wußt. Als er, nach zwanzigjähriger glücklicher Ehe, ſeine gute treue Friederike zu Grabe geleiten mußte, fühlte er in der That ihren Verluſt ſchmerzlich. Ihm war— wie dieß in ſolchen Augenblicken einem zärtlichen Herzen ſtets begegnet— als habe er ihr niemals Gerechtigkeit wider⸗ fahren laſſen, als habe er ſie nie ſo geliebt, wie es ihre ſeltene, überſchwengliche Herzensgüte verdiente. Und doch konnte man ſich keinen rückſichtsvolleren, aufmerkſameren Gatten denken, als er geweſen war, und Friederike hatte ihn noch vor ihrem Ende geſegnet und ihm für das zwanzigjährige Glück gedankt! Und er vergegenwärtigte ſich nun Tag und Nacht, wie unendlich werthvoller und beſſer ihr ſchlichter Verſtand bei der großen Gutmüthigkeit und ihrer liebevollen ſtillen Anmuth geweſen war, als alle hohe Bildung, Poeſie und aller Geiſt, der je ſich in die ſchönſte leibliche Geſtalt gekleidet. Dabei war es ihm nicht eben leid, daß ſeine älteſte Tochter Fanny— ſeine hübſche muntere Fanny— nicht allein anmuthig und ſchön, ſondern auch geſcheidt und witzig war; vielmehr war er in der That ſehr ſtolz auf Fanny. Er liebte zwar alle ſeine Kinder herzlich, allein Fanny war doch vorzugsweiſe ſein Augapfel, ſeine rechte Lebensfreude. Er hatte Emilie v. Holz faſt ganz vergeſſen, und wenn er ihrer je gedachte, ſo geſchah es eher mit Gleichgültig— keit, als mit vergebender Verſöhnlichkeit. Er hatte ſeit ihrer vermeintlichen Verheirathung nichts mehr von ihr gehört, da er ſchon zuvor den Umgang mit ihren Ver— wandten abgebrochen, und es gefliſſentlich vermied, je Erkundigungen uber ſie anzuſtellen. Somit hatte er auch von ihrer wirklichen Verheirathung mit Herrn v. Schön⸗ feld noch Nichts vernommen, und ſie war für ihn ſo gut wie verſchollen.—
Mittlerweile war Emiliens Ehe nicht ſo glücklich geweſen, wie die ihres früheren Geliebten. Herr v. Schönfeld war ein eigenſinniger, jähzorniger und despo— tiſcher Mann von ſehr gemeiner Denkungsweiſe. Er zankte beſtändig um Kleinigkeiten, brach ſtets Anlaß zum Hader vom Zaume, und konnte Tagelang über irgend einen kleinen Verſtoß gegen die Etikette ſich ſtreiten, durch welchen er ſich gekränkt oder zurückgeſetzt wähnte. So war ſeine Frau inmitten all des Pomps und Glanzes, der ſie umgab, ein ſehr unglückliches hülfloſes Geſchoͤpf. Gar häufig in Stunden der Einſamkeit und Schwermuth kehrten ihre Gedanken zu den kurzen ſchönen Tagen ihrer Jugendliebe zurück, und ihre Seele weidete ſich in der Erinnerung an jene Scene auf dem Balkon, wo Guſtav und ſie mit verſchlungenen Händen und übervollen Herzen in den ſinkenden Stern und die anbrechende Morgenröthe geblickt und geliebt, gefühlt, gedacht hatten, als wären ſie nur Ein Herz und Eine Seele,— bis ihr die Gegen— wart nur wie ein Fiebertraum und die Vergangenheit allein wie Wahrheit und Wirklichkeit erſchien. Sie konnte wenigſtens damals nicht von ihm hintergangen worden ſein, denn er hatte ſie geliebt. Sie fragte ſich, ob ſie ihm nicht vielmehr Unrecht gethan, ob nicht ein Mißver— ſtändniß vorgewaltet habe, irgend ein noch unerklärter Zwiſchenfall? Er hatte ſie ja gewarnt vor ſeiner ſtolzen eiferſüchtigen Gemüthsart, und ſie fühlte nun wohl, daß ſie ihm hätte ſchreiben und eine Erklärung verlangen ſollen. So hatte ſie ihr Glück mit Füßen getreten und ihr Schick⸗ ſal verdient. Dann aber erinnerte ſie ſich, daß ſolche Gedanken für ſie— die Gattin des Herrn v. Schönfeld J unſchicklich, ſündhaft ſeien, und die Vorwürfe ihres Gewiſſens hierüber machten ſie noch unglücklicher. Aber Emilie beſaß große Charakterſtärke und hohen Rechtsſinn; und in dieſen ſtillen inneren Kämpfen entwickelte ſich zu⸗ erſt die Tiefe und Stärke ihres Charakters. Theilweiſe
