Ausgabe 
23.2.1853
 
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Der verlorengegangene Brief. Ein Lebensbild in Novellenſform von C. Baldamus. 1 0

Es mögen etwa dreißig Jahre her ſein, daß in einem an dem ſchönſten Platze Berlins gelegenen Hauſe eine Abendgeſellſchaft mit Ball die ſchönen Räumlichkeiten füllte. Das volle Licht der Lampen und Kerzen ſpielte ſich in den noch herrlichern von ſchönen Frauenaugen und die frohen Töne verſchiedener Inſtrumente begleideten die an muthigen Bewegungen der tanzenden Paare, die ſich in den Touren des Cottillons, der Contretänze und Quadrillen verſchlangen. Hier und da ſaß ein Pärchen in einer ſtillen Ecke und erfreute ſich offenbar des heimlichen Genuſſes einer unſchuldigen Koketterie, und ein Paar, das entweder romantiſcher oder ernſter geſtimmt war, als die anderen, hatte ſich ſogar auf den Balkon hinausbegeben, um deſto ungeſtoͤrter plaudern zu können. Nach dem leiſen ernſten Tone und der Aufmerkſamkeit zu ſchließen, mit welcher ſie ſich unterhielten, ſchien ihre Unterhaltung Beide ſehr zu

eſſiren.

8 5 war im Hochſommer. Die Mitternachtsſtunde, der Schlußſtein an des Himmels ſchwarzem Dom, war ſchon vorüber, und das erſte Grauen eines Sommermor geus belächelte ſchon mit traulichem Zwielicht die Straßen und Plätze von Preußens großer Hauptſtadt, und die grünen Bäume und Grasparterres ſeiner Parks. Der Morgenſtern, groß, mild und glänzend, ſenkte ſich am klaren Horizont, und zur Linken des aumuthigen Planeten ſtand ein zartes Purpurwölkchen, am Rand beſäumt mit dem erſten Goldſtreif der Morgenröthe. Ein leiſer Wind ſäuſelte durch die Kronen der Bäume im Garten drunten, und fächelte die heißen Wangen des ſchönen Paares, welches hier plötzlich verſtummt, Auge und Herz an der ausnehmenden Schönheit dieſes ſelten genoſſenen Natur ſchauſpiels und der merkwürdigen Reinheit der Atmoſphaͤre weidete, die heute Berlins Anſichten die venetianiſche Durchſichtigkeit der Bilder Canaletti's geden zu wollen chien.

1 Das ſchöne Paar waren zwei Liebende, ſeit wenigen Tagen erſt verlobt, Eines mit dem Andern wetteifernd an ausdrucksvoller Schönheit und an Liebreiz. Des Mannes hochgewachſene wohlgebildete Geſtalt verrieth Kraft, Be weglichkeit und Gewandtheit, und der geiſtvolle, kluge Ausdruck ſeines Geſichts hätte ſelbſt minder ſchönen und intereſſanten Zügen den Stempel des Ungewöhnlichen auf geprägt. Der Blick ſeines dunklen Auges zeigte, wenn es liebevoll auf ſeiner ſchöͤnen Begleiterin haftete oder hinausblickte in der mit der Dämmerung ringenden Tag, ein warmfühlendes liebendes Herz und einen ſtolzen Sinn. Und ſtolz im edlen Sinne des Worts war Guſtav Wart mann auch in der That; er war ein Mann, der es unter ſeiner Würde gehalten hätte, eine unehrenhafte Handlung zu begehen, und der um alle Schätze der Welt ſein Ge wiſſen nicht mit einer Unwahrheit befleckt hätte; aber er war ſehr empfindlich gegen Kränkungen, konnte ſie lange nicht vergeſſen, und hätte ſich um Alles in der Welt nicht dazu bequemt, zuerſt eine Ausſöhnung nachzuſuchen. Da bei war er aber, wie viele andere ſtolze Menſchen, offen herzig, freigebig und großmüthig und ſtets zur Vergebung geneigt, wenn man ſie von ihm erbat; denn die Art von Demüuͤthigung, welche in einer ſolchen Bitte liegt, iſt für den Stolzen eine weit größere Huldigung als die gewand teſte Schmeichelei, weil ſie gewiſſermaßen ihm eine Ueber⸗ legenheit zugeſteht. Allein gegen ſeine Emilie war Guſtav voll Nückſicht und Zärtlichkeit, und ſie, das argloſe Mäd chen mit dem ſchlichten gläubigen Vertrauen der Jugend

