Ausgabe 
14.12.1853
 
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wagen wurde, ſich von ſeinem Corps zu entfernen, um Lebensmittel oder Kleidungsſtücke zu erbeuten, einer ſtren⸗ gen Ahndung unterliegen würde. Aber vergebens; die Unordnung hatte bereits ihr höchſtes Maaß erreicht, Nie⸗ mand gehorchte mehr den Befehlen ſeines Vorgeſetzten. Soldat und Offizier ſtritten ſich um die kärgliche Nah⸗ rung, die ſie irgendwo erbeuten konnten, man unterſchied kein Regiment von dem andern, Alles wogte bunt unter⸗ einander. So war die Armee an der polniſchen Grenze angelangt. Da ließ der König den Tagesbefehl ergehen, daß jeder noch ferner im Beutemachen Ergriffene unnach⸗ ſichtlich erſchoſſen werden würde, und in der That wurden bereits am erſten Tage nach dieſem ergangenen Befehle zwei Küraſſiere, die es, vom Hunger gequält, gewagt hatten, in einem polniſchen Bauernhofe Brod zu erbeuten, vor der Fronte erſchoſſen. Es war eine eiſige, ſturm⸗ volle Nacht. Die beſchneiten Reiter wickelten ſich feſter in ihre Mäntel, um dem über die Haide ſchneidenden Sturme zu entgehen. Bald konnte man keine Straße mehr unterſcheiden. Der Schneee thürmte Hügel auf Hügel, und Mancher fand in demſelben ſein letztes Bett, von welchem ſeine Gebeine nur der Frühling mit ſeinem melzenden Hauche befreite.

. Ueber 8 weite Schneefläche ſprengte dem Zuge voran ein einzelner Reiteroffizier, er hatte den Mantel dicht um das Kinn geſchlagen, und hielt eine Laſt am Pferde, welche ihm theuer ſein mußte, denn er wahrte ſie forgſam vor Sturmwind und Schneegeſtober. Das Roß unter ihm keuchte nur noch matt, und ſchien mit jedem Schritte ganz erſtarren zu wollen.Herr, mein Gott, ſeufzte der Reiter,laſſe mich nur jetzt ein Obdach finden, ſonſt vergeht mir das Weib unter den Händen! Da blitzte es in der Ferne auf.Ein Licht! rief der Reiter, Gott, ich danke Dir! jauchzte er auf und ſenkte dem Roſſe die Sporen in die Weichen. Aber das Licht er⸗ loſch, leuchtete noch einmal auf, undKoſacken! donnerte es im Nachtrab. Augenblicklich zerſtoben die in der Avant⸗ garde marſchirenden Soldaten; der Ruf hatte einen ſolchen Schrecken verbreitet, daß eine augenſcheinliche Verwirrung in den Reihen einriß, obgleich der Pulk nur aus zwanzig leicht bewaffneten Baſchkiren beſtand, und ſich nach er⸗ langter Ueberzeugung, daß ſie denn doch dieſer Heeres⸗ maſſe nicht gewachſen ſeien, mit einem lärmenden Hurrah rufen und unter Schwenkung der Piken, hinter einem Schneehügel verlor. Fluchend ſammelten ſich die Zer⸗ ſtreuten wieder, und der Heereszug bewegte ſich von Neuem fort, wie eine trübe Regenwolke, welche augen blicklich zu ſinken droht, ſich über den Nachthimmel hin⸗ wälzt. Als die Heeresmaſſe an dem Fuße eines waldigen Abhanges angelagt war, öffnete ſich ein tiefes Thal, und einzelne Häuſer tauchten aus dem dichten Winternebel empor.

Columbus Auge mochte nicht freudiger geleuchtet haben, wie er die Küſte von Salvador erblickte, als die Tauſende von Augen leuchteten, welche jetzt dieſen Weiler erblickten, wo ſie Ruhe und Nachtlager zu finden hofften. Augenblicklich und ohne das Signal der Trompeter und Tambours abzuwarten, löste ſich der bunte Knäuel der Soldaten; das erſte Geſchäft der ſich Entwirrenden war Bretter, abgebrochene Bäume und was von Holz oder Feuerung anſichtig war, auf einen großen Haufen zuſam men zu tragen und zur Lohe anzufachen. Dann durch⸗ ſuchte man die Häuſer. Sie waren ſämmtlich leer. Doch fand man Vorrath an gedörrten Fiſchen, etwas Brod und Mehl und einige Fäſſer Branntwein in dem Hauſe des Popen. Luſtig brannten die Feuer des Lagers, und die obwohl noch ſchwachen Spuren der Ordnung und rück⸗

