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auf's Land zurückziehen.„Und wo,“ fragte ich,„kann man Euch finden, Mr. Shepherdſon?“—„In der„Un⸗ tergehenden Sonne,“ Commercial-Road; der Platz iſt gut, und ich denke, eine Zeit dort zu bleiben. Aber nichts mehr von Shepherdſon, hörſt Du, Fleiſcher, fortan heiße ich Simpſon; dieſer Name fällt weniger auf. Ver⸗ giß ihn nicht, Burſche, denn ich hoffe, Du wirſt mich be— ſuchen.,—„Jedenfalls,“ erwiderte ich, und in der That wollte ich mit ihm mein Geſchäft beendigen. Am Tage nach der allgemeinen Verhaftung begab ich mich in Be— gleitung eines Kollegen nach der Untergehenden Sonne und ließ mir Herrn Simpſon rufen.„Du biſt's, Fleiſcher?“ rief er auf mich zueilend.—„Ja wohl, und hier bringe ich noch einen Freund mit.“—„Einen Freund? Tretet ein, mein Lieber, die Freunde des Fleiſchers ſind auch meine.“ Ich ſtellte ihm nun meinen Kameraden vor, und wir erklärten ihn zu unſerm Gefangenen.— Ich kann nicht ſchildern, wie groß das Erſtaunen unter den Spitz— buben war, als ſie im Laufe des Prozeſſes innewurden, daß ich nur ein verkleideter Fleiſcher geweſen war. Die Verhandlung wurde in Old-Bailey geführt, und da ich erſt im zweiten Verhöre vor den Schranken erſchien, ſo war es ſpaßhaft, zu ſehen, wie ſich der Advokat fortwäh— rend damit abquälte, herauszubringen, wo„dieſer Fleiſcher⸗ hingekommen wäre.„Denn,“ ſagte er in ſeiner Rede, „ein Fleiſcher war dabei, und ohne Zweifel hat man ihn bei Seite gebracht, weil er bei der Anklage unbequem war.“ Und als nun gar der Staatsanwalt den Bericht des Polizei-Agenten ankündigte, der die ganze Unterſuchung geleitet hatte, rief der Vertheidiger:„Wieder ein Polizei— Agent! ich dächte, wir haben genug von Eurer Poltzei; den Fleiſcher brauch' ich, wo iſt der Fleiſcher?“ 2 zweiten Verhöre erſchien ich endlich in voller Uniform zum wahren Entſetzen der Spitzbuben, denen es nicht in den Sinn wollte, daß ich kein geborner Fleiſchergeſelle ge— weſen. Das Ende der Geſchichte war Deportation für die Diebe und Gefängniß für die faſhionablen Ladenbe— ſitzer, die das geſtohlene Gut gekauft hatten.—— Ich wurde einmal nach Chatham geſchickt, um einen Juden, Namens Meſheck, aufzuſpüren, der falſche Wechſel machte und, wie man zu ſagen pflegt, mit Offizieren handelte und ein Halsabſchneider war. Als ich in Chat— ham ankam, war mein Vogel ausgeflogen, und Alles, was ich erfuhr, beſchränkte ſich darauf, daß er wahrſcheinlich nach London gegangen ſei und eine Reiſetaſche mitge— nommen habe. Die Reiſetaſche ging mir nicht aus dem Sinn. Mit dem letzten Blackwaller Zug kam ich nach der Stadt zurück und erkundigte mich ſogleich, ob man nicht einen Juden mit einer Reiſetaſche auf dem Bahn— hofe geſehen habe. Es war allerdings ſchwierig, hierauf einen Beſcheid zu erhalten, um ſo ſchwieriger, als ich, wie geſagt, mit dem letzten Zuge ankam und nur noch drei Gepäckträger auf dem Bahnhofe waren. Dennoch konnte ſich einer von den Dreien genau erinnern, am
Morgen einem Juden eine Reiſetaſche nach einem gewiſſen Gaſthof getragen zu haben. Ich eile in den Gaſthof; der Jude war mit ſeinem Gepäck dageweſen, aber bereits nach einigen Stunden in einem Cab wieder damit fort— gefahren. Ich laſſe mir die Reiſetaſche beſchreiben und erfahre, daß ſie auf einer Seite eine Stickerei hatte, einen halb rothen, halb grünen Papagei, der auf einem Stocke ſaß. Weitere Kunde brauchte ich nicht; ich fliege dem Papagei nach, erſt bis Cheltenham, dann bis Birming— ham, bis Liverpool, endlich bis an's Atlantiſche Meer. Immer kam ich zu ſpät. In Liverpool hatte ſich mein Jude bereits einen Tag vor meiner Ankunft nach den Vereinigten Staaten eingeſchifft und ich mußte ihn und den Papagei dem Teufel überlaſſen.—
