Ausgabe 
15.6.1853
 
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mehr zu halten, ein Jeder wollte der Erſte druͤben ſein; man drängte, Pferde kamen noch zwiſchenein, gleiteten auf der Eisdecke und ſtürzten. Auf einmal kracht das Eis mitten über'm Strom zuſammen. Zu Hunderten ſanken ſie ſchreiend in die Fluthen und kamen kläglich drin um; ich ſelbſt trieb auf einem losgeriſſenen Eisſtück abwärts, drei Schritte vor mir auf einer andern Scholle die arme Louiſe. Ihre Scholle zerbröckelte, ich ſah die Unglückliche erſt bis an die Kniee, dann bis an die Hüften ſinken, un⸗ fähig ihr beizuſtehen, da ſie viel ſchneller abwärts trieb als ich. Herr Gott! es brach mir faſt das Herz und Alles verſchwamm mir vor den Augen, als ſie zuletzt zwiſchen den Eisſtücken ganz unterging. Noch einmal hatte ſie meinen Namen gerufen und ihre Arme nach mir ausgeſtreckt. Ich weiß nicht mehr, wie's ging, daß ich an's Ufer gelangte, noch was ich that; nur erinnere ich mich noch des Anblicks von einer Schaar Koſacken, die auf die Höhe des eben verlaſſenen Ufers herangeſprengt kamen. Es wurde neben mir Feuer commandirt und me⸗ chaniſch griff ich nach meiner Flinte und feuerte. Aber ich hörte kein Geſchrei der Ertrinkenden und Verwundeten, keine Flüche, kein Schießen und Toben, theilnahmslos ſchweifte mein Blick an den Verſtümmelten und Ringenden hin, die durch ihr eigenes Blut am Erdboden feſtgefroren waren oder von den ſteilen glatten Ufern in den Fluß zurückrutſchten. Ob links und rechts um mich die Kugeln von der eiſigen Erde abprallten, ich ſchritt ruhig vorwärts, eine öde und dumpfe Stille umfing mich, darin mir nur immer jener letzte Ruf im Ohr gellte und die verſinkende Geſtalt vor Augen ſchwebte. Mechaniſch folgte ich dem kleinen geretteten Häuflein von kaum 1200 Mann durch alle Gefahren hindurch, und als uns die Ruſſen von Neuem umzingelten und mit Stückkugeln beſchoſſen, als Alles nur floh und Niemand mehr an Widerſtand dachte, da floh ich mit durch das Dickicht des Waldes und durch die Nacht wie die Anderen, ohne Willen, ohne Zweck. Ich weiß von der ganzen Flucht nur das noch dunkel, daß hart vor mir einige Geſchütze abgefeuert wurden; es war ruſſiſche Artillerie, welche wir im Sturmſchritt aus unſrer Bahn vertrieben und die mehr unſerer Verzweiflung als unſrer Macht wich. Bei Orsza endlich ſtießen wir zum

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Hauptheere, 800 Mann noch von den 16,000, die am Anfang die Nachhut gebildet. Hier ſchloß ich mich wieder meinen alten Gefährten, der Garde, an, aber lange Zeit noch dachte ich nichts, fühlte ich nichts und ſchritt kalt blütig oder ſtumpf an allen Greueln des Elends und der Verwüſtung vorüber, ſelbſt in die entmenſchten Scenen an der Berezina ſtierte ich ohne alle innere Erregung hin und ertrug die unſäglichſten Entbehrungen ohne irgend ein Schmerzgefhl. Erſt als ich wieder in Dresden anlangte und auf der Brücke ſtand, ſchmolz die Eisrinde, die ſich um mein Herz gelegt und ein heftiger Schmerz, den auch mein Körper mit empfand, überwältigte mich bei'm An denken an die arme unglückliche Louiſe. Ich meinte, den Schädel müßte ich mir einrennen, ich quälte mich mit Vorwürfen, dem Mädchen nicht nachgeſprungen zu ſein in die eiſigen Fluthen des Dniepr! Doch jetzt iſt's über ſtanden, aber ich ſage Dir, Kind, ein Jeder hätt's nicht ausgehalten ohne verrückt zu werden. Dir aber, Marie, möcht' ich ähnlichen Jammer erſparen und dem jungen Burſchen auch, wenn er ein braver Kerl iſt. Wuͤrd' er Dich aber im Stiche laſſen und nur ſo eine Soldaten liebſchaft unterhalten wollen, ſo wär' er Deiner nicht werth. Nein, nein! es taugt nicht für einen Soldaten, ein Mädchen an ſich hängen zu haben, ſein Herz muß un getheilt bleiben, er kann nur Einem dienen und das muß Der ſein, welcher das Kommando hat. Beſſer den erſten Schmerz der Trennung überwunden, es geht da noch am leichteſten und heilt am ſchnellſten. Die Mannſchaft in unſers Herrgotts großer Armee kann nicht immer machen, wie ſie will, manchmal heißt's Achtung! Kopf hoch, ſchul⸗ tert's Gewehr, fertig! wo man am liebſten den Kopf hängen ließe und ſeinen eigenen Gedanken nachginge; aber ein guter Soldat horcht auf den Befehl, macht eben auf's Kommando feldwärts Front und kehrt nimmer dem Feind den Rücken zu!

