Hunderttauſend im Herzen tragend; merkſt Du wohl? ſo ein Schritt und ein Wille mit der Tapferkeit von hun⸗ derttauſend Herzen! Da brauchte es nichts weiter, als den Kaiſer im grauen Rock, wie er da die Fronte entlang ritt und mit ſeinem Blicke jeden einzelnen zu beſonderen Heldenthaten aufzufordern ſchien, es brauchte ſonſt nichts, als noch die weite offene Welt, die er uns als Eigen— thum anwies, und Keiner dachte mehr an ſich ſelber, noch an Haus und Hof und Heimath; der Ruhm, der Kaiſer war da unſer einziger Gedanke. O ich könnte Dir davon erzählen, was ich ſelber erlebt, aber Du glaubteſt es nicht, die jetzige Welt faßt das nicht mehr!“—
„Ach Gott, da fühlt Ihr Euch denn, armer Vater, jetzt in dieſer Beſchränkung recht unglücklich,“ klagte be— dauernd das gute Mädchen.
„Jenun, ſo, ſo! man wird älter, die Welt iſt anders, Alles anders, Frieden über Alles, ſo ſteh ich eben auf meinem einſamen Poſten noch ſo lange Schildwach, bis ich einmal abgelöst werde und bei der Parade wieder an meinem Kaiſer vorbeidefilire. Aber,“ rief er ſich ſelber ermannend,„ſo ſchlimm iſt's denn doch nicht; Gott ſei Dank, daß es mir noch ſo ergangen, hab ich's doch am Anfang nicht erwartet und auch nicht verdient! Bei einem alten Soldaten aber drückt der Hergott ſtets ein Auge zu und läßt fünfe gerad ſein, von wegen der harten und rauhen Arbeit, die er unſereinem ſchon auferlegt!“
Der Alte war warm geworden und vertiefte ſich immer mehr in die Vergangenheit hinein. Er erinnerte ſich an ſeine Ankunft in klles, ſeinem jetzigen Aufent— halte.„Damals ging's heiß her,“ erzählte er;„die Deut— ſchen drängten uns immer mehr und mehr gegen Paris zu, der Kaiſer war in ſeinem eigenen Lande von Spitz buben und Diplomaten verrathen, ſonſt wär's nie ſo weit gekommen. Gleichwohl hielten wir überall Stand und es gab vorher noch manchen leeren Tſchako und manchen le— digen Sattel, ehe die Fremden nur um den Montmartre herumlagerten. Ich ſtand mit einer Abtheilung Grenadiere hier um dieſes Dorf herum und wir hielten die Anhöhen beſetzt. Preußen und Koſacken rückten gegen uns heran und obgleich in Ueberzahl, ſchlugen wir ſie doch zwei Mal zurück. Dort hinten über dem Hohlweg war mein Poſten, ich war trefflich durch die alte Steineiche gedeckt und ſchon mehr als ein Federbuſch hatte ſich vor mir geneigt. Aber es ging mir allgemach das Pulver aus, für ein Paar Schüſſe noch konnten mir meine Kameraden aushelfen, dann hatten auch ſie keines mehr. Eben kam wieder eine Abtheilung Preußen heran, den Offizier an der Spitze; ſie vertheilten ſich, die einen in den Hohlweg, die anderen auf den beiden Seiten deſſelben nach der Anhöhe zu. Puff, Paff! knallte es links und rechts, aber das war nichts,
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hätten wir nur Munition gehabt. Unſer Offizier war erſchoſſen. Kinder, ſagte ich zu den Meinen, Pulver haben wir keins, aber Bajonnette, vorwärts! Wir waren bald im Handgemenge, es ging herüber, hinüber, da, dort fiel Einer, jetzt ein Feind, dann wieder ein Freund. Da fährt mir mit einem Male etwas in's Bein, ich kann nicht mehr ſtehen, knicke zuſammen, eine Kugel hatte mich im Schenkel getroffen. Ich ſtürzte, das Gewehr aber hielt ich gleichwohl dem andringenden Feind entgegen. Auf einmal blitzt es über meinem Kopfe, ein Blutſtrom ſchießt mir heiß über's Geſicht herunter, mehr weiß ich nicht mehr, ich verlor die Beſinnung. Als ich zu mir ſelber kam, war ich verdammt ſchwach, ganz in der Ferne hörte ich noch einzelne Schüſſe; von meinen Kameraden ſah ich keinen, ſie mußten gefallen ſein oder ſich zurückgezogen haben. Ich aber lag in einem Verſchlag auf Stroh, es war da im Hauſe des Großvaters, weißt Du, hinten nach dem Abhange zu, wo von außen kein Zugang iſt, ſondern nur vom Innern des Hauſes aus. Ein Land— mädchen ſtand neben mir und hatte Thränen in den Augen. „Der Arme!“ hörte ich ſie fluͤſtern, während ich noch in halb ohnmächtigem Schlummer da lag. Nachher als ich ein Lebenszeichen gab, brachte ſie mir warme Suppe, denn ich fror, daß mir die Zähne klapperten. Das Mäd⸗ chen, es war Deine Mutter, Marie, erzählte mir, wie die Unſeren ſich zurückgezogen und man mich ſchwerver— wundet aufgefunden habe.
