Intelligenz-Vlatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke
im Beſonderen.
M TA.
Mittwoch den 21. September
1838.
Amtlicher Theil.
Das Großherzoglich Heſſiſche
Kreisamt Friedberg
an ſämmtliche Großh. Bürgermeiſter des Kreiſes. Betreffend: Die Ableiſtung des Verfaſſungseldes von Seiten der jungen Ortsbürger.
Indem ich Sie benachrichtige, daß Dienſtag den 4. Oktober d. J., Vormittags 11 Uhr, die Ableiſtung des Verfaſſungseides durch die jungen Ortsbürger auf dem Rathhauſe dahier ſtattfindet, ſehe ich der Einſendung der vorgeſchriebenen Berichte längſtens bis zum 30. d. M. bei Meidung von unangenehmer Verfügung entgegen.
Friedberg den 14. September 1853.
de Beauclair, Kreisaſſeſſor.
Thereſe Aubert. Wahrheit und Dichtung in Form einer Memoiren-Novelle. Von Charles Nodier. (Fortſetzung.)
„Ich verſtehe Dich vollkommen,“ antwortete ſie. „Was Du mir ſagſt, habe ich ſchon oft in meinem Herzen gefühlt, ehe ich daran dachte, daß ich ſo unglücklich wer— den würde, und ehe ich vermuthen konnte, daß ich Dein Leben nicht beſchützen, ſtützen, verſchönern ſolle! Allein dieß war wohl nur eine jener Täuſchungen der Jugend, für welche die ganze Zukunft in einem Augenblicke von Trunkenheit und Entzücken liegt. Du wirſt ſtets mein Alles ſein, was auch kommen mag, denn mein Herz wird nie das traurige Vorrecht haben, wechſeln zu dürfen. Ich werde Dich mein ganzes Leben hindurch ſo lieben, wie ich Dich geliebt habe, weil ich Dich ſtets ſo ſehen werde, wie ich Dich geſehen habe, und kein neuer Eindruck kann mir mehr durch dieſe erloſchenen Augen zukommen, weil mein ganzes Leben nur aus Eindrücken der Vergangenheit be— ſtehen und keine Gegenwart mehr haben wird. Aber wirſt Du nicht, ſo jung noch und ſo lange verur— theilt, der einzige Gedanke eines armen, unvollkommenen, gebrechlichen, entſtellten Mädchens zu ſein, wirſt Du nicht einen Ueberdruß und Widerwillen empfinden? Du erzürneſt Dich darüber,“ fuhr ſie lächelnd fort. O! Du biſt ein gewandter Mann, voll Erfahrung und Verſtand, der das Leben ſchon ſo genau kennt, wie wenn er es ſchon mehrmals durchgelebt haͤtte! Quäle doch dieſen Liebhaber von 17 Jahren nicht mit dem Gedanken, daß es keine ewig fortdauernde Gefühle gebe, und daß der Zwang einer Verbindlichkeit, deren man überdrüſſig iſt,
nicht am Ende einen Geiſt zu ermüden im Stande iſt⸗ welchen ſelbſt das Glück zuletzt ermüdet hätte! Höre! verſprich mir nicht ſo viel. Ich bin ſehr vielbegehrlich; ich liebe viel, und ſo iſt es wohl auch natürlich, daß ich von dem viel verlange, den ich liebe. Verſprich mir, dieſe Verbindlichkeit kann man einhalten, Dein ganzes Leben hindurch mir Deine Freundſchaft zu bewahren; ver— ſprich mir, daß, wenn Du eine Andere liebſt, Du es mir nicht ſagſt, denn ich will Alles lieben, was Du liebſt, und dieſe, das fühle ich wohl, vermöchte ich nicht zu lieben. Erlaube mir auch da zu leben, wo Du lebſt; und wenn ich Dir einmal zur Laſt falle, verſprich mir, Dich ſo zu benehmen, daß ich es nicht fühlen muß. Dieß ſind viele Opfer, aber ich begreife ſie, und darum erwarte ich ſie von Dir. Jeden andern Schwur erlaſſe ich Dir im Voraus.,— Ich wollte ſprechen, ſie aber ſuchte mit der Hand meinen Mund und hielt ihn feſt zu. Ich ſtand verzweiflungsvoll auf, und ging in einer Art von Wuth im Zimmer auf und ab. Als ich ſah, wie ſie unruhig wurde, näherte ich mich ihrem Bette und berührte ſie. „Thereſe,“ ſagte ich zu ihr,„endigen wir dieſen traurigen
Streit! Du ſprichſt wie ein Weib und tödteſt Deinen Freund. Weißſt Du, daß es nicht ſchwerer fallen kann,
ganz zu endigen? Du verweiſeſt auf die Ewigkeit? Gut! ſo gehen wir in die Ewigkeit! und wenn Deine Seele vor dem Tode zurückbebt, nun ſo will ich Alles auf mich nehmen. Schaudere nicht ſo; Gott wird uns nicht zu— rückſtoßen. Es gibt Handlungen der Kraft, welche über die gewöhnlichen Geiſteskräfte und Urtheile der Menſchen gehen, die aber Gott zu würdigen weiß, und die vor ihm Gnade finden, wenn auch die verächtliche Weisheit des großen Haufens ſie verweigert. Da nun unſere Exiſtenz auf dieſer Erde verloren, auf immer vernichtet iſt, und Du kein anderes Mittel kennſt, als ſie vermittelſt eines Uebereinkommens zu verbeſſern, welches uns Beide er— niedrigen würde, ſo iſt dieß ein Zeichen, daß Gott damit einverſtanden iſt, und uns zu ſich ruft. Glaube nicht, Thereſe, daß ſeine unermeßliche Güte auf zwei unſchuldige Seelen, die er mit Vorliebe gebildet hat, ſo viel Uebles häufen würde, wenn er uns nicht den Zeitpunkt, zu ihm zurückzukehren, damit andeuten wollte. Fürchte nichts, Thereſe! Wenn ich hinreichende Stärke in mir finde für das, was ich begreife, ſo iſt es darum, weil mir dieſe Stärke gegeben iſt; weil es in den Beſchlüſſen des Him— mels feſtſteht, daß wir zuſammen ſterben, und daß ich Dich in meinen Armen zu unſerm himmliſchen Vater trage, ehe die Zeit gekommen iſt, Dich für die Ewigkeit in Beſitz
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