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des Menſchen, dem ſie in ihrer Wuth nicht gleichzukommen im Stande waren.
Der Kampf war beendet, der Kranich in den Grund gebohrt, und nur wenige ſeiner Mannſchaft und einige Ballen geraubter Güter auf die beiden Linienſchiffe ge rettet. Abdul Horem war, an den großen Maſt gebunden, welchen er dem Hochbootsmann zugedacht hatte, durch die erſte Kugel getödtet worden.
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Zu Neapel in einer Taverne am Ufer des Meeres ſaß, das Kinn auf ſeinen Degenknopf geſtützt, ein Offizier der neapolitaniſchen Marine. Sein Gesicht trug Spuren des tiefſten Kummers, und er hörte dem redſeligen Wirthe theilnahmlos zu, als dieſer in breiten Worten die neue Waffenthat des Königs Murat erzählte, welcher erſt Tags vorher in eigener Perſon und auf ſeinem Linienſchiffe, die Möve genannt, ein Korſarenſchiff in den Grund gebohrt hatte, und, mit unermeßlicher Beute beladen, in den Hafen von Neapel eingelaufen ſei.„O! der kann Alles,“ fuhr der redſelige Gaſtwirth fort,„Fechten, Tanzen, Reiten, ein wahrer ritterlicher Held der chevaleresken Zeit.“
„Kann er mir auch meine Gattin wieder geben?“ ſagte der Offizier traurig vor ſich hin.
„Gewiß, Signor, tröſtete der Wirth,„wenn es je Einer im Stande iſt, Euch von Eurem Leid, das Euch ſo unverkennbar auf der Stirn geſchrieben ſteht, zu befreien, ſo iſt es unſer König.“
Da trat ein munterer Lazzarone in die Taverne und begehrte eine Flaſche Madeira. Der Wirth, der ohne⸗ hin wußte, daß ein Lazzarone ſelten auf eine Bezahlung dachte, ſchüͤttelte ungläubig den Kopf.„Lacrymä Chriſti, wollte Er ſagen, mein Freund„entgegnete er ſpottend, ſchwieg aber ſogleich, als das Augenpaar des Lazzarone drohend aufblitzte.— Der Marineoffizier aber nahm ein Glas, und reichte es in gutmüthiger Laune dem armen Lazzarone dar.„Trinke,“ ſagte er,„dann wollen wir eine Partie Billard zuſammen ſpielen.“
Der Lazzarone ſah ihn groß an.„Mit Euch,“ rief er,„ſpiele ich nicht, Ihr ſchwingt den Tago nicht ſelten über dem Haupte des Mitſpielenden.“
Der Marineoffizier war betroffen.
„Ihr kennt mich?“ rief er.
„Ich kenne Euch, Ihr ſeid der Marinekapitän Bollieu, dientet früher als Chaſſeurlieutenant in franzöſiſchen Reihen und ſucht nun Eure Gattin, welche vor drei Tagen auf einem marokkaniſchen Raubſchiff aus Neapel entführt wurde.“— Bollieu war außer ſich vor Ueberraſchung. „Ja, Signor, auch Lauretta ſuchte Euch hier;“ fuhr der Lazzarone fort;„ſie war ſeit jener Scene im ruſſiſchen Eddelhofe, ohne Geld, ohne Hilfe, nach Warſchau ge— wandert, rang drei Monate lang mit einem gefährlichen Fieber und verkaufte ihr letztes Geſchmeide, um Eure Spur nach Neapel zu verfolgen.“
„Und wo iſt ſie jetzt?“ rief Bollieu; der Lazzarone ſchwieg.—„Und wer ſeid Ihr?— Gott!— quält mich nicht länger, ich flehe Euch an!“—
„Hm!“ meinte der Lange,„Ihr habt mir da gaſt— freundlich Euer Glas geboten, als ihr glaubtet, ich ſei ein ſo armer Teufel, daß ich mir nicht einmal eine Flaſche Madeira kaufen könne. O! wir Lazzaroni haben auch unſern guten Verdienſt. Nun, ich will Euch entgegen einladen, auch bei mir ein Gläschen Lacrymä, wie der Wirth da mir verhieß, zu trinken; kommt morgen in die Straße Toledo, dort wird ein Freund von mir an der Ecke bei der Säule des heiligen Prokopius auf Euch warten, gebt ihm dieſes verſiegelte Billet, und— das
Weitere ſollt Ihr dann bei mir erfahren.“— Bollien wollte noch nach Lauretten fragen, aber der Lazzarone war aus der Taverne verſchwunden.