(Fortſetzung folgt.)
Für die Abgebrannten in Gambach ſind ferner bei uns eingegangen:
Von J. Hanau 1 fl., L. D. 24 kr., Fr. L. G. 1 fl, Hel. 24 kr., M. 24 kr., K. B. 1 fl., F. S. 2 fl., zuſammen 6 fl. 12 kr., mit den in Nr. 33 des Int.⸗Bl. angezeigten 37 fl. 14 kr. im Ganzen 43 fl. 26 kr. (Dieſe Summe ſteht nur alsdann richtig, wenn dort ſtatt: von Lehrer Sp. 12 kr., geſetzt wird: 24 kr., was wir hiermit nachträglich ver⸗ beſſern.) Mit dem herzlichſten Danke verbinden wir die Bitte um weitere Beiträge.
Friedberg den 4. Mai 1853. Der Ausſchuß des Hülfs-Vereins.
Für die Abgebrannten in Gambach ſind ferner eingegangen:
Ertrag der theatraliſchen Vorſtellung des hieſigen Caſinotheaters vom 8. Mai nach Abzug der fl. 12. 6 betragenden Koſten— 23 fl.
Unterm 12. d. M. haben wir eine zweite Sendung im Betrage von 46 fl. 34 kr. an das Comité in Gambach geſandt.
Die Expedition des Intelligenzblattes.
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
ο⏑αιονιιονν Edietalla dung.
(676) Die dem Herrn Grafen Ferdinand Maximilian zu Aſenburg und Büdingen zu Wächtersbach in der Gemarkung Bruchenbrücken zuſtehenden Gefälle, als: a) eine Grundrente im geſetzlichen Geldan⸗ ſchlage von 140 fl. 33½ kr., und b) eine weitere durch Allodification von Erb— lehn entſtandene, im geſetzlichen Geldan⸗ ſchlage von 416 fl. 14 kr., ſollen nach den deßfalls beſtehenden geſetzlichen Beſtimmungen abgelöſt werden.
Es werden deßhalb alle bei dieſen Ablöſungen bekannten und unbekannten Betheiligten hier— durch aufgefordert, ihre etwaigen Rechtsanſprüche binnen 2 Monaten bei dem unterzeichneten Ge— richte anzumelden, gegenfalls die Auszahlung der Ablöſungskapitalien an den genannten Herrn Berechtigten geſtattet werden wird.
Friedberg den 29. April 1853. Großh. Heſſ. Landgericht
Ede al adug (710) Auf den Antrag der Beneficiar-Erben des am 3. April l. J. hierſelbſt verſtorbenen Bahnhofsarbeiters Ernſt Friedrich Chriſtian Schäfer aus Nauheim, als: 1) ſeines Vaters des Salzwiegers Ernſt»dt. Schlarbaum.
Schäfer für ſich und ſeine minderjährigen Kinder Georg und Catharine,
2) des Weißbinders Heinrich Schäfer und 3) der Ehefrau des Kappenmachers Joh. Georg Reich, Marie, geb. Schäfer, ſämmtlich von hier, werden die Gläubiger des genannten Ernſt Fr. Chr. Schäfer hierdurch zum Zwecke der Feſtſtellung des vorläufig auf⸗ genommenen Inventars öffentlich aufgefordert, ihre Forderungen bei Meidung der Nichtberück— ſichtigung bei dieſem Geſchäfte im Termine
den 23. d. M., Vormittags 9 Uhr, bei unterzeichneter Gerichtsſtelle anzumelden.
Nauheim am 2. Mai 1853.
Kurfürſtliches Juſtizamt Kroeber.
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