Ausgabe 
20.4.1853
 
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Intelligenz

uͤr die

Provinz Oberheſſen im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

M 31.

Mittwoch den 20. April

1853.

Amtlicher Theil.

Oeffentliche Bekanntmachung.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß dem Kaufmann Heinrich Hahn von hier, unter Ein ziehung der ihm früher ertheilten Conceſſion als Unteragent für den Hauptagenten Appel in Gießen, die nachgeſuchte Conceſſion zur Uebernahme einer Unteragentur für den Hauptagenten Heinrich Zitz in Mainz, Behufs der Beför derung von Auswanderer nach Amerika über Liverpool durch die Schiffsbefrachter Carl Hill und Comp. zu Liverpool, ertheilt worden iſt.

Friedberg den 14. April 1853.

Großh. Kreisamt Friedberg de Beauclair.

Der verlorengegangene Drief. Ein Lebensbild in Novellenform von C. Baldamus. (Fortſetzung.)

Ich habe es gethan, ich habe ihr all dieß und noch mehr geſagt, und ſie hat mich abgewieſen!

Dich verſchmäht, beſter Edmund? Das thut mir in der That leid; aber ich ſehe nicht ein, wie ich Dir darin helfen kann!

Und doch dürfte ich noch nicht alle Hoffnung auf⸗ geben, wenn Sie meine Werbung befürworten wollten, liebſte Mama! Fräulein Dalling ſagt: Sie haben ſie mit ſoviel Güte überhäuft, die ſie niemals abtragen kann; Ihre Liebe und Wohlwollen ſeien ihr über Alles theuer, und ſie ſei entſchloſſen, ſich derſelben würdig zu beweiſen, ſie wolle daher nicht das Mittel ſein, die Hoffnungen, Wünſche und Pläne zu durchkreuzen, welche Sie etwa für die Zukunft Ihres Sohnes hegen möchten! Sie ſeye nach Vermögen, Bildung und Rang keine Parthie für mich. Sie wollte mich nicht hören, als ich vor wenigen Mi⸗ nuten im großen Rebengange mit ihr reden wollte, ſon⸗ dern lief mir wirklich davon und verbot mir auf das Be⸗ ſtimmteſte, ihr zu folgen. Und doch kenne ich ſie als ſo offen und aufrichtig, daß ſie, wenn ſie für mich ganz gleichgültig ware, mir dieß unumwunden zu verſtehen ge⸗ geben haben würde, ohne Ihrer zu erwähnen, liebe Mama! Und nun ſprechen Sie, was halten Sie da⸗ von? was wollen Sie thun?

Das ſollſt Du ſogleich hören, laß uns nur zu⸗ erſt Fräulein Dalling aufſuchen!

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Sie gingen mit einander in den Garten hinab und brauchten nicht lange zu ſuchen, denn ſie ſahen ſie ſchon von weitem mit heftigen Schritten in dem beſagten Reben gange auf- und niedergehen, wo ſie offenbar einen ſchweren innern Kampf kämpfte. Sobald ſie Mutter und Sohn erblickte, ging ſie ihnen raſch entgegen, zwar mit hoch erglühendem Geſicht, aber mit ſtolzem offenem Weſen. Bevor Frau v. Schönfeld ſie noch angeredet, ſagte Fanny: Glauben Sie mir, gnädige Frau, ich verdiene Ihre Vor würfe nicht. Erſt heute Morgen habe ich Herrn v. Schönfeld's Gefühle für mich kennen gelernt, und ſie haben mich aus allen meinen Himmeln geſtürzt. Theuerſte, gütigſte Freundin! lieber hätte ich die größten Qualen er tragen, wenn nur dieß mir nicht begegnet wäre!

Fanny war heftig aufgeregt, Frau v. Schönfeld da gegen beobachtete die gewohnte Milde und äußere Ruhe, ergriff die Hand des jungen Mädchens und ſagte begüti⸗ gend:Beruhigen Sie ſich, ich bitte Sie, liebe Fanny; ſein Sie überzeugt, daß ich Ihnen die Neigung meines Sohnes für Sie nicht zum Vorwurf mache!

Ich danke Ihnen, gnädige Frau! Sie laſſen mir wenigſtens Gerechtigkeit widerfahren!-

Aber ich mache Ihnen etwas Anderes zum Vor wurf! fuhr Frau v. Schönfeld fort;»ich tadle Sie wegen der Urſache, die jetzt Ihr Auge ſo funkeln macht und Sie Ihre Freundin mit einem ceremoniöſen Titel an⸗ reden läßt. Ich mache Ihnen Ihren Stolz zum Vor⸗ wurf, welcher Sie hart, ungerecht und lieblos von mir denken ließ! Böſe Fanny, wo hätte ich Ihnen je Grund gegeben, mich für herzlos oder weltlich zu halten? Wiſſen Sie nicht, daß alle Liebenden einander gleich ſind vor Gott, und daß wenn es ein edles Ding iſt um's Geben, es für ein großmüthiges Herz aus demſelben Grunde auch ein Vergnügen ſein muß, zu nehmen, zu empfangen? Sind Sie zu ſtolz, um etwas von uns anzunehmen, liebe Fanny, oder haben Sie die Hand meines Sohnes ausge ſchlagen, weil Ihnen ſeine Neigung mißfiel/

Fanny ſchluchzte nun laut.Verzeihen, vergeben Sie mir! rief ſie laut.Ich bekenne meinen Fehler; ich ſehe nun ein, daß was ich für ein Gefühl der Pflicht hielt, zum Theil Stolz war. O, Frau v. Schönfeld, Si würden mir vergeben, wenn Sie nur wüßten, wie elend ich mich ſelbſt durch jene Antwort gemacht habe!

Wie? wollten Sie könnten Sie ſich wirklich dadurch unglücklich machen? rief Edmund.Ich flehe Sie an, theuerſte Fanny, wiederholen Sie dieſes Bekennt

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