konnte auch der letzte ſein; jeder Tag konnte ſeine Ver— haftung und ſeinen Tod mit ſich bringen. Ich drang da— her ſelbſt in ihn, ſeine Abreiſe zu beſchleunigen, und zu den umherirrenden Ueberreſten der Armee zu ſtoßen.“
„Exiſtiren denn noch zuſammenhängende Armee— corps 9% fragte ich.
„Man verſicherte es,“ antwortete Henriette, mich erſtaunt anblickend.
„Und wo ſind dieſe, ich bitte Sie, ſagen Sie mir es.“
„In der That, Antonie,“ unterbrach mich Thereſe, „ich weiß nicht, woher Du Deine Fragen nimmſt?— Was wurde denn aus Deinem Vetter?“
„Du magſt Dir wohl denken, daß mein Bruder nichts verſäumte, um uns genaue Nachrichten über die Stellung der Vendéer zu verſchaffen, und über die Art, zu ihnen ſtoßen zu können. Geſtern endlich brachte er uns die Nachricht, daß es ihnen auf ihrem Rückzuge ge— lungen ſei, auf mehreren nahen Punkten die Republikaner zu zerſtreuen, und daß auf einem derſelben der Durchgang frei geblieben ſei.“
„Und dieſen Punkt, kennen Sie ihn?“ rief ich aus.
„Dieſe Frage machte auch der Chevalier. Es war kein Augenblick zu verlieren. Sie ſtiegen zu Pferde und eilten nach kurzem Abſchiede weg, welchen ich zu verlän— gern zitterte, denn ach! eine Minute zu ſpät konnte dem Feinde Zeit laſſen, dieſe letzte Hoffnung des Heils zu rauben. Meine Vorahnung täuſchte mich nicht, weil der Diener, welcher ſie bis auf den Punkt begleitet hatte, bei der Rückkehr nur mit Mühe den Colonnen der Republi— kaner entging, welche die ganze Umgegend wieder beſetzten und alle Ausgänge verſperrten.
„Die ganze Umgegend beſetzt, und es gab einen Durchgang?“ murmelte ich zwiſchen den Zähnen,„und Mondyon war in dieſem Schloſſe, und Adolph hat es nicht gewußt?...
„Dies iſt ſonderbar,“ fiel Henriette ein.„Auch er bedauerte dieſen Adolph, von dem Du ſprichſt, er nannte ihn oft, hoffte ihn wieder zu ſehen... Iſt er Dir viel— leicht bekannt?-
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„Sehr genau bekannt?“
„Sehr genau bekannt!“ ſagte Thereſe;„und Du errötheſt, Du zitterſt, wie Henriette, wenn ſie von ihrem Vetter ſpricht... Es iſt nicht recht, daß Du Geheimniſſe vor mir hatteſt...“
Ich lächelte über ihren Irrthum, und die Unterhal— tung ging in dieſem Augenblicke auf andere Gegenſtände über. Als wir bei Henrietten ankamen, fing es bereits zu dunkeln an, und ſo hielten wir uns nicht auf. Wir eilten in beſchleunigtem Schritte nach der Meierei zurück, damit unſere, etwas zu ſehr verlängerte Abweſenheit, Frau Aubert nicht beunruhige, und da uns Beide die Unterhal— tung mit Henrietten beſchäftigte, ſo ſprachen wir während des Gehens nicht. Mein Blut wogte bei dem Gedanken, daß Mondyon ſo nahe bei uns geweſen war, daß er das Haus bewohnt habe, in welches ich alle Tage ging, und daß er von dort aus eine Gelegenheit gefunden habe, wieder zur Armee zu ſtoßen; eine Gelegenheit, welche ſich mir vielleicht nie bieten dürfte, dem ſie um ſo nothwen— diger war, da meine Lage Thereſen gegenüber mein Herz mit Scham wegen eines Betruges und mit dem Gedanken, undankbar zu erſcheinen, erfüllte. In der Verwirrung, in welche mich dieſer Gedanke verſetzte, hatte ich meinen Schritt ſo ſehr beſchleunigt, daß Thereſe mir nicht mehr zu folgen im Stande war. Bereits hatten wir das Gitter— thor hinter uns, von welchen man aus den Gärten des Herrn Aubert auf's freie Feld gelangt, aber wir waren nichtsdeſtoweniger noch weit vom Hauſe entfernt. Beim Eintritt in ein Lieblingsgärtchen Thereſens ruhte ſie auf einem rohen Steine aus, den man in Form einer Bank dahin geſetzt hatte, und um welche ſie ſich das Vergnügen gemacht hatte, die wilden Kräuter und Mooſe zu pflanzen, welche unter den Felſen des Berges wachſen. Ich kehrte wieder um und ſah, daß ſie ganz erſchöpft war.
„Du denkſt nur an dieſen Adolph,“ ſagte ſie in vor— wurfsvollem Tone zu mir;„und ſeit wir Henrietten ver— laſſen haben, bemerkte ich wohl, daß Du Dich nicht mehr mit mir beſchäftigteſt.