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und der Liebe, hielt ihn fuͤr das Ideal der Vollkommen⸗ heit und bewunderte ſogar ſeinen Stolz. Emilie war ein wunderherrliches Mädchen, von einer Schönheit von ganz ſeltener, vergeiſtigter Art. Wie ſie ſo daſtund, auf den Arm ihres Verlobten gelehnt, ihre hohe aber an muthige und biegſame Geſtalt umwallt von der leichten Draperie ihres weißen Gewands, das Auge in ſtummer Bewunderung dem aufdämmernden Morgenlichte zugekehrt, hätte man ſie ohne ſonderlichen Aufwand von Phantaſie für eine Sonnenprieſterin halten können, die in ehrfurchts voller Andacht dem Erſcheinen des Feuergottes entgegen harrte. Der Teint und Schnitt ihres Geſichts hätten dieſe Vermuthung noch beſtätigen können, denn während den erſten eine makelloſe Reinheit und durchſichtige Bläſſe auszeichnete, ſo drückte ſich auf ihren regelmäßigen zarten Zügen hoher Verſtand und gewiſſe ernſte, obſchon ſtille Begeiſterung aus, und ein großes, lebhaftes, hellbraunes Auge von unbeſchreiblicher Sanftmuth, ein ſchöngeſchwun gener kleiner Mund verliehen dieſem Antlitz eine gewiſſe Lebendigkeit und Weihe der Schönheit. Ihr reiches ſeiden weiches Haar vom zarteſten Hellbraun umfaßte in ein fachen breiten Flechten das vollkommene Oval ihres Ge ſichts, nur mit einem friſchen natürlichen Jasminzweige geſchmückt.

Iſt dieß nicht wunderſchön, mein lieber Guſtav? fragte Emilie endlich in jenem eigenthümlich leiſen Tone, welcher der naturgemäße Ausdruck aller ſchöneren und tie feren Gefühle iſt.Mir iſt in dieſem Augenblick, als ſollte mich das Glück erdrücken, als wäre dieß Alles nur ein inniger ſchöͤner Traum von Liebe und Gluck, zu ſchön um Dauer zu haben, wie ſentimentale Leute ſagen. Noch niemals in meinem ganzen Leben fühlte ich mich ſo feierlich, ſo glückestrunken wie in dieſem Augenblick.

So geht's auch mir, meine ſüße Emilie, meine liebe kleine Dichterin; aber mir ſcheint, dieß iſt nur eine Folge der Liebe, denn ſie verſtärkt und verklärt alle Em pfindungen!

Unſere beſten Gefühle! beſtätigte Emilie.

Vielleicht unſer ganzes Weſen, fuhr Guſtav fort. Es iſt z. B. weit ſchwieriger, eine Geringſchätzung von denen zu ertragen, die wir lieben, als von einer verhält mäßig gleichgültigen Perſon!

Geringſchätzung? fragte Emilie.Kann denn ſolch ein Unding jemals vorkommen zwiſchen Menſchen, die ſich wahrhaft lieben, wie wir? Sind wir einander nicht Alles in Allem? Iſt unſer Glück nicht untheilbar?

Allerdings! und der Glaube daran iſt mein Stolz und meine Freude, meine ſüße Emilie! Ich füͤhl's in meiner eigenen Bruſt, daß die Nadel dem Magnet nicht treuer iſt, als meine Gedanken und Gefühle Dir. Es ſoll die erſte Sorge meines ganzen Lebens ſein, Dir alles Ungemach und alle Unannehmlichkeiten zu erſparen; allein ich erwarte dieſelbe Hingebung, die ich Dir zubringe; Un freundlichkeit könnte und würde ich um Alles in der Welt nicht ertragen. 1

O Guſtav, Guſtav! rief ſie, halb zärtlich, halb im Tone des Vorwurfs;wie magſt Du dieß von mir denken oder mir ſagen?! Ich zweifle an Dir nicht, mein theurer Guſtav, denn ich beurtheile Deine Liebe nach der meinigen!

Er blickte ihr in die liebevollen aufrichtigen Augen, die ſie vertrauend zu ihm aufgeſchlagen hatte, und erwiderte mit vor Rührung zitternder Stimme:Vergib, mir, Emilie! ich vertraue Dir unbedingt. Aber es war eine Idee in mir aufgetaucht, von der ich nicht einmal den Gedanken ertragen kann, der mich faſt wahnſinnig macht, eben weil ich im Uebermaaß liebe. Kurzum,

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