Ausgabe 
14.9.1853
 
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entgegen, ihre großen Augen richteten ſich ſtarr auf mich, ſie blieb auf der Felſenſpitze ſtehen, auf welche ſie ſich ſoeben geſchwungen hatte, und zeigte durch ihre unbeweg liche und nachdenkliche Stellung, daß ſie ſich irgend einer Sache zu erinnern ſuche. Das Lächeln, welches von Zeit zu Zeit über ihren Mund flog, verging nie ganz, aber bald füllten ihre Wimpern ſich mit Thränen, und in dieſem Contraſte lag etwas Furchtbares. Je näher ich ihr kam, um ſo deutlicher bemerkte ich die Verzerrung ihrer Züge, das Seltſame ihrer Kleidung. Als Schärpe trug ſie ein rothes Taſchentuch, wie unſere Offiziere; ihre langen braunen Haare, welche ihr theils auf der Seite, theils vorne herabfielen, hingen voll von Ringelblumen und jenen tief violetten Bluͤmchen, welche man, glaube ich, Glöckchen nennt; ihre ſtark von der Sonne verbrannten Arme hingen bloß, aus den kurzen Aermeln ihres ſchwarzen Kleides herab, und waren ſo mager und fleckig, wie wenn der Tod ſie bereits berührt hätte. i

Du weißſt nicht, Antonie, ſagte ſie zu mir,dieſe Leute dort haben Mondyon getödtet, getödtet, getödtet... Mondyon iſt todt! rief ich aus;iſt es wirklich wahr?

Sie nahm die Stellung eines Menſchen an, der auf einen andern anſchlägt:Nicht auf dieſe Art, fuhr ſie fort; dann erhob ſie ihre Hand und ließ ſie mit einem Grauſen- erregenden Lachen der Länge nach auf ihren Hals fallen; ich verſtand dieſe Geberde nicht recht, ſie hellte meinen Zweifel auf, indem ſie ſie widerholte. Der Diener, welcher ſie begleitete, nickte beſtätigend mit dem Kopfe.

Weiberrock an!... Ich dachte nicht mehr an Henrietten, ſie aber beſchäftigte ſich ebenſo wenig mehr mit mir, noch mit irgend etwas, was auf der Welt vorging. Als ich meine Augen wieder zu der Stelle erhob, an der ich ſie geſehen hatte, war ſie ſchon ſehr weit entfernt. Sie hatte ihren eintönigen Geſang wieder angefangen, und hüpfte von Fels zu Fels bis auf den Gipfel des Berges. Ich ſank vernichtet auf dem Flecke nieder, den ſie ſoeben verlaſſen hatte, und auf welchem ihre zerriſſenen Füße eine Blutſpur zurückgelaſſen hatten.

Mondyon iſt todt! rief ich aus, die Erde zer kratzend;mein Vater iſt todt! meine unglückliche Mutter, die ich- kaum noch umarmen konnte, iſt fruͤhzeitig geſtorben, in einem Gefängniſſe geſtorben... Alles, was ich ge liebt habe, iſt dem Blutgerüſte verfallen,... den abge ſchmackten Träumereien einiger Raſender geopfert,... und ich trage Frauenkleider! O Adolph! du trägſt Frauenkleider, und es fehlt dir doch nicht an Kleidern und Waffen eines Mannes; alles iſt zu deiner Verfügung, und du trägſt dennoch Frauenkleider und du glaubſt dich im vollen Genuſſe deiner Kraft und deiner Vernunft! Ach! jenes arme Weſen, jenes ihrer Sinne beraubte Mädchen, das ſoeben mit dir geſprochen hat, das dich verachten würde, wenn es wüßte, daß ein Soldat ſich in die Kleider einer Bauernmagd verkrochen habe, Henriette iſt tauſendmal mehr Mann als du; wenn ſie, wie du, nur ein Stückchen Eiſen hätte, mit dem man tödten könnte, ſo würde ſie Mondyon rächen, und würde nicht unnöthiger Weiſe ein Ungluͤck beweinen, welches ſie an deiner Stelle getheilt hätte. So mußte es aber kommen, fuhr ich aufſtehend fort.Thereſe iſt krank; ihr Vater ſelbſt, der an mich die heiligſten Anſprüche hat, wollte, daß ich zu ihr gehe. Ich werde ſie ſehen, werde ihr dienen, und morgen, wenn ſie meiner Gegenwart nicht

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: Adolph, gehe hin und ſtirb!.... und

Ich kam nach Sancy, ohne Jemanden zu begegnen, oder vielmehr ich wich einigen Kindern aus, welche ihre Heerden am Abhange des Hügels weideten, und die mir hätten ſagen können, was daſelbſt vorging. Die Thüre ſtand offen, es war kein Diener um den Weg. Thereſe

lag im zweiten Zimmer, dort waren viele Leute verſammelt,

die Dienerſchaft, die Freunde, die Aerzte umſtanden ihr Bett. Ich trat ſo leiſe als möglich ein; aber als ich be merkte, daß geſprochen werde, ging ich ohne weitere Vor ſicht vorwärts bis auf einen Punkt, von dem aus ſie mich ſehen mußte. Deſſen ungeachtet ſah ſie mich nicht; ich konnte nicht begreifen, warum nicht; ein Mädchen beugte ſich zu ihr herab und ſagte in einem ſonderbaren Tone:Antonie iſt gekommen.... Ich bemerkte eine Bewegung, hörte einen dumpfen Schrei, von einer ſo ge dämpften Stimme, daß ich kaum die von Thereſen daran zu erkennen vermochte. Sie erhob ſich in ihrem Bette und fragte: Wo iſt ſie? Dieß war nicht die Thereſe, wie ich ſie ſonſt einſt geſehen hatte; ihre Geſichtsfarbe war ganz auffallend belebt und ſtach merkwürdig gegen die bleifarbige Bläſſe ihrer Stirne ab; ihre Augen waren auf mich gerichtet, aber ich bemerkte nicht, daß ſie mich anſah. Mir fielen die Blattern ein, die ich, wie meine Mutter mir ſagte, in der Kindheit gehabt haben mußte, und deren Folgen ich nicht kannte. Eine Aeußerung, welche einem der Umſtehenden entſchlüpfte, beſtaͤtigte mir dieſen Gedanken; da ergriff mich der Gedanke, daß man zuweilen an den Blattern ſterben müſſe, und daß alſo Thereſe eine tödtliche Krankheit habe; es war das Werk eines Augenblicks, aber dieſer Augenblick nützte meine Lebenskraft dergeſtalt ab, daß ich fühlte, daß ſelbſt das Glück nicht im Stande ſei, ſie mir wieder zu erſetzen. Ach! nähere Dich nicht, ſagte Thereſe,nähere Dich

aufrecht zu erhalten, und bedeckte ihre Hand, die ſie mir überlaſſen hatte, mit Küſſen und Thränen.Ich habe die Blattern gehabt. Ich war meiner Sache nicht ge wiß, und wie gern wäre ich vom Gegentheile überzeugt geweſen, um hoffen zu dürfen, von demſelben Uebel, wie ſie, befallen zu werden, und dieſelbe Gefahr zu laufen.

(Fortſetzung folgt.)

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3 Klafter Hof ter Grabgarte nachweis nicht werden, daß licht beſtehen, aus irgend e vorbezeichneten