Ausgabe 
22.1.1853
 
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Ich will nicht baſta! war die Antwort.

Der ſeltſame Fremde ſtand vom Stuhle auf und wollte ſich entfernen; ſchon hatte er die Thürklinke er⸗ faßt, da wandte er ſich noch einmal raſch zu dem Geld menſchen zurück, ſtellte ſich ihm vor dem Tiſche gegenüber, mit verſchränkten Armen und mit der düſtern Glut der Verzweiflung im Blick. i

Hören Sie mich nur noch einen Augenblick an! ſagte Ormeille in einem Tone tiefer, mühſam bewältigter Leidenſchaft, der wie das hohle Murren des Meeres vor einem Sturm erklang;es iſt für mich eine Frage um Leben und Tod, daß ich noch vor Sonnenuntergang Geld bekomme. Leihen Sie mir nur zweihundertundfünfzig Franken, und ich bezahle Ihnen innerhalb Jahresfriſt zwölfhundert zurück. Ich will Ihnen alle Macht über mich einräumen, die das Geſetz nur einem Manne über einen andern geben kannn, und will Ihnen noch überdieß meine Ehre, die ich noch niemals verpfändete, zum Pfand einſetzen!

Der Wucherer lächelte beinahe, ſo ſeltſam ſarkaſtiſch verzerrten ſich ſeine Züge, als er auf dieſe Worte lauſchte; aber eiſig⸗kalt erwiderte er:Ich zweifle nicht an Ihrer Ehre, aber die Ehre hat Nichts mit Geſchäften zu thun. Was das Recht und das Geſetz anlangt, ſo gibt es ein gutes altes Sprüchwort, das da ſagt: Wo nichts iſt, da hat auch der Kaiſer ſein Recht verloren!

Bernard Ormeille betrachtete die ſteinharten kalten Züge und den leidenſchaftsloſen Mund, der dieſe Worte ſo ruhig ſprach, mit jenem tiefkränkenden ſchmerzenden Zorn eines Mannes, der ſich vergeblich gedemüthigt hat. Nichtsdeſtoweniger klammerte er ſich an den unerbittlichen alten Wucherer wie an einen Fels in der Sündfluth, und eine Regung wilder Rachgier überkam ihn auf einen Augenblick, als er noch näher auf den leibhaftigen Geld kaſten vor ihm hinzutrat, während der Wucherer halb entſetzt vor dem brennenden Blick der weitgeöffneten Pu pillen ſeines Beſuchers zurückprallte,. Dann legte Or⸗ meille dem Geldverleiher die Hand auf die Schulter mit einer Geberde ſchrecklicher Vertraulichkeit, welche zugleich imponirte und Aufmerkſamkeit für ſeine Worte heiſchte, und hub mit einer plötzlichen Klarheit und ſogar muſika⸗ liſchen Deutlichkeit der Ausſprache, welche ſeine Worte in

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ihrer feierlichen Verzweiflung noch erſchütternder machte, an:Alter Mann, ich bin in Verzweiflung, ich bin in Verzweiflung, ich bin ruinirt. Erſt vor wenigen Mo⸗ naten ſtarb mein Vater und hinterließ mich nicht allein blutarm, ſondern umgeben von kleinen Verbindlichkeiten, welche mich ſeither in jedem Schritte gehemmt haben, den ich gerne gethan hätte. Ich habe keine Zeit, keine Ruhe, um einen ſolchen Aufſchwung zu nehmen, wie ihn meine Stellung erfordert. Heute früh habe ich meinen letzten Franken ausgegeben. Ich bin zu ſtolz, um zu betteln, und Borgen iſt Betteln, wenn man von einem Manne weiß, daß er in wirklicher Verlegenheit iſt. Binnen einer Stunde von jetzt an werde ich alle Qualen eines Lebens überwunden haben, an deſſen Erhaltung mir um meiner ſelbſt. willen ſehr wenig liegt. Und doch habe ich meine Jugend wohl angewendet, um mir Schätze zu ſam meln, die nur noch eine kurze Friſt zum Wohl der Menſch⸗ heit und zu meinem eigenen Nutzen ertragsfaͤhig gemacht hätte. Meines Vaters beſchränkte Mittel und die mei⸗ nigen ſind aufgezehrt worden in der Verfolgung meiner Studien und im Abgrund von Leiden, die noch härter und hülfsbedürftiger waren, als die uuſrigen. Wenn ich ſo ſterbe, ſo gehen mit mir die Ergebniſſe der Experimente, die Studien meines Vaters und die Opfer zu Grunde, welche er gebracht hat... Es gibt Augenblicke, wo alle gewöhnlichen Berechnungen und Klugheitsmaßregeln leeres Geſchwätz ſind. Das Leben iſt der einzige wirkliche Be ſitz, den wir haben, der Tod die einzige Gewißheit. Hören Sie mich an ich will Ihnen noch einen einzigen letzten Vorſchlag machen. Leihen Sie mir nur hundert Franken das ſind für mich zehn Wochen Leben und ich ſchwöre Ihnen, daß wenn ich am Leben bleibe, ich Ihnen für jeden geliehenen Frank hundert, alſo zehntauſend Franken wieder erſtatten werde. Geben Sie zu, daß auf der einen Seite zwar ein kleines Wagniß, auf der andern aber ein großer Gewinn in Ausſicht iſt! Und gilt Ihnen denn überdem das Bewußtſein gar Nichts, ein Menſchen leben gerettet zu haben? Der Fremde brach bei den letzten Worten in ein lautes, bitteres, faſt aberwitziges Lachen aus, welches den Wucherer mit einem eiskalten Schauer überrieſelte.

