Ausgabe 
17.8.1853
 
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von ſtets neuen Gefahren umgeben, gelebt, ich ſchrieb da⸗ her den ſonderbaren Zuſtand, in dem ich mich befand, der Einſamkeit zu; aber ich konnte durchaus nicht begreifen, wie ſie auf meine Einbildungskraft einen ſolchen Eindruck und in meinen Organen eine Unordnung hervorbringen könne, welche an das Delirium ſtreifte. Dieſe Ungewiß heit verfolgte mich bis auf den Hof, wo ſie ihr Ende er reichen ſollte. Mein Geleitsmann führte mich in There ſens Zimmer, der ich den Brief ihres Vaters übergab. In dem Augenblicke, als ſie mich anſah, ergänzte ſich mein Herz; das Weltall war nun vollſtändig.

Thereſe war noch nicht völlig ſechszehn Jahre alt. Sie war zwar nicht das ſchönſte Weib, aber ſie war das einzige Weib, welche das Glück zu lieben und geliebt zu werden, mich hätte erkennen lehren können; denn ich be griff es ſogleich, jedoch nicht ohne mich zu verwundern, wie ein ſo mächtiges tyranniſches Gefühl, welches ſo gänzlich alle Fähigkeiten meines Lebens aufzehrte, ſo leicht dieſelben zu unterwerfen im Stande geweſen war. Seit dem habe ich mich ſchon oft befragt, ob es wohl bei an deren Menſchen ebenſo ſei, aber ich konnte es nicht von ihnen erfahren. Dieſer Eindruck war ſo plötzlich wie ein Gedanke, ſo plötzlich als der Blick, den Thereſe auf mich fallen ließ und der von einem ſo rührenden Wohlwollen belebt war, daß der Anblick des offenen Himmels meine Seele mit keinem reinern und lebhaftern Entzücken hätte erfüllen können. Ich ſage ihr Blick, weil ich keinen andern Ausdruck kenne, mit dem ich das Ausſtroͤmen eines ſanften Feuers zu beſchreiben weiß, welcher unter den Wimpern eines geliebten Weibes hervorbricht, und deſſen Berüh rung das Herz verwirrt, und das Blut durch alle Adern jagt. Thereſens Augen hatten noch nicht ganz ihres Vaters Brief überlaufen, als es bereits in mir feſtſtand, daß mein Geſchick ihr für immer zugehöre. Ich wagte nun ſie anzublicken, weil ſie mich nicht mehr anſah, und ich war ſo ſchwach in meinem Glücke, daß ich faſt ängſt lich den Augenblick erwartete, in welchem ſie mit Leſen fertig würde. Ich fühlte nicht genug Kraft in mir, in ſo kurzer Zeit auf einander zwei Gemüthsbewegungen zu er tragen, deren eine ſchon hingereicht hatte, meine Sinne mit einer berauſchenden Glückſeligkeit zu durchſtrömen. Das Glück des Daſeins ſchien mir ſchlecht vertheilt, denn ich hätte gern das Uebermaß meiner Gefühle und meiner Täuſchungen auf alle Jahre vertheilt, welche mir noch zu leben vergönnt wären, oder ich hätte gewünſcht, daß ſie ſich ſo anhäuften, daß ſie mich erdrückten, und daß mein Herz in dieſem Entzücken breche und vor Freude ſich auf löſe. Dieſer letztere Gedanke wurde der vorherrſchende und ich fing an, ihn mir auszumalen; ich bemühte mich, ihn unauslöſchlich in mein Gedächtniß einzugraben, ihn mir ſo zu eigen zu machen, daß kein künftiges Ereigniß ihn mir zu rauben im Stande wäre, damit, wenn es mir vergönnt ſein ſollte, einen mit ſolcher Süßigkeit erfüllten Tod zu ſterben, dieſes Bild ſo mit meinem letzten Ge danken verwachſen wäre, daß es ihn während der ganzen Ewigkeit auszufüllen im Stande ſei. Thereſe war von kleinem Wuchſe, allein man bemerkte es nur, wenn man Vergleichungen anſtellte, weil die Natur noch nie lieb licheren Formen ein ſo durch Anmuth und Harmonie her vorragendes Ebenmaß verliehen hatte. Ihre ſchwarzen Haare, welche ganz einfach auf dem Wirbel befeſtigt waren, ließen ihre Stirne, die weißer als Elfenbein war, unbedeckt, und rundeten ſich in zwei Flechten von jeder Seite ab, um ihre Schönheit noch mehr zu erhöhen. Ihre Geſichtsfarbe war zwar nicht belebt, aber der leiſeſte Ein druck brachte eine leichte Röthe hervor, und dieſer flüchtige Reiz machte ſie nur um ſo bezaubender. Es entſtand da

