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Intelligenz-Blatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen im Allgemeinen,
den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
M 65.
Sonnabend den 20. Auguſt
1853.
Amtlicher Theil.
Das Großherzoglich Heſſiſche Kreisamt Friedberg an die Großh. Bürgermeiſter des Kreiſes und die Gensdarmen.
Betreffend: In Unterſuchungsſachen wegen eines am 12. Auguſt zu Salzhauſen verübten Diebſtahls.
Am 12. d. M. ſind zu Salzhauſen die unten beſchrie— bene Gegenſtände entwendet worden. Sie werden geeignete Nachforſchungen nach den geſtohlenen Sachen und dem Thä— ter anſtellen und vom Erfolg mir umgehend Nachricht geben.
Friedberg den 15. Auguſt 1853.
de Beauclair, Klreisaſſeſſor.
Beſchreibung der geſtohlenen Sachen:
1) ein Arbeitskäſtchen von Paliſanderholz, ungefähr 15 Zoll lang und 5 Zoll breit, mit ſtählernem Griff und gewölbtem Deckel, der mit Perlmutter eingelegt iſt;
2) eine Fünfzehngulden-Rolle, verſiegelt und T. B. ge— zeichnet;
3) eine Zehngulden-Rolle von Sechskreuzerſtücken;
4) eine Fünfgulden⸗Rolle von Dreikreuzerſtücken;
5) eine Portmonais von braunem Saffian mit Stahl— ſchloß, einen Kronenthaler, vier Gulden, einen preu— ßiſchen Thalerſchein und verſchiedene kleine Münzen enthaltend;
6) 3 Paar Glagehandſchuhe, hellgrüne, hellgelbe und braune;
7) eine goldene Damenuhr von der Größe eines Sechs— bätzners, mit goldenem Deckel und arabiſchen Ziffern auf dem Zifferblatt;
8) ein goldener Haarring mit dem Namenszug„Louise“;
9) ein einfacher goldener Ring mit einem rothen Stein- chen und zwei blauen Perlen;
10) ein goldner Ring, zwei ſich haltende Hände darſtellend.
Bekanntmachung.
Donnerſtag den 25. Auguſt, dem Namensfeſte Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs, wird kein Zahltag abge— halten, was ich hiermit zur Kenntniß der Intereſſenten bringe.
Friedberg am 16. Auguſt 1853.
Gr. Rentamt. Grünewald, Rentamtsvicar.
Thereſe Aubert.
Wahrheit und Dichtung in Form einer Memoiren-Novelle.
Von Charles Nodier. (Fortſetzung.)
Ich will meine Lage während der erſten Wochen, welche ich in Thereſens Nähe zubrachte, nicht ſchildern. Sie führte ſo viele Verlegenheiten mit ſich, daß ich bei— nahe nicht begreifen konnte, woher ich die Kraft nahm, ſo lange mich behaupten zu können, wenn ich mich nicht erinnerte, wie ſehr ich befuͤrchtete, daß ſie aufhören möchte. Es war eine Art Trunkenheit, welche alle meine Fähig— keiten verwirrte, und deren ſüßeſte Folge die war, mir möglichſt oft deren Gebrauch geradezu zu benehmen. Bald gedrückt durch das Gewicht dieſer Gemüthsbewegungen, welche jeden Augenblick ſich aufs Neue folgten und die in meinem Herzen ſich vervielfältigten, erlag ich wieder bald einer Erſchlaffung, welche ubrigens nicht ohne Reize war, und welche zu erhalten ich mich äußerſt glücklich fühlte. Aber ein peinlicher Gedanke unterbrach von Zeit zu Zeit dieſen ſchlummer⸗ähnlichen Zuſtand, in den ich mich ver— ſenkt hatte. Thereſe und ihr edelmüthiger Vater waren getäuſcht, ich war nicht das, was ich zu ſein ſchien, und ich nährte eine Leidenſchaft, welche beide eines Tages ver— werfen konnten. Dieſer Gedanke wurde mir immer uner— traͤglicher, ich muß es geſtehen, weil dieſes peinliche Ge— fühl mit der edelſten Empfindung in Conflikt kam, ſo daß ich nur mit Widerwillen darein willigte, als ein anderes Weſen geliebt zu werden, im Frauengewande eine Zärt— lichkeit zu erſchleichen, auf welche ich eines Tages Verzicht leiſten mußte, und ein Herz zu täuſchen, welches mir Alles gab, und welchem ich nichts als einen eingebildeten Gegenſtand, ein eitles Phantom dagegen bot, deſſen äußere Erſcheinung eines Tages verſchwinden und Thereſen durch eine Trennung, ſchlimmer als der Tod, geraubt werden mußte. Denn es iſt weniger hart, ein geliebtes Weſen durch den Tod zu verlieren, als durch daſſelbe getäuſcht zu werden. Ich war deßhalb entſchloſſen, Thereſen Alles zu geſtehen, aber die Schwäche meiner Seele hielt mich immer wieder zurück; ich fürchtete, daß, wenn ſie aufhöre, Antonie, welche nicht mehr für ſie exiſtire, zu lieben, ſie ebenfalls aufhören werde, Adolph zu lieben, den ſie nie gekannt hatte. Ich meinte, warum weiß ich nicht, daß dieſe unſchuldigen Liebkoſungen, welche ich meiner Verklei— dung verdankte, das höchſte Glück meines Lebens aus— machten, und daß ich dieſer auf immer verluſtig würde, ſobald ich ihr mein Geheimniß verrathe. Auf der einen
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