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In ſeinem Pallaſte zu Neapel ſtand der ritterliche König Joachim Murat J. in ſeiner prachtvollen Reiter— uniform, welche mit Gold und Silber durchwirkt war, ſo daß der karmoiſinrothe Urſtoff kaum zu erkennen war; am Haupte trug er ein Baret mit verſchiedenartigen Straußfedern geſchmückt und in einen Reiherſtutz mit dia— mantener Agraffe endigend; ein blaues Koller ſchmückte die Bruſt, und enge golddurchwirkte Stiefeletten um⸗ ſchloſſen den fein geformten Fuß. Der ſpaniſche Geſandte hatte eben den Audienzſaal verlaſſen und die Generäle des Königs ſtanden mit entblößtem Haupte um ihn her— um, da trat Macerone, der Vertraute des Königs, herein, und fluſterte Murat einige Worte in's Ohr. Der König lachte und nickte bejahend. Macerone entfernte ſich, und in wenig Augenblicken öffneten ſich die Flügelthüren und der Marinekapitän Bollieu trat in den Saal und ver⸗ neigte ſich vor der Majeſtät. Murat nickte freundlich, und als Bollieu die Augen aufſchlug, glaubte er in der Perſon des Königs leibhaftig die Geſichtszüge des Lazzarone zu erkennen, den er geſtern in der Taverne getroffen hatte. Lächelnd ob der Verlegenheit des Kapitäns, nahm der König das Wort.„Ich ſehe,“ ſagte er,„Ihr habt meiner Einladung Folge geleiſtet, und Ihr kommt nun nebſt mei⸗ nem Freund Macerone, der Euch in der Straße de Toledo erwartete und hieher führte, eine Flaſche Madeira mit mir zu leeren.“
„Wäre es Eurer Majeſtät gefällig,“ ſtammelte Bollieu. N
„Ich verſtehe,“ lächelte der König, und darauf wandte er ſich zu den Anweſenden.
„Meine Herren,“ ſagte er laut und nicht ohne Rüh⸗ rung,„dieſer Mann hat mich einſt geſchlagen;— nicht mit dem Schwerte in offener Feldſchlacht,“ ſetzte er hinzu, „nein, das würde Murat nicht ungerächt laſſen, mit dieſer ſeiner Fauſt, die ſo gut den Schwertgriff führt, hat Ka— pitän Bollieu mich geſchlagen. Sehen Sie, meine Herren,“
ſetzte er halb bitter hinzu,„ſehen Sie hier den letzten
Splitter des Stockes, mit dem Murat, der König von Neapel, geſchlagen wurde.“ Und Murat zog ein Roſa⸗ band aus der Bruſttaſche und hielt dem zu Boden ge— ſchmetterten Bollieu den letzten Splitter der ominöſen Billardſtange hin. Tiefes Schweigen herrſchte im Saale. „Aber,“ fuhr der bewegte Koͤnig fort,„man ſoll es dem Könige von Neapel nicht nachſagen, daß er irgend einen Schlag ungerächt hinnahm. Ja, mein Herr,“ ſagte er zu dem Hauptmann,„der einſtige Marqueur von Cahors, der jetzige Konig von Neapel, hat den Schlag, den ihm der Chaſſeurlieutenant Bollieu mit der Billardſtange er— theilte, nicht vergeſſen. Jetzt iſt der Zeitpunkt, wo er ſein Wort löſen wird.“
Murat winkte, und weit auf ſprangen die Flügel⸗ thüren des Saales, und von ſechs himmelblauen von Gold ſtrotzenden Pagen geleitet traten der königliche Ober— hofmeiſter, der Ceremonienmeiſter und Reichsherold in den Saal und reichten dem König auf einem ſchwarz⸗ ſammtnen Polſter ein Ordensband und das Reichsſchwert geziemend dar. Trompeten ertönten und mit Hoheit ſprach Murat, der König von Neapel:„Mit dieſem letzten, dem Ritterſchlag, als vollſtändige Sühne für den dem armen Marqueur von Cahors ertheilten Schlag,“ ſetzte er leiſer hinzu,„ernenne ich Euch, Hauptmann Bollien, zum Ritter meines Reiches und verbinde Euch
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