, nämlich der eines Muthes, der vom Schmerz aufgezehrt zu werden beginnt, einer Geduld, die unter dem Gewichte der täglichen Duldungen bricht, von körper⸗ licher Kraft, welche mit den Aufopferungen der Seele nicht mehr gleichen Schritt zu halten im Stande iſt, und die ſich nur noch einen Augenblick aus Begeiſterung für die Tugend, und jenes Gefühl des Glaubens, den man heut zu Tage Fanatismus nennt, aufrecht erhält. Sein Gang war unſicher, und wie er ſich ſo auf die Dielen des Getäfels ſtützte, denn er war ſehr ermüdet, ſehr krank, ſchien es, als wenn er ſeit langer Zeit nur darum an bewohnte Orte komme, um die Tröſtungen ſeines Berufs dahin zu bringen. Seine Kleider kündigten keinen Prieſter der geächteten Religion an. Sie waren eine Miſchung

von verſchiedenen Stücken, welche zuſammen einen Anzug

bildeten, der eigentlich demjenigen fremd iſt, welcher ihn trägt, und den er nur der Mildthätigkeit verdankt. Ich ging über die Schwelle des Zimmers und blieb außen ſtehen; und ſo kam mir aus dem Innern nichts als ein dumpfes, verwirrtes Gemurmel zu, das ich aber gern hörte, weil es mir wenigſtens die Nähe zweier Perſonen bewies. Die ganze Dienerſchaft hatte ſich auf die Kniee niedergeworfen; die Großmutter hatte ſich auf ihrem

Lehnſtuhle mitten unter ſie hereinrollen laſſen, und da ſie

nicht niederknieen konnte, weil ihre Beine bewegungslos waren, ſo neigte ſie ſich auf ihre gefalteten Hande herab, und flehte mit Thränen und Schluchzen den Beiſtand Gottes an. Ich fühlte, wie meine Kräfte mich verließen, und glitt daher mit der Hand an dem Thürpfoſten herab, an den ich mich gelehnt hatte, und als ich auf den Knieen war, hielt ich mich mit aller Kraft an demſelben feſt, in⸗ dem ich meine Stirne an ihn

hatte einen Beichtiger verlangt, und ich wünſchte, daß ſie ſich mit einem Manne unterhalte, der Einfluß auf ihren Geiſt habe, in der Hoffnung, daß ihr daraus einiger Troſt erwachſe. Ein Geräuſch, welches ich von Außen hörte, über. Gern hätte ich ein Gelübde verkündigte mir, daß er angekommen ſei. Ich benachrich⸗ tigte Thereſen, öffnete die Thüre und ſetzte mich neben dieſelbe. Der Prieſter trat, ohne mich anzuſehen, herein. Er war ein Mann von kleiner Geſtalt und gewöhnlichen Geſichtszuͤgen, der höchſtens 36 Jahre zählte, obſchon ſeine Haare ſpärlich und gebleicht waren. Es lag in

ſeinen Zügen ein ſonderbarer Ausdruck, der peinlich anzu⸗

den Hohlkehlen einklammerte. Gottes müßten einen Augenblick auf der kleinen Meierei Sancy verweilen und meine Seele befinde ſich ihm gegen⸗

drückte und meine Finger in Ich meinte, die Blicke

de gethan, aber ich weiß

nicht, welche geheime Eingebung mir ſagte, daß es nicht angenommen werde, und daß heute kein Tag zu Ver⸗ ſprechungen, ſondern ein Tag der Aufopferung ſei.

Ich konnte mi hinausgegangen wa

ch nicht erheben, als bis der Prieſter r; er wiſchte ſich eine Thräne ab. (Schluß folgt.)

Bekamumachungen von Be⸗ hoͤrden.

MN Immobiliar⸗Verſteigerung. (1237) Montag den 10. Oktober d. I,

Vormittags 10 Uhr, werden in hieſigem Rath⸗

hauſe die nachbeſchriebenen Immobilien des Bürgers Franz Albrecht Goll dahier, dermalen zu Oberwöllſtadt, als: Gemarkung Stadt Friedberg: Pag. 660. No. 38. 178,9[◻OKlafter 91 Ru⸗ then Acker im Lachenfeld an Johannes Supp, Ein Stall mit Höfchen in der Stadt neben Heinrich Hanſtein IV., öffentlich meiſtbietend verſteigert. Friedberg den 10. Auguſt 1853. In Auftrag Gr. Heſſ. Landgerichts Der Stellvertreter des Vorſtehers des Gr. Ortsgerichts H. Walz. Verſtei gerung der Pfand⸗ und Leih⸗Anſtalt zu Friedberg. 1383) Montag den 26. September d.. anfangend und die darauf folgenden Tage, von Vormittags 9 bis 12 Uhr und Nachmittags 2

bis 5 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſe die bis zu dieſem Termin die Verfallzeit erreicht habenden und nicht ausgelösten oder renovirten Pfänder, beſtehend in: Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Weißzeug, Herren und Frauenkleider, öffentlich meiſtbietend verſteigert.

Gleichzeitig werden die Schuldner der hieſigen Leih⸗Anſtalt hiermit aufgefordert, ihre bis jetzt resp. bis zum Verſteigerungstermin verfallenen Pfänder auszulöſen oder zu renoviren, widrigen⸗ falls deren Verſteigerung ſtattfindet. Die Aus⸗ löſung und Renovation findet nur an den hierzu beſtimmten Tagen: Montag, Mittwoch und Samſtag ſtatt.

Während den Tagen der Pfänderverſteigerung bleibt das Pfandlocal geſchloſſen, auch werden Steigerer, welche noch aus früheren Verſteige⸗ rungen mit Zahlungen im Rückſtand find, nicht zugelaſſen.

Friedberg den 5. September 1853.

Für die Pfandhausverwaltung: Der Großherzogl. Bürgermeifter Bed e

Edictalla dung.

1456) Anſprüche aller Art an den Wirth Nikolaus Schilling von Beienheim, über deſſen Vermögen Concurs erkannt worden iſt, find Mittwoch den 19. Oktober, Vormittags 9 Uhr,

bei Meidung ftillſchweigenden Ausſchluſſes von der Maſſe, dahier anzuzeigen.

Nicht perſonlich erſchienene, oder ordnungs⸗ mäßig vertretene, Gläubiger werden an die, von den erſchienenen im Termin gefaßt wer⸗ denden Beſchlüſſe in jeder Beziehung für ge⸗ bunden erachtet.

Friedberg den 8. September 1853.

Großherzogl. Landgericht Hofmann. v. Preuſchen.

Verpachtung der Kurwirthſchaft zu Bad Nauheim.

(4458) Dienſtag den 11. Oktober d. J., Vor⸗

mittags 10 Uhr, ſoll die Kurwirthſchaͤft beim Soolbade zu Nauheim für die nächſten zwei Jahre, unter den im Termine bekannt gemacht werdenden Bedingungen, welche auch vorher bei Kurfürſtlicher Badeinſpection daſelbſt einzuſehen ſind, öffentlich verpachtet werden.

Bewerber um dieſe Wirthſchaft haben ſich ſowohl über ihre Qualification zum Wirthſchafts⸗ belriebe, als auch über ihre Cautionsfähigkeit genügend auszuweiſen.

Nauheim den 13. September 1853.

Kurfürſtlich Heſſiſches Salzamt: K. Engelhard. F. Schreiber. R. Ludwig.

O beſt⸗Verſteigerung. (1460) Montag den 26. d. M., Vormit⸗

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