(Fortſetzung folgt.)
Flurbuchs eingetragen ſind, dieſen Mangel unter
Güter ver feige zung.
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
c
Edicetalla dung.
(1290 Die Erben der verſtorbenen Johann Heinrich Eller IV. Wittwe Katharine, geborne Krauſch, von Birklar, haben den Nachlaß der⸗ ſelben unter der Rechtswohlthat des Inventars angetreten. Dieſelben können aber die Gläu⸗ biger nicht angeben und werden daher alle die⸗ jenigen, welche irgend Anſprüche an dieſe Nach— laßmaſſe glauben bilden zu können aufgefordert, dieſelben im Termin den 21. September l. J., Morgens 10 Uhr, ſogewiß hier geltend zu machen, als ſie ſonſt mit denſelben ausgeſchloſſen werden. Hungen den 26 Juli 1853. Großh. Heſſ. Landgericht daſ. Hoffmann. Limpert.
Bekanntmachung.
(1291) Für die Gemeinden Ober⸗ und Un⸗ terflorſtadt ſollen, zunächſt aus den früheren, für beide gemeinſchaftlichen Hypothekenbuche, eigene neue Hppothekenbücher errichtet werden. Als Commiſſär hierfür iſt der vorhinnige Bürger— meiſter Freſenius zu Langgöns beſtellt und es iſt derſelbe namentlich auch angewieſen worden, rückſichtlich aller derjenigen Hypotheken, in denen die Unterpfänder entweder nicht unter Bezeich⸗ nung der Gemarkung in der ſie liegen, oder nicht mit Beifügung der Pag. und No, des
Beiziehung der Ortsgerichte von Ober- und Unterflorſtadt zu ergänzen, ſofort den Uebertrag in die neuen Hypothenbücher zu bewirken. Dem⸗ gemäß werden alle Diejenigen, welche a) Schuldurkunden mit Unterpfänder aus den Gemarkungen Ober- und Unterflorſtadt beſitzen, die noch gar nicht im Hypotheken⸗ buche eingetragen find, oder welche b) Schuldurkunde mit Unterpfänder beſitzen, bei denen entweder nicht angegeben iſt, ob ſie in Ober⸗ oder Unterflorſtädter Gemar⸗ kung liegen, oder bei denen die Bezeich⸗ nung nach Pag. und No. des Flurbuchs ſehlt, aufgefordert, jene Urkunden ſogewiß binnen 6 Wochen, von heute an, bei dem genannten Com⸗ miſſäre in Florſtadt vorzulegen, damit das Er⸗ forderliche wegen demnächſtigen Eintrages im Hypothekenbuche gewahrt werden könne, auch ihre gutfindende Mitwirkung zu vollſtändiger und richtiger Bezeichnung der Unterpfänder in dem neuen Hypothekenbuche eintreten zu laſſen, als ſie ſonſt die Nachtheile, welche daraus, daß beſtehende Pfandrechte in das neue Hypotheken- buch entweder gar nicht, oder nicht mit richtiger Bezeichnung der Unterpfänder eingetragen wer— den, ſich ſelbſt beizumeſſen haben, Niemanden deßhalb in Anſpruch nehmen und namentlich einen Vorzug, einem etwaigen ſpäteren, in dem neuen Hypothekenbuche eingetragenen Pfand— gläubiger gegenüber, nicht anſprechen können. Friedberg den 8. Auguſt 1853. Gr. Heſſ. Landgericht
Hofmann
(1292) Donnerſtag den 6. Oktober d. J. Vormittags 11 Uhr, werden in hieſigem Rath⸗ hauſe die nachbeſchriebenen Güterſtücke des Bür⸗ gers Thomas Becker 1. dahier, nämlich: Gemarkung Stadt Friedberg: Pag. 447 Nr. 11 1 Morgen 26 Ruthen Acker im Großgalgenfeld in der 2. Gewann,
„ 616„ 56 1 Morgen 1 Vrtl. 31 Ruthen im Lachenfeld in der 3. Ge— wann, die Steinritſch,
öffentlich meiſtbietend verſteigert.
Friedberg den 22. Auguſt 1853.
In Auftrag: Gr. Hef. Landgerichts der Vorſteher des Gr. Ortsgerichts Bender.
Hofraitheverſteigerung.
(1293) Montag den 29. Auguſt d. J., Vormittags 11 Uhr, wird in hiefigem Rath⸗ hauſe die Hofraithe des Auguſt Seibert dahier, nämlich: Pag 20 Nr. 115 u. 116 Hofraithe neben Nico. laus Schleuning und Johannes Schäfer, auf Grund eines eingelegten Nachgebots noch⸗ mals öffentlich meiſtbietend verſteigert Friedberg am 22. Auguſt 1853. 7 In Auftrag Gr. Heſſ. Landgerichts: Der Vorſteher des Großh. Ortsgerichts Ben de v.
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