Ausgabe 
16.7.1853
 
Einzelbild herunterladen

von Eidechſen; da ich aber entſchloſſen war, um jeden Preis das geheimnißvolle Haus zu betreten, ſo ſchritt ich gerade darauf los. Eine genaue Beſichtigung der Fronte zeigte mir nur das, was ich ſchon von Weitem geſehen, darum wandte ich mich links, umging das Gebäude und gelangte nach deſſen Rückſeite, wo ich die Reſte eines kleinen Blumengartens mit einem Raſenplatze darin, und dahinter, durch eine Mauer geſchieden, einen Hof, um⸗ geben von verfallenen Stall- und Oekonomiegebäuden, ge⸗ wahrte. Die wichtigſte Entdeckung war jedoch für mich die einer offenen Thuͤre, welche in das Haus führte. Es mußte alſo doch irgend Jemand darin wohnen. Ich pochte mit meinem Sonnenſchirme an die Thürfüllung, allein es kam Niemand und nachdem ich ohne günſtigeren Erfolg mein Anpochen wiederholt, wagte ich den Eintritt und ſah mich in einem ſteinernen Gang, an deſſen Ende ich eine Glasthüre gewahrte, welche weiter führte.

Iſt Niemand hier? fragte ich laut, nachdem ich die Thüre geöffnet und meinen Kopf hineingeſteckt hatte; aber Alles war ſtill. So ſchritt ich denn weiter, freilich nicht ohne einige Furcht, wie ich gerne geſtehe, allein es war jener wohlthuende Schauer, den man z. B. bei der Aufführung eines intereſſanten Melodrams fühlt. Ich be⸗ fand mich nun in einer ziemlich geräumigen Halle, welche von vier ſteinernen Pfeilern getragen wurde und auf jeder Seite zwei Thüren hatte. Ich pochte an beiden und rief abermals laut, aber Niemand gab mir Antwort. Nun verſuchte ich ſie mit der Klinke zu öffnen; die beiden erſten waren geſchloſſen, aber die dritte gab meinem Drucke nach, und ich geſtehe, ich fühlte mich, als ſie ſich öffnete, ſo be⸗ ſtürzt und verwundert, daß ich einen Augenblick die Thüre wieder zudrückte und zögernd zurücktrat. Bald aber ge⸗ wann Neugier das Uebergewicht in mir ich blickte zur Thüre hinein. Das gedaͤmpfte Licht, welches durch die venetianiſchen Blenden fiel, zeigte mir ein kleines, nur dürftig möblirtes Zimmerchen, das ein Salon oder Vor zimmer geweſen ſein mochte. An der Wand ſtanden zwei kleine Tiſche, welche ſammt zwei mit gelbem Damaſt über zogenen Stühlen und einem Pfeilerſpiegel das ganze Möblement bildeten. Der Eingangsthüre gegenuͤber öffnete ſich aber eine zweite, nur leicht angelehnte; halb neugie rig, halb ſchüchtern betrat ich nach einer Pauſe des Be⸗ ſinnens dieſes andere Gemach und befand mich in einem einſt ſehr geſchmackvoll ausgerüſteten Boudoir. Marmor⸗ platten, Kanapees mit blauem Sammetüberzuge, Gardinen, Stühle und Portieren von gleichem Stoffe und drei oder vier runde oder ovale Spiegel in prächtig geſchnitzten und vergoldeten Rahmen zeigten mir, daß das freundliche

220 e-

dritte, ebenfalls offene Thüͤre wies mir ein Bett in einem Alkoven mit blauſammtenem Betthimmel und geſteppter Bettdecke von gleichem Stoff. Hier ſtand auch ein Putz tiſch, noch behangen mit vergilbtem, halb vermodertem Muslin, und auf demſelben ſtanden ſogar noch einige Büchſen, Behälter und Flacons von feinem Porzellan. In einer der Büchſen war noch ein rothes Pulver, was einſt Schminke geweſen ſein mochte, und aus einer andern, deren Deckel ich aufhob, entſtieg ein ſtarker Moſchusgeruch. Der Spiegel auf dem Putztiſche hatte eine Draperie von Muslin und blauen Schleifen um die Rahme herum, und die altväteriſche Kommode aus Mahagoniholz war reich geſchnitzt, vergoldet und verziert. Keines der Zimmer war tapeziert; alle ſchienen mit prächtiger Stuccoarbeit verziert geweſen zu ſein, und trugen die ſchönſten halb erhabenen Arbeiten, vergoldete Guirlanden von Blumen und Früchten, Arabesken und dergl., bis auf eine einzige Stelle, welche früher eine Thüre geweſen zu ſein ſchien, vielleicht die Thüre eines Kloſets oder Alkovens; dieſe war nun zugemauert, aber der Gypsbewurf war ganz rauh und ohne Verzierungen, und ſtand gar nicht im Einklang mit irgend etwas Anderem im Zimmer. An mehreren Stellen zeigte der Bewurf tiefe Löcher, Riſſe und geſchwärzte Stellen, als wäre es mit irgend einer ſchweren Waffe angegriffen worden. Ich weiß nicht, wie mir geſchah, aber meine Aufmerkſamkeit ward unwillkür⸗ lich und in hohem Grade auf dieſe Stelle der Wand ge⸗ lenkt. Ich unterſuchte ſie näher ich betaſtete ſie, klopfte dagegen. Warum war ſie wohl ſo haſtig errichtet worden zur Entſtellung der ganzen Wand? denn die rauhe, plumpe Arbeit verrieth Eile. Noch ſtand ich vor der ſelben und betrachtete ſie nachdenklich, indem ich an mich ſelber dieſe Frage richtete; da hörte ich ſchwere Fußtritte, und ehe ich in meiner Ueberraſchung noch Zeit hatte, mich zu entfernen, erblickte ich einen ältlichen Mann in geiſt⸗ licher Tracht betroffenen Blicks unter der Thüre ſtehen. Auf den erſten Anblick mochte er mich wohl für das Ge ſpenſt der früheren Bewohnerin dieſes Zimmers gehalten haben, denn er wechſelte die Farbe und prallte zurück.

