Wohl weiß ich etwas, ſagte gerührt der Paſtor, das nämlich, daß Gott oft über unſer Bitten und Verſtehen an uns thut!
Jetzt blickte ihn auch Lorenz fragend an.
Iſt es wahr, Herr Paſtor, fragte der betroffen, wiſſen Sie etwas von Fritz. 40
Ja! ſagte kaum ſeiner ſelber mächtig der alte Mann.
Da ſprangen ſie Alle von ihren Sitzen auf und um⸗ ringten ihn und riefen: O reden Sie! Reden Sie! 5
„Beruhigen Sie ſich erſt, ſagte er. Was ich weiß, iſt eine ſichere Nachricht, daß er bald kommt! N
Sie täuſchen uns! rief Rickchen. Er iſt hier! O mein Traum lügt nicht! mein Herz ſagt mir's. 5
Nun ja denn, ſagte der Paſtor endlich, ja, er iſt hier und wartet nur, bis ich ihm hier die Stätte bereitet habe; aber ich ſehe, er hätte einen Andern, als mich, ſchicken müſſen, und er wiſchte ſich die Thränen ab.
Wo iſt er? rief Rickchen ganz außer ſich. a
Lieber Lorenz, ſagte Paſtor Müller, ich ſehe, es iſt fuͤr ihn und für Sie kein Wartens mehr. Eilen Sie an den Schwanen. Dort iſt er!
Der Paſtor hatte kaum ausgeredet, da pochte es leiſe an der Thüre. Sie hörten's kaum. Und als Lorenz wegeilen wollte, da ſtand vor ihm die hohe Geſtalt eines ſtattlichen Mannes, deſſen Antlitz von der Sonne des Südens ſtark gebräunt war. g
Fritz, mein Fritz! rief Rickchen, und lag an ſeiner Bruſt, und der ſtarke Mann, der ſo oft dem Tod ins Angeſicht geſehen in wilder Feldſchlacht, ohne daß er bebte, zitterte jetzt ſo, daß er faſt umgeſunken wäre.—
Aber das überſelige Mädchen zog ihn zu den Groß— eltern, und es war ein ergreifender Augenblick, als er ſeine Kniee beugte und die weinenden Alten ihre zitternden Hände ſegnend ihm auf das Haupt legten.
Und der Paſtor ſagte: Siehe dieſer, mein Sohn, war todt und iſt wieder lebendig geworden!
Das, was nun folgte, können Worte nicht gut be⸗ ſchreiben; aber Ihr, meine lieben Leſer, Ihr fühlet's tief in Euren Herzen.
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Die Ankunft des Todtgeglaubten erregte die ganze
Stadt. Wer ihn gekannt, eilte herbei, ihn zu begrüßen,
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und freute ſich, wie er ſo glückſelig neben ſeiner, immer noch blühend ſchönen Braut ſaß und ihre Hand in der ſeinen hielt, als fürchte er, ſie nochmals zu verlieren.
Am andern Tage ſagte der Bediente: Herr Obriſt, ich meine, mit dem Junggeſellenſtande wird's bald ein Ende haben! Ich will nur einſtweilen Ihre Piſtolen zu⸗ recht machen, um die Ehrenſchüſſe zu thun.
Das kannſt du, ſagte lachend der Obriſt, aber er⸗ ſchrecke mir meine lieben Großeltern nicht!
Und wirklich, nach etwa vier Wochen traute der alte Paſtor Müller das glückliche, vielgeprüfte und treu erfundene Paar.
Das Landgutkaufen gab Fritz fürs Erſte auf, weil er die lieben Großeltern in ihrem häuslichen Weſen laſſen wollte. Lorenz's Haus war geräumig genug für ſie, und ſo konnte die junge Frau auch noch den Vater und die Großeltern pflegen. Als aber dieſe endlich ihr Auge ſanft, wie der Gerechte ſtirbt, im Tode geſchloſſen hatten; als Lorenz ſein Geſchäft an ſeine zwei älteſten Söhne ab— gab, und dem Gatten ſeiner jüngſten Tochter, einem braven jungen Manne, das Haus des unglückſeligen Franz gekauft hatte, wo er ſich ebenfalls ein Geſchäft in Glas und Porzellan errichtete, da kaufte der Obriſt ein Land⸗ gut in der Nähe der Stadt, und ſie zogen dahin, um in der Stille ihres Glückes froh zu werden, und Vater Lo⸗ renz beſchloß ſeine Tage bei ihnen und wiegte ihre lieb⸗ lichen Kinder auf ſeinen Knieen.
Von Franz aber muß ich berichten, daß, nachdem eine Menge Zeugen verhört worden waren, zu denen lei⸗ der auch Lorenz und der Obriſt gehörten, der langwierige Prozeß endlich entſchieden wurde. Er bekam lebensläng⸗ liche Zuchthausſtrafe. Stets war er während des Pro— zeſſes frech und ſchamlos geweſen; als er aber unter den Belaſtungszeugen Fritz Wilken, den ſtattlichen Obriſt, er⸗ blickte, da zuckte er in ſich zuſammen, und es war von dem Augenblick an ſein frecher Uebermuth gebrochen. Nur leiſe antwortete er auf die an ihn geſtellten Fragen, und als nach dem Urtheilsſpruche der edle Obriſt zu ihm trat und ihm die Hand mit den Worten reichte: Möge dir Gett vergeben, wie ich dir vergebe, da fielen ein paar
heiße Thränen auf die Hand des Ehrenmannes. Möchten
es Thränen aufrichtiger Buße geweſen ſein!
