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ntelligenz-Blatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
M 18.
Mittwoch den 22. Juni
1853.
Amtlicher Theil.
Das Großherzoglich Heſſiſche Kreisamt Friedberg an die Gr. Bürgermeiſter des Kreiſes. Betreffend: Die Einſendung der Viehſtandstabellen.
Die Einſendung der Viehſtandstabellen für 1853 haben Sie innerhalb 8 Tagen zu bewirken. Friedberg den 13. Juni 1853. de Beauclair, Kreisaſſeſſor.
Der alte Sergeant. Von Dr. Th. Meyer.
(Fortſetzung.)
Im Jahre 1841 war mit vielem Pompe durch einen königlichen Prinzen die Leiche Napoleon's von St. Helena nach Paris geſchafft worden und hatte in allen Herzen der alten treuen Anhänger des großen Kaiſers ihre Aufer— ſtehung gefeiert. François, der graue Sergeant der ehe— maligen Garde, hatte zwar halb bedenklich, halb unmuthig den Kopf dazu geſchuͤttelt, ſeinem ſchlichten, geſunden Sinne ſchien, der todte Kaiſer paſſe nicht recht in das lärmende, neue Paris hinein, man hätte ihn ruhig in ſeinem Felſengrab im fernen Meere draußen belaſſen ſollen. Aber die zerfallene Aſche dieſes Abgottes übte doch auf das alte Soldatenherz ſeinen wunderbaren Zauber aus, ſie rief ihm die vergangenen glorreichen Tage wieder in's Gedächtniß und damit die Sehnſucht nach ihnen. Er er— fuhr, wie wenig die alte Liebe zu dem Helden erloſchen war und mit aller Macht zog es ihn zu den letzten Ueber— reſten deß, von dem er ja ſich ſelber als einen Theil fühlte. War es gleichwohl faſt nur der Gedanke noch, welcher dem verwesten Moder einige Bedeutung einhauchte, ſo war doch das ganze eigentliche Leben, das Wirken des Jünglings und des Mannes mit all ſeinen Hoffnungen, ſeinem Streben und ſeinem Lieben in dieſer Erinnerung enthalten und der ganze Kern ſeines Daſeins hatte die feſteſten Wurzeln in jener vergangenen Zeit und der Bo— den der Gegenwart mit ihren Intereſſen war ihm fremd. Napoleon, auch ſeinem kleinſten und vergänglichſten Theile nach, in Frankreich zu wiſſen und fern von ihm bleiben, ſchien dem alten Getreuen etwas Unerträgliches; er ent⸗ ſchloß ſich daher, beſonders da er das Alter und deſſen
Gebrechen näher heranrücken fühlte, in die Nähe der ver— ehrten Aſche zu ziehen und dort das Loos zu erwarten, das den großen Mann ſchon lange erreicht hatte. Es ſchien Frangois, bei dem Sarge ſeines Kaiſers müſſe ihm ſelber der Reſt ſeiner Tage heiterer vorübergehn und der Tod leichter werden. Marie, die ſchon Jahre lang von ihrem Emil nichts gehört, von dem ſie mit dem Vater nicht reden konnte, da dieſer jetzt weniger als je der jun⸗ gen Armee Gerechtigkeit wiederfahren ließ, fügte ſich ſtumm und ohne Gegenrede, den ſtillen Ort ihrer Jugend, ihre und des Geliebten Geburtsſtätte zu verlaſſen, um nach Paris zu ziehen: dort könne ſie ſo gut an den Geliebten denken als hier, meinte ſie, und Nachrichten erhalte ſie in der Hauptſtadt wohl noch leichter als in dem abgelegenen Dörfchen. Am Anfang hatte ſie zwar auch den Vater nach den Kriegsnachrichten gefragt, die Reden des Alten aber, der ihre Liebe zu vertilgen hoffte, hatte ihr Herz zu oft durchbohrt, als daß ſie es länger thun mochte. Bald hatte Francois, zu ihrem Beſten und um ſie von der thö⸗ richten Leidenſchaft zu heilen, wie er meinte, ihr die Wan— delbarkeit der männlichen Liebe vorgehalten; wie Emil in der Ferne bei dem Wechſel ſeiner Umgebungen und der Menge der Verſuchungen wohl kaum noch ſeiner erſten Jugendliebe im heimathlichen Dorfe gedenken werde. Und als Marie dieſe Untreue mit einem ihr eigenen Kopf— ſchütteln nicht wollte gelten laſſen, bemühte er ſich, in greller Farbe die Gefahren zu ſchildern, denen der Jüng— ling entgegengegangen und wohl auch erlegen ſei. Durch ſolche grauſame Liebe erreichte aber der Vater bei ſeinem Kinde keinen andern Zweck, als daß daſſelbe ſchwieg und ſein Fürchten und Hoffen im geheimſten Innern verſchloß. Wohl fiel Francois das in ſich gekehrte Weſen des Mäd— chens auf und ihre Stille, ſowie die Bläſſe der Wangen, der Ernſt des Gemüthes, der alle frühere Munterkeit ver— bannt hielt; aber ſie klagte nicht, ſelten auch ſah ſie ver— weint aus und in ihrem häuslichen Wirken trat keine Veränderung ein, ſie war im Gegentheil aufmerkſamer, zärtlicher gegen den Vater. Er ließ ſie darum gewähren und ſchrieb die Umwandlung, vielleicht ſich ſelber gerne täuſchend, mehr der gereiften Jungfräulichkeit zu, als einem heimlichen Leiden der Seele. Geräuſchlos beſorgte Marie Alles, was zur Abreiſe erforderlich war, ſie ſtand dem Vater bei der Veräußerung des kleinen Gutes muſterhaft zur Seite und Jedermann rühmte ihre Verſtändigkeit und wünſchte ſich eine ſolche Tochter.
Die Anordnungen zur Abreiſe waren getroffen, der Wagen mit den nöthigſten Habſeligkeiten ſtand gepackt vor