Verzeihung, ehrwürdiger Herr! ſagte ich, unwill⸗ kürlich lächelnd über ſeine Betroffenheit; ich fand die Thüre offen und hoffe bei Ihnen Entſchuldigung zu finden für die Neugier, die mich veranlaßte, in dieſe Zimmer einzudringen!

Eine Deutſche? vermuthlich eine Reiſende? ſagte er mit einer Verbeugung;Sie ſind in der That die erſte Perſon außer mir, Madame, welche ſeit einer Reihe von Jahren dieſe Zimmer betreten hat, glauben Sie mir!

Gemach die Wohnung einer Dame geweſen war.

Eine

(Fortſetzung folgt.)

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

N

Hofraithe⸗Verſteigerung. (899) Montag den 1. Auguſt l. J., Mor⸗ gens um 11 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe die Auguſt Seibert'ſche Hofraithe, beſtehend in einem Wohnhaus,

Pag. 20, Nr. 115 und 116, neben Nicolaus Schleuning und Johannes Schäfer, gibt in die Präſenz 45 Kreuzer,

meiſtbietend verſteigert.

Friedberg den 15. Juni 1853.

Utrag

Immobiliar-Verſteigerung.

(952) Montag den 8. Auguſt d. J., Vor⸗ mittags 11 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſe auf freiwilligen Antrag der Curatoren der Engel⸗ holde Renz dahier deren nachbeſchriebene Immo⸗ bilien: Gemarkung Stadt Friedberg: Pag. 62 Nr. 187½ die ſog. Hospitalkirche mit Nebenbau an der Uſa neben dem Hospitalhof ſammt Hofraum und Hausgarten, öffentlich meiſtbietend derſteigert, wobei bemerkt wird, daß dieſe Gebäude wegen ihrer vortheil haften Lage am Uſafluß fich zu einer Fabrik⸗ und ſonſtiger Geſchäftsanlage eignen. Friedberg den 22. Juni 1853. In Auftrag Gr. Heſſ. Landgerichts Der Vorſteher des Großh. Ortsgerichts Bender.

Hofraitheverſteigerung.

(1002) Mitſwoch den 20. Juli d. J., Vor⸗ mittags 11 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe auf Antrag des israelitiſchen Gemeindevorſtandes dahier eine der israelitiſchen Gemeinde zuſtehende Hofraithe, die ſog. Rabbinerwohnung, beſtehend in Wohnhaus, Hinterbau und Gärtchen, in der Judenſtraße gelegen, öffentlich meiſtbietend ver⸗ ſteigert. Friedberg den 29. Juni 1853. In Auftrag: Der Vorſteher des Großh. Ortsgerichts Bender.

Steinkohlenlieferung. (1066) Dienſtag den 26. d. M., Vormit⸗ tags um 10 Uhr, ſoll in dem Büreau des Ba⸗ taillonsverwaltungsraths dahier die Lieferung von 900 Centner Ruhrerſteinkohlen Fettſchrot erſter Qualität auf dem Soumiſſionsweg in Accord gegeben werden.

Sand, ſteinen Die Vora Bureau des

offen, Altena

Bel liteffend Ho manialwald?

(1070) 2 in dem dies des oben gen bietenden oͤffe

11475 Welle 450 U 27⁵

1 Wag 856 Stan Zuſamm

ſteigerung p.

Obertos

Oeffe 6082) 7 Wraham Ro Medung fil Mate, zur

Donner

mit dem Be

zugte Credit

haben. Friedbe