(Fortſetzung folgt.)

Bekanntmachungen von Be hoͤrden.

NN NN NN Immobiliar-Verſteigerung. (2) Montag den 14. Februar 1853, Vormit⸗ tags 11 Uhr, werden in hieſigem Rathbauſe die dem hieſigen Bürger Franz Albrecht Goll zu ſtehenden Immobilien, als: Gemarkung Stadt Friedberg: Pag. 42 No. 247 Hofraithe, als Wohnhaus an Philipp Holler, 191 13 155,3 Klafter= 79 Ruthen Garten am Gäßchen, an Friedrich Netz, öffentlich meiſtbietend verſteigert. Friedberg den 29. Dezember 1852. , In Auftrag Großh. Heſſ. Landgerichts Der Großherzogl. Bürgermeiſter Be Fx u cht v ex ſt e i ger un g. (56) Montag den 24. Januar d. J., Nach⸗ mittags um 2 Uhr, werden in hieſigem Rath⸗ hauſe von den Frucht⸗Vorräthen des Auguſtiner Schulfonds dahier 50 Malter Korn zweimalter weiſe öffentlich meiſtbietend verſteigert. Friedberg den 13. Januar 1853. Der Großherzogl. Bürgermeiſter Bender.

Bekanntmachung. (83) Montag den 24. d. Mts., Vormittags um 10 Uhr, ſoll der Dünger in den Senk gruben der beiden Caſernen, ſowie des Haupt- wachegebäudes dahier, auf die Jahre 1853, 1854 und 1855 in dem Büreau des Bataillons verwaltungsraths auf dem Soumiſſionsweg an den Meiftbietenden vergeben werden. Dieß den Intereſſenten mit dem Anfügen zur Nach richt, daß die Accordsbedingungen von heute an in oben genanntem Büreau eingeſehen wer den können. Friedberg den 17. Januar 1853. In Auftrag: Ramſpeck, Oberquartiermeiſter. Holzliefe rung. (85) Freitag den 28. d. Mts., Vormittags um 10 Uhr, ſoll die Lieferung von 192 Stecken Buchen ⸗Scheitholz für die Garniſon dahier in dem Büreau des Bataillonsverwaltungsraths auf dem Soumiſſtonsweg an den Wenigſtneh menden vergeben werden. Dieß den Intereſſen⸗ ten mit dem Anfügen zur Nachricht, daß die Lieferungsbedingungen von heute an in oben genanntem Büreau eingeſehen werden können. Friedberg den 17. Januar 1853. In Auftrag: Ramſpeck, Oberquartiermeiſter. Verſteigerung getragener Montirungs ſtücke, ſowie ausrangirter Bettteppiche. (84) Donnerſtag den 27. d. Mts., Vormittags

um 8 Uhr anfangend, ſoll in der Kloſtercaſerne dahier eine bedeutende Parthie getragener Mon tirungsſtücke, als: Mäntel, Tuchhoſen, Mützen, Handſchuhe, Röcke, Spencer, wollene Gama ſchen und Schuhe, ſowie ausrangirte Caſerne requiſiten gegen gleich baare Zahlung meiſtbie⸗ tend verſteigert werden. Dieß den Steiglieb⸗ habern zur Nachricht und zugleich mit dem Er ſuchen an die Gr. Herren Bürgermeiſter der Umgegend, dieſe Verſteigerung im Intereſſe ihrer Gemeinden gefälligſt bekannt machen laſſen zu wollen.

Friedberg den 17. Januar 1853.

In Auftrag: Ramſpeck, Oberquartiermeiſter.

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Bekanntmachung, betr. Holzverſteigerung in dem Gr. Domanial wald Burgwald, Forſtreviers Oberrosbach. (8˙7) Freitag den 28. d. M. ſollen in dem oben gedachten Walddiſtriete ½ Stecken Birken⸗Scheitholz,

2 2 10 Eichen⸗ 77 2 Nadel⸗* 3 Buchen. Prügelholz, 9 Birken⸗ 51 Nadel⸗. 11 Buchen-Stockholz, 54½ Birken- und Nadel⸗Stockholz,

2300 Wellen Buchen⸗Reisholz, 5057 Birken⸗ 1

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