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um ihre Gedanken von Gegenſtänden abzulenken, die ihrer Ruhe gefährlich werden konnten, theilweiſe in Folge eines natürlichen inneren Dranges ſuchte ſie ihre geiſtigen Gaben emſig weiter auszubilden, während ihr Herz reichen Erſatz fand in der Liebe zu ihrem Söhnchen und der Sorge für ihre zahlreichen, nicht ſämmtlich ſo glänzend verheiratheten Geſchwiſter, welche mit unbeſchreiblicher Innigkeit an ihr hingen. So erlernte ſie die ſchwere Aufgabe:„zu dulden und ſtark zu ſein und ihrem Looſe die heiterſte Seite ab— zugewinnen; ſie war ſich bewußt, zwar eine traurige Gattin, dafür aber auch eine um ſo weiſere und geprüftere zu ſein, und wußte, daß Weisheit durch kein Opfer zu theuer erkauft wird. f
Frau v. Schönfeld war etwa fuͤnf Jahre verhei— rathet geweſen, als ihr Gatte ſtarb. Sein Teſtament bezeugte, daß wenn er ſie auch bei Lebzeiten unglücklich gemacht hatte, er doch nicht unempfindlich gegen ihren wahren Werth geweſen war, denn er überließ ihr nicht nur ein ſehr ſchoͤnes Witthum, ſondern auch die alleinige Verwaltung ihres namhaften Vermögens. In der kind— lichen Liebe und der allmähligen geiſtigen Entwickelung ihres kleinen Sohnes fand die arme Emilie endlich ihr Glück, in welches ſich natürlich auch manche trübende Elternſorge mengte. Sie liebte den Knaben über Alles, aber ihre Liebe war von ſo weiſer und unſelbſtſüchtiger Art, daß ſie ihn nicht verhätſchelte, während ihre mütter— liche Liebe ihr zum weitern Sporn ward, ihren eigenen Geiſt und Charakter zu veredeln. Es beſeelte ſie der edle Ehrgeiz, dem Knaben nicht blos leibliche Mutter, ſondern auch die Schöpferin und Bildnerin ſeines Gemuths und Charakters zu ſein.
(Fortſetzung folgt.)
Kirchenbuchs-Auszug von Friedberg. Monat Februar.
Se Keine.
Get aufte:
5. Dem hieſigen Bürger und Gaſtwirth Ludwig Conrad Theobald ein Sohn, Ludwig Conrad, geb. den 12. Jan.
6. Dem Bürger in Niederorka, dermalen an der Main— Weſer⸗Bahn dahier angeſtellt, Tobias Artz ein Sohn, Johann Konrad Karl, geb. den 22. Januar.
6. Dem Bürger zu Butzbach und Aktuariatsgehülfen da— hier Johann Chriſtian Hagemann ein Sohn, Johann Adam Heinrich, geb. den 16. Januar.
13. Dem hieſigen Burger und Spenglermeiſter Karl Frick ein Sohn, Karl Friedrich Chriſtian, geb. den 25. Jan.
13. Dem hieſigen Burger und Kaufmann Wilhelm Hein⸗ rich Fertſch ein Sohn, Wilhelm Valentin, geb. den 18. Januar.
20. Dem Ortsbürger zu Kaulſtoß und Bahnwärter auf der Main-Weſerbahn Johannes Vierheller ein Sohn, Karl, geb. den 3. Februar.
Bie ezridiigtien;
1. Johannes Köhler, Feldwebel im vierten Gr. Heſſ. Infanterieregiment, alt 41 Jahre, 3 Monate und 25 Tage, 7 den 30. Jau.
2. Georg Ludwig Gebhardt, emeritirter Oberpfarrer und geiſtlicher Inſpektor zu Rodheim, alt 80 Jahre, 4 Monate und 14 Tage, 1 den 30. Jannar.
3. Antonie Margarethe Johanna Anna Hanſtein, des hieſigen Bürgers und Rothgerbermeiſters Philipp Han⸗
ſtein Töchterlein, alt 5 Monate und 6 Tage, 5 den 2. Februar. N
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