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
NM NN Bekanntmachung.
(4610) Bei dem Auguſtiner Schulfond da⸗ hier ſind 3000 fl. auszuleihen, welche gegen gerichtliche Sicherheit ganz oder auch vertheilt abgegeben werden. Friedberg den 12. Oktober 1853. Der Großherzogl. Bürgermeiſter Bender.
Obligations-⸗Verlooſung.
(1636) Von den Wörrſtädter Partial⸗Obli⸗ gationen über je Einhundert Gulden, iſt die Nr. 58 zur Auszahlung gezogen worden. Das Geld kann am 31. Dezember 1853, wo der Zinſenlauf aufhört, entweder bei dem Gemeinde⸗ Einnehmer dahier, oder bei dem Handlungshauſe J. Lindheimer in Frankfurt a. M. in Empfang genommen werden.
Wörrſtadt am 8. Oktober 1853. Der Großherzogl. Bürgermeiſter
Gro ſch.
Bekanntmachung. (1612) Montag den 31. d. M., Vormit⸗
tags um 10 Uhr, ſollen im Hinterhof der Burg⸗
caſerne dahier 25 Stück Oefen nebſt ſonſtigem Gußeiſen und Gehölz, ſowie 20 Stück noch ſehr brauchbare Feuerſchippen, Feuerkluften, eiſerne Blasrohre, Aexte, Sägen und Sägeböcke, gegen gleichbaare Zahlung meiftbietend verſteigert wer⸗ den. Dieß den Steigliebhabern zur Nachricht.
Friedberg den 12. Oktober 1853. In Auftrag: Ramſpeck, Oberquartiermeiſter.
Ver ste i ge vue g
getragener Montirungsſtücke und ausrangirter Bettteppiche.
(1633) Mittwoch den 26. d. M., Vormit⸗ tags um 8 Uhr anfangend, ſoll in der Kloſter— caſerne dahier eine bedeutende Parthie getragene Montirungsſtücke, als: Mäntel, Röcke, Hand⸗ ſchuhe, Spencer, Mützen, wollene Hoſen und Gamaſchen, Unterhoſen, Halsbinden, Hemden, Socken und Schuhe, ſowie ausrangirte Bett— teppiche gegen gleichbaare Zahlung meiſtbietend verſteigert werden.— Dieß den Steigliebhabern zur Nachricht und zugleich mit dem Erſuchen an die Herren Bürgermeiſter der Umgegend, dieſe Verſteigerung, im Intereſſe ihrer Gemein⸗ den, gefälligſt bekannt machen laſſen zu wollen.
Friedberg den 16. Oktober 1853.
In Auftrag: Ramſpeck, Oberquartiermeiſter.
Strohlieferung.
(1643) Montag den 24. Oktober d.. Vormittags 11½ Ühr, wird in hieſigem Rath⸗ hauſe die Anlieferung von 1200 Pfund Korn⸗ ſtroh, zur Einwinterung der ſtädtiſchen Obſt⸗ bäume, öffentlich an den Wenigftfordernden verſteigert.
Friedberg den 19. Oktober 1853. Der Großgherzogl. Bürgermeiſter
e nid ener.
Immobiliar-Verſteigerung. (16A) Montag den 24. Oktober d. 3.5 Vormittags 11 Uhr, werden in hieſigem Rath⸗ hauſe die Immobilien des Bürgers Franz Al⸗ brecht Goll, dermalen zu Oberwöllſtadt, wie ſolche im Intelligenzblatt No. 75 verzeichnet find, nochmals öffentlich meiſtbietend verſteigert.
Friedberg den 19. Oktober 1853. In Auftrag Großh. Heſſ. Landgerichts: Der Vorſteber des Großh. Ortsgerichts Ben der.
Güterverpachtung. (1645) Donnerſtag den 27. Oktober d. J., Nachmittags 2 Uhr, werden in hieſtgem Rath⸗ hauſe die Kanzleidiener Meier'ſchen Beſoldungs⸗ ſtücke am langen Weiher in einzelnen Abthei⸗ lungen nochmals und zwei ſtädtiſche Grundſtücke
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Hofraithe 9) Montas 55 10 lh de zum Nachlaſſe ſirende, in der 9 Hofraithe öffentlich ßriedberg dei
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(1650) Monte Vormütags 11 U. hause die Immobd Bender dahier, n Nr. 77 verzeichne meiſbietend verſtei Friedberg den
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Mobilie 4631) Dorn. Juumittags 9 U Mhauſung des v dahſer die zu deff Allen, beftehend in Ahe, Stühle, S
ſowie ſonſtige Dau bittend gegen Bg driedderg ar
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