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durch ein Charakter von Schönheit, welcher eben ſo ſehr die Seele wie die Augen beſtach. Dieſer Vorzug, welcher bei anderen Frauen nur das Zeichen der Jugend und Ge⸗ ſundheit iſt, ſchien bei Thereſen ein beſonderes Vorrecht des Gefühls zu ſein. Bei'm erſten Anblicke mußte man ſie herrlich finden, aber man wußte noch nicht, ob ſie würdig ſei, geliebt zu werden, ſo lange man ſie nicht einer ſanften Bewegung wegen hatte erröthen ſehen. Dieſelbe Leichtigkeit zu fühlen und dieſes auszudrücken verſchönerte alle Theile ihrer Phyſiognomie mit jenem unerklärlichen Reize, der ſich beſſer empfinden als beſchreiben läßt, und der ſich ſo raſch erneuerte, daß ſelbſt das aufmerkſame Auge der Liebe ihn nicht immer zu erfaſſen vermochte. Manchmal war er die Folge ihrer freien und ungezwun genen Heiterkeit, der Ausdruck des leicht erregten Glückes eines Kindes, welches mit Wenigem zufrieden iſt; er war aber noch öfter irgend eine unbeſtimmbare Wehmuth, welche von keinem wirklichen Gegenſtande herzurühren ſchien, und die ſich in Gedanken verlor, welche mit Ort, Zeit, Umſtänden nichts gemein hatten, in denen er ſich kund gab. Es iſt wohl möglich, daß die Melancholie nicht bei allen gefühlvollen Weſen der Eindruck einer Erinne rung an vergangenen Leiden iſt. Warum ſollte ſie nicht zuweilen ein unwillkürlicher Drang des Herzens ſein, die Leiden zu erproben, welche es bedrohen, und ein Wink, ſich darauf vorzubereiten? Ihr Hals war ſehr ſchmächtig, und gab faſt jeden Augenblick dem Gewichte des Kopfes nach, welcher dann gegen eine Schulter geneigt mit einer höchſt anmuthigen Nachläſſigkeit zurückftel. Dieſe Ge wohnheit war wahrſcheinlich ein Fehler, aber dieſen Feh ler hätte keine Vollkommenheit zu erſetzen vermocht, ſo viele zarte und köſtliche Gedanken knüpften ſich daran! Uebrigens ſind, was ich hier ſage, Rückerinnerungen und kein Porträt. Ich wollte von ihr ſprechen, aber nicht in dieſem lebendigen Bilde, welches ſie in meinem Herzen zurückgelaſſen hat, und welches keine menſchliche Bemühung im Stande wäre, dem Geiſte und dem Herzen Anderer deutlich zu machen, eine unvollkommene Skizze unterſchrie ben, die unter meiner Feder die Farbe verliert und ſich verwiſcht. Ach! ſo habe ich ſie nicht geſehen, oder viel mehr ich habe ſie nie deutlich genug geſehen, um es unter nehmen zu können, ſie zu malen! Es lag auf ihren Zügen ein leuchtender Schleier, der mir alle Einzelnheiten verbarg, und ſelbſt jetzt noch erinnere ich mich ihres Ge ſichts nur in den unbeſtimmten Umriſſen dieſes blendenden Dunſtkreiſes, in den ſie eingehüllt war.

Mein Empfang war liebevoll und vertraulich von Thereſens Seite; ſie hatte mich mit offener Herzlichkeit, in der ſich ihre Güte vollkommen ausſprach, angelächelt. Je weiter ſie las, deſto mehr nahmen ihre Gedanken, ohne jedoch von ihrer urſprüglichen Richtung abzuweichen, einen andern Charakter an. Irgend eine Verlegenheit, welche ſich bei jeder Linie vermehrte, ſprach ſich in ibrem Ge ſichte aus. Ihre Schüchternheit ſchien ſie von dem Er⸗ guſſe ihrer Seele, zu welchem ſie ſich getrieben fühlte, abzuhalten; ihr Buſen wogte, ihre Wangen färbten ſich lehhaft. Man ſah ihr an, daß ſie die Thränen zurückzu⸗ halten ſich bemühte, welche ihr in die Augen ſtürzen wollten. Als ſie fertig war, kam ſie auf mich zu, ergriff ausdrucksvoll meine Hand, warf den Brief ihres Vaters in's Feuer, nachdem ſie zuvor die Lippen darauf gedrückt hatte, legte bedeutſam den Finger auf den Mund und blickte mich mit einem Ausdrucke des Einverſtändniſſes an. »Mademoiſelle,, ſagte ſie zu mir,rechnen Sie auf alle Sorgfalt... Sie ſah mich von Neuem an, und als ſie meine plötzliche Bewegung gewahr wurde, ſchlang ſie den Arm um meinen Nacken;wenn Freundſchaft

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