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N 1— Wohlſtand.
chule 5,
tommenden — Bel Hakelarbeilen Schul- und auch ander.
bild 12. br
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
den
Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke
im Beſonderen.
M91.
Sonnabend den 19. November
1858.
Das Duell.
Iriſches Lebensbild. Nach einer wirklichen Begebenheit.
1.
Robert Random war ein junger Irländer, und ein ausgezeichnet ſchöner Mann; ſeine perſönlichen Vorzüge wurden aber beſonders noch dadurch gehoben, daß er ſich derſelben durchaus nicht bewußt ſchien. Eine junge und reiche Dame von Stande ſah ihn, verliebte ſich in ihn und gab ihm, die konventionelle Sitte nicht achtend, er— röthend ihre Gefühle zu erkennen. Als Erwiderung ge— ſtand Robert mit völliger Aufrichtigkeit ihr ſein Verhält⸗ niß: daß er mit dem einzigen Madchen, das er liebte, verlobt ſeie und ſchon am nächſten Montag durch ihre Hand beglückt werden ſollte.
Harriet Melbourne war ſchön, reich, eigenwillig und ſtolz. Robert war an Reichthum ihr gleich, an Adel der Geburt ſtand er ihr nach. Dennoch hatte er ſie ver⸗ ſchmäht, ſie, die ihren Stolz verleugnend, ihm ſelbſt brief— lich entgegengekommen war— die Kränkung war bitter, die Demüthigung ſchrecklich. So leidenſchaftlich ſie geliebt hatte, ſo heftig haßte ſie jetzt; was gleicht der Wuth verſchmähter Liebe, zumal bei einem Weibe! Und wer war die, um derentwillen er der reichen Lady Hand ab— gelehnt?— Die Tochter eines Dorfpfarrers, die Nichts veſaß, als Jugend, Unſchuld und Schönheit.
Bald bot ſich ein Werkzeug der Rache dar. George Pemberton war Harriet's Verwandter, ein armer Lieute⸗ nant voll Anmaßung, deſſen ſchmales Einkommen für die Verſchwendungen, welche ſeine reichen Kameraden im Re⸗ giment machten, denen er es nur zu gerne gleich gethan hätte, nicht hinreichten und den ſeine ſtets leere Börſe ſchon zu manchen Streichen vermocht, die mit der Recht⸗ lichkeit nicht beſtanden. Jetzt hatte er eben Urlaub ge⸗ nommen und kam, um ſich eine Summe Geldes zu ver⸗ ſchaffen oder, wenn ihm dieß fehlſchlüge, ſeine Ofſtzierſtelle zu verkaufen. f
George Pemberton fand ſeine Conſine Harriet ganz allein; ſie hatte eben die„Morgenchronik“ bekommen, in welcher die Vermählung des ſchoͤnen Paares beſprochen und in den lebhafteſten Ausdrücken die Schönheit der Braut und des Bräutigams gerühmt ward; ſeit Jahren, ſo ſchloß der Artikel, habe kein ſo ſchönes Paar ſich ehe— liche Treue am Altare geſchworen; die Flitterwochen werde es in Eaſt Port zubringen. f
Harriet war aufgeregt. Pemberton wollte ſeine
ſchöne Couſine, dem Rechte der Verwandtſchaft gemäß, mit einem Kuſſe begrüßen; aber ſie wandte ihr Geſicht weg und ſagte mit einem verächtlichen Blick auf ſeine kleine unſchöne Geſtalt:„Das paßt nicht, George, denn wahrhaftig, Du biſt ſelbſt für einen Couſin zu häßlich, um Dir einen Kuß zu geben!“
„So ſchön und ſo übermüthig, wie immer!“ erwiderte Pemberton.„Aber, Harriet, ich erwartete ein geſenktes Haupt, eine bleiche Wange zu finden. Du erträgſt Deine Verſchmähung ſehr gelaſſen.“
Die Augenbraunen der Lady runzelten ſich, ſtolz winkte ſie mit der Hand:„Genug! Kein Wort mehr da⸗ von!— Ich weiß, weßhalb Du kommſt: Du brauchſt zweihundert Pfund, und mein Vater gibt Dir nicht zwei⸗ hundert Pence, wäre es auch, um Deinen Kopf, nicht Deine Stelle zu retten.“
„Dann muß ich meine Papiere einſenden und das Regiment verlaſſen.“
„Wahrſcheinlich, wenn findet, bei einer täglichen Einnahme von ſechs Shilling ein Jagdpferde hält,“ bemerkte die Lady.
Pemberton blickte mürriſch und mißvergnügt drein.
„Nun, George, laß nur dieſes Zuſammenziehen der Augenbraunen, Du biſt ohnedieß häßlich genug. Ich habe das Geld; haſt Du Luſt, es zu verdienen?“
„Ich würde lieber in die Hölle gehen,“ erwiderte er,„als aus bloßer Armuth das Regiment verlaſſen. Was verlangſt Du von mir?“
Sie wandte ihre ſchwarzen leuchtenden Augen auf die ſeinigen und zeigte nach einer halben Minute mit dem Finger auf den Zeitungsartikel, der die verhaßte Heirath meldete. Dann dämpfte ſie ihre Stimme zu einem aus— drucksvollen Flüſtern, näherte ihre Lippen dem Ohr ihres Vetters und ſagte:„Lies! Störe dieſe Flitterwochen, dann iſt das Geld Dein!“ und eilte, ohne eine Erwiede— rung abzuwarten, in ihr Zimmer.
George Pemberton war ganz und gar der Mann für dieſes Rachewerk. Bei einem zänkiſchen Weſen hatte er thieriſchen Muth genug, um gefährlich zu ſein; un geheime Einflüſſe, mit welchen ſeine nach Rache begierigs Couſine völlig unbekannt war, machten ihn noch geeigneter dazu. Er wußte, daß ſein Abgang aus einem Regiment, in dem nur begüterte Offiziere dienten, denen er ſich durch das vergebliche Bemühen, ſeine Armuth unter An⸗ maßung zu verdecken, verhaßt gemacht hatte, als ein
ſich nicht irgend ein Narr welcher das Geld einem jungen Herren leiht, der Paar
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