Hier ſchwieg der Alte, Marie küßte ihm gerührt das gefurchte Antlitz und er drückte das Mädchen in ſeltner Bewegung an ſeine Bruſt. Nachher ward von dieſer An gelegenheit kein Wort mehr geſprochen, Francois ſah ſie als abgethan an und Marie begrub ſie in der innerſten Tiefe ihres Herzens.(Fortſetzung folgt.)

Bekanmmachungen von Be⸗ hoͤrden.

1 U Ne Seis teen dun. (852) Die dem Gr. Heſſ. Kammerherrn und Hauptmann Friedrich Freiherrn von Bellers⸗ heim zu Darmſtadt und dem Kaiſerlich Oeſtrei⸗ chiſchen Conſul und Fürſtlich Thurn⸗ und Taxis. ſchen Poſtmeiſter Dr. Maxmilian Freiherrn von Bellersheim zu Lübeck, beide genannt Stürzels⸗ heim, in der Gemarkung Münzenberg zuſtehen⸗ den, bei den vorderen Ablöſungen unberückſichtigt gebliebenen Gefälle in jährlichem Geſammtgeld⸗ anſchlage von 95 fl. 40 ½ kr. ſollen nach den deßhalb beſtehenden geſetzlichen Beſtimmungen abgelöſt werden. 5 Es werden daher alle bei dieſen Ablöſungen bekannte und unbekannte Betheiligten hierdurch aufgefordert, ihre etwaigen Rechtsanſprüche ſo⸗ gewiß binnen zwei Monaten bei dem unter⸗ zeichneten Gerichte anzumelden, gegenfalls die Auszahlung der Ablöſungskapitalien an die ge⸗ nannten Herren Berechtigten geſtattet werden wird. Butzbach den 28. Mai 1853. Großh. 56 N daſ. L=

Grasverſteigerung. (863) Donnerſtag den 16. Juni, Nachmittags um 2 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe die

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Heu⸗ und Grummet⸗Ernte von den ſtädtiſchen Wieſen in der Stadt- und Burg⸗Gemarkung, meiſtbietend verſteigert. Friedberg den 8. Juni 1853. Der Großherzogl. Bürgermeiſter Bender.

Edictalladung.

(815) Die Erben der Chriſtian Eichs Wittwe dahier haben:

Gemarkung Stadt Friedberg: 216/8 82 Rth.] Garten in der 17. Gewann 216/9 139 Rth. am Wildkautengraben verkauft, können aber das Eigenthum urkundlich nicht nachweiſen. Anſprüche an dieſes Grund⸗ ſtück ſind deßhalb binnen ſechs Wochen dahier geltend zu machen, gegenfalls der Kaufbrief gerichtlich beſtätigt werden wird.

Friedberg den 12. Mai 1853. Großh. Heſſ. Landgericht Hofmann. Dr. Irle.

Main⸗Weſer⸗Eiſenbahn.

(881) Die unter dem 30. Mai l. J. ange⸗ zeigte Verſteigerung von Arbeiten und Lieferun⸗ gen zur Erbauung eines Dampfmaſchinenhauſes wird Dienſtag den 21. Juni l. J, ſtatt Dienſtag den 14. Juni ſtattfinden. Friedberg den 7. Juni 1853. Der Großh. Sektions-Ingenieur der Section Friedberg Hochgeſand.

Arbeits⸗Verſteigerung.

(867) Donnerſtag den 16. Juni I. J, Vor⸗ mittags um 10 Uhr, ſollen im Gemeindever⸗ ſammlungslocal zu Münſter die in der Pfarrhof⸗ raithe daſelbſt noch nöthige Bauarbeiten öffentlich an die Wenigſtnehmenden verſteigert werden: Nach den Voranſchlägen betragen dieſe Ar⸗ beiten: fl. be

1) Maurerarbeit 199 1 2) Steinhauerarbeit 76 48 3) Zimmerarbeit 140 21 4) Dachdeckerarbeit 40 5) Schreinerarbeit 44 03 6) Schloſſerarbeit. 43 48 7) Weiß binderarbeit 29 07 8) Spenglerarbeit 36 54 9) Pumpenmacherarbeit 44 10) Pflaſterung und Planirung des Hofes 143 09

11) Anlieferung der erforderlichen Materialien, beſtehend in Mau⸗ erſteinen, Sand Kalk und Back⸗ ſteinen ꝛc. 327 28 Voranſchläge und Riſſe liegen auf dem Bü⸗ reau der unterzeichneten Behörde zur Einſicht offen.

Friedberg den 6. Juni 1853. Das Großh. Heſſ. Kreisbauamt Friedberg eee e e e

zriedbe Nauhein Butzbach Langgör Gießel Lollar Fronhal Marbt Kirchha Neuſtad Treyſa Zimme Borke Waber Genſur Gunter Wilhel Caſſel In Carl WVar Gerf Berl 7 Leip; Dre Pra % Wie

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