Ausgabe 
23.7.1853
 
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Intelligenz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

M 57.

Sonnabend den 23. Juli

1853.

Amtlicher Theil.

Das Großherzoglich Heſſiſche Kreisamt Friedberg an die Gr. Bürgermeiſter des Kreiſes.

Während des zweimonatlichen Urlaubs des Großh. Domänenraths Buß iſt zum Rentamtsvicar des Rentamts Friedberg der Gr. Oberfinanzkammer-Acceſſiſt Grünewald beſtellt worden. Zur Bekanntmachung in Ihren Gemeinden ſetze ich Sie hiervon in Kenntniß.

Friedberg den 18. Juli 1853.

de Beauclair, Kreisaſſeſſor.

Das öde Landhaus. Ein Reiſeabenteuer. (Fortſetzung.)

Sobald der junge Mann fort war, nahm Ruy Gon- zalez ſein früheres einnehmendes Werben wieder auf, und würde wohl bei mancherlei empfehlenswerthen Eigenſchaf ten, welche beſonders in den Augen einer Dame von Werth ſein mußten, ihr Herz gewonnen haben, wenn es frei geweſen wäre. So wie aber nun die Sachen ſtun den, wünſchte ſie nichts dringender als ihn loszuwerden, und wartete mit wahrer Spannung auf den Augenblick, wo er ihr durch eine förmliche Werbung Gelegenheit geben würde, ihm ihre Hand zu verweigern, weil ſie hievon allein ein Aufgeben ſeiner Abſichten und ſeine ſofortige Abreiſe erwartete. Allein ob aus Behutſamkeit oder weil er ihre Gedanken errieth, laſſen wir dahin geſtellt, genug, die erwartete Erklärung ſeinerſeits erfolgte nicht, obwohl er ſeine Aufmerkſamkeiten emſig fortſetzte und den größten Theil ſeiner Zeit lieber in dem Landhauſe des Herrn v. Beaugency, als auf ſeinem eigenen Gute in Catalonien verbrachte. Endlich begann Fräulein v. Beau gency zu fürchten, er wolle das Ergebniß ſeiner eigenen Wahrnehmungen bei dem nächſten Beſuche des Vetters abwarten, und da ſie vollkommen überzeugt war, daß bei dem nächſten Zuſammentreffen der beiden Nebenbuhler ein Streit unvermeidlich ſeie, ſo beredete ſie den Vater, den Zeitpunkt des Beſuchs des Vetters dießmal zur Reiſe und zum Beſuch bei ihrem Bruder zu benützen. Zugleich ſchrieb ſie an Eugen, entſchuldigte ihre Abweſenheit und bat ihn, in dieſem Augenblicke lieber nicht zu kommen. Freilich hieß all dieß den verhängnißvollen Tag nur hinausſchieben;

allein ihr ſchwante einmal ein Unglück und ſie kannte kein anderes Mittel, demſelben vorzubeugen, um ſo mehr als ſie bemerkte, daß ihre Verbindung mit dem Grafen der Wunſch ihres Vaters und ihres Bruders war und daß dieſe Beiden kaum jemals in ihre Heirath mit Eugen willigen würden, weil dieſer noch gar kein Auskommen für ſich beſaß und auch in den nächſten Jahren kaum eine genügende Verſorgung zu gewärtigen hatte. Natürlich war dieſe Wendung der Dinge dem jungen Liebhaber nicht angenehm, und die Reihe des Eiferſüchtig-werdens kam nun an ihn. Anſtatt wegzubleiben, wie Henriette ihn ge beten hatte, machte er ſich nun mit Kurierpferden auf den Weg mit dem feſten Entſchluſſe, Henrietten und ihrem Vater von ihrem Wohnorte aus nach Catalonien zu fol gen und mit dem Grafen eine eutſcheidende Erklärung her beizuführen. Seine Eiferſucht und peinliche Unruhe ward aber beſchwichtigt und jeder Gedanke an Rache ihm vor erſt unmöglich gemacht, als er bei der Ankunft auf des Oheims Gute dieſen im Todeskampfe, ſeine Geliebte in tiefſter Verzweiflung und den ſpaniſchen Grafen nicht an weſend fand. Der Antritt der Reiſe war durch Herrn v. Beaugency's plötzliche Erkrankung unmöglich gemacht worden, und der alte Herr ſtarb nach mehrtägigem Kran kenlager in den Armen ſeiner Tochter, ohne von dem Liebesverhältniß der beiden jungen Leutchen etwas zu wiſſen, und hatte noch mit ſeinem letzten Athemzuge ſeine Tochter gebeten, den Grafen zu heirathen. Der Grund, auf welchen dieſe Bitte ſich ſtützte, ward ſchnell offenbar, als man den Vermögensſtand des Verſtorbenen unterſuchte; er hatte längſt ſchon von ſeinem Kapital gelebt, und von ſeinem in Trümmer gegangenen Vermögen war beinahe Nichts übrig geblieben, als dieſes Landhaus, und ein kleines, darauf ſtoßendes Grundſtück. Dieß war natürlich für das junge Paar eine ſehr unangenehme Enttäuſchung, weil Beide vor dieſer Entdeckung ſich verabredet hatten, binnen ſechs Monaten zu heirathen; Fräulein v. Beau gency hatte nämlich die Hoffnung gehegt, ihr Erbe werde Beiden ein genügendes Auskommen bieten. Nunmehr konnte natürlich von einer Heirath nicht die Rede ſein, bevor nicht Eugen die Mittel zum Unterhalt für eine Familie hatte. Im damaligen Augenblicke hatte er gar Nichts; er war Advokat ohne Praxis, hatte ſeither nur von dem beſcheidenen Stipendium gelebt, das ihm ſein Oheim reichte, und ſich drei Viertheile des Jahres kuͤm⸗ merlich behelfen muͤſſen, um nur das letzte Viertheil auf dem Gute des Beaugency's zubringen zu können. Und wie viele Zeit mußte vergehen, bevor er nur einigen