Einige Monate ſpäter wurde eine irländiſche Bank von einem Doktor Dundey um 7,000 Pfund Sterl. be⸗ ſtohlen. Der Dieb floh ebenfalls nach Amerika. Man hatte gegründete Vermuthung, daß Dundey ſich in New— Jerſey als Gutsbeſitzer angekauft habe, und durfte hoffen; es werde gelingen, ſein Landgut mit Beſchlag zu belegen und durch den Verkauf die Kläger zu befriedigen. Ich wurde demnach nach Amerika geſchickt, um die Sache zu verſuchen. In New-VYork angelangt, erfuhr ich, daß mein Mann kürzlich in der Bank von Neu-Braunſchweig Fonds deponirt habe. Ich mußte mich nun der Authentizität der Perſon verſichern und ihn, um ihn gefangen nehmen zu können, in den Staat New Pork locken. Mehrere Verſuche ſcheiterten. Einmal war er ſchon entſchloſſen, auf einen vortheilhaften Geſchäftsantrag hin, den ich und ein New— Norker Beamter ihm brieflich machten, herüberzukommen; leider aber wurde ſein Kind krank, als er eben abreiſen wollte. Endlich brachte ihn uns das Packetboot. Ich beeilte mich, ihn zu verhaften und nach den„Gräbern,“ dem New-Norker Kriminalgefaͤngniſſe, zu bringen. Am Morgen nach der Verhaftung war ich im Gefängniſſe des Verhörs wegen. Wie ich ſo durch die verſchiedenen Räume gehe und, nach meiner Gewohnheit, mit den Augen jeden Winkel durchſuche, was entdecke ich, verloren in einer Ecke ruhend? Die langgeſuchte, vielverfolgte Reiſe— taſche mit dem halb grünen, halb rothen Papagei, nichts mehr, nichts weniger.„Die Taſche da mit dem Papagei auf dem Baumſtamme, rief ich mit dem Eifer der Ueber— raſchung,„gehort einem engliſchen Juden, Namens Aaron Mehſeck, und keinem Anderen!“
Die New-Porker Polizeibeamten ſahen mir in's Geſicht, ſtarr vor Verwunderung.„Woher wiſſen Sie das?“ fragten ſie.—„Weil ich,“ war meine Antwort, „einmal in England eine wüthende Jagd auf dieſen Pa— pagei gemacht hatte.]— Mehſeck war in Amerika ſeinen engliſchen Gewohnheiten treu geblieben— und befand ſich wegen einiger kühner Griffe in den„Gräbern.“ Ich un— terſuchte die Taſche und fand in derſelben werthvolle No— tizen, die über ſeine Schurkereien in England jede noch fehlende Auskunft gaben.
Bekanntmachungen von Be⸗—
80,597[◻UKlafter der dünne Wald
markung Gambach verfügt und die deßhalb er— forderliche Urkunde ausgefertigt werden wird. Butzbach den 18. Januar 1833.
1 1054 hoͤrden.
Nee Oeffentliche Aufforderung. (125) Geſtützt auf die Art. 28. 29. und 35. des Geſetzes vom 21. Februar v. J. und eine im Jahr 1848 ausgeſtellte Abtretungsurkunde, Inhaltsderen die zeitigen Betheiligten an der Gambacher Mark und Märkerſchaft den ſog. dünnen Wald der Gemeinde Gam⸗ bach als Eigenthum überlaſſen und anerkennen, bat letztere den Antrag geſtellt, daß dieſe im
Waldkataſter
beſchriebene Parzelle als ſolche im bereits lega⸗ liſirten Grundbuch nachträglich aufgenommen und daß ebenſo der Erwerbstitel der Gemeinde eingetragen werde. Dieſem Antrage entſpre⸗ chend, und weil keine genügende Nachweiſung vorliegt, daß die Ausſteller der vorgedachten Urkunde auch die wirklichen und alleinigen Mark⸗ berechtigten ſind, ergeht daher öffentliche Auffor⸗ derung, etwaige Anſprüche an den bezeichneten dünnen Wald binnen einer Friſt von 3 Mona⸗ ten ſogewiß bei dem unterzeichneten Gerichte anzumelden und zu begründen, als ſonſt der beantragte Eintrag in das Grundbuch der Ge⸗
Großh. Heſſ. Landgericht Ebel Holzverſteigerung (223) Freitag den 18. d. M., Vormittags 9 Uhr, ſollen in hieſigem Gemeindewalde:
49 Stück eichen Bau⸗, Werk⸗ und Nutzbolz⸗ ſtämme von 12 bis 33 Zoll mittlerem Durchmeſſer und 20 bis 55 Fuß Länge, ſowie 2
77 Stück eichene Deichſeln,
öffentlich an den Meiſtbietenden unter den vor