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kehrenden Disciplin unter den Soldaten, ſo wie die un⸗ bedeutenden Vorräthe, welche eine, wenn gleich kärgliche Labung gewährten, erwärmten die Herzen zu neuer Hoff⸗ nung. Für den König von Neapel war ein eigenes Zelt aufgeſchlagen, und mit ſo vielen Pferdedecken und Fellen, als man nnr auftreiben konnte, gegen den Froſt geſichert worden. Dort ſaß der unverzagte General Murat, mit ſeinem General-Adjutanten Macerone und ſpielte ſeit dem Rückzuge von Moskau die erſte Partie Schach. Da trat der wachhabende Offizier herein und meldete, daß ein Stabsoffizier, welcher in einem ruſſiſchen Edelhofe, zwei Meilen von dem Lager, gewaltſam Lebensmittel hin weggenommen habe, durch den Nachtrab gefangen und in das Lager eingebracht worden ſei. Murat-ſtarrte trübe vor ſich hin.Kann ich es der Noth wehren, ſagte er zu ſeinem Adjutanten,daß ſie den letzten Ausweg er⸗ greift, und der Soldat raubt, um nicht zu ſterben? Das Kriegsgericht ſoll zuſammentreten, ſetzte er kalt hinzu, ſtand auf und warf mit einem bittern Lächeln das Spiel über den Haufen. In zehn Minuten waren acht Generäle und eben ſo viele Stabsoffiziere im Zelte des Königs verſammelt. Der Verbrecher, Hauptmann Bollieu, wurde in den Kreis geführt. Er hatte, das war ſeine Entſchul⸗ digung, um das verglimmende Leben ſeiner Gattin zu retten, ſeitwärts vom Zuge einen Edelhof erreicht, und um eine kleine Labung für ſein dahinſchmachtendes Weib gebeten. Sie war ihm hartnäckig verweigert worden; da hatte er gedroht; zu ungelegener Zeit kamen drei Chaſſeurs der großen Armee, welche, um ſich eine Beloh nung zu verdienen, den Hauptmann in ihre Mitte nahmen und als Verbrecher in's Lager ablieferten. Lauretta blieb als todt im Edelhofe liegen. g

(Fortſetzung folgt.)

Kirchenbuchs-Auszug von Friedberg. Monat November.

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15. Friedrich Karl Wilhelm Ludwig von Preuſchen, Gr. Landgerichtsaſſeſſor dahier, des Gr. Hofgerichtsprä⸗ ſidenten Karl Ernſt Ludwig Adolf von Preuſchen zu Darmſtadt ehelicher lediger Sohn und Anna Charlotte Wilhelmine Ida Bertha Löw von und zu Steinfurth, des Herzoglich Naſſauiſchen Kammerherrn Freiherr Karl Friedrich Guſtav Heinrich Löw von und zu Stein furth eheliche ledige Tochter.

25.(In Biedenkopf.) Johann Philipp Klein, hieſiger Bür⸗ ger und dermalen bei Gießen ſtationirten Bahnwärter an der Main⸗Weſer-Bahn, des verſtorbenen hieſigen Bürgers und Leinwebers Johann Philipp Klein ehe licher lediger Sohn und Maria Margarethe Weigel, des Bürgers und Tuchmachers Johann Georg Weigel zu Biedenkopf eheliche ledige Tochter.

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6. Dem Freiherrlich von Franckenſtein'ſchen Unterförſter zu Ockſtadt und Bürger zu Windsheim, im Königreich Baiern Johann Chriſtian Streckfuß ein Sohn, Johann Friedrich Jakob Leonhardt, geb. den 26. Okt.

13. Dem hieſigen Bürger und Schneidermeiſter Johann Heinrich Mulch eine Tochter, Maria Joſepha Chriſtine, geb. den 24. Okt.

13. Dem hieſigen Bürger und Oekonomen Johannes Bal zer eine Tochter, Henriette Wilhelmine Eliſabethe, geb. den 29. Okt.

21.(In Gießen.) Eine uneheliche Tochter, Katharina, geb. den 13. Nov.

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