Seite fiel das Bedürfniß, von Thereſen geliebt zu werden, auf der andern aber die gebieteriſche Pflicht, weder The— reſens Freundſchaft, noch das Vertrauen ihres Vaters zu täuſchen, in die Waage; und ſo konnte ich nicht länger ſchwanken. Ich ſuchte daher nach einer Gelegenheit, oder vielmehr ich erwartete zitternd eine, und ſie ließ nicht lange auf ſich warten.
Thereſe hatte eine Freundin, welche eine halbe Stunde von dem Hofe entfernt, in einem freundlich gelegenen Schloſſe wohnte, welches man von dem Kreuzberge aus ſehen konnte, und deſſen Baumgärten, die amphitheatraliſch ſich erhoben, eine Terraſſe begränzte, welche mit Kirſch— bäumen bepflanzt war. Am Fuße derſelben breitete ſich ein hübſcher Garten aus, durch welchen das Bächlein floß, welches ein wenig weiter oben aus einem ſchmalen, von jungen Buchen beſchatteten Thälchen kam und die Hügel von Sancy bewäſſerte. Der Fußweg ſchlängelte ſich in tiefem Einſchnitte durch eine enge Schlucht, zwiſchen zwei mäßig hohen Hügeln, die ſich jedoch weithin er— ſtreckten. Einige wenige, zerſtreut liegende Häuſer, welche beinahe alle ſeit dem Kriege unbewohnt waren, eine ver— laſſene Mühle an einem Waſſerfalle, der nun faſt völlig verſiegt, die Ueberreſte einer abgebrannten Hütte, zwiſchen deren geſchwärzten Mauerſtücken der häusliche Herd zu erblicken war, an welchem ſo manche Freuden und Leiden vorübergegangen waren, endlich einige Feldhäuschen, in denen die armen Arbeiter aus den benachbarten Stein— brüchen bei Unwetter Schutz ſuchten, war Alles, was den Blick auf ſich lenken konnte. Dieſer Fußpfad wurde unſer gewöhnlicher Spaziergang, weil Thereſens Freundin ſtets auf halbem Wege uns begegnete. Sie war von adeligem Stande, und hieß Henriette v. F...; obgleich unglückliche Verhältniſſe das Gefühl ihrer Geburt und den Stolz ihres
2 260 E
Charakters eher vermehrt als vermindert hatten, ſo war es doch nicht möglich, im Umgange ein einfacheres und anſpruchloſeres Weſen zu finden. Henriette war etwas älter als wir. Ihr Name, ihre Erziehung, ihre Manieren ſchienen ihr eine Ueberlegenheit zu geben, welche ſie ſtets abzulegen ſich bemühte, und die ihr völlig zur Laſt wurde, wenn man ſie bemerkte. Sie beſaß eine Art von Ko— ketterie, welche ſelten ſein muß; es koſtete ſie nur Mühe, einfacher und natürlicher ſich zu geben. Uebrigens war ſie in ihren Gefühlen ſo natürlich, in ihrem ſich Gehen— laſſen ſo freimüthig, daß man ſich ſogleich daran gewöhnte, von ihr ſich geliebt zu ſehen, und daß man leicht begriff, daß Thereſe ſie lieben müſſe. Ihre Freundſchaft für The— reſe war in meinen Augen weitaus ihr größter Reiz; aber ich fühlte doch, daß ein Mann, der Thereſe nie ge— ſehen hätte, durch Henriettens Liebe glücklich werden konnte. Obgleich nicht ſo ſchöͤn wie Thereſe, ſo war ſie nichtsdeſtoweniger ſehr hübſch, wenn auch ihrer Phyſiog— nomie das harmoniſche Ganze fehlte; aber ſelten waren wohl melancholiſchere Züge durch einen Ausdruck ſo ganz beſonderer Fröhlichkeit belebt. Zwar war dieſer Ausdruck ſehr flüchtig, aber er zeigte ſich ſo oft, daß man ihn ohne den Contraſt, den er hervorbrachte, für gewöhnlich hätte halten können. Ihr Blick, der bald vor Fröhlichkeit leuch⸗ tete, dann ſich plötzlich verfinſterte und ſtarr und düſter wurde, ihr häufiges Lachen, auf welches plötzliches Still— ſchweigen, eine duſtere Unbeweglichkeit folgte, und einen auffallenden Wechſel zwiſchen Aufregung und Niederge— ſchlagenheit bildete, machten den Gedanken an dieſe Froͤh— lichkeit läſtig und drückend. Man ahnte unwillkürlich, daß hinter dieſer vorübergehenden Täuſchung, welche ſie ſich machte, ein unglückliches Verhältniß ſich verberge. (Fortſetzung folgt.)
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
S
Hofraitheverſteigerung.
(1235) Montag den 22. Auguſt d. J., Vor⸗ mittags 10 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe auf freiwilligen Antrag des iſraelitiſchen Ge— meindevorſtandes dahier die nachbeſchriebene Be⸗ nediet Caſſella'ſche Hofraithe, als:
Gemarkung Stadt Friedberg:
Pag. 76. No. 60. Wohnhaus mit Hofraithe an Simon Immerod, 5 öffentlich meiſtbietend verſteigert. Friedberg den 10. Auguſt 1853. In Auftrag: Der Stellvertreter des Vorſtehers des Gr. Ortsgerichts H. Walz.
Oeffentliche Aufforderung.
(126) Heinrich Wolf und ſeine Ehefrau Katharina, geborne Weil zu Rockenberg, ent⸗ liehen unterm 25. Oktober 1828 bei Pfarrer Leun in Münzenberg ein Kapital, angeblich 700 fl. zu 4½ pCt. verzinslich, und verpfän⸗ deten hierfür 7 in der Gemarkung Oppershofen gelegene, zu 555 fl. taxirte Güterſtücke. Die Schuld ſoll nach vorgelegter Beſcheinigung ab⸗ getragen worden ſeyn; da jedoch die Original urkunde zum Zwecke der Löſchung des Eintrags nicht beigebracht werden kann, ſo ſind irgend welche Anſprüche an dieſe Hypothek binnen 6 Wochen ſo gewiß dahier geltend zu machen, widrigenfalls deren Löſchung im Pfandbuche verfügt werden wird. Butzbach den 12. Auguſt 1853. Großberzogl. Landgericht Ebel. Muth.
iz ö e te ige ag (1254) Montag, den 22. d. Monats, wer⸗ den in den Diſtrikten„Dickerbuſch, Tannenwieſe, an der Straße und längs der Straßheimer Hecken“ an den Meiſtbietenden verſteigert:
2½ Stecken Nadel⸗Scheitholz,
9785 1 Eichen⸗ 2
979„ Nadel-⸗-Prügelholz;
4„ Eichen⸗Stockholz; 1%„ Nadel⸗Stockholz; 4475 Stück e u. Birken⸗ 50 uchen⸗ 7 563„ Nadel- und Backwellen; 500„ Ginſter⸗
13 Stämme Nadelbauholz von 6 10 Zoll Durchmeſſer und 2570 Fuß Länge und 1395 Stück Nadelſtangen(Baumſtützen, Ge⸗ rüſtſtangen ꝛc.) Die Verſteigerung beginnt Vormittags 9 Uhr im Diſtrikt„Dickerbuſch.“ Ockſtadt den 13. Auguſt 1853. Freiherrl. v. Franckenſtein'ſches Rentamt in g erer,
Obligations-Verlooſung.
(1265) Bei der heute ſtattgehabten Obliga⸗ tions⸗Verlooſung wurde die Obligation No. 58 zu 100 fl. zur Rückzahlung beſtimmt. Der Inhaber derſelben wird aufgefordert, den Be— trag am 1. Oktober 1853 bei Gemeinderechner Haas dahier in Empfang zu nehmen, indem von dieſem Tage an keine weitere Zinſen mehr vergütet werden. Fauerbach II. den 8. Auguſt 1853. Der Großherzogl. Bürgermeiſter ee
Arbeits Verſteigerung.
(1266) Montag den 23. d. M., Vormittags um 10 Uhr, ſollen auf dem Rathhaus zu Op⸗ pershofen die in dem Schulhauſe daſelbſt vor⸗
kommende Reparaturarbeiten öffentlich an den Wenigſtnehmenden verſteigert werden. Der Vor⸗ anſchlag beträgt:
1) Planirarbeit 40 fl.— kr 2) Maurerarbeit 50%„ 3) Dachdeckerarbeit 40„— 4) Schreinerarbeit 16—„ 5) Schloſſerarbeit 5 15„ 6) Pflaſterarbeit 37„ 30„ 7) Für die Lieferung von Pfla⸗
ſterſteinen und Sand 100—„
Oppershofen den 17. Auguſt 1853. Der Großbea Bürgermeiſter e.
Bekanntmachung,
betreff.: Verſteigerung von Brennholz, ſodann von Heiden und Ginſtern zu Backholz, in den Großh. Domanialwaldungen der Oberförſterei Oberrosbach.
(1267) Freitag den 26. d. M. werden an die Meiſtbietenden öffentlich verſteigert: Morgens 8 Uhr in den Mainzerhecken und Weſterfeldſchenwald: 2356 Gebund Ginſtern und Heiden zu Back- holz. Zuſammenkunft am dicken Eichbaum nächſt der Saatſchule. Morgens 10% Uhr im Burgwald: 9½ Stecken Birken⸗ und Eichen⸗Stockholz, 30 Wellen dergl. Reiſerholz. Zuſammenkunft auf dem neuen Weg. Oberrosbach den 15. Auguſt 1853. Der Großh. Oberförſter der Oberförſterei Oberrosbach Bingmann.
Lieferung von Roggenſtroh.
(1268) Die Lieferung des Bedarfs an Rog⸗ genſtroh für das Landeszuchtshaus(eirca 15 Fuder für das laufende und 25 Fuder für das
*
c um“ rghobſt, ubebbege Erndteäpfel,
60 gaczein an
6.
Arbel Montag
Mauerſand
5 Unterpaltun den Vicinal außerhalb ſchlagt Ju öffentlich in Act Oſſenheim,
Privat
Ve 1230) Das Her u che wirthhaus ol Mitte
in loco auf.. bietend verpac liegen offen Rector Wer!
Echzell d
A 41690
Stadt Vüttic looſung am fl. 100,000. Wir empf
1
und verſprech' fen, Juli.
B *
b
(Ju 0 mer, Küche, Jung'ſchn d 9
Ei 4246) 1 259) iu derſahri, verliehen we